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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-11 · 19 (11.5.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
19 (11.5.1894)
Date
1894-05-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Drflerrrichifchr Wochrnschrifi ©eite 367 Wir hoffen, daß Sie diese Maßregeln blos Jenen gegenüber aufrecht erhalten werden, welche die Bestimmungen der Entscheidung des löblichen Ministerrathes seit jener Zeit, also vom 7. October 1892 an, übertreten haben. Genehmigen Sie gefälligst rc. rc. (Die Unterschriften der Delegirten.) Verfolgte Rumänen und rumänische Verfolger. Budapest, am 8. Mai 1891. Rumänische Politiker nehmen häufig für das freie Königreich Rumänien das epitheton oruans „das östliche Belgien" in Anspruch. Sie bezeichnen das Land als äußerstes östliches Bollwerk des civilisirten Europa gegenüber Rußland und auch der Türkei, sie weisen darauf hin, daß westländische Einrichtungen im öffentlichen Leben, in der culturellen Entwicklung u. s. f. Wurzel gefaßt haben und gedeihen, und sie rühmen sich schließlich ihrer nach dem Vorbilde der belgischen Constitution zugeschnittenen liberalen Verfassung, welche allein in gewissem Sinne den Vergleich mit Belgien rechtfertigen könnte. Was nun die rumänische Constitution in ihrer früheren Form betrifft, so fehlte ihr das wichtigste Moment einer wahrhaft modernen,' freiheitlichen Charta, nämlich die Anerkennung des Gleichberechtigungsprincipes für olle Bürger des Staates. Erst als auf dem Berliner Congreß die Großmächte den Vertretern Rumäniens, welche flehentlich um die Gewährung der Souveränität für ihr Land baten, klipp und klar erklärten, dies könne nur zugestanden werden, wenn das bislang an den eingeborenen Juden begangene Unrecht gutgemacht und ihnen die Erlangung der Staatsbürgerschaft ermöglicht würde, — erst dann entschlossen sich die maßgebenden Persönlichkeiten Rumäniens mit Weh und Ach, ihre „freiheitliche" Constitution dabin abzuändern, daß rumänischen Juden das Bürgerrecht gegeben werden könne, wenn.... und hier folgen noch eine Anzahl von „wenn" und „aber". So wurde die rumänische Verfassung um ein sehr Geringes dem belgischen Vorbilde ähnlicher. Seither hat aber die Praxis in die rumänische Constitution so viele Löcher gerissen, und zwar gerade an jener Stelle, wo von der Staatsbürgerschaft der rumänischen Inden die Rede ist, daß die diesbezüglichen Verhältnisse genau so elend sind, wie acht Tage vor der Verfassungsänderung. Nicht genug an dem, wird den Juden seither auf gesetzgeberischenl Wege, durch administrative Erlässe, mittelst tückischer Interpretationen bestehender Vorschriften und mit tausend verscyiedenen Mitteln anderer Art.das Leben so bitter als nur , möglich gemacht. Alle Beschwerden und Vorstellungen vor den Machthabern des Landes, das Bitten und Flehen der gehetzten Juden vor allen Instanzen bleiben erfolglos; es wird weiter gehetzt und verfolgt. Erst kürzlich haben die aus den Land- > gemeinden des Bezirkes Bacau in völlig ungesetzmäßiger Weise I vertriebenen Juden sich mit der Bitte um Gerechtigkeit an den König und an den Minister des Innern gewendet. Wir publiciren diese beiden Memoranden an anderer Stelle und sehen uns diesbezüglich nur noch zu der traurigen Nachricht veranlaßt, datz auch diese Beschwerden erfolg- und nutzlos waren. Während nun so in Rumänien über 300.000 indigene Juden an den Staats- und Communallasten und -Pflichten mittragen müssen, ohne daß ihnen auch nur das unbedeutendste p olitische oder communale Recht gewährt würde, finden sich dort Tausende von Leuten, welche die Unverfrorenheit besitzen, ihre Stimmen zu Gunsten der „unterdrückten rumänischen Brüder Ungarns" zu erheben. Es sind dies die Mitglieder der im Jahre 1891 gegründeten „Cultur-Liga". Diese sonderbaren Culturschwärmer wollen nicht sehen, wie vor ihren Augen Hunderttausende von Mitbürgern jüdischen Glaubens gedemüthigt werden, sie wollen nicht deren ängstlich-leises Klagen hören; Aug' und Ohr haben diese Talmi-Freiheitsbrüder blos für die Rumänen Ungarns, welche sich der weitgehendsten politischen und bürgerlichen Freiheiten und Rechte erfreuen — ein Ausmaß von Gleichberechtigung und Freiheit, wie es sich die rumänischen Juden nicht einmal im Traume für das Ende des nächsten Jahrhunderts als für sie geltend zu denken wagen! Die am 7. d. M. zu Klausenburg eröffnete Verhandlung des „Memorandum-Processes" gegen die Führer der nationalrumänischen Bewegung in Ungarn bot den Herren von der Talmi-Cultur-Liga wieder einmal willkommene Veranlassung, in lärmender Weise gegen Unterdrückung, für Freiheit und Gleichberechtigung zu demonstriren. In dem Lande, wo eben in dem Districte Bacau Hunderte von erb g es esse neu, ehrbaren Judenfamilien auf Grund unmenschlich er Interpretation von an sich schon unmenschlichen Gesetzen aus ihren Heimatsdörfern mitMilitärm acht, die oft sehr barbarisch zu Werke ging,.v erj a g t wurden — in diesem Lande wagen es die Anhänger der Cultur- Liga Versammlungen und Straßenumzüge, wie die am Sonntag in Bukarest abgehaltenen, zu veranstalten, um gegen die „Unterjochung" der Rumänen der Stephanskrone Verwahrung einzulegen? So gebt doch vorerst, Ihr Zehntausende von Demonstranten, Eueren Mitbürgern mosaischen Glaubens auch nur den zehnten Theil jener Rechte, deren sich Euere Stammesgenossen in Ung a r n erfreuen, ehe Ihr den Mund aufthut zu Protesten gegen Verfolgung! Im grellen Gegensatz zu dem Lärm um Nichts, der anläßlich des Klausenburger Processes in Bukarest vergangenen Sonntag unter zahlreicher Assistenz geschlagen wurde, steht eine stille, friedliche, spontane Manifestation, welche kürzlich von rumänischen Juden in Bacau stattgefunden hat. Bacau ist die Hauptstadt jenes Bezirkes, in welchem in letztvergangener Zeit Massenaustreibungen von Judenfamilien aus ihren Heimatsdörfern und -Flecken stattgefunden haben. Viele von den Verjagten besaßen zwar behördliche Ermächtigungen zum Aufenthalte daselbst, andere bedurften derselben nach dem Gesetze gar nicht, wieder andere haben Söhne, die den Militärdienst absolvirt haben oder jetzt noch in der Armee dienen. Das macht aber nichts; der einheimische Jude, mag er das Muster eines Staatsbürgers sein, darf ungestraft verjagt, ungestraft um sein Vermögen gebracht, ungestraft als Vagabund betrachtet werden! Die erbarmungslose Masfenvertreibung aus dem erwähnten Bezirke erfüllte insbesondere die Bacauer Judengemeinde mit tiefer Trauer. Am 3. d. M. nun, schlossen die dortigen Juden, obgleich just Markttag war ihre Läden, versammelten sich in den Synagogen und beteten den ganzen Tag unter st r engem Fasten, wie am Versöhnungstage, daß Gott der Allmächtige sie aus dem Elende erlöse. Die Bauern aus der ganzen Umgebung waren herbeigeströmt, um in gewohnter Weise ihre Erzeugnisse zu verkaufen und Einkäufe zu besorgen. Und als sie die Läden gesperrt fanden, schüttelten sie nachdenklich die Köpfe. Die Bauern kennen nämlich den Werth und die Bedeutung der Juden besser, als die Herren Politiker der gesetzgebenden Körper, der Zeitungen und der sogenannten Cultur-Liga; die Bauern wissen eben nur zu gut, welch' gute, menschenfreundliche Nachbarn die Landjuden sind und wie wohlthätig sie auf den Handel einwirken. Die Bacauer Judenschaft hat leise zu ihrem alten Gotte um Hilfe aus ihrer wahrhaft großen Noth gebetet — die Cultur-Liga hat in Bukarest lärmend gegen die angebliche Knechtschaft der ungarischen Rumänen demonstrirt.... aber die leise Stimme der Parias Rumäniens wird von dem verlogenen Lärnl der Talmiculturbrüder nicht übertönt werden, sie wird lveit und breit Gehör, und was noch wichtiger ist, auch Glauben finden. Und wo immer die Phrasen der Cultur-Liga erklingen werden, wird man sie verstummen machen, indem man diesen Freiheits¬ und Gleichberechtigungskämpen die Frage entgegenstellen wird: „Warum b e f r e i t I h r E u e r e jüdischenMitbür g e r nicht aus der grausamen Knechtschaft"? _ L. M. Pfarrer Deckert und feine Jünger. In Böhmen spielen sich gegenwärtig zwei Judenmordprocesse ab. Vor dem Ausnahmsgerichte in Prag sind mehrere Fanatiker der versuchten Ermordung jüdischer Bewohner von Rakonitz angeklagt und vor dem Schwurgerichte inKöniggratz wird über zwei berüchtigte Bursche abgeurtheilt, welche in Groß-Skalitz eine ganze Judenfamilie ermordet haben. Die Rakonitzer Dynamit-Attentate werfen ein charakteristisches Licht auf die geheimsten Quellen der sogenannten anarchistischen Bewegung. Der Führer der dortigen .„Brüder

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