Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-18 · 20 (18.5.1894) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
20 (18.5.1894)
Date
1894-05-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021028--03504-3027644
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 390 Vrflrrretchtfchr Wortzrnptzrtfl Nr. 20 Minister Carp: Herr Catargi? Das Land hat sie gefordert! Und wenn wir trotz alledem noch immer nicht zu dem gewünschten Resultate gelangt sind, was folgt daraus? Daraus folgt, daß das Heilmittel anderswo ist. Die einzige Hilfe ist die Stärkung des rumänischen Elementes, dann können Sie sicher sein, daß diese Gefahr sinken und verschwinden wird. Unter solchen Umständen werden Sie sehr wohl begreifen, weshalb ich nicht zugeben kann, daß die Fremden aus den Schulen ausgestoßen seien. Wenn Sie auf Ihrem Beschlüsse beharren, so erkläre ich Ihnen, daß ich diese Modtfication nicht annehmen kann. In solchem Falle wird das Gesetz fallen und mit dem Gesetze zugleich vielleicht auch etwas Anderes. . . . Und ich erkläre Ihnen, daß Sie dann bei dem jetzigen Zustande verbleiben werden, wo alle Fremden freien Zutritt in die Schulen haben. Und wenn die Gegner zur Macht gelangen, werden sie nicht mtt Amendements kommen, deren sie sich heute zum Umstürze bedienen. Seien Sie vorsichtig und gehen Die nicht in die Falle! (Beifall.) % Trotz dieser Rede eines rumänischen Ministers, der, ein gründlicher Kenner der rumänischen Judenfrage, seit Jahren für eine humane und civilisirtere Behandlung der jüdischen Landsleute cintritl, hat sich die traurige Lage derselben nicht im geringsten Grade gebeffert, wofür die von uns publicirter, an die rumänischen Machthaber gerichteten drei Memoranden unwiderleglich Zeugniß ab egen. Vom Jahrmarkt des Lebens. Eine „Blutfrage". Von einem winzigen Freunde unseres Blattes erhalten wir die folgende Zuschrift: »Liebe Redaction! Bin ich auch noch ein kleiner Junge, so gehe ich deswegen doch schon in die Zweite. Und der liebe Papa sieht strenge darauf, daß ich keine Zeitungen lese, welches ich gerne thue, weil er glaubt, ich lerne daraus allerlei schlechte Manieren und nehme die verschiedensten Ungezogenheiten an. Besonders die Gemeinderaths-Verhandlungen darf ich nicht lesen, welche mir gerade das Liebste sind von der ganzen Zeitung. Und da haut mich der Papa immer. Das ist das Vergnügen wirklich nicht werth, denn der liebe Papa ist Gottlob sehr kräftig. Gestern lese ich die Rede des Prinzen Liechtenstein und staune, daß der gesagt hat: „Sowie es im menschlichen Leibe weder zu wenig noch zweierlei Blut geben darf, Weiler sonst mangelhaft oder ungleichartig ernährt würde, so darf es auch in der Welt weder zu wenig Geld noch zweierlei ganz entgegengesetzte Geldsysteme geben." Unser Herr Lehrer hat uns aber gesagt, daß jeder Mensch zweierlei Blut hat, nämlich venöses und arterielles. Ist es nun möglich, liebe Redaction, daß ein Fürst, der dreimal so lang ist, wie ich kleiner Knirps, nicht einmal das weiß und so einen Unsinn zusammenspricht? Bekommt er vom Herrn Präsidenten einen Sechser dafür?! Müssen denn die Abgeordneten keine Aufnahmsprüfung machen?? Wenn man gar nichts zu lernen und zu wissen braucht, um Abgeordneter zu sein, will ich meinen lieben Papa bitten, er soll mich auf den Abgeordneten studiren laffen. Oder haben die Fürsten nur einerlei blaues Blut? Es küßt der Redaction freundlichst die Hand Hochachtungsvoll Karlchen T. sieben Jahre alt, Schüler der zweiten Classe. „Josef S. Bloch." HerrRedacteur! Seine Hochwürden der Herr Pfarrer Josef Deckert von Weinhaus titulirt in seinen letzten Unfläthigen den Reichsrathsabgeordneten Bloch „I. Schmul Bloch". Darin liegt Unterschiedliches verborgen, worauf ich Ihre Aufmerksamkeit gerne lenken möchte. Durch die Verballhornung des alttestamentlichen Samuel in „Schmul" glaubt Se. Hochwürden weiß Gott was für einen satyrischen Hieb von wundervoller Feinheit geführt zu haben. Schmul ist ein durch Zusammenziehung entstandener — Kosename. Weiter nichts, darüber ist nicht viel zu reden; wir wissen, wie es gemeint ist, und damit gut. Anders verhält es sich aber mit dem verschämt-unverschämten „I." Das bedeutet „Josef". Dr. Bloch heißt eigentlich Josef. Der menschenfreundliche Pfarrherr hat einen eigenen Cultus des „heiligen Josef", seines Namenspatrons, ins Leben gerufen. Der „Sendbote des heiligen Josef" weiß auf jeder Seite davon zu erzählen, wie und wo Sanct Josephus der Nährvater Gebete befürwortet oder anhört, aus Noth und Gefahr, die ihn anrufen, erlöst. Deckert will nun nicht, daß Dr. Bloch auch „Josef" heiße und einen wenn auch noch so geringen Antheil an dem Namenspatron, der unser Stammesgenosse war, besitze, deshalb heißt er ihn kurzweg „I." „Josef", ist aber dennoch sein Name — da hilft dem Meister der Kuppelungen, Talmudfalsificate und Blutlügen kein Fackeln. Der Reichsrathsabgeordnete Dr. Bloch führt den Namen „Jose f", weil er zur F a m i l i e gehört und ein Blutsverwandter des Heiligen ist, während der Pfarrer von Weinhaus zu diesem alttestamentlichen Namen ganz — unschuldig gekommen ist. Dieser Juden name sollte ihn eigentlich geniren, ein Name von hebräischem Klange und Inhalt, Ergenthum des jüdischen Volkes. Er hat sich ihn „angeeignet" wie mancherlei Anderes, welches er gut fructificirt. Das soll Herrn Deckert angemerkt werden. Hochachtenö Wien, den 15. Mai 1894. S. S. Archimandrit Reichsrathsabgeordneter Dr. Joan Zurkan. Czernowitz, 6. Mai. (Auch ein „Hochpercentiger".) Im Abgeordnetenhause hat der Archimandrit Dr. Joan Zurkan bei der Budgetdebatte über den Unterrichtsetat gewünscht, daß den Kindern griechisch - orientalischer Religion mehr religiössittliche Erziehung beigebracht werden solle, weil angeblich eine jüdische Lehrerin ein Geschäftchen mit den Kindern machte und dies deshalb, weil es nach den jüdischen Religionsgrundsätzen angeblich nicht der Moral widerspreche, unter allen Umständen „ein Geschäft zu machen". Nun schreiben heute die „Bukowinaer Nachrichten" über diesen Moralprediger wie folgt: „Ich will hier, nachdem der Herr Abgeordnete von „Geschäften" gesprochen hat, der „geschäftlichen" Thätigkeit dieses hochehrwürdigen Herrn ein wenig nähertreten. Eines der dankbarsten Geschäfte ist das Zinsennehmen, welches bekanntlich sowohl in der Bibel, als auch im canonischen Rechte verboten ist. Man sollte nun meinen, daß Herr Dr. Zurkan, der gegen „Geschäftchen" eifert, solche umsomehr verabscheuen müßte, wenn sie durch die kirchlichen Vorschriften, zu deren Erfüllung er als kirchlicher Dignitär verpflichtet ist, verboten werden. Dem ist -aber nicht so. Ein armer Bauer aus dem Storozynetzer Bezirke (sein Name wie auch die Namen mehrerer Anderer können von mir jederzeit genannt werden) hatte beim Consistorialrath vor Kurzem gegen Jntabulirung auf seine Bauernwirthschaft ein Darlehen contrahirt, für welches sich der genannte Herr Geldverleiher 10 Percent anticipativ zahlbare Jahreszinsen, 12 Percent Verzugszinsen ausbedang. Und als dann der Darlehensnehmer eine Zinsenrate nicht pünktlich einzuhalten vermochte, bestand derHerrAbgeordnete Zurkan auf der Zahlung der höheren zwölfpercentigen Verzugszinsen. Dies ist wohl „einer" der durchaus nicht „vereinzelt" dastehenden Fälle aus der „geschäftlichen Thätigkeit" eines Mannes, der das Kleid des Priesters trägt.. Ich habe bei zufälliger Einsicht in das hiesige Grundbuch Mehrere gefunden, in denen der Herr Eiferer gegen die jüdischen Geschäftchen niemals weniger als 10 Percent an Zinsen von den Darlehensnehmern, welchem Stande sie auch immer angehören mögen, sich ausbedungen bat." 100 Pereent Zinssteigerung. Im Jnseratentheile eines Wiener Journals fand man am l.d.M. folgendeAnzeige: „In einigen Tagen muß wegen fast 100 Percent Zinssteigerung im Fürst Liechtenstein-Palais, Wien, I. Bez., Herrengasse 8, mein seit 10 Jahren bestehendes Flaschenweingeschäft geräumt sein und sind nur noch kleine Partien vorräthig . . ." (es folgte hierauf eine Preisliste). Was würden Prinz Alois Liechtenstein, Lueger rc. sagen, wenn. sieAehnliches von einem jüdischen Hausherrn erfahren würden? Das Wort des Staatsanwalt. In dem zuRakonitz durchgesührten Prozeß gegen die „Brüder der Finfterniß" Adolf Natali und Genossen, welche dem jüd. Kaufmann Ferd. Koh n ein beträchtliches Quantum Dynamit gestohlen haben, ' um ein Attentat gegen den Juden Leop.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.