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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-18 · 20 (18.5.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
20 (18.5.1894)
Date
1894-05-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sk. 20 VrflrrrevMchr Wochrnsrtzrm Secke 393 Man kann es gewiß nicht als Plagiat bezeichnen, wenn inan, sobald an Einen als Architekt die Aufgabe herantritt, einen Bau zu projectiren, sich umsieht, was Andere vorher diesbezüglich gemacht -haben, und weiters bei Kirchenbauten, was die Tradition lehrt. Wenn man also nach dieser Richtung wegen der Synagogen Umschau hält, so findet man mit wenigen Ausnahmen, von den modernen Ausführungen abgesehen, daß die Bauten aus älterer Zeit nach Außen hin meist gar keine Architektur aufweisen und nur im Innern Einzelnes ausgebildet ist. Die Synagogen wurden in der Regel in abgelegenen Gassen oder zwischen Häusern eng eingebaut. Wir wollen also vor Allem auf die ältesten Zeiten zurückblicken. Das erste Gotteshaus der Israeliten war, wie erwähnt, die Stiftshütte. Schon diese Bezeichnung sagt uns, daß es -architektonisch nicht Muster, noch Vorbild sein kann, denn es hätte ja einen den Umständen angepaßten begrenzten Zweck, wenn auch dem Autor künstlerische Anordnung und künstlerisches Streben bei der Ausführung nicht abgesprochen werden kann; auch war es technisch gut durchgeführt. Zu bemerken ist, daß t§ einem Cultus mit Thieropfern diente, daher von dem heutigen Wischen Cultusdienste abwich. Ich habe nach der Beschreibung im Pentateuch eine Zeichnung angefertigt. (S. Tafel, Fig. 1—4). Mittelst 60 Säulen (aus Akazienholz von der Wüstenakazie, UimosL nüotica L.), die in kupferne Schuhe eingepaßt und deren obere Enden mit Silber überzogen waren, wurde ein rechteckiger Raum von 100 Ellen 48 39 Meter Länge und von 50 Ellen 24*2 Meter Breite als Vorhof abgegrenzt und durch buntgezwirnte Teppiche auf eine Höhe von 5 Ellen 2'42 Meter abgeschlossen. (Fig. 1 und 2.) Zum Aufhängen der Teppiche dienten silberne Querstangen von Säule zu Säule und silberne Haken an jeder Säule ermöglichten die Festhaltung derselben vermittelst Stricken und kupfernen Erdpflöcken. In diesem Hofraume wurde die Stiftshütte aufgerichtet. Zunächst drei Pfostenwände von zusammen 48 Pfosten ä iy2 Ellen 0 726 Meter Breite und 10 Ellen ----- 4°84 Meter Höhe aus Akazienholz mit 'Goldüberzug. Jeder Pfosten hatte am unteren Ende zwei Zapfen, die in zwei silberne, zugehörige Füße paßten. (Fig. 3.) Diese drei Wände hatten jede fünf Schließen aus Akazienholz mit Goldüberzug, welche durch an den Pfosten befestigte Goldkloben geschoben wurden; nur die mittlere Schließe wurde mittendurch die Bohlen in für sie gestemmte Löcher durchgesteckt. Sie ging von einem Ende der Wand bis zum andern und stellte muth» maßlich durch Keilverschluß den festen Verband der Wände für sich und mit einander her. Je 20 Bohlen bildeten eine Langwand, während für die Schmalseite nach Westen acht Pfosten blieben. Im Osten war keine Wand. Die lichte Weite des so gebildeten Raumes betrug 10 Ellen 4*84 Meter, die Länge 30 Ellen 14 52 Meter. Er wurde quer durch vier Säulen, nn welchen ein bunt- und mit Cherubim durchwirkter Teppich als Vorhang hing, derart in zwei Theile getheilt, daß gegen Westen das Allerheiligste, 10 Ellen breit und tief, blieb; die offene Ostseite erhielt fünf Säulen für einen bunt gewirkten Borhangteppich, der also den Abschluß bildete und den Eingang zuließ. Diese Hütte wurde durch einen zweitheiligen, bunten, mit Cherubim und Ornament gezierten gezwirnten Teppich abgedeckt, dessen Theile auch über die Wände herabhingen. Ueber das Ganze wurde ein Zelt aus Ziegenhaarteppichen gespannt und zum Schutze gegen Feuchtigkeit mit Thierfellen überdeckt. Sämmtliche Teppiche bestanden aus einer Anzahl mit einander verbundener Teppichstreifen. Die Orientirung geschah, im Gegensätze zu den heidnischen Tempeln und Heiligthümern, nach Westen. Im Abendlande werden die Synagogen wie die Kirchen nach Osten, d. i. nach dem gelobten Lande orienlirt. Im Allerheiligsten stand die Bundeslade, ein hölzerner Kasten, welcher die steinernen Gesetzestafeln enthielt; im Heiligthum vor dem zuerst erwähnten Vorhang war der Räucheraltar in der Mitte und rechts und links davon der Schaubrottisch und der goldene siebenarmige Leuchter. Im Vorhof stand der Brandopferaltar, im Osten vor der Hütte und zwischen dieser und dem Altäre das große eherne Waschbecken. Wie die angegebenen Dimensionen zeigen, war das Ganze verhältnißmäßig klein und dies wird begreiflich durch den Umstand, daß es nicht die Bestimmung hatte, Andächtige in seinen Räumen aufzunehmen; im Gegentheil, vom Volke erhielt Niemand in das Innere Einlaß. Erst in Palästina wurden mehrere stabile Gotteshäuser errichtet, über deren Größe, Form und Gestaltung gar nichts vorliegt; nur über den zu Jerusalem erbauten Tempel des Salomo finden sich in der Bibel verschiedene Berichte und Beschreibungen; vom Tempel selbst ist gar keine Spur mehr. Ich habe auf Grund der angeführten Beschreibungen und anderer Behelfe versucht, Pläne davon herzustellen, die hier dargestellt sind. (Siehe Tafel, Aig. 5—7.) Bezüglich des Grundriffes (Fig. 6) ist die in Form einer Vision vom Propheten Ezechiel in dem gleichnamigen Buche der Bibel detaillirte Beschreibung so ausführlich, daß derselbe mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit hergestellt werden kann, weil selbst Mauerstärken angegeben sind. Bezüglich der äußeren und inneren Architektur gestatten die Beschreibungen, die nirgends stilistische Formen erwähnen, verschiedene Auffassung; ich kann daher auch in keiner Weise für die alleinige Richtigkeit meiner Auffassung einstehen (Fig. 7.1 Dieser Tempel wurde im Jahre 1015 v. Chr. begonnen und 1008 v. Chr. vollendet. Zwischen dem Kidronthal und dem Tyropoeonthal in Jerusalem erhebt sich der Berg Moriah, dessen südliches, in der Draufsicht die Form einer Zunge bildendes Ende „Ophel" genannt wird (Fig. 5). Auf demselben, dessen Kuppe abgearbeitet und dessen Abhänge durch Futtermauern und Füllmateriale zu einem abgetreppten Plateau gestaltet wurden, ward der Tempel errichtet u. zw. an der Stelle, wo einst der Patriarch Abraham den Altar errichtete, um seinen Sohn zu opfern. Zunächst war eine quadratische Fläche von 500 Ellen ---- 292 Meter*) Seitenlange durch 6 Ellen starke und ebenso hohe Umfassungsmauern abgegrenzt. Im Mittel der gegen Süd, Ost und Nord gerichteten drei Umfassungsmauern, die durch Cedernbohlen abgedeckt waren, befanden sich je ein Thorgebäude mit Wachtständen, Aufenthaltsräumen und gedeckten Hallen. Je rechts und links von jedem Thorgebäude stand ein Gebäude, enthaltend fünf Lagerkammern. In den vier einspringenden Ecken dieses großen, als Vorhof bezeichnten Raumes waren durch Mauern kleinere Höfe abgegrenzt, zum Abkochen der Schlachtopfer für das Volk. Das Terrain dieses Hofes lag um sieben Stufen höher als das ringsumgebende Niveau. Im Mittel dieses Borhofes war in Form eines Quadrates von 100 Ellen Seitenlänge ein sogenannter innerer oder vermöge seiner um acht Stufen höheren Lage als oberer bezeichneter Vorhof abgegrenzt. An drei Seiten dieses Borhofes, und zwar genau gegenüber den vorhin besprochenen Thorgebäuden, auch in denselben Verhältnissen und Dimensionen standen, jedoch in umgekehrter Lage, drei innere Thorgebäude, von denen das nördliche die Einrichtung für das Schlachten der Opferthiere hatte. An der Nordostecke dieses Hofes stand ein Gebäude mit Räumen für den Aufenthalt der im Tempel dienenden Priester; an der südöstlichen Ecke ein gleich großes Gebände für den Aufenthalt der den Altardienst versehenden Priester. An die vierte, d. i. westliche Seite dieses Vorhofes, grenzte ein quadratisch geformter Raum von 100 Ellen Seitenlänge; in der Mitte dieses Raumes, mit der Längenachse von Ost nach West, stand das Tempelgebäude, 100 Ellen, d. i. die Länge des Raumes ganz ausfüllend, lang und 62 Ellen breit, so daß gegen Nord und Süd je ein Raum freiblieb, der gegen den oberen Vorhof mit einem Gitter abgegrenzt war. An der Nordseite des gegen Nord und an der Südseite des gegen Süd gelegenen Raumes standen je ein drei Stockwerke enthaltendes Gebäude, in welchen Küchen, sowie Speise- und Ankleidezimmer der Priester enthalten waren. Gegen West, hart an den Tempel anstoßend, war noch ein Raum, durch Mauern abgegrenzt, 90 Ellen lang und 70 Ellen breit, welcher in Verbindung stand mit den beiden letztgenannten Höfen im Norden und Süden des Tempels, er diente als Biehstand, besaß im Westen ein Thor, das gegenüber einem Thore in der äußeren Umfassungsmauer lag und welches als Zufahrt von der Stadt aus diente. Das Tempelgebäude selbst bestand aus einem in drei Theile getheilten Langhause u. zw. lag im Osten die Vorhalle. 20 Ellen breit, 10 Ellen tief und 30 Ellen hoch, daran schloß sich das Heiligthum, 20 Ellen breit, 40 Ellen lang und gleich dem vorigen, 30 Ellen hoch und daranstoßend das Allerheiligste 20 Ellen lang, 20 Ellen breit und 20 Ellen hoch, so daß der Rest der Höhe zu 30 Ellen für die Construction einer Decke und für ein Obergemach blieb, welches zur Aufbewahrung von Tempelschätzen und ähnlichen Dingen diente. Rings umgab das eigentliche Tempelgebäude, mit Ausschluß der Vorhalle, ein aus drei Stockwerken bestehender Anbau, enthaltend kleine, durch Thüren mit einander verbundene Zellenräume, u. zw. 33 in jedem Stockwerke. Durch je eine dieser Zellen im Parterre konnte man rechts und links in den Großraum und durch die an der Südseite befindliche Wendeltreppe auf die Dächer gelangen. Diese Zellen dienten für Geräthe, für Kleider, wohl auch als Erholungsort für die Priester. Im Allerheiligsten *) Eine althebräische sogenannte heil. Elle 0-1831) Meter.

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