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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-11 · 19 (11.5.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
19 (11.5.1894)
Date
1894-05-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 19 O-österreichische Wochenschrift Seite 373 an 200 arme jüdische Kinder die Wohlthat des Aufenthaltes in einer gesunden Sommerfrische verdanken. Wir erfüllen nur einen Act der Dankbarkeit, wenn wir der unermüdlichen, sich aufopfernden Präsidentin dieses Vereines Frau Dr. Sophie Grünfeld, sowie allen jenen Frauen, welche sie in diesem ihrem hochherzigen Bestreben mit Rath und That unterstützten, an dieser Stelle unsere wärmste Anerkennung zollen. Einem anderen jungen Vereine, dem Mädchen-Vereine „Moria" haben wir durch unentgeltliche Ueberlassung unserer Vereins-Localitäten Gelegenheit geboten, durch Veranstaltung von populär - wissenschaftlichen Vorträgen aus dem Gebiete der Geschichte und der Wissenschaft des Judenthums in den Geist unserer Religion einzudringen und so junge Mädchen mit unserer vieltausendjährigen Geschichte bekannt zu machen. Unser Vicepräsident, Herr Dr. Marcus Spitzer, hat auch in diesem Jahre einer stattlichen Reihe von Glaubensgenossen seine rechts freundliche Unterstützung unentgeltlich zur Verfügung gestellt, und sehen wir uns veranlaßt, demselben für seine aufopfernde Thätigkeit den Dank unseres Vereines zum Ausdruck zu bringen. In dem abgelaufenen Vereinsjahre hielt die Vereinsleitung acht Plenar-Versammlungen ab, in welchen folgende Herren Vorträge hielten: Am 7. October 1893 Herr Dr. S. Gelbhaus: „Ueber deutsche und jüdische Volksdichtung". Am 11. November 1893 Herr S. Brod: „Das Gewerbe im Judenthum". Am 9. December 1893 Herr Reichsrathsabgeordneter Earl Wrabetz: „Die neue politische Situation". Am 13. Jänner 1894 Herr Dr. Jos. M. Löbl: „Die Hygiene bei den alten Juden". Am 24. Februar 1694 Herr Dr. Eduard Mahler: „Ueber das Kalenderwesen bei den verschiedenen Völkern". Am 14. April 1894 Herr Universitäts-Docent Dr. Fr. Kühnert: „Ueber Chinas Eigenart". Endlich am heutigen Abend Herr Cultusvorsteher, Architekt Max Fleischer über: „Von der Bibel und den egyptischen Alterthümern". Es sei hiemit allen diesen Herren für die Liebenswürdigkeit, mit welcher sie sich dieser Mühe unterzogen haben, unser wärmster Dank gesagt. Die am 14. October 1893 und 14. März 1894 abgehaltenen Vereins-Versammlungen waren ausschließlich der Besprechung des Entwurfes unseres neuen Gemeindestatutes, beziehungsweise der bevorstehenden Reichsrathswahl gewidmet. Es obliegt uns noch zum Schlüsse die traurige Pflicht, jener Vereinsmitglieder zu gedenken, die im Laufe des' Vereinsjahres mit Tod abgegangen sind. Es sind dies die Herren: Leopold Löw Beer, Ignaz Herzka, Anton Kößler, Dr. Adolf Jellinek, Ludwig Löw, Moritz Rais, David Rosenstein, Herrmann Szücs, Dr. Sigmund Stach, Michael Thiemann, Michael Winkler, Simon Zerner. Geehrte Versammlung! Das Vertrauen, das uns an die Spitze Ihres Vereines stellte, war uns stets ein Leitstern in allen Actionen, die wir im Interesse unseres Vereines, sowie des gesammten Judenthums unternommen haben. Und wenn auch der Erfolg derselben in manchen Dingen hinter unseren Erwartungen blieb, so glauben wir dennoch den uns gestellten Aufgaben vollkommen gerecht worden zu sein, in dem sicheren Bewußtsein, unsere Pflicht als Vorstand Ihres Vereines, wie als Juden redlich erfüllt zu haben. Der jahrelang geschürte Haß in unserer Bevölkerung, die vornehme Jgnorirung dieser traurigen Bewegung seitens der maßgebenden Factoren bringen es mit sich, daß unser Wirken nicht jenes Resultat erzielte, das wir Alle vom ganzen Herzen wünschen. Wenn der Vorstand Ihres Vereines jedoch blos die eine Aufgabe erfüllte, daß er bei jeder Gelegenheit das mahnende Gewissen jener Factoren bildete, die allein berufen und im Stande sind, uns Juden zu unserer gleichberechtigten Stellung zu verhelfen und diesen traurigen Zuständen ein Ende zu bereiten, so glauben wir hiedurch sowohl Ihnen, geehrte Versammlung,' gegenüber, als auch dem gesammten Judenthume nach bestem Wissen und Gewisien gedient zu haben. Der Rechenschaftsbericht fand stellenweise lebhaften Beifall und wurde ebenso wie der vom Vorstandsmitgliede Herrn Bettelheim verlesene Cassabericht einstimmig zur Kenntniß genommen. Herr Gemeinderath Dr. Fried jung sprach dem Vereinsvorstand für dessen taktvolle Leitung, Herrn Dr. Ed. M a h l e r, den Herren Ortsschulrath S. Heit und Josef Fuchs, Ersterem als Beirath des Vereines und Letzterem als Secretär desselben, ad honores den Dank der Vereinsmitglieder aus. Nachdem noch Herr Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch seiner Befriedigung über die Wahl des Gemeinderathes Stiaßny in den Stadtrath Ausdruck gab, wurden die Neuwahlen in den Vereinsvorstand vorgenommen. Es wurden gewählt: über Antrag des Herrn Gemeinderathes Lang Herr Cultusvorsteher Dr. Josef Grünfel d per Acclamation zum Präsidenten und mittelst Stimmzettel die Herren Gottlieb Bettelheim, Jacob Jaiteles, B. Kanitz, Ignatz Kantor, Dr. Jacob Kohn, Dr. Max Landesberger, Philipp Popper, Adolf Rosenbaum und Dr. Marcus Spitzer. Somit erscheint der frühere Vorstand in seiner Totalität wiedergewählt. Nachdem noch Herr Dr. Marcus Spitzer namens des Vereinsvorstandes den Dank für die Wiederwahl desselben erstattet, schloß der Vorsitzende die Versammlung. F. Vom „Ferienheim". Antwort an den „Kinderfreund". Sehr geehrter Herr! Ihrer Anregung, einem wohlthätigen Zwecke das für den Luxus der Kranzspenden verausgabte Geld zuzuführen, muß nicht nur jeder warmfühlende, sondern auch jeder ruhigdenkende Mensch beipflichten. Wenn man die Summe für diese oft erdrückende Blumenlast berechnen würde, in der weniger der Schmerz um den Todten, als die Eitelkeit der Lebenden zum Ausdrucke gebracht wird, so müßte dieselbe wohl hinreichen einen Wohlthätigkeitsverein zu fundiren und zu erhalten. Sie, geehrter Herr, schlagen zu diesem Zwecke die Gründ ung einer Feriencolonie für jüdische Kinder vor. Obwohl ich einerseits bedauere, daß Sie noch in Unkenntniß über eine bereits vollzogene Thatsache sind, freue ich mich andererseits, durch diese meine Mittheilung hoffentlich einen neuen Gönner und Förderer unserer Institution zu gewinnen.Die erste israelitische Feriencolonie wurdeim Jahre 1892 auf Initiative einer in der österreichisch-israelitischen Union abgehaltenen Versammlung ins Leben gerufen. Mit der Creirung und vollständigen Organisation derselben wurde Frau Sofie Grünfeld, Gattin des Docenten und Präsidenten der Oesterr.-Jsrael. Union Herrn Dr. Josef Grünfeld, betraut.. Die Leser der „Oesterreichischen Wochenschrift" konnten vom Gründungsjahre 1892 an das progressive Gedeihen der isr. Feriencolonie verfolgen. Frau Sofie Grünfeld, von einigen gleichgesinnten Frauen in der Arbeit, von edlen Menschenfreunden durch Spenden unterstützt, war schon im Sommer 1892 in der Lage, 45 Kinder, Knaben und Mädchen, in eine Feriencolonie nach Schattmannsdorf in Ungarn abgehen zu lassen; in den Ferienmonaten des Jahres 1893 wurden bereits nahe an 200 Kinder nach Ungarn und nach Pettau in Mähren geschickt. Aus dieser privaten Thätigkeit constituirte sich im December 1893 das „Ferienheim", Verein für isr. Feriencolonien, zu dessen Präsidentin Frau <L>ofie Grünfeld gewählt wurde, und der aus einem Vorstande von 17 Damen und 10 Herren als Beiräthen besteht. Die Mitglieder, mit einem Jahresbeiträge von drei Gulden haben nahezu die Zahl 500 erreicht, und die

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