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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-18 · 20 (18.5.1894) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
20 (18.5.1894)
Date
1894-05-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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ms Seite 398 Vestrrretchlschr Mochrnfchrtfl Nr. 20 GorresMnüenLm. Wien. (Erzherzog Carl Ludwig bei So nnenihal.) Der Oberregisseur des Burgtheaters, Adolf Ritter v. Sonneuthal, wurde Freitag durch einen Besuch des Erzherzogs Carl Ludwig ausgezeichnet. Es ist das drittemal, daß der kunstsinnige Erzherzog dem Künstler in dieser Weise ein Zeichen seiner Huld gibt. Der Erzherzog erschien am Freitag, Nachmittags halb 5 Uhr, unangesagt in der im Cottageviertel, Anastasius Grüngasse Nr. 54, gelegenen Villa des Künstlers, in Begleitung seines Adjutanten, des Altgrafen Salm. Sonnenthal, der keine Ahnung hatte, daß ihm ein so hoher Besuch bevorstand, hatte kaum Zeit, dem Erzherzog, der bereits die Billa betreten hatte, entgegen zu eilen und ihm seine Ueberraschung auszudrücken für die unerwartete Auszeichnung. Erzherzog Carl Ludwig, der eine volle halbe Stunde bei dem Künstler verblieb, sprach mit ihm von dem Gastspiele, welches Sonnenthal eben in Rußland und in Berlin absolvirt hat und sagte, daß -er mit Vergnügen von den großen Erfolgen hörte, welche Sonnenthal errang und dermaßen den Ruhm des Wiener Burgtheaters, neuerdings in die Welt hinauslrug. Der Erzherzog sprach auch sonst mit dem Künstler über das Burgtheater und verließ um 5 Uhr, nachdem er deni Künstler wiederholt die Hand drückte, von Sonnenthal bis zum Wagen geleitet, die Villa, vor der sich inzwischen zahlreiche Menschen angesammelt hatten, die den Erzherzog ehrfurchtsvoll begrüßten. E. B. Wien. (Meister StamPiglius macht Schule.) Bei der Vorstands-Wahl der Genossenschaft der Kausteute im Sechshauser Bezirke, wurden 510 Stimmzettel abgegeben, obwohl nur 504 Stimmzettel abgestempelt worden waren. Die Fingerfertigkeit des im Stampigliensälschen berüchtigten Abgeordneten macht in seinem Wahlbezirke Schule. E. B. Wien. (Nur ein polnischer Jude.) Beim Wiener Landesgerichte in Strafsachen fand vorige Woche eine Gerichtsverhandlung statt, welche von symptomatischer Bedeutung ist, für die Stellung und die Behandlung der Juden, namentlich polnischer Nationalität. Der aus Russisch - Polen betreffs Consultirung eines ärztlichen Specialisten zugereiste Kaufmann Chune Birnbaum wollte im Herbste vorigen Jahres wieder die Heimfahrt antreten; am Nordbahnhofe traft er einen großen, jungen Mann, der sich ihm für den Portier der Nordbahn ausgab und sich erbot, dein Birnbaum eine Fahrkarte zu lösen. Birnbaum gab dem vermeintlichen Portier fünf Gulden, mit welchen dieser verschwand. Auf der Suche nach dem Schwindler gerieth Birnbaum an eine einsame Stelle, an der sich plötzlich drei Burschen auf ihn warfen, ihn zu Boden zerrten und ihn nun seine Brieftasche, die 17 Rubel enthielt, raubten. Birnbaum erstattete hievon sofort die Anzeige, die aber als „unglaubwürdig" aä acta gelegt wurde. Nach längerer Zeit wurden verschiedene junge Männer wegen Diebstahl verhaftet, und drei derselben bekannten, daß sie im September vorige» Jahres einem polnischen Juden eine Brieftasche mit 17 Rubeln gewaltsam weggenommen batten. Nun erst wnrde jene Anzeige wieder ausgenommen und bei genannter Schwurgerichtsverhandlung zwei der Strolche zu je zehn, der dritte zu sieben Jahren schweren Kerkers verurtheilt. Wäre aber die Anzeige des polnischen Juden als glaubwürdig angeseben, die Verfolgung der Strolche sofort eingeleitet worden, hätte Birnbaum noch zu dem geraubten Gelde, welches sein ganzes Vermögen war, gelangen können. Allein es war nur ein polnischer Jude und der ist nicht glaubwürdig. Wien, 11. Mai. Der Verwaltungsgerichtshof unter Vorsitz des Präsidenten Grafen Belcredi verhandelte kürzlich über eine Beschwerde, bei welcher es sich darum handelte, ob erstlich die Juden im Jahre 3813 in Galizien als „Unterthanen" zu betrachten waren, und zweitens, ob man von einer, der leidenden Menschheit gewidmeten öffentlichen Humanitäisstiftung die jüdischen Unterthanen vusschließen dürfe. Der Beschwerde lag folgender Sachverhalt zu Grunde: Die Fürstin Anna von Lothringen hatte in ihrem am 1. April 1813 errichteten Testamente ihren Gemal, Fürsten Karl von Lothringen, Ritter des goldenen Vließes und des Maria Theresien-Ordens, zum lebenslänglichen Fruchtnirßer und Grafen Leo Potocki zum Eigenthümer ihres Gutes Krakowiec bestimmt mit der Verpflichtung, für ihre armen Unterthanen einen Arzt zu bestellen. Zugleich verfügte sie, daß der neue Besitzer des Gutes in Krakowiec ein Krankenhaus errichte, welches zur „Linderung der leidenden Menschheit" zu dienen habe, zu welchem Zwecke sie ein Sliftungscapital stipulirte. Der neue Gutsbesitzer errichtete auch in der Thal in Krakowiec ein Krankenhaus, und sein Rechtsnachfolger, Fürst Adam Lubomirski, schloß gelegentlich der Grundeiitlastung mit der Finanzprccuratur einen Vergleich, durch welchen das Stistungscapital realisirt ivurde. Im Jahre 1857 ging die Krankenhausverwaltung an den Ortspfarrer von Krakowiec über, später an die Przemysler Pfarrei und zuletzt im Einvernehmen der Finanzprocuratur und der Statthalterei an die Gemeindevertretung von Krakotviec, wobei jedoch bestimmt wurde, die Stiftung sei ausschließlich nur zu Gunsten von Gemeindemitgliedern christlicher Cvnfession zu verwenden. > Gegen diese Verfügung ergriff die israelitische Cultusgemeinde- Repräsentanz von Krakowiec den Recnrs an das Ministeriumdes Innern, welches in Stattgebung desselben entschied, daß die fragliche Stiftung sowohl nach dem Wortlaute, als auch nach dem Geiste der Stifterin allen Ortsbürgern von Krakowiec ohne Unterschied der Confession zu Gute kommen solle. Gegen diese Entscheidung beschwerte sich die Gemeindevertretung von Krakowiec beim Verwaltungsgerichshofe, welcher demnach das letzte und entscheidende Wort zu sprechen hatte. Als Vertreter der beschwerdeführenden Gemeinde fungirte Dr. Edmund Kornfeld, welcher sofort hervorhob, den Beschwerdeführern liege jede confessionelle Gehässigkeit ferne, es handle sich ihnen lediglich um eine prinzipielle Entscheidung in der Sache selbst. Dr. Kornfeld führte sodann aus, daß der Stiftungsbricf von „Unterthanen" spreche, die Juden seien damals außerhalb des Gesetzes gestanden, es könnte daher der Aufdruck „Unterthanen" nicht auch auf Juden Anwendung finden. Da ferner die Juden erst jetzt nach Verlauf von 40 Jahren ihr angebliches Anrecht auf die Stiftung reclamiren, sei auch die Verjährung eingetreten, dieses Recht daher jedenfalls erloschen. t Der Vertreter des Ministeriums, Ministerialrath Dr. Roza, erklärte, nicht untersuchen zu wollen, ob der Beschwerde Motive antisemitischer Natur zu Grunde lägen; maßgebend sei für die Snbsumirung des Begriffes „Unterthanen" das sogenannte „Judenpatent" aus dem Jahre 1789, das damals erlassene Hoidecret und die darauf Bezug habenden Commentare. Demnach seien die Juden zur Zeit der Errichtung der Stiftung zweifellos in Galizien schon gleichberechtigte Staatsbürger gewesen, sie unterstanden der gleichen Jurisdiction wie die Christen — sie seien daher bestimmt „Unterthanen" gewesen. Hierauf sei aber kein allzu großes Gewicht zu legen, von ungleich größerer Bedeutung seien die nachfolgenden Worte, wonach die Stiftung der „leidenden Menschheit" gewidmet sei. Der Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde von Krakowiec, Dr. Scharfmesser, hob hervor, es sei historisch, daß die Juden damals in Galizien, respective im Königreiche Polen gleichberechtigt waren, daß die edle Stifterin, die Fürstin Anna von Lothringen, in diesen Traditionen herangewachsen sei und daß sie unter „leidende Menschheit" gewiß alle Menschen ohne confessionelle« Unterschied vor Augen hatte — geradeso wie Kaiser Josef II den Augarten und das Allgemeine Krankenhaus den Menschen als ihr Schätzer widmete und nicht einer bestimmten Confession. Jede andere Interpretation hieße dem Will,« der Stisterin Gewalt anthun, er bitte daher um Abweisung der Beschwerde. Der Verwaltungsgerichtshof entschied, die Beschwerde der Gemeinde Krakowiec werde als unbegründet abgewiesen, da die Judenschon nach § 43 des Judenpatents vom Jahre 1789 zweifellos als „Unterthanen" zu betrachten seien und die Stiftung der „leidenden Menschheit" gewidmet wurde. Wr.-Neuftadt, 15. Mai. Löbliche Redaction! Die nachfolgende Geschichte eines hiesigen Antiseniitenführers, der seinerzeit vom „Deutschen Volksblatt" in Wien als Musterarier hingestellt und täglich verhimmelt wurde, dürfte für Sie nicht uninteressant sein. Rudolf Detz ist der Sohn eines sehr anständigen und wohlhabenden Mannes, der, wenn ich nicht irre, Bürgermeister oder Gemeinderath im Pottensteiner Bezirke ist. Der Vater kaufte dem jungen Manne ein sehr gut gehendes Specereigeschäft hier, das der neue Eigenthümer, der viel im Wirthshause, selten aber im Geschäfte war, gar bald herabgebracht hatte. Nach etwa I V- Jahren mußte er es aufgeben, der Vater unternahm einen zweiten Versuch, indem er dem Sohne, der mittlerweile geheiratet hatte, ein Haus und Geschäft in Weißenbach a. d. Triesting kaufte. Versuchte es D. hier schon, den Antisemitenführer spielen zu wollen, so gelang ihm dies bei den schlichten Leuten im Dorfe viel leichter. Tag für Tag ging er von Wirthshaus zu Wirthshaus und überall hielt er seine Brandreden gegen die korrupte Raffe. Eines Tages erschien in dem in Baden edirten Schandblatte „Bote für den Wiener Wald", ein Schmähartikel gröbster Sorte, gezeichnet von Rud. Detz, in welchem der Verfasser behauptete, daß die Juden bei der Geschäftsetablirung

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