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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-18 · 20 (18.5.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
20 (18.5.1894)
Date
1894-05-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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«Sette 392 -» go j. - wa J—-- - j - - »— WeMrrrutzrpyr nodicnfainn Nr. 20 gegen die Deutschen seitens der Franzosen erhoben werden und haben daraus gefolgert, daß sich überall dieselben Beschuldigungen vorfinden, wo eine Majorität eine Minorität unterdrückt und haßt. Prof. Koschwitz aus Greifswald gibt in seinem Werke „Die französische Novellistik und Romanliteratur über den Krieg von 1870—71" (Berlin W, Gronau 1893) frappante Beweise des Deutschenhasses in Frankreich. Die Deutschen sind rachsüchtig, kennen weder Ritterlichkeit noch Tact und Großmuth; der Besiegte ist ihnen nicht, was er uns ist, wir beklagen ihn, sie verachten chn — heißt es in der Novelle »En captive« von Garvais (Seite 43). Am schlimmsten kommen aber die Preußen fort. Der Name »Prussien« ist geradezu zum Schimpfwort geworden, »Vous etes un sale Prussien« ist heute wohl die schlimmste Beleidigung, die ein Franzose dem anderen ins Gesicht schlendern kann. — Einen ganz verworfenen Menschen schildert Foval in der Spionengeschichte „Madame Joyeux" unter der Figur eines Lothringers; und doch hat dieser Erzhallunke Anspruch auf mildernde Umstände, denn er ist kein Preuße: »Lorrain, vilain, traitre ä son pro chain, gredin, vaurien, coquin, pire qu’un chien — — — Mais pas Prussien!« (Koschwitz S. 21.) In einer anderen Spionennovelle von Assolant, läßt der Verfasser (S. 66 und 67) einen französischen Officier seinem Neffen, der ihn über Preußen ausfragt, folgende liebenswürdige Schilderung entwerfen, die an gewisse antisemitische Schilderungen erinnern: „Sie sind häßlicher denn die Raupen, böser als die Nattern und so schmutzig, daß man sie nur mit der Zange anfaffen kann, denn sie waschen sich nur einmal im halben Jahre." Da der gute Onkel nicht imm.r eine Zange zur Hand hatte, so machte er lieber keine Gefangenen, sondern tödtete einfach: „Das gibt einen sehr guten Dung!" Die Preußen find natürlich auch die schlimmsten, unbändigsten Freffer, Frauenschänder u. s. f. Steckbrief gegen den Antif emitenführer Sch nutz. Es ist bereüs gemeldet worden, daß die Staatsanwaltschaft inHannover hinter dem fluchtigen Antisemitenführer Theodor Schnutz einen Steckbrief wegen Unterschlagung amtlicher Gelder und Beiseiteschaffung amtlicher Papiere erlassen hat. Zur Charakteristik dieses Vertreters des echten Deutschthums, der nach einer öffentlichen Erklärung seines früheren Freundes und Gesinnungsgenossen Abgeordneten Leuß auch mehrere hundert Mark Parteigelder für sich behalten hat, fei noch erwähnt, daß derselbe sich nicht entblödete, wegen der von ihm begangenen Vergehen einen Anderen, nämlich den Buchhalter beim städtischen chemischen Untersuchungsamt in Hannover, Körtling, zu denunciren. Zum Glück für diesen erwies sich die Anklage als so haltlos, daß Herr Körtling auf Antrag des Amtsanwaltes unter Verzichtleistung auf die Vernehmung sämmtlicher geladenen Zeugen (auch des Denuncianten Dr. Schnutz) freigesprochen wurde, da nicht der geringste Anlaß vorläge, ihn der Unterschlagung zu zeihen.— Bei dieser Gelegenheit mag daran erinnert werden, daß, als im vergangenen Herbst das Disciplinarverfahren gegen Schnutz eingeleitet wurde, die „Kreuzztg." es war, welche in Leitartikeln (!) für die Integrität des „rücksichtslos scharfen Gegners alles Fälscherschwindels" sich ins Zeug legte unter den heftigsten Angriffen auf den nationalliberalen Magistrat der Stadt Hannover. Ei« bekehrter Antisemit. Der „General-Anz. für Bonn und Umgeg." veröffentlich folgende Erklärung: Im vorigen Jahre habe ich in meinem Locale zweiAntisemiten-Versammlungen gehabt. Ich habe denselben nur deshalb zugesagt, weil ich glaubte, geschäftlich etwaszu verdienen. was jeder vernünftig denkende Mensch mir nicht übel nehmen konnte. Persönlich hatte ich an der Sache kein Interesse. Wie habe ich mich getäuscht. Der Eine wie der Andere läßt sich nicht mehr sehen, das Local zur Abhaltung der Versammlung ist noch zu bezahlen und ich weiß trotz aller Bemühungen nichts zu bekommen. Ich kann alle Wirthe, resp. Collegen nur warnen und ihnen rächen, kein Local mehr für solche Versammlungen herzugeben, denn so-bin ich besch.worden. Auch habe ich die Herren Redner und Spitzen näher kennen gelernt. Rheinbach, 28. April 1894. A. Schüren, Hotel - Restaurant. Kaiser Wilhelm I. und die Zahlen-Kabbala. Das „Wiener Tagblatt" brachte jüngst folgende Spielerei: Vorweg mag der Vermuthung, als ob der greise Kaiser irgendwo und irgendwie öffentlich zu der Geheimlehre der Kabbala Stellung genommen hätte, das ausdrückliche Bemerken entgegengehalten werden, daß die nachfolgende Zahlenspielerei gänzlich auf Rechnung der freien Phantasie zu setzen ist. Im Jahre 1849 — so will es die Anekdote — zur Zeit als die deutsche Kaiserkrone und das Geschlecht der Hohenzollern zum erstenmal in ideelle Verbindung gebracht wurden, äußerte sich gelegentlich Prinz Wilhelm von Preußen — nachmals Kaiser des deutschen Reiches — daß es seiner Neugier behagen würde, zu erfahren, ob er der Prinz, jemals den Kaisermantel erhalten werde, und wann dies zu erwarten wäre. — „Königliche Hoheit", antwortete darauf ein Herr aus dem Gefolge des Prinzen, „dies zu berechnen, dürfte nicht schwer fallen. Die Kabbala gibt uns diesbezüglich sichere Auskunft. Wir schreiben das Jahr 1849. Setzen wir dieselbe Jahreszahl noch einmal, die Zahlen nacheinander in senkrechter Folge, auf und addiren wir: 1849 1 8 4 9 1871 so gelangen wir zu der Jahreszahl, welche in der Geschichte als diejenige der Gründung des Deutschen Reiches und der Erhebung Ew. königlichen Hoheit auf den Kaiserthron genannt werden wird." Das stimmte in der Folge allerdings ganz genau, und Kaiser Wilhelm, dem also einmal die Zukunft vorhergesagt worden, trug ein nächstes Mal — in der Anekdote, versteht sich — das Verlangen, zu wissen, wie lange er die Kaiserkrone behalten, beziehentlich wie lange er überhaupt leben werde. Es war dies in Versailles, im Jahre 1871. — „Ew. Majestät," antwortete derselbe Herr aus dem Gefolge, „nichts leichter, als auf diese Frage Ew. Majestät die richtige Antwort zu ertheilen. Wir schreiben das Jahr 1871. Setzen wir dieselbe Jahreszahl, die Zahlen nacheinander in senkrechter Folge auf und addiren wir: 1871 1 8 7 1 1888 so finden wir die Jahreszahl, welche das Ende der ruhmreichen Regierung von Ew. Majestät bedeutet." — In der That, Kaiser Wilhelm verschied im Jahre 1v88. Diese kabbalistische Anekdote circulirt jetzt in Wien. Es ist merkwürdig, auf welche Einfälle die Leute kommen!. . . Kaiser Wilhelm und der jüdische Gerichts-Assessor. Die „Magdeb. Zeitung" schreibt: So oft Kaiser Wilhelm Frankfurt a.M. berührt, versäumt ernie, einen Schulkameraden, zu dem er in Cassel schon sich hingezogen fühlte, zu begrüßen. Dieser, Dr. Sommer, ist jetzt Gerichts-Assessor. Als der Kaiser Wilhelm II. sich von Schlitz nach Cronberg zu seiner Mutter begab, hatte er seinen Schulkameraden nach Rödelheim, der Frankfurt nächst gelegenen Station, die der kaiserliche Zug durchfuhr, bestellt. Die fünf Minuten, die der Zug dort Aufenthalt hatte, benutzte der Kaiser, um sie mit dem Casseler Schulfreund in seinem Salonwagen zu verplaudern. Dr. <sommer gehört einer in Frankfurt a. M. ansässigen jüdischen Familie an. Ueber Synagogen-Bauken. Vortrag des Herrn Architekten Max Fleischer, gehalten in der Fachgruppe für Architektur und Hochbau des Oesterr. Ingenieur- und Architekten-Vereines am 16. Jänner 1894. (Hiezu die Tafel.) Sehr geehrte Herren! Der hochverehrte Obmann unserer Fachgruppe hat gewünscht, ich möchte hier über Synagogenbauten sprechen. Indem ich heute diesem Wunsche Nachkomme, erlauben Sie mir, daß ich mit einem historischen Rückblick beginne. Vor beiläufig dritthalbtausend Jahren wurde von den Israeliten das erste provisorische Gotteshaus errichtet und auch heute gibt es bei den Nachkommen noch provisorische Bethäuser. Als Moses die Israeliten aus Egypten geführt hat, wurde die Stiftshütte errichtet und wir lesen davon im Pentateuch eine ziemlich ausführliche Beschreibung. Daß dieses Gotteshaus ein Provisorium sein mußte, wird man leicht begreiflich finden, nachdem während der Wanderung an einen stabilen Bau nicht gedacht werden konnte. Heute sind Provisorien gewiß sonderbar. Vielleicht ist dadurch die Möglichkeit gegeben, daß Einer oder der Andere eine Synagoge zu bauen erhält. Wie soll man nun im gegebenen Falle eine Synagoge bauen? Diese Frage will ich mir, soweit ich es verstehe, unmaßgeblich zu beantworten erlauben oder vielmehr nur^zur Beantwortung einen Beitrag liefern.

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