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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-25 · 21 (25.5.1894) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
21 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 Seite 405 nur eines Theiles der ihm anverlranten Iugend zu gefährden und einen Widerstreit mit seinen hohen Pflichten herbeizu führen geeignet ist." Vom deutschen Schulvereine. Aussig. Geehrte Redaction! Den in-den Tagesblättern veröffentlichten Berichten über die 14. Hauptversammlung des Deutschen Schulvereines entnehme ich folgenden Passus in der Rede des Obmannstellvertreters Dr. R. v. Kraus bezüglich der Schulvereinsschule in der Prager Vorstadt in Pilsen. „Die Schule ist nach Ansicht der Slaven auch eine der gefährlichsten geistigen Berkrüppelungsanstalten für wehrlose slavische Kinder. Als Beleg hiefür führen wir die Thatsache an, daß sich unter 333 Kindern 19 zur slavischen Nation bekennen. Da zugleich deutsche Antisemitenblätter diese Anstalt mit zu den „berüchtigten Schulvereins-Judenschulen" rechnen, sei nebenbei bemerkt, daß sich unter diesen 333 Kindern 12 zur jüdischen Confession bekennen." So weit der Bericht. Wir Juden können demselben entnehmen, daß die Leitung des Deutschen Schulvereins mit genau derselben Entrüstung den Borwurf, czechische Schulkinder in unverhältnißmäßiger Anzahl in den Vereinsschulen zu haben, den andern parallelen Anwurf bezüglich der jüdischen Schulkinder zurückweist, ja mit einer gewissen Befriedigung darauf hinweist, daß neben 19 Czechenkindern nur 12 Judenkinder sitzen. Und da wollt Ihr deutsche Antisemitenblätter noch behaupten, daß die Schulvereinsschulen Judenschulen sind! Sie unterscheiden sich vielmehr de facto fast gar nicht von den Schulen des weiland Schulvereins für Deutsche. Die Bereinsleitung ist durchaus nicht gesinnt, den von den Antisemiten erhobenen „Vorwurf" als unzulässig zu bezeichnen, sondern lediglich als in den Zifferverhältnissen nicht begründet. Wie sollte denn auch der Schulverein mehr als 3*/? Percent Judenkinder .aufnehmen, leisten doch auch die Pilsener, Prager u. s. w. Juden zum Schulverein im Berhältniß zu den nicht-jüdischen Mitgliedern auch nM —-doch halt, davon steht im Schulvereinsberichte gar nichts; bezüglich der unterrichteten Schulkinder wird genau die Statistik des Glaubensbekenntnisses geführt, bezüglich der Mitgliederbeiträge und Spenden fehlen alle Anhaltspunkte zu einer ähnlichen Statistik. Nachdem außer dem eingangs erwähnten „nebenbei" von Juden und Antisemiten in der ganzen Versammlung auch nicht mit einem schüchternen Wörtchen, höchstens andeutungsweise, die Rede war, so verzeiht wohl die geehrte Vereinsleitung den kleinen Excurs, zu welchem sich bei diesem unscheinbaren Passus veranlaßt sah ein Mitglied des deutschen Schulvereins. Studenten, wie sie sein sollen. Aus Paris wird uns geschrieben: Seit dem wohlverdienten Fiasco, welches der Chef-Redacteur des hiesigen Antisemitenblattes „La libre Parole" bei den letzten Kammerwahlen erlebt, zeigte der Verfasser der „France Juive" offenkundige Spuren der Geisteszerrüttung. Bei der Lectüre der confusen Leitartikel, welche die Unterschrift des ehedem „schönen", nunmehr recht morastisch aussehenden Edi von Paris tragen, fühlt man sich versucht, ein Shakespeare'sches Wort zu variiren: „Welch' böser Geist ward hier zerstört!" . . . Edouard, rincohörent— so nennt man heute selbst im Kreise der Mitarbeiter des Antisemitenblattes den schwachsinnig gewordenen „Führer und Lehrer". Bor acht Tagen kam der Irrwahn des „Meisters" in einer öffentlichen Versammlung zumAusbruch. EinBereinslocalim Quartier Latin war der Schauplatz dieser Tragikomödie. Auf's Tiefste alterirt, durch die energische in der Mehrzahl der Fälle sogar beleidigende Ablehnung der Pariser Studentenschaft, welche zu dieser Versammlung gepreßt werden sollte, bestieg Ehren- Drumont die Tribüne und stammelte und stotterte — ein Bild des Jammers. Das Nachspiel dieser total verunglückten Conference, die Verhaftung einiger Profeffionskrakehler, welche vor dem Redactionsbnreau der „Libre Parole" auf dem Boulevard antisemitische Rufe laut werden ließen, war keineswegs geeignet, die eclatante Niederlage minder empfindlich erscheinen zu lassen. Mit den Pariser Studenten will Drumont — er hat's bei allen Rententitres, die ihm heilig sind, geschworen — absolut nichts mehr zu schaffen haben. Er hat nun einmal kein Glück mit dem Quartier Latin; denn selbst in jenem lateinischen Viertel, welches man den Vatican nennt, will man von dem compromittirenden Frane-tireur nichts wissen. Das ist der große Schmerz dieses Republikaners, daß ihm ein päpstlicher Orden bisher versagt blieb. Jetzt scheint der sonderbare Schwärmer aus eine russische Ordensauszeichnung zu speculiren. Er vertheidigt den Czar gegenüber den in der Pariser Presse allerdings nur kleinlaut sich äußernden kritischen Stimmen über die bevorstehende Vermählung des Großfürsten-Thronfolgers mit einer deutschen Prinzessin. Diese Vertheidigung ist geradezu kostbar: Alexander lll., so führt Drumont in einem seiner decadenten Leitartikel aus, hat in die Heirat gewilligt, weil er Frankreich bestrafen wollte; denn ein Staat, welcher sich so weit erniedrigt, einen Juden (Raynal) als Minister des Innern zu dulden, verdient keine Schonung. Vergebens, so irrlichtelirt der arme Edi weiter, suchte man dem Beherrscher aller Reiche begreiflich zu machen, daß in diesem Falle die maßgebenden Factoren unter einem unwiderstehlichen Zwange („R o t h s ch i l d le Ten t") gehandelt Haben, der Hof von; St. Petersburg ließ auch dieses Argument nicht gelten. So zu lesen in der „Libre Parole" vom 9. Mai d. I. Ein schöner Fall, wie die Psychiater sagen. —d. Antisemitischer Dieb, Hehler und Hausherr. In den letzten Wochen trieb sich in Wien ein Individuum umher, welches verschiedenen Geschäftsleuten, namentlich Fuhrwerksbesitzern, complete Pferdegeschirre theils durch listige Vorspiegelungen entlockte, theils entwendete. Polizei-Agenten haben diesen Gauner in der Person des vacirenden Sattlergehilfen Ignaz Stark!, 27 Jahre alt, ausgeforscht und verhaftet. Starkl, dem die Entwendung von vier und die Entlockung von zwe Pferdegeschirren nachgewiesen wurde, ist dieser strafbaren Handi lungen geständig; er hat die Pferdegeschirrdem in der Schönbrunnerstraße Nr. 58 wohnhaften 43jährigen antisemitischen Sattlermeister Josef Buresch, dem die Provenienz derselben bekannt war, verkauft, ja Buresch hat eingestandenermaßen den Starkl zu den Diebstählen direct aufgefordert. Auf Grund dieses Geständnisses Starkl's wurde Buresch ebenfalls verhaftet. Eine Hausdurchsuchung, vie bei ihm vorgenommen wurde, förderte ein completes, vom Diebstahle herrührendes Pferdegeschirr und die Bestandtheile mehrerer anderer, gleichfalls von Starkl gestohlener zutage. Ein weiterer Fund bei der Hausdurchsuchung ergab, daß Buresch, der Mitschuldige des Diebes, in den besten finanziellen Verhältnissen lebte. Man fand bei ihm fünf Sparkassabücher mit Einlagen von mehr als fl. 19.000, Staatsschuldverschreibungen im Werthe von fl. 3100, sowie Baargeld. Buresch stellt die strafbare Verbindung mit Starkl in Abrede. Beide wurden dem Landesgerichte eingeliefert. In Thüringen spielte in der antisemitischen Agitation, besonders während der letzten Reichstagswahl, ein Redacteur Gottesleben eine große Rolle. Der Herr geberdete sich, als ob er ganz besonders berufen sei, das Vaterland zu retten und ein neues Zeitalter herbeizuführen. Es ist deshalb bemerkenswerth, daß kürzlich der antisemitische „Reichsherold" folgende Mittheilung veröffentlichte: „Zur Beachtung. Der Redacteur Gottesleben ist durch Beschluß des Parieiausschusses aus der Reformpartei ausgeschlossen worden. Die Gründe hiefür waren so schwerwiegende, daß Ausschluß erfolgen mußte." Was mögen das wohl für Gründe grwesen sein? Das galizifche Falliment. Die letzte Nummer der „Wochenschrift des Wiener Creditoren-Vereines" bringt ein Verzeichniß der vom 1. bis 31. März 1894 vom Creditorenvereine gemeldeten Insolvenzen, u. zw. 100 an der Zahl. In diesem Verzeichnisse befindet sich ein Fallite aus Galizien (Lea Mager aus Stryi) mit einem minimalen Betrage, ferner ein Falliment aus der Bukowina (Chane B l a u k o p f aus Buczacz) ebenfalls mit unbedeutenden Passiven. Ist es dann nicht unverantwortlich, von tendentiösen Fallimenten in Galizien und der Bukowina Brandfackeln in die Welt zu setzen und den Gegnern Handhaben zu bieten, die jeder Basis entbehren? _ E. B. Iudenreinq Länder. („Mitth." des Berliner Abwehr-Verkines.) Wenn man der antisemitischen Weisheit glaubt, so ist die Lösung der Judenfrage ebenso einfach wie das Problem, das deutsche Volk glücklich zu machen. „Juden raus" heißt es kurz und bündig und das deutsche Volk ist glücklich. Leider ist diese Rechnung ebenso einfach wie falsch. Es gibt in der ganzen Kette der Jahrhunderte keine Thatsache dafür, daß irgend ein Volk dadurch um nur eine Keine Stufe glücklicher geworden ist. daß es seine Juden aus dem Lande gejagt hat, zweitens ist kein Volk darum glücklicher gewesen als ein anderes, weil es nie Juden besessen hat. Denn wenn die Antisemiten mit ihrer Lösung „Juden raus!" Recht hätten, müßten beide Thatsachen erweisbar sein.

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