Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 19 (11.5.1894)
- Date
- 1894-05-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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.Seite 372 -Srstrrrrdtziptzr Wochenschrifl Nr. 19 Kampfer für alles Gute und Edle. Vor uns liegt ein im Sonderabdruck erschienener Bericht der „Ullmer Schnellpost" über eine Rede Welcker's, gehalten am 9. Februar 1892 in München, worin er sagte: „Der Kampf, den wir für die Erhebung der deutschen Art, des deutschen Geistes, der deutschen Ideale, für deutsches Sinnen und Minnen, für deutsches Recht und Volkswohl ausgenommen haben, ist uns ein heiliger. Die Befreiung des Deutschthums vom semitischen Joch ist eine culturelle Nothwendigkeit (Stürmischer Beifall); denn darum handelt es sich: Soll in unserem deutschen Vaterland der deutsche christliche Idealismus herrschen oder der semitischmosaische Materialismus . . . Was es mit dem deutschen und christlichen Idealismus des Herrn Welcker für eine Bewandtniß hat, darüber klärt uns ein Steckbrief auf, den soeben der Vorsitzende der deutschsocialen antisemitischen Partei Badens und Württembergs, Rudolf Vogel, in der „Deutschsocialen Correspondenz" vom 26. April erlaßt. Es heißt darin: -1 Welcker, der einer hochachtbaren und angesehenen Stuttgarter Familie angehört, wurde am 9. November 1886 aus dem Corps „Staufsia" der technischen Hochschule Stuttgart enw infamia excludirt. Aus einem mir im Original vorliegenden Briefe eines „alten Herrn" genannten Corps vom 6. April 1893 entnahm ich folgende Stelle: „Die Handlungsweise des p. p. Welcker war derart gravirend, daß nach Ansicht der „alten Herren" der Staufsia eine andere Bestrafung absolut unzulässig erschien. Ebenso lag die ganze Sache derart klar, daß von einem eventuellen Jrrthum-gar keine Rede sein kann." Am 6. December 1886 wurde nach einem, mir ebenfalls im Original vorliegenden Berichte des Bezirks-Commandos in Ulm Welcker von der Liste der Ofsi c iers-Aspiran ten gestrichen. Auch dieser Bericht stammt aus dem Jahre 1893 (1. Juli). Welcker hat nun mehrfach behauptet, er sei vom Corps Staufsia bezw. vom Grenadier-Regiment Königin Olga rehabilitirt worden. Aus der Dalirung der von mir angezogenen Schriftstücke, deren Inhalt übrigens durch mehrere andere vom Juni und Juli 1893 bestätigt wird, geht hervor, daß diese Behauptung eine Lüge ist. Nichtsdestoweniger gelang es Welcker, auf Grund dieser unwahren Behauptung, Ende der 69er Jahre bis 1693, wo er von Stuttgart verschwand, eine führende Rolle in der schwäbischen antisemitischen Bewegung zu spielen. Er mißbrauchte dieselbe, um bei den verschiedensten Parteifreunden Schulden in erheblichem Betrage zu machen, war auch trotz seines am 7. Mai 1893 abgegebenen Ehrenwortes nicht dazu zu bringen, der Partei Abrechnung über die bezogenen Agitationsmarken im Wertste von '120 Mark sowie über die von ihm eingezogenen Beiträge des „Schwäbischen Bauernbundes" zu erstatten. Auch über diese Dinge sind die notariell vidimirten Belege in meinen Händen. Welcker ist Redacteur der „D. Wacht", des Organs des Abgeordneten Zimmermann, und noch in den letzten Tagen des April bringt das Blatt begeisterte Berichte über Reden, die Welcker in Crimmitschau, Plauen und Strehlen gehalten hat. Die Zuhörer spendeten ihm reichen Beifall und ehrten ihn durch Erheben von den Sitzen. Das ist in der antisemitischen Partei so gang und gäbe. Es sollte uns gar nicht wundern, wenn Herr Welcker demnächst in den Reichstag einzieht. Generalversammlung der Oesterreichisch-Israelittschrn Union. Dienstag den 24. April d. I. hielt die Oesterr.-Jsrael. Union ihre diesjährige Generalversammlung ab. Der bis auf das letzte Plätzchen gefüllte Saal gab Zeugniß von dem eminenten Interesse, welches diesem äußerst rührigen Verein allseits, entgegengebracht wird. Man bemerkte den Landesschulrath Dr.Gustav Kohn, Stadtrath Stiaßny, Reichsraths- Abgeordneten Dr. Bloch, die Gemeinderäthe Dr. Fri e d j un g, Lang und Dr. Alfred Mittler, Cultusvorsteher Architekt Max Fleischer u. A. Der Vorsitzende begrüßte die Versammlung, und gedachte in ehrenden Worten der in diesem Vereinsjahr dahingeschiedenen Gönner des Vereines, der Herren Oberrabbiner Dr. Adolf Jellinek, Dr. Ludwig'August Frankl und Moritz Freiherrn von Köni gsw art er. Die Versammlung ehrte das Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Hierauf hielt Herr Architekt Max Fleischer seinen Vortrag über: „Von der Bibel und den egyptischen Alterthümern." Herr Architekt Fleischer mit ^lebhaften Zurufen begrüßt, erntete für seinen formvollendeten Vortrag begeisterten Beifall und wurde am Schlüsse desselben von allen Seiten beglückwünscht. Der Vortrag selbst erscheint demnächst in dem Vereinsorgane der Oesterr.-Jsrael. Union. Herr Secretär Fuchs verliest nunmehr folgenden Rechenschaftsbericht: Geehrte Versammlung! Der Rechenschaftsbericht, den Ihr Vorstand Ihnen mit Gegenwärtigem zu erstatten sich die Ehre gibt, weicht von jenem der Vorjahre nach manchen Richtungen ab. Konnten wir in dem Vorjahre auf eine rege Thätigkeit nach Außen Hinweisen, so befolgten wir ein besonderes Gebot der Vorsicht und Taktik, wenn wir in diesem Jahre eine stille, aber desto intensivere Thätigkeit entfalteten, da wir zur Ueberzeugung gelangt sind, daß angesichts der verworrenen politischen Verhältnisse, die sowohl im Reichsrathe, als auch in unserer communalen Verwaltung' herrschten, auf diesem Wege nachhaltige Erfolge zu erzielen sind. So haben wir in der Frage der Bekämpfung des Antisemitismus Actionen eingeleitet, die wir rn einem Kreise von Vertrauensmännern einer gründlichen Berathung unterzogen haben, deren Bekanntgabe Sie uns jedoch aus leichtbegreiflichen Gründen bei dieser Gelegenheit erlassen wollen. Bei zwei Gelegenheiten schien es uns jedoch für dringend geboten, aus unserer Reserve herauszutreten. Es war dies bei Vergebung d.s Rathhaussaales an den antisemitischen Verein „Christl. Familie" und bei der Ersatzwahl für das erledigte Reichsrathsmandat in der Innern Stadt; ersteres im Interesse unseres gefährdeten Gewerbestandes, letzteres in dem Bestreben, das Mandat, wie in früheren Jahren, auch fernerhin einem Juden zu erhalten. Den von uns beabsichtigten Zweck, mit der Creirung unseres „Kalenders für Israeliten" einem dringenden Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung zu entsprechen, haben wir durch die Herausgabe des zweiten Jahrganges auch in diesem Jahre gefördert, und fühlen wir uns zu lebhaftem Danke sowohl unserem bewährten Mitarbeiter, Herrn Dr. Eduard Mahler, als auch allen jenen Männern gegenüber verpflichtet, welche durch werthvolle literarische Beiträge nicht nur den Werth des Buches erhöhten, sondern auch das Ansehen des Vereines in den weitesten Kreisen gefördert hahen. Mit der Errichtung der im Vorjahre eröffneten israelitischen theologischen Lehranstalt ist eines der vornehmsten Ziele unseres Vereines im Sinne unserer Statuten verwirklicht worden. Wir glauben für uns das Verdienst in Anspruch nehmen zu können, die Gründung dieses Institutes durch unser jahrelanges Bestreben gefördert zu haben. Die Anerkennung und die überaus freundliche Aufnahme, die das Curatorinm dieser Anstalt von Seiten Seiner Majestät erfuhr, mag Ihnen die Befriedigung gewähren, daß mit der Gründung dieses Institutes einem unabweislichen Bedürfnisse in dem Gemeindewesen unseres Vaterlandes Rechnung getragen wurde. Die von unserem Vorstands-Mitgliede Herrn B. Kanitz angeregte und von unserem Vereine eingeleitete Sammlung von Büchern für die israelitische theologische Lehranstalt, ergab das Resultat von 1734 Bänden und Broschüren, welche wir ihrer Bestimmung bereits zugeführt haben. Wir haben auch in diesem Jahre an arme Schüler der hebräischen Sprache und Bibelschule, sowie der Talmud-Thora- Schule eine Anzahl von Handstipendien vertheilt und mit besonderer Genugthuung die Wahrnehmung gemacht, daß hiedurch unser Zweck, die Anspornung zum regen Besuche dieser Anstalten, in glänzender Weise erreicht wurde. Nicht minder wollen wir der ebenfalls aus unserem Schoße hervorgegangenen Gründung des Vereines „Ferienheim" gedenken, dessen thatkräftigen Initiative in dem Vorjahre nahe