Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 18 (4.5.1894)
- Date
- 1894-05-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021026--03472-3027610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gettr 360 VekrrrekMtze WochenfchrM ihrer stimmlichen Begabung, durch ihr dramatisches Talent, sie spielte vorzüglich und fand wohlverdienten Beifall. Frl. Köhler, Mitglied der k. k. Hofoper, hat wieder den Beweis ihres großen Fortschrittes und ihrer schönen Stimme erbracht. Die Production, macht Herrn Professor Geiringer die größte Ehre, in seiner Schule wird nicht nur die Stimme gut gebildet, er versteht es insbesonders seine Schüler schön singen zu lehren. Herr Professor Geiringer begleitete selbst die Production am Clavier mit Meisterschaft. Unter dem Publicum waren mehrere Theaterdirectoren und Agenten, sowie der Kammer-Virtuose Herr Alfred Grünfeld und Bruder anwesend. 5. i,. Jglau. Am 22. April, seinem 83. Geburtstage, verschied nach kurzem Leiden Herr Jsak Berger, Hausbesitzer in Triesch. Das Hinscheiden dieses vortrefflichen, durch viele Bürgertugenden hervorragenden Greises wird nicht verfehlen, auch bei seinen zahlreichen Freunden und Bekannten außerhalb seines Wohnortes die. schmerzlichste Theilnahme hervorzurufen, denn der Verewigte zählte zu jenen seltenen Persönlichkeiten, die sich unter allen Umständen und Verhältnissen einen regen Sinn und ein warmes Herz für die jüdischen Cultusinteressen zu erhalten wissen. B e r g e r's bescheidenes Wesen, sein Biedersinn, seine wahrhafte Religiosität, sein concilianter Charakter und seine freien Umgangsformen sichern ihm ein ehrendes und gesegnetes Andenken. &r<tf<ut, 26. April. Dieser Tage hat die hiesige Gemeinde durch das Hinscheiden eines ihrer achtbarsten Mitglieder einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung wohlbekannte Kaufmann Leib Schudmak hat am 22. d. M. die Augen zur ewigen Ruhe geschlossen. Der Verblichene, ein Schwiegersohn des berühmten Gelehrten H. Rappaport, seinerzeit stellvertretender Rabbiner der hiesigen Gemeinde, war ein edler und biederer Charakter. Durch seine Mildthätigkeit, die er Zeit seines Lebens in hochherziger Weise geübt hat wie auch durch seinen streng redlichen und bescheidenen Lebenswandel erfteute er sich einet Seltenen Beliebtheit. Namentlich hat sich der Dahingeschieoene große Verdienste um die Gründung eines hervorragenden Bethauses in der hiesigen Gemeinde erworben. Das Leichenbegängniß gestattete sich auch zu einer imposanten Kundgebung der Liebe und Achtung, die ihm auS allen Kreisen gezollt wurden. Mögen die trauernden Hinterbliebenen hierin Trost und Erhebung finden, daß mit ihnen die ganze Gemeinde den Heimgang dieses wahrhaft edlen Mannes tief betrauert. Prerau. Am 5. d. M. findet in den Saal-Localitäten des Hotel Haas ein musikalisch-declamatorischer Abend, verbunden mit Tanzkränzchen, zu wohlthätigem Zwecke statt. Profiuitz. Am 1. d. M. verschied hier Herr Marcus Lasus, durch eine lange Reihe von Jahren Vorstandsmitglied der Chewra - Kadischa, im Alter von 77 Jahren. Der Verblichene genoß wegen seines ehrenhaften biedern Charakters und seiner Strenggläubigkeit in der Gemeinde allgemeine Sympathien und aufrichtige Beliebtheit. Friede seiner Asche. Mißlitz. (Ein seltenes Jubiläumsfest.) Am 28. April d. I. feierte der Oberlehrer an der hiesigen israelitischen Volksschule Herr Marcus Feßler das Jubiläum seiner 25 jährigen Amtsthätigkeit an dieser Schule. Der Jubilar wurde zu den Jubiläumsfeierlichkeiten, an welchen der evangelische Pastor, die Gemeinderäthe und drr Lehrkörper der Volksschule der Marktgemeinde Mißlitz theilnahmen, von den Vorständen der politischen und Cultusgemeinde unter Führung der Herren Leop. Eisner, Bürgermeister, und Josef Hauser, Cultusgemeindevorsteher, unter Borantragung der Schulfahne wobei die festlich gekleideten Schulkinder Spalier bildeten, abgeholt. Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Goldschmidt übergab dem Jubilar eine in classischem Hebräisch abgefaßte und vom Gemeindesecretär Holzer kalligraphisch ausgeführte Adresse in Begleitung einer tiefempfundenen Ansprache. Ein Jubellied unter der Leitung des Herrn Cantors I. L. Schlesinger, von einem Männerchor vortrefflich executirt, schloß die Feier im Gotteshause. Nachmittags versammelten sich die Spitzen der Behörden, Vereine und die ganze Bevölkerung unserer Gemeinde im festlich geschmückten Lehrsaale, wo Herr Bürgermeister Leop. Eisner eine schwungvolle Ansvrache an den Jubilar hielt und ihm das Ehrenbürgerdiplom der Israeliten gemeinde Mißlitz überreichte. Herr Cultusv orsteher Josef Hauser feierte die Verdienste des Jubilars, der, von so vielen Zeichen der Liebe und Hochachtung tief bewegt, seine Rührung nicht verbergen konnte. Mit ThrLnen in den Augen bat der Jubilar die beiden Vorstände, ihn in diesem Augenblicke der Danksagung zu entheben. Von der Schule begab sich die ganze Festversammlung in den festlich geschmückten Bader'schen Saal, wo der Obmann des Ortsschulrathes Herr Salom. König eine vom jüdischen Geiste durchwehte Ansprache hielt. Nr. 18 Im Namen der einstigen Schülerinnen und Schüler sprachen Frau Ludwig Fischer und Herr JUDr. Jac. Pollenz, indem sie dem Jubilar die Ehrengaben überreichten. Am Abend fand ein Festbankett zu 60 Gedecken statt. Den ersten Toast auf Se. Majestät, als den Schöpfer der Neuschule, sprach Herr Bürgermeister Leop. Eisner, den zweiten in launiger Weise auf den Jubilar Se. Ebrwürden Herr Rabbiner Dr. Gvldschmidt. Es sprachen noch Herr Dr. I. Müller, Herr Dr. Theodor Feßler, k. u. k. Regimentsarzt, Herr Josef Hauser, Herr Dr. Jac. Pollenz und Herr Berthold Neumanu. Erst bei früher Morgenstunde zerstreute sich die animirte Gesellschaft mit dem Bewußtsein, an einem erhebenden Freudenfeste theilgenommen zu haben. Hzr. Humpoletz 29. April. (Sterbefall.) Am 26 d. M verschied hier Frau Eva Stiaßny, die Mutter der Fabrikanten Brüder Stiaßny in Deutschbrod und Budapest, im 80. Lebensjahre. Die Verblichene zeichnete sich durch wahre Religiosität und einen Wohlthätigkeitssinn aus, wie er eben Armen gegenüber zur Geltung kommen soll. Durch den Heimgang dieser edlen Frau erleiden denn auch die hiesigen Armen einen herben Verlust. Geliebt und verehrt von ihren in den besten Verhältnissen dastehenden Kindern, konnte die Dahingeschiedene beruhigt dem Augenblicke ihres Scheidens von ihnen und dem Erdenwallen entgegensehen. Welcher Achtung sich die Verblichene erfreute und welche Theilnahme man ihren Hinterbliebenen entgegenbrachte, bewies die überaus große Betheiligung der hiesigen drei Confessionen an dem am 29. stattgehabten Leichenbegängnisse der Dahingeschiedenen, deren irdische Ueberreste auf dem hiesigen isr. Friedhose neben ihrem ihr schon eine lange Reihe von Jahren im Tode vorangegangenen Gatten beigesetzt wurden. —sky. Schulleiter. Preßburg, 29. April 1894. Das provisorische Bethaus der israelitischen Religionsgemeinde füllte sich am ersten und letzten Pessachtage, indem Herr Dr. David zwei Denkreden auf den im verflossenen Winter verstorbenen großen Lehrer Herrn Dr. Adolf Jellinek hielt. Da der Gottesdienst bis zu der wahrscheinlich im August siattfindenden Eröffnung des neuen Tewels in einem kleinen Betraume abgehalten wird und es nicht angezeigt schien, in demselben so viele Menschen längere Zeit zusammenzuhallen, so hat der Herr Rabbiner gut gethan, die Gedächtnißrede in zwei in sich abgeschlossene kürzere Reden zu theilen, in deren erster er den Heimgegangenen an der Hand eines talmudischen Nachrufes als Gelehrten und Lehrer, und in deren zweiter als Paytau wedarschan, als Dichter und Redner, respective als rednerischen Dichter oder dichterischen Redner schilderte. In poetischschwungvoller und rhetorisch-meisterhafter Sprache und Diction, mit Verflechtung von geistreich angewendeten, der Festgeschichte entnommenen und auch auf seinen Namensträger, den Hohepriester Aron sich beziehenden agadischen Sätzen, führte Herr Dr. David den geistesmächtigen Dr. Jellinek vor, in seiner Thätigkeit als Gelehrter unb Schriftführer, als Editor alter Werke, als liefen Forscher und besonders als gründlichen Kenner der Kabbala und ihrer Literatur, als Gründer des Let-ba-lllidraseb, wodurch er die jüdische Wissenschaft popularisirte und bei Laien das Interesse für das heilige Schriftthum weckte, und endlich als unvergleichlichen Prediger und muthigen Vorkämpfer des Judenthums nach Innen und nach Außen. Die Reden wurden in solchen lebendigen Farben gehalten, daß man glaubte, das Bild des unsterblichen Meisters selbst zu sehen. . Daß sie innerhalb der isr. Religionsgemeinde in P r e ß b n r g gehalten wurden, gereicht dieser selbst sowie ihrem Prediger zur Ehre. Ploni. Berlin, 1. Mai. Der Abgeordnete Ahlwardt wurde heute von der zweiten Strafkammer des Landgerichtes wegen Beleidigung des preußischen Beamtenstandes, begangen durch seine in Essen gehaltene Rede, zu dreimonatlichem Gefängniß verurtheilt. Dem Ministerpräsidenten und dem Justizminister wurde unter Einem die Befugniß zur Publication des Urtheils zugesprochen. Paris. Die Sammlung, welche unter Auspicien der Allianz Jsraelite und des Grand-Rabbin von Frankreich zu Gunsten der russischen Flüchtlinge eingeleitet wurde, macht gute Fortschritte. In Paris allein wurden 100.000 Frcs. gesammelt. In mehreren Bezirken von Paris, wo Municipal-Wahlen stattfanden, haben sich einzelne Candidaten offen als Antisemiten bekannt. Die Pariser haben aber einen besseren Geschmack bewiesen, als jüngst die Wiener in ähnlichem Fall, denn alle Antisemiten sind schmählich durchgefallen. In dem Quartier der Chaussee d'Antin erhielt der Antisemit nur 7 Stimmen. Paris. Die Hymne von Delphi, welche, nachdem sie 2000 Jahre verloren war, aufgefunden wurde, wurde von M. Theodore Reinach in moderne Noten umgesetzt nach Angaben des gelehrten Hellenisten M. Weill, Mitgliedes des Institut de France.