Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 20 (18.5.1894)
- Date
- 1894-05-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Nr. 20 Vesterrrichifttzr Wochenschrift Sette 397 Mit Rücksicht auf den Umstand, daß die Bau-Area bedeutend tiefer lag als das Niveau der vorüberführenden Straße, anderseits im Hinblick auf mögliche Jnundationen durch die nahe Moldau und Maltsch, weshalb der Fußboden des Tempels um drei Stufen höher zu legen war als der höchste Punkt der Straße, ist das ganze Gebäude unterkellert worden. In geringer Tiefe unter dem Terrain 50—60 cm gab es Grund - Wasser, weshalb Beton für das Mauerwerk gelegt wurde. Wie nöthig und nützlich alle Vorsichten gegen Wassergefahr waren, bewies sehr bald eine Überschwemmung, welche noch am 3. September 1888 Budweis knapp vor Einweihung des Tempels unter argen Beschädigungen und Verwüstungen in Stadt und Umgebung heimgesucht hat. Der Tempel stand längere Zeit wie in einem See; das Wasser erreichte die Höhe der zweiten Borlegstufe am Eingänge und die angewendeten Vorsichten, sowie eine doppelt hergestellte Jsolirung schützten auch das Mauerwerk gegen die aufsteigende Feuchtigkeit. Die Ansicht, welche bald nach der Katastrophe ausgenommen wurde, zeigt diesen Zustand. Das Wasser der großen tiefen Fläche, welche ehedem Teich war, verschwand erst, nachdem die Dämme gegen die Moldau durchj stochen worden waren. j Aus dem Querschnitt ersieht man das System der Con- | struction: Das weit überragende Mittelschiff mit einer Höhe I von 11 25 »i, dagegen die nur 4 50 m hohen Seitenschiffe. Die 1 Dächer der Seitenschiffe sind sehr flach gehalten, damit das 1 Mittelschiff möglichst hohe Fenster erhalten konnte; diese flachen j Dächer sind mit Zinkblech abgedeckt; dagegen erhielt das Mittelf schiff ein steiles hohes Dach und wurde mit braunglasirten 8 Ziegeln eindeckt. An seinem Fußende hat dieses Dach eine Attik- | rinne mit vorstehender Attikmauer. Von den Strebepfeilern der | äußersten Hauptmauer gehen die Strebebogen, indem sie die Z Seitenschiffdächer übersetzen, bis nahe an die Attik zur Mittelschiffmauer. Die an den äußersten Enden der Langwände ange- E brachten Strebebögen haben eine abweichende Lösung gefunden 8 mit Rücksicht auf die Schließung der Ost- und Westfa<;ade. A Entsprechend der Anlage im Grundrisse und als konsequente | Folge des Querschnittes ergab sich die Westfa;ade mit einem I mittleren Giebel und zwei rechts und links flankirenden Thürmen. f Diese enthalten die Stiegen zur Orgelbühne und zum Dach- § boden. Im Parterre zwischen den Thurmbauten sind drei Por- Z tale als Eingänge der Frauen, darüber ein reich getheiltes und |j gegliedertes Maßwerksfenster, die ganze Fläche der ersten Etage § ausfüllend. In der Giebelfläche darüber ist der Decalog ange- | bracht. Bis zur Giebelhöhe sind die Thürme viereckig; won dieser Höhe ist ein Uebergang in's Achteck durch an den Ecken angebrachte Ziegelfialen vermittelt. Die achtseitigen schlanken g Helme der Thürme sind dann in Holz construirt und so hoch, § als es zulässig erschien, mit braunglasirten Ziegeln eingedeckt. Die obersten Endigungen sind aus Zinkblech und auf der Spitze | ist der vergoldete Sechseckstern angebracht. Die Thürme haben | eine Höhe von 42 m. Nahezu um die ganze Breitseite der Thürnre treten die Seitenschiffe gegen die Hauptfa;adefläche zurück, sind durch je eine Stirnmauer, wie vorhin erwähnt, begrenzt, die — im sf Strebesystem entwickelt — an die Thürme anschließt. An jeder dieser Stirnmauern ist im Parterre ein Portal angebracht, als Eingang zu den Männervorhallen. Entsprechend den vier Hauptgewölbsjochen sind in der Seitenfasade vier große Giebelfelder angewendet, in welchen je eine dreitheilige Fenstergruppe angebracht ist und zur Beleuchtung des Mittelschiffes dient. Die niedereren Seitenschiffsjoche zeigen sich zwischen den Strebepfeilern und ist die Zweitheilung der Travees, die im Grundrisse für die Seitenschiffe angewendet worden ist, durch Flächentheilung und Fenster auch nach außen ersichtlich gemacht. Die Apsis ist in ihrer Bedachung niedriger gehalten als das Hauptschiff: dagegen klingt das Giebelmotiv der Seitenfacade mit einem reicheren Maßwerksfenster in der Seite der Apsis durch. Die Ostwand der Apsis ist ohne Fenster, und wird die ganze große Fläche getheilt durch eine Anzahl Ziegellisenen, welche durch ansteigende Bogen nach der Neigung des Giebels verbunden sind. Als Giebelendigung dient eine Fialengruppe, die gleichzeitig die Abzüge erhält, welche zur Aufnahme und Abfuhr der Berbrennungsproducte von den Sonnenbrennern dienen. Die den Giebel flankirenden Fialen sind gleichzeitig für den | Rauchabzug der Feuerung, die zur Beheizung des Tempels vor- U gesehen und in einem Theile der Unterkellerung untergebracht ist. g Ich habe schon früher erwähnt, daß die Fanden im Roh- 8 bau durchgeführt worden sind, u. zw. wurde zur Verkleidung | der rothe geschlemmle.Ziegel aus der fürstl. Schwarzenberg'schen Ziegelei in Zliv nächst Budweis verwendet. Wegen einer minutiösen Sparsamkeit seitens des Vorstandes, die bester und leicht hätte vermieden werden können, mußte ich im letzten Momente einige Flächentheile der Fa^ade verputzen. Ich habe des homogenen Aussehens wegen, besonders um keme störende Färbung und dadurch Unruhe in dem Aussehen herbeizuführen, den Mörtel gefärbt, u. zw. ließ ich demseben Ziegelpulver beimischen, welches ich aus den Abfällen der geschlemmten Ziegel erzeugen ließ. Der Erfolg war ein ganz guter. Die Färbung entspricht, ist ziemlich gleichartig, stinlmt zum Rohbau und hält auch gut, weil die Farbe des Mörtels durch und durch geht. Natürlich wurden vorher verschiedene Versuche angestellt, um das beizumengende Quantum Ziegelmehl und die Intensität des zu verwendenden Ziegels auszuprokireu. Das Fundament wurde aus dem dort allgemeinen angewendeten, ziemlich dunklen Bruchstein (Grauwacke) gemauert. Ich wollte für alle Fälle einen Steinsockel haben, Quaderplatten konnte ich nicht erlangen; ich war also auf Bruchstein angewiesen, nur konnte ich mich nicht zur Grauwacke entschließen. Zum Glück fand ich anläßlich einer Fahrt nach Zliv einen Stein, den die Bauern der dortigen Gegend verwenden, wenn sie ein trockenes Steinmauerwerk haben wollen. Dieser Bruchstein wird dort, ich möchte sagen, feldmäßig gewonnen; er ähnelt sehr unserem Atzgersdorfer Stein und läßt sich leicht abarbeiten, so daß er halbwegs ordentliche Flächen und Kanten gibt. Aus diesem Stein also wurde der Sockel hergestellt. Im Innern sind gelbe geschlemmte Verkleidungsziegel verwendet worden; nur wenige kleinere Flächen und die Kappen der Gewölbe, die zwischen die rothen Ziegelgurten und Rippen gespannt sind, wurden verputzt. Die so verputzten Flächen wurden getont und nur etwas ornirt. Der umlaufende Fries in Capitälhöhe enthält Bibelsprüche; die große Wand der Apsis ist teppichartig bemalt. Bezüglich der inneren Einrichtung bemerke ich, daß das Hauptstück, die Bundeslade, im Zusammenhänge mit den Sitzen der Functionäre, die ganze Breitseite der Apsis ausfüllt. Die Bundeslade ist aus Eichenholz ausgeführt, mit reicher Ornamentik versehen und hat reichen, schmiedeisernen und verzinkten 'Beschlag an den Thüren. Die sämmtlichen Vorhänge für die Bundeslade sind auf Blindrahmen gespannt, befinden sich ausgehängt auf einem Schiebemechanismus in seitlich angebrachten Kästen, aus welchen man sie nach Bedarf leicht und bequem hervorziehen kann. Sechs Stufen rechts und links führen vom Schiff auf die Estrade, auf welcher der Altartisch steht; um weitere acht Stufen höher beginnt der Aufbau der Bundeslade. Dem Willen des Predigers mußte ich nachgeben und die Kanzel gegen meine Ueberzeugung auf die obere Höhe unmittelbar vor der Bundeslade aufstellen; damit diese aber nicht verdeckt werde, habe ich die Kanzel in das schmiedeiserne Abschlußgeländer einbezogen, und sie aus Schmiedeisen Herstellen lassen; sie erscheint daher blos als eine Ausweitung des Geländers. Durch ein schmiedeisernes Gitter ist auch die tiefer unten befindliche Estrade gegen den Tempelraum abgegrenzt. Die Sitze sind aus weichem Holz mit einer nußfärbigen Beize eingelassen und dann gefirnißt worden. Das Betpult zu jedem Sitz ist groß genug, um die Garderobestücke des Inhabers avfzunehmen. Diese Methode habe ich überall angewendet, wodurch Garderoben, die doch viele Unzukömmlichkeiten haben, entbehrlich sind. Die sämmtlichen Fenster sind stilgemäß mit bunter Bleiverglasung verschlossen worden. Für die Abendbeleuchtung sind in den Schlußkränzen der Mittelschiffsgewölbe Gas-Sonnenbrenner eingefügt, und von den Schlüssen der Seitenschiffsgewölbe herabhängend, Bronze- Luster für Gas. Die beiden achtflammigen Candelaber vor der Bundeslade geben auch Gaslicht. Auf der Orgelbühne befindet sich eine 16stimmige Orgel in einem stilgerechten Gehäuse, und ist genügend Raum freigelassen für eine ausreichende Anzahl Chorsänger. Die gesammten Kosten des Baues sammt der inneren Einrichtung betrugen 73.000 fl. ö. W. Den Bauplatz hat die Stadtgemeinde Budweis zu dem sehr billigen Preise von 2000 fl. für 1000 D0, in Raten zahlbar, überlassen, gewiß ein dankenswerthes Entgegenkommen.