Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 20 (18.5.1894)
- Date
- 1894-05-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 20 Vesterveichtsche Wochrnfchriy Sette 369 für -die Fremden unsere Schulen eröffnen dürfen; ich bin davon überzeugt, daß unsere Nationalität keine Gefahr läuft; ich bin ferner der Überzeugung: je mehr wir unsere Schulen den Fremden öffnen, um so stärker wird unsere Wirksamkeit auf der Balkanhalbinsel werden; umsomehr wird der Name und die Civilisation Rumäniens sich verbreiten. Dies im Allgemeinen bezüglich der Fremden. Nun komme ich zu den Juden. Es gab eine Zeit, meine Herren, da diese Angelegenheit des Ausführlichen erörtert worden ist; seither haben die Leidenschaften sich ein wenig besänftigt und jetzt kann ich freier sprechen; ich spreche heute nicht in einer glühenden Atmosphäre, wie ich damals gesprochen habe; und wenn ich damals den Muth hatte, als ich Gefahr lief, daß man mir das Haus anzündet, daß ich am darauffolgenden Tage getödtet werde.... wenn ich.dazumal den Muth hatte, von den Juden so zu sprechen, wie ich gesprochen habe, dann können Sie sich denken, daß ich heute den gleichen Muth besitze. Meine Herren, was habe ich damals gesagt? Ich. habe gesagt: Es ist klar, daß die Zahl der Juden im Verhältnisse zu den Rumänen zu groß sei; und welch gute Meinung wir auch von jener Rasse hegen, wie sehr wirauch ihreBesonnenheit, ihrFamilienleben, ihren wirthschaftlichen Geist und ihre geistigen Fähigkeiten bewundern, so ist es doch evident, daß dieses Element im gegenwärtigen Augenblicke uns fremd ist und daß das Zahlenverhältniß wohl darnach angethan ist, bis zu einem gewissen Punkte eine Gefahr zu bilden. Das habe ich damals zugegeben und gebe es auch jetzt zu. Worin besteht nun der Unterschied, meine Herren? Der Unterschied besteht darin, daß Sie durch gegen die Juden gerichtete Maßregeln dem Uebel entgehen wollten, während ich sagte: „Es gibt kein anderes Mittel, als sich zu bemühen, die Rumänen für den Weltkampf zu stärken, und wenn wir dies — nicht auf dem Wege der Verfolgung, sondern durch Stärkung des rumänischen Elementes auf dem Handels- und Industriegebiete — erreichen werden, dann wird die Zahl der Juden abnehmen und die Gefahr geringer werden. Denn wenn bei uns die Zahl der Juden so groß ist, so ist es darum, weil dieses Element in unseren Gewohnheiten, in unserem ganzen socialen Leben die Möglichkeit findet, sich auszubreiten und die Situation wird die gleiche bleiben, was immer Sie auch untemehmen mögen, wenn Sie Ihre socialen Zustände nicht verändern werden, wenn Sie die Rumänen nicht eine andere Lebensweise lehren werden. Das habe ich damals gesagt, das sage ich heute; meine Herren, welchen Zweck verfolgt nun das vorliegende Gesetz, und welches sind alle die Ziele, welche sowohl Ihre Partei, als die unsrige angestrebt haben? Die Creditgesetze — ich spreche nicht davon, wie sie angewendet worden sind — dieje von der national-liberalen Partei gemachten Gesetze waren günstig für die Stärkung des kaufmännischen Elementes, für die Stärkung unserer wirthschaftlichen Thätigkeit in diesem Lande. Ich glaube, daß die Herstellung der Valuta eine Stärkung unserer Handels- und wirthschaftlichen Thätigkeit bedeutet. Ebenso glaube ich, daß das Gesetz über den Verkauf von Staatsgütern an Bauern eine Stärkung des rumänischen Elementes ist; ich glaube, daß auch das Gesetz über Agricolcredit und das Project für die Agricolbank, über welche Sie berathen werden, Elemente der Stärkung unserer Handelsactivität find. Nun, meine Herren, wenn Sie sehen, daß wir vorwärts schreiten in der Stärkung unseres rumänischen Stammes, wenn Sie sehen, daß wir praktische Schulen gründen wollen und wenn Alles, was wir bisher gemacht, beweist, daß wir die Stärkung der Activität des Rumänen anstreben, dann meine Herren, frage ich: Haben wir unsere Verpflichtung gegenüber diesem Staate erfüllt? Nun aber, meine Herren, was sollen wir mit den Juden machen? Was darf man heute auf dem Wege der Verfolgung machen? Was die Naturalisation betrifft, so naturalisiren Sie sie ja nicht; von der Politik haben Sie sie weggedrängt; der Jude wird gezwungen, in das Heer einzutreten, um so seine Blutsteuer zu entrichten, aber was das Avancement beiriffr, so . . . lassen Sie ihn nicht avanciren. . . Nichtsdestoweniger beklagen Sie sich heute, wie vor 10 Jahren, daß wir vom jüdischen Element niedergedrückt sind; Sie sagen, daß unsere Nation in Gefahr steht. Ich sage, die Nation wird in Gefahr sein, wenn Sie nicht so arbeiten wollen, wie Jene. Hier liegt die Lösung der Juden frag e. Geben wir dem Rumänen Alles, worauf ei Anspruch besitzt, aber dann sagen wir ihm: Du bist schön, bist groß, stark, aber wisse, alle diese Vorzüge wirst Du verlieren, wenn Du durch Arbeit sie nicht erhalten willst. Das müssen wir dem rumänischen Volke sagen, und wenn wir ihm es sagen und wenn es sich an die Arbeit gewöhnen wird, an welche es nicht gewöhnt ist . . (Protestrufe) . . . Aber Sie sagen, die Juden müssen beseitigt werden. Ich würde folgende Logik begreifen: Das rumänische Volk ist in Gefahr. Sehr wohl. Dann muß entweder jenes Element hinausgejagt werden, damit es keine Gefahr mehr bilde, oder man muß es tödten. Aber da Sie es in diesem Lande behalten und es nicht tödten können, entsteht dann die Frage: Was ließe sich wohl am besten für dieses Land thun? Ist es besser, daß Sie 200.000 Ignoranten haben, oder ist es besser, durch Schulen zu bewirken, daß dieses fremde Element sich unserem Charakter mehr nähere? Sie wollen, daß diese fremde Bevölkerung eine Bevölkerung von Ungebildeten sei, und dann ist sie für uns eine Gefahr — oder daß sie selbst Schulen gründen, die besser sein werden, als die u n fr ig en — denn der Verfolgte arbeitet mehr als jeder Andere — dann wird die Concurrenz zwischen ihnen und uns auf einem anderen Gebiete eine schreckliche sein, denn der Jude wird ein Fremder mit fremder Cultur, nicht aber ein Fremder mit rumänischer Cultur sein. (Unterbrechungen.) Ah! Sie wollen also noch weiter gehen und sagen: „Ich gebe Euch keine Erlaubniß, Schulen zu besitzen!" Können Sie dies thun? Nein! Nun gut, wenn Sie sie weder tödten, noch aus dem Lande verjagen, noch im Zustande der Unwissenheit erhalten, noch sie am Besitz von Schulen verhindern können, — welches Resultat glauben Sie zu erreichen? Sie werden gar nichts erreichen! Und wirklich, seit Jahrzehnten haben wir nichts als Maßregeln gegen sie ergriffen, nichts gethan, als uns gegen sie vertheidigt, ohne durch diese Maßnahmen zu einem praktischen Resultat zu gelangen. Die Erfahrung des Vergangenen belehrt Sie in nichts. Sie haben sie (die Juden) in der Donau ertränkt; Sie haben mit ihnen gemacht, was sie nur wollten ... . Rufe: Wir protestiren . . . Sie denunciren das Land ... ein rumänischer Minister darf nicht so sprechen. (Lärm.) Minister C ar.p: Erlauben Sie, es ist meine Pflicht, Ihnen die Bilanz dieser Frage zu machen; ich habe nichts Anderes gethan, als Ihnen Gesetze dieses Landes citirt. Ich habe ihre Vertreibung aus den Landgemeinden erwähnt; ich habe Ihnen alle von Ihnen getroffenen Maßregeln citirt. Eine Stimme: Herr Catargi hat diese Maßregeln getroffen!