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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-11 · 19 (11.5.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
19 (11.5.1894)
Date
1894-05-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19 Vestrrrrichifchr Wochenschrift Seite 369 für gutes Geld die Gebete zum heiligen Joseph an; er ist aber sofort bereit, die Ahnen, die Väter, die Familie, das Geschlecht und den Stamm des heiligen Joseph blasphemisch zu beschimpfen, wenn sein hochentwickelter Geschäftssinn es heischt, um seine Predigten zu würzen und Exemplare abzusetzen. Dazu ist es allerdings erforderlich,daß er gleichzeitig mit einem frommen Augenaufschlag und einer verschmitzten Geberde versichert: „Ein jüdisches Gehirn faßt zwar Alles nur vom Standpunkte des Geschäftes auf und kann es nicht fassen, daß man sich in irgend einer Frage auch von anderen als geschäftlichen Motiven leiten lassen kann." Wir aber behaupten, daß unsere Zeitgeschichte keinen zweiten Geistlichen kennt, der die Religion im Dienste niedrigster Profitwuth so ungenirt mißbraucht, als den „Redacteur" Joseph Deckert,der überdies ohne alle religiösen Skrupeln Jude oder Christ bemogelt, wir wissen nicht, ob „aus geschäftlichen Moitven" oder aus Liebe zur Sache. Wenn die geistliche Oberbehörde den fortgesetzten Scandal, den die öffentliche und private Wirksamkeit des Herrn Pfarrers bildet, dulden will, so ist das ihre Sache. Das „Vaterunser". In der Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses vom 30. Jänner 1893 sprach Abgeordneter Kronawettev über die neuen Schulgebete und das stenographische Protokoll vermerkt folgenden Zwischenfall: Abgeordneter Dr. Krona weiter: „Man spricht davon, daß die nächste Errungenschaft des Clericalismus die sein werde, daß die Kinder gezwungen werden, in der Schule das Vaterunser und das Ave Maria zu beten. Das Vaterunser ist ein hebräisches Gebet, aus der Zeit der babylonischen Gefangenschaft her. (Gelächter rechts.) Es ist nicht mein Lebensberuf gewesen, sprachwissenschaftliche und culturhistorische Studien zu betreiben. Ich habe das irgendwo gelesen, ich weiß nicht mehr genau wo. (Abgeordneter Treuinfels: Schöne Bildung!) Mein Gott, Sie werden auch über Juristerei Manches gelesen haben und vielleicht über manche juristische Dinge in ähnlicher Weise sprechen, wie ich hier über diese Sache gesprochen habe. (Abgeordneter Treuinfels: Aber das dürften Sie doch wissen, Herr Doctor!) Ich bin kein Theologe von Fach. (Lebhafte Heiterkeit.) Und was ich gelesen habe, kann ja auch wahr sein." „Das zweite Gebet,-welches die Kinder werden sprechen müssen, ist das „Ave Maria". „Ich frage alle Herren, die hier sind, bezüglich des Ave Maria: Was soll sich ein Kind in der Volksschule unter der Fmcht des Leibes einer Jungfrau denken? (Unruhe rechts.) „Vicepräsident Dr. Kathrein (unterbrechend): Herr Abgeordneter, ich kann Sie so nicht weiter sprechen lassen. Ich bitte von diesem Thema abzugehen. Ich kanndas, was uns Katholiken das Heiligste ist, in dieser Weise nicht besprechen lassen. (Lebhafter Beifall rechts.) Abgeordneter Dr. Kronawetter: „Ich constatire, daß ich kein Wort gebraucht und nichts gesagt habe, wodurch das, was einem Katholiken das Heiligste ist, im mindesten angegriffen oder herabgewürdigt würde. Ich verachte es, eine andere Meinung, speciell was immer für eine religiöse Meinung, herabzusetzen oder zu bespötteln. Nie ist etwas Aehnliches aus meinen! Munde gekommen. Allein in rein sachlicher Weise muß man doch über alle Dinge sprechen dürfen. Wenn man da, wo man auf andere Anschauung stößt, schweigen nmß und ein Parlament eine in sachlicher Weise geführte Discussion nicht mehr verträgt, weil sie den Clericalen unangenehm ist, wenn die Redefreiheit so beschränkt wird, so ist damit der beste Beweis für den Sieg des Clericalismus über das österreichische Parlament geliefert. Wir gehen einer sehr traurigen Zeit in Oesterreich entgegen, die Fortschritte der Reaction auf einem Gebiete, wo man es nie hätte erwarten sollen, sind rapid." _ Soweit das stenographische Protokoll. Dr. Bloch war im Hause zufällig nicht anwesend und erschien unmittelbar nachdem diese Scene sich abgespielt hatte. Hofrath Beer berichtete ihm den Vorfall und bemerkte, seines Wissens existire über die Quellen des „Vaterunser" eine ganze Literatur, welche die Behauptung Kronawetter's bestätigt. Indessen die clericalen Abgeordneten zeigten sich noch immer entrüstet über die Zumuthung, daß das christliche „Vaterunser" jüdischen Ursprunges sein soll und protestirten in Privatgesprächen gegen eine solche „Volksvergiftung". Daraufhin erbot sich Abgeordneter Dr. Bloch den clericalen Vertretern die Quellen des „Vaterunser" nicht etwa in den hebräischen Urtexten, die sie nicht controliren können, sondern aus den wissenschaftlichen Commentaren zu den Evangelien den Nachweis dafür zu erbringen. Er ließ sich aus seiner eigenen Bibliothek nachstehende Werke holen: F. N o rUs „Nabbinische O.uellen und Parallelen zu neutestamentlichen Schriftstellen" (Leipzig 1839) Evangelium Matthäus S. 42—45; Dr. A u g. W ü nsche 's „Neue Beiträge zur Erläuterung der Evangelien aus Talmud und Midrasch (Göttingen 1878) S.83—90; Charles Taylor M. A.) „Sayings of the Jewish fathers“ Excurs: Y. The Lord’s Prayer 8 138—145 Cambridge 1877. Diese Werke enthalten sümmtliche hebräische Urtexte und Parallelstellen des „Vaterunser" mit genauer Angabe der Quellen und sie verfehlten ihre Wirkung nicht auf die clericalen Heißsporne. Namentlich der gründliche Excurs Taylor's machte einen frappiienden Eindruck. Ihre Absicht, auf die Aeußerungen K r o n a w e t t e r's nochmals zurückzukommen, ließen sie fallen, sie redeten nicht mehr darüber und Hofrath Be er, welcher als Berichterstatter ihnen antworten sollte und der die erwähnten Schriften deswegen mit sich genommen, hatte keinen weiteren Anlaß, die Vaterunser-Frage zu besprechen. Unser Artikel in Nr. 16 der „Oesterr. Wochenschrift" enthält natürlich blos jene Zusammenstellung, welche Taylor bietet. Man bedauert mit Recht, daß in christlichen Kreisen die Kenntniß der jüdischen Literatur so wenig verbreitet ist. Leider macht man die Wahrnehmung, daß auch bei jüdischen Schriftstellern die Unwissenheit auf diesem Gebiete häufig keine geringere ist. Man hat keine Ahnung von der ganzen Literatur zum „Vaterunser" und hält für wichtige wissenschaftliche Entdeckungen, was nicht blos jedem Kundigen längst geläufig sein muß, worüber sich auch jeder Anfänger ohne jegliche Mühe orientiren kann. In sachlicher Beziehung erhielten wir aus Berlin nachstehende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Sie würden sich ein Verdienst erwerben, wenn Sie die Freundlichkeit hätten, den consiscirten Abwehrartikel gegen Pfarrer D eck.ert behufs Drucklegung uns zu überlassen. Betreffend die' nach Wünsch e's „Neue Beiträge" zusammengestellten Quellen des „Vaterunser" in Nr. 16 der „Oesterreichischen Wochenschrift" und in einer älteren Nummer frei' „Israelitischen Wochenschrift" gestatten Sie mir nachstehende Bemerkung: Der zweite Theil des Satzes im Gebete: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Nebel" — Weal t’bienu . . . lide nissajon pp. (aus dem Morgengebet, vergl. Berachoth 60 b, beziehungsweise 16 b, vergl. auch Psalm 121, 7: „Der Herr bewahre Dich vor jedem Nebel") hat offenbar ursprünglich nicht gelautet: jm?ö oder jn Sn» sondern jnn UPÖ knlsprechend Berachoth 16 b. Nur so ist eine sinngemäße Uebereinstimmung und ein Parallelismus zwischen beiden Theilen des Satzes hergestellt. Ich bitte darüber um Ihre Meinung. Hochachtungsvoll. . . In Beantwortung dieser Frage genügt, blos zu constatiren, daß in dem citirten Werke von Charles Taylor S. 144 diese Amendimng mit einer ausführlichen gelehrten Begründung sich findet.

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