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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-18 · 20 (18.5.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
20 (18.5.1894)
Date
1894-05-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seile 394 Oeyerreichisrtze WortzrnsttzriN Nr. 20 stand die Bundeslade mit den steinernen Tafeln des Gesetzes, im Heiligthume der Räucheraltar, der Schaubrottisch und die zehn siebenarmigen goldenen Leuchter. Am Hauptportale waren die beiden ehernen Säulen, die Meister Churamabiw angefertigt hatte, aufgerichtet. Sie waren genannt Jachin und Beos. Das ganze Bauwerk war aus Quadern von mitunter ganz besonderer Größe durchgeführt und stand auf einem steinernen Basement, das 6 Ellen über das Niveau des oberen Hofes emporragte und 5 Ellen vor die Fronten ringsum vortrat. Die Decken im Innern der Tempelräume waren aus Cedernbalken hergestellt, welche nach dem Raume zu bogenförmig ausgeschnitten, gleichsam Gurten bildeten, auf denen ver Länge nach ein starker Pfostenbelag die Abdeckung bildete; darauf befand sich das Steindach, bestehend aus Steinplatten und, wie wohl selbstverständlich angenommen werden kann, mit entsprechendem Gefälle für die Abwässerung. Auch eine Attikbekrönung kann angenommen werden, schon mit Rücksicht auf die Vorschrift im Pentateuch. Die Wände sämmtlicher Räume waren mit Cedernholz überzogen, in welchem vergründet Cherubim, Festons, Palmenzweige und sonstiges Ornament eingeschnitten und mit Gold belegt waren. Der Fußboden dieser Räume war mit Cypreffenholz belegt und der Goldüberzug desselben bildete quadratisches Muster. Betrachtet man den eigentlichen Tempel, der gewissermaßen Reichsheiligthum war, nach seinen Dimensionen, so findet man, daß dieselben höchst bescheiden waren, was aber leicht zu begreifen ist, da der Tempel nur von den Priestern betreten werden durfte. Der große Opferdienst wickelte sich im inneren Vorhofe Fig. 1. Die Reste der Synagoge in Kefer Birim (in Obergaliläa). ab, woselbst sich der Brandopseraltar, die zugehörigen Wassergefäße dann ein Spenden-Einlagekasten und der gedeckte Königs - stand befanden; höchstens bis hieher wurde ein Theil des Volkes nach Maßgabe des Raumes zugelassen. Die innere Einrichtung des Tempels war auch höchst einfach; er kann jedoch mit Rücksicht auf seine Verwendung zum Thieropferdienst nicht Vorbild sein. Der Tempel wurde 586 v. Chr. durch die Babylonier zerstört. Nach der Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil wurde an der Stelle des ersten Tempels ein dem Salomonischen, wenn auch dem Glanze nach nachstehender, doch sonst ähnlich veranlagter erbaut. Derselbe hatte keine heilige Lade mehr, sondern an deren Stelle einen hohen Stein im Allerheiligsten. Dieser Tempel wurde 516 v. Chr. vollendet. Fast 500 Jahre bestand dieser Tempel, bis zur Regierung des Herodes, welcher ihn abreißen und durch einen neuen größeren und prachtvolleren, im griechisch-römischen Stile am selben Platze ersetzen ließ. Das war im Jahre 20 v. Chr. Auch dieser Tempel diente dem Thieropferdienste und kann kein Vorbild abgeoen. Seine Zerstörung erfolgte 70 n. Chr. durch Titus. Nur der Vollständigkeit halber erwähne ich, daß im Jahre 164 v. Chr. zu Leontopolis im Gau Heliopolis in Egypten unter König Philometor ein dem Jerusalemer ganz analoger, Onias-Tempel genannt, errichtet wurde, welchen Bespasian im Jahre 73 n. Chr. sperren ließ. Alle diese Tempel waren Pilgertempel, d. h. sie wurden von den im Lande Wohnenden dreimal im Jahre processionsweise besucht, entsprechend einer biblischen Vorschrift. In der nachexilischen Zeit hatten aber auch die Städte in Palästina je nach ihrer Größe eine oder mehrere Synagogen (zu deutsch „Vereinigungsstätten"), also Gebäude zur Aufnahme von Andächtigen. In diesen wurde der Tempeldienst zu Jerusalem ersetzt durch das Vorlesen der heiligen Schrift und daran geknüpfte belehrende Betrachtungen. Diese bilden auch Anknüpfungspunkte, insbesondere für die sogenannten orthodoxen Tempel; leider fehlen genaue Beschreibungen über dieselben und was aus späterer Zeit erhalten geblieben sind Trümmer. . Einen derartigen Rest zeigt die vorliegende Zeichnung (Textfig. 1); dieselbe gibt ein Bild von einer zu Kefer-birim in Galiläa bestandenen Synagoge, beiläufig aus dem 2. Jahrhundert n. ' Chr. und zeigt römische Details. Von dieser Synagoge ist die südliche Fagade mit den Eingängen vorhanden und hier dargestellt. Vor der Fagade befand sich eine Säulenhalle. Die Dimensionen dieses Bethauses im Grundriß sind 14 Meterlänge und 18 Meter Breite. Wie schon vorhin angedeutet, knüpfen die Einrichtungen der orthodoxen Bethäuser an die der zuletzt erwähnten Synagogen an. Die Disposition eines sogenannten orthodoxen Bethauses stellt sich im Allgemeinen folgendermaßen dar, wobei ich die Demonstration an dem Grundriß eines älteren, wenn auch nicht gerade ideal ausgebildeten, doch aber interessanten Gotteshauses, d. i. die Synagoge von Nikolsburg (siehe Textfigur 2), vornehmen will. Fig. 2. Grundriß des Tempels in Nikolsburg. Eine mehr oder weniger dem Quadrate sich nähernde Grundform gibt den Raum, der zur Aufnahme der Andächtigen dient. An der Ostwand, ohne weiteren Ausbau, höchstens eine Mauernische für die Einstellung der Rollen der heiligen Schrift, steht die Bundeslade, um einige Stufen gegen das übrige Niveau erhöht. Rechts davon, jedoch im gleichen Niveau mit dem Betraum, ist das Vorbeterpult. In der Mitte des Betraumes befindet sich eine erhöhte und mit Gitter abgegrenzte Estrade (al-memar genannt), ans welcher das Pult aufgestellt ist, von wo das Vorlesen aus den Rollen der heiligen Schrift stattfindet. Für die Andächtigen sind die Sitze derart im Raume vertheilt, daß sie sich um den „al-memur" herum gruppiren; die zugehörigen Pultstände sind beweglich, um sich damit bei bestimmten Gebeten nach Osten aufstellen zu können. Für die Frauen finden sich entweder, wie bei der Alt-Neu-Synagoge in Prag (Textfig. 3), Parterre-Anbauten mit vergitterten oder durch Vorhänge verhängten Fensteröffnungen nach dem Betraume, oder Emporen mit ober den Brüstungen angebrachten Vergitterungen oder, wie in Nikolsburg, Beides.

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