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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-25 · 21 (25.5.1894) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
21 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 410 Desterreichische Wochenschrift Nr. 21 Diese Stadt lag dort ungefähr, wo heute Tadus liegt. Die Einwohner Semendes beschäftigten sich vorwiegend mit Gärtnerei und Weinbau. Es gab in Semende 4000 Weingärten. Bald jedoch wurde die Residenz nach Jtyl an der Wolgamündung übertragen. Jtyl lag laut Berichten der Araber (Jbn Torilan, Jbn Hais-Kul, Massudi bei Trüben, Memoiren der Petersburger Akademie) zu beiden Seiten der Wolga und wurde durch den Fluß in zwei Hälften getheilt. In der westlichen Hälfte war die Residenz der Königin, auch wohnten hier die jüdischen und mohamedanischen Kaufleute. Dieser Theil der Stadt hieß Kazeran und war das Handelscentrum des Reiches. Hieher kamen Kaufleute mit Waarentransporten aus allen Ländern, besonders aus Kleinasien, Arabien und Rußland. In der östlichen Hälfte der Stadt residirte der Chan mit den Würdenträgern des Reiches und des Heeres. Auf einer Insel der Wolga befand sich ein abgesonderter Palast des Chans. Die Stadt Jtyl war mit Mauern umgeben. Sie hatte zahlreiche Synagogen, Kirchen, Moscheen und viele dem Handelsverkehr dienende große Plätze. Eine andere große Stadt des Reiches war Sarkel (russisch Bilaja Weza, das ist weißer Thurm, wörtliche Uebersetzung des Wortes Sarkel). Sie war durch byzantinische Ingenieure im 9. Jahrhundert erbaut, und lag am Don, dort wo dieser Fluß am nächsten an der Wolga vorüberfließt. Sie war nicht blos eine Festung, sondern zugleich ein bedeutender Handelsplatz und hier landeten zahlreiche Handelsschiffe. Auch die Byzantiner nannten Sarkel die weiße Stadt. Am Uralfluffe lag eine andere chazarische Handelsstadt Saksyn. Hier bildeten den Kern der Bevölkerung die Mohammedaner. Die Stadt war von vielen Vororten und Dörfern umgeben. Fast der ganze Handel Europas mit dem Orient marin den Händen der Chazaren. Jnsbesondershatten sie auch dem Handel mit Teppichen von den slavischen Ländern nach Asien, und den Tauschhandel mit den benachbarten Romadenvölkern (Petschenegen u. s. w.). Besonders bedeutend aber waren die Handelsbeziehungen mit Byzanz und Persien. Die Chazaren beschäftigten sich jedoch insbesonders auch mit Fischerei, Viehzucht, Ackerbau und Weinbau. Fische und Reis waren die Hauptnahrung in diesen Ländern. Der Chan Josef schreibt in seinem obenerwähnten Briefe: „Im Frühling verlassen wir die Städte. Jeder begibt sich hinaus in die Felder und Gärten, um sie zu bearbeiten." Was die Geschichte der Chazaren betrifft, so stammen die ältesten Nachrichten über dieses Volk aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Allein diese Nachrichten sind sehr dürftig und erwähnen blos ihre fortwährenden Kämpfe mit den Persern. Diese Feindseligkeiten wurden unterbrochen durch den Einfall der Hunnen (zu Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr.), welche, in ungeheurer Anzahl hcrvorbrechend, alle stammverwandten, früher ausgewanderten finisch-ugrischen Völker unterwarfen. Atilla gab den Chazaren seinen Sohn Ellak zum Herrscher. Man muß jedoch annehmen, daß die Chazaren die großen hunnischen Kriegszüge nach Europa nicht mitmachten, denn es ist ist klar, daß sie in solchem Falle im Hunnenvolk aufgegangen wären. Die oströmischen Chronisten aber berichten nach Atilla's Tode wieder von einem besonderen Chazarenvolk an der unteren Wolga, welches immer mächtiger sich entwickelte und wieder immerwährende Kämpfe mit den Persern führte. _ (Fortsetzung folgt.) HorreMnäenLM. Wien. Die Verhandlungen im Reichsrathe sind nicht blos Kopf und Herz bildend—wie die Ergüsse derAbgeordneten Lueger, Hauck et tnttl quanti — sie erweitern auch die staatswirthschädlichen Kenntnisse, wie dies durch die Reden des Prinzen Liechtenstein und Professor Schlesinger geschieht; sie sind endlich noch auf einem andern Gebiete besonders lehrreich. In der letzten Samstag-Sitzung des Abgeordnetenhauses beliebte cs dem Abgeordneten Dr. Geßmann den Ausspruch zu thun, daß die jüdischen Honorar-Consuln den österreichischen Export dadurch ruiniren, daß sie die ärgsten Pofelwaren als österreichisches Product verkaufen oder an solchen Geschäften, die dies thun, betheiligt sind. Wer das allergeringste Verständniß vom Exportgeschäfte hat, weiß, daß der genannte Abgeordnete eine Unwahrheit gesprochen hat, und wenn er eine so schwere Beschuldigung aussprach, ohne sich zu informiren und blos das Getratsche eines unvernünftigen Geschäftsmannes expectorirte, kann man auch sagen, daß er bewußte Unwahrheiten vorbrachte. Doch ist es nicht unsere Absicht, mit Herrn Geßmann und dem geistreichen Zwischenrufer Herrn Hauck zu rechten, cs ist um die Druckerschwärze schade. Wir beabsichtigen vielmehr, an die Coalitionsregierung und den Handelsminister insbesondere eine bescheidene Frage zu richten: Wenn der Genannte es für nothwendig erachtete, auf alle Anregungen einzugehen, wenn er sogar die Querelen des Herrn Bianchini wohlwollend erledigt und sein Reisiger Herr Sectionschef Weigelsperg ihn in seinen Berichtigungen und Beschwichtigungen unterstützte, warum fanden Ritter und Knappe kein Wort, um die greifbar mit Unrecht und.Unwahrheit angegriffenen jüdischen Honorar-Consuln — Abwesende, die sich nicht vertheidigen können, die von den Angriffen nichts erfahren und auf welchen der Schimpf und Schmutz haften bleibt — gegen die unerhört freche Beleidigung zu schützen? Die Honorar-Consuln beziehen wohl gewisse unbedeutende Gebühren, aber keinen Gehalt, sie fassen es als hohe Ehre auf, unsere Monarchie zu vertreten, ihre Bürger in fernen Ländern zu schützen und zu unterstützen, ihren .Handel zu fördern rc. Und als Dank hiefür wird die Ehre dieser ö st er r. - u n g a r. Beamten im österreichischen Parlamente in den Koth gezerrt und die Regierung schweigt dazu! Wir fürchten, daß die Herren Coalitionsminister sich mit der Antwort nicht zu sehr beeilen, es sind ja nur jüdische Beamte, die an ihrer Ehre gekränkt wurden und der „vorkommende Fall" des Herrn Premiers Fürst Windischgrätz ist damit noch nicht gegeben. Darum müssen wir versuchen, das Gebiet unserer Interpellation ein wenig auszudehnen. Die mehrgedachten jüdischen Honorar-Consuln vertreten auch ungarische Interessen und fragen wir in allerDemuth Se. Excellenz Herrn Dr. Wekerle: Ist derselbe geneigt, zu dulden, daß gemeinsame also auch königlich-ungarische Staatsfunctionäre im österreichischen Parlamente auf die denkbar impertinenteste Weise in ihrer Ehre gekränkt werden, ohne daß seitens der österreichischen Regierung hierauf auch nur im Mindesten reagirt wird. In gleicher Weise wenden wir uns an den Minister des Aeußern Excellenz Grafen Kalnocky und fragen devotest: Will derselbe ferner gestatten, daß Beanite seines Ressorts auch nur Einen Tag länger amtiren, nachdem solche im österreichischen Parlamente als Lumpen stigmatisirt wurden, oder fühlte sich derselbe vielmehr nicht durch seine eigene Ehre verpflichtet, der gekränkten Ehre der seinem Amte zugehörigen jüdischen Honorar-Consuln eine glänzende Satisfaction zu bereiten? Um Antwort wird dringend gebeten! E. B. Wien. (Der Kronzeuge Psenner's.) Viele Monate hindurch schrotet Psenner in seinem „Volksfreund" und mit ihm alle seine gesinnungsverwandten antisemitischen Complicen den bekannten Pater Stojalowski aus, welch letzterer zum Gaudium der Wiener Judenfresser erst jüngst in Wien, ohne hiebei von den maßgebenden Organen im Geringsten behindert worden zu sein, über die galizischen Juden eine bis ins Maßloseste gesteigerte Brandrede gehalten, um denselben bis ins kleinste Detail für ihr System und gegen die Juden zu fructisiciren. Noch in der letzten Nummer vom 20. Mai 1894 des Psenner'schen „Volksfreund" sind demselben fünf ganze Seiten gewidmet, die einen Erguß krassesten Judenhasses und sträflichster Aufreizung gegen Millionen jüdischer Staatsbürger bilden. Allein das Verhängniß reitet schnell, denn während des Druckes des Pamphletes hat sich der hochwürdige Herr Stanislaus Stojalowski „löblich unterworfen" und veröffentlicht in einem seiner Blättchen eine Erklärung, in welcher er einer Weisung zufolge, die ihm die heilige Inquisition in Rom ertheilte, Alles widerruft, was in seinen Aufsätzen mit den Lehren der Kirche nicht übereinstimme oder für die galizischen Bischöfe verletzend erscheine. Er habe sich der ihm vom Erzbischof von Lemberg anbefohlenen Recollection unterzogen und bitte die beleidigten Kirchenfürsten öffentlich um Verzeihung. In Zukunft

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