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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-18 · 20 (18.5.1894) · page 22

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
20 (18.5.1894)
Date
1894-05-18
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Nr. 30 DestrrveirWtzr Wochrnfchriy Sette 401 innig geschätzt und geachtet haben »nd die ihm auch ein ehrendes Andenken bewahren. Neu-Sandez. Zweites Verzeichniß der für die jüdischen Abbrändler in Neu-Sandez dem israelitischen Cultusgemeinde- Vorstande in Neu-Sandez zugekommenen Spenden: Von den Vorständen der israelitischen Cultusgemeinden Stanislau fl. 50; Zablocie-Saybusch fl. 215 Sammlung; Bielitz (2. Sendung) fl. 351 Sammlung; Prag (2. Sendung) fl. 70; Karlsbad fl. 50; von Herrn Heinrich Heumann, Tarnow fl. 15; von einem Ungenannten aus Beneschau bei Prag fl. 5; von Herrn Dr. Jchheiser, Biala, fl. 15, zusammen fl. 771. Mit den vorher ausgewiesenen Beiträgen zusammen fl. 3847'05. Vom Frauenwohlthätigkeits-Bereine in Przemysl sind uns noch zwei Kisten Kleider und Wäsche zugekommen, die wir der Bestimmung zugeführt haben. Wir erlauben uns ferner unseren ersten Ausweis dahin zu berichtigen, daß vom israelitischen Cultusgemeinde- Borstande in Kolomea die Spende fl. 50 betrug. Neu-Sandez, 8. Mai 1894. Der Vorstand der israelit. Cultusgemeinde. Bon Herrn I. Jellinek in Luhatschowitz sind der „Oest. Wochenschrift" für die unglücklichen Abbrändler fl. 2.— zugekommen. Blümchen. Erzählung von A. S t e i n, Rabbiner, Sobieslau. IV. Die ersten Jahre ihrer Ehe vergingen dem liebenden Paare angenehm, man hätte die Ehe eine glückliche nennen können, hätte nicht Ludwig die Sehnsucht nach seinem Heimatlande nach Deutschland ergriffen, er wurde Hypochonder. Er wurde gegen die Zärtlichkeit und Liebkosungen seiner Angelika gleichgiltig und so entstanden kleine Scharmützel zwischen ihnen. Sind zwischen Eheleuten einmal Mißhelligkeiten eingetreten, so reicht der geringfügigste Gegenstand hin, Hader und Zwietracht zu erzeugen. Wo die Liebe erkaltet, erhebt Mißtrauen das Haupt und vernichtet alles häusliche Glück. So war auch hier eine an sich geringfügige Kleinigkeit Ursache, daß Ludwig gegen seine Gattin mißtrauisch wurde. Einer seiner Diener hinterbrachte ihm die Mittheilung, daß seine Frau oft mit einem Juden heimliche Unterredung pflege und Ludwig stellte seine Frau darüber zur Rede. Angelika lachte und sprach im scherzenden Tone: „Bist Du etwa auf den Juden eifersüchtig? Er ist ein armer Mensch, der seit vielen Jahren Hausjude des sel. Grafen war und kommt deshalb auch jetzt von Zeit zu Zeit fragen, ob nichts zu handeln wäre." „Ich aber mag solche Leute nicht im Haufe dulden und verbiete mir das", herrschte Ludwig seine Gattin an. „Ei Ludwig, Du wirst ja täglich verdrießlicher, und wenn das so fortgeht, bist Du auf dem besten Wege, mein Haustyrann zu werden, Hab' ich das um Dich verdient?" Ludwig schwieg und ging. Von dieser Stunde an war der Friedensengel aus dem Hause geflohen, es verging selten ein Tag ohne Streit, Vorwürfe, Klagen und Kränkungen aller Art beiderseits; so derstrichen 5 Jahre. Vielleicht wäre es nicht dahin gekommen, wenn ihre Ehe mit Kindern gesegnet gewesen wäre, aber dieses Glück sollten sie vermissen. Wohl hatte ihm seine Gattin zwei geboren, allein diese starben bald nach der Geburt. Eines Tages saß Ludwig allein im Garten, seine Augen schweiften über die weite Ebene gegen Westen, wo sein Vaterland lag. Er dachte her theueren Eltern, der in der Heimat verlebten Jugendjahre, sein Herz war weich und er weinte wie ein Kind. Ach warum findet mancher Mensch das Glück nur in der Fremde! Was nützt mir mein Reichthum, wenn ihn Niemand mit mir genießen kann! Er blickte gegen Himmel und betrachtete lange die ziehenden Wolken, wie gerne wäre er mit ihnen hinüber gesegelt, hätte gerne Flügel gehabt, um wie ein Vogel in die ferne Heimat, in das geliebte Vaterland zu fliegen. Da ward er durch ein Geräusch aus seinem Traume geweckt, ein Mann schlich sich in den Schloßhof. Ludwig erkannte ihn sofort, es war jener polnische Jude, der so oft bei der Gräfin vorzusprechen pflegte; sein Mißtrauen erwachte aufs Neue, er folgte dem Juden auf dem Fuße bis vor das Zimmer Angelikas, hier blieb er stehen und horchte. „Du bist schon wieder gekommen, Selkin", hörte er seine Frau sagen, „Du weißt ja, daß mein Gatte zu Hause ist!" Darauf entgegnete der Jude: „Bedauere, gnädige Frau, konnte nicht anders, die Leute wollen weiter ziehen und wer weiß, wann sich wieder eine solche Gelegenheit trifft." „Aber Selkin, Du brauchst ja sehr viel. Wie lange ist es her, seit ich Dir 50 Rubel geschickt?" „Ich brauch' ja das Geld nicht für mich, wie Sie wohl wissen, und was sind so ein paar Rubel gegen . . . . Jetzt nimm das Geld und schau, daß Du aus dem Hause kommst. Man darf Dich hier nicht finden." „Das ist doch seltsam, daß sie sich vor einem Gatten fürchten, der fein ganzes Glück Ihnen zu danken hat. Da war der selige Graf ein besserer Mann." „Lassen wir jetzt diese Betrachtungen, gehe durch das Hinterpförtchen, daß Dich mein Gemahl nicht sieht." Schon wollte Ludwig seine Frau überraschen, doch besann er sich und ließ es sein. Er wollte das seine Frau umgebende Geheimniß lüften und erfahren, wem und wozu das Geld gegeben wird, er machte sich deshalb eiligst von dannen und ging auf die Straße nach Wilna. Es währte nicht lange, da kam auch der Jude dahergeschritten. Ludwig that, als kenne er ihn nicht und folgte ihm in einiger Entfernung bis in die Stadt. Der Jude lenkte seine Schritte in die Judengasse und verschwand in einem niedrigen baufälligen Hause. Ludwig folgte ihm, konnte aber, da es sehr dunkel war, nicht leicht den Eingang zur Wohnstube finden; nur das Gemurmel vieler Menschenstimmen drang an sein Ohr und führte ihn in die Wohnstube. Ein anständig gekleideter Mensch in Gesellschaft von armseligen und verkommen aussehenden Leuten muß notgedrungen auffallen, deshalb waren auch die Leute über Ludwigs Erscheinen sehr verwundert. Einer fragte den Andern, wer der fremde Gast wohl sei und was der wohl hier suche? Ludwig achtete nicht auf die erstaunten Blicke dieser Leute, er forschte blos nach seinem Manne, aber dieser war nicht unter den Leuten, dagegen hatte er eine andere Person erblickt. Ein kleines hageres Männchen mit langem Barte, saß abgesondert in einem Winkel, es kam Ludwig bekannt vor. Deshalb trat er an dasselbe heran und fragte: „Seid ihr nicht aus Deutschland?" „Das bin ich" erwiderte das Männchen, „und ihr, wahrhaftig, ihr seid auch aus Deutschland. Gott, seid ihr nicht der Sohn ..." „Still", unterbrach ihn Ludwig, „wenn ihr mich kennt, dann kommt mit mir ins Freie, dort können wir über die Sache reden." Das Männchen that so. Draußen fragte Ludwig: „Wie gehts den Meinen? Leben die Eltern noch?" „Alle gesund, vor 6 Monaten war ich bei ihnen. Aber was ist das, in eurer Heimat hält man Euch für tobt?" „Todt bin ich wohl nicht, aber gefangen und fest gebunden mit unauflöslichen Banden", seufzte Ludwig. „Gefangen, und gehet frei herum und könnt Euch nicht helfen? „Warum laufet ihrmicht davon?" Kommt mit uns, unter uns sucht Euch kein Mensch!" Ludwig wurde nachdenkend. Nach einigen Minuten fragte er: „Wann geht ihr wieder nach Deutschland?" „Noch dieser Tage!" „Welchen Weg schlaget ihr ein?" „Wir gehen von hier nach Krakau, dann nach Mähren und Böhmen." „Es ist gut, in Brody treffen wir uns". Ludwig's Entschluß war gefaßt. Weib, Vermögen, Alles, Alles wollte er verlassen und in seine Heimat ziehen, zu seinen geliebten Eltern, von ihnen Verzeihung für seine Handlungen erbitten. Am dritten Tage fand man Ludwigs Zimmer leer, vergebens-wartete Angelika den ganzen Tag, vergebens sandte sie Boten nach alle Gegenden aus, den Herrn zu suchen. Ludwig war verschwunden und Niemand wußte wohin. . V. Jahre waren dahingezogen und wir begegnen Schamsche Koppel mit seiner Familie in der Stadt R. . . . g, wo eine sehr zahlreiche Judengemeine lebte und viele Mitglieder sehr vermögende Handelsmänner waren, die sehr glücklich und zufrieden lebten. Schamsches Familie hat sich um 1 Person vermindert, denn seine treue Gefährtin, seine Führerin in der finsteren Nacht, war der langwierigen Krankheit erlegen und in M .... sch begraben worden. Die Stelle der Verstorbenen hatte jetzt der Findling, das Mädchen von der Heide, Heideblümchen allgemein genannt, eingenommen. Sie war des blinden Greises Führerin und Stab auf seinen weiten Reisen. Heideblümchen, oder wie sie gewöhnlich kurzweg Blümchen genannt wurde, war jetzt kein blondlockiges Kind mehr, sondern schlank und groß gewachsen und in einem Alter, das die Grenze zwischen Mädchen und Jungfrau bildet. Ihre Kleidung war so einfach, wie sie eben solche arme Hausirer zu bieten vermochten. Die schönen, regelmäßigen Formen ihres Körperbaues konnten sie aber nicht verhüllen und wenn auch keine goldenen Locken über den Alabasternacken herabwallten, so war das lange Seidenhaar doch in zierliche Zöpfe geflochten und in mannigfaltigen Windungen um

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