Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 18 (4.5.1894)
- Date
- 1894-05-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021026--03471-3027609- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 18 Vestrrrrichifche Wochrnfchrtst SeÜe 389 Petersburg. Wie Lemberger Blätter melden, hat der I Erzbischof von Wolhynien und Zitomir einen von Haß gegen die Juden erfüllten Erlaß, den nun die officiellen „Eparchialjnyja Wjedomosti" mit fetten Lettern veröffentlichen, herausgegeben mit folgendem Wortlaut: „Die Geistlichen und Kirchenräthe meiner Eparchie, welche Juden zur Ausführung 'von Kirchenbauten und Renovirungen zulassen, erklären, dies thun zu müssen, weil christliche Unternehmer und Arbeiter nicht zu finden sind. Diese Erklärung ist durchaus falsch und kann die Zulassung von Juden zu Kirchenarbeüen nicht rechtfertigen. Die Geistlichen müssen die Geschichte kennen, wie die Juden durch allerlei Unwahrheiten, aus Seiten- und Umwegen die christlichen Arbeiter und Handwerker verdrängt hatten, um sich dieser Handwerke ' zu bemächtigen. Die Juden wollen überall die Ersten sein, sie reißen alle Arbeiten an sich. Die Geistlichen müssen deshalb beweisen, daß sie der Regierung zu Hilfe kommen wollen, sie müssen die Juden von der Ausführung kirchlicher Bauten entfernen. Es wird daher der Geistlichkeit vorgeschrieben und eingeschärft, Juden zur Ausführung irgend welcher Kirchenarbeiten nicht zuzulassen. Die Kirchenräthe werden angewiesen, den Inhalt dieses Erlasses in allen Kirchensprengeln bekannt zu machen und über die Vollführung desselben zu wachen." In seinem Judenhaffe hat übrigens der Erzbischof von Wolhynien und Zitomir eine Wahrheit constatirt, die den Antisemiten unliebsam sein dürfte; A hat nämlich gezeigt, daß die Juden schwere physische Arbeiten keineswegs scheuen, denn die Kirchenbauten sind ja mit solchen verbunden. Die Juden in Wolhynien und Zitomir haben thatsächlich, wie hierzulande allgemein bekannt ist, alle schweren Arbeiten bei zahlreichen Kirchenbauten verrichtet. Daß ein Kirchensürst statt der Nächstenliebe die Boycottirung der Juden predigt — gehört eben zu den krankhaften Erscheinungen unserer Tage." Jerusalem. Die Eisenbahn-Gesellschaft Jaffa-Jerusalem hat ihre Zahlungen einstellen müssen. Am 21. August 1892 kam die erste Locomotive mit einigen Wagen in Jerusalem an; sie 'erregte das Staunen des Volkes, welches in Schaaren zum Jaffathore hinaus in der Richtung nach Betlehem zog, um das Wunder zu sehen. Mohammedaner und Juden erklärten das schnaubende, Wasser spritzende, pfeifende und Qualm ausströmende Ungethüm für ein Werk des Satans. Die Bahn kam jedoch erst am 26. September 1893 in Betrieb; jeden Tag ging ein Zug von Jaffa nach Jerusaleum und einer in umgekehrter Richtung. Es gab in den Zügen zwei Classen von Wagen; die Wagen zweiter Classe sind nur für gewöhnliche Eingeborene, doch sind die Wagen erster Classe auch höchst primitiv; sie bieten keine Bequemlichkeitenundin ihnen können soviel Personen Platz nehmen, wie es beliebt. So kann es kommen, daß der Aufenthalt darin recht ungemüthlich wird. Kommen vornehme Personen, so werden sie aufgefordert, einen Extra;ug zu nehmen. Die Eisenbahnfahrt mit ihren vielen Windungen dauert von Jerusaleum nach Jaffa mindestens 3 Stunden, umgekehrt bergauf von Jaffa nach Jerusalem zwischen 4 und 5 Stunden, während auf der geraden Straße ein gut beschirrter Frachtwagen oder ein Reiter etwa 6 Stunden von Jerusalem zur Küste Zeit braucht. Von vornherein hat man es vorausgesagt, daß sich die Bahn nicht rentiren würde, da Jaffa kein Hafen ist und eine oft nicht zugängliche Rhede hat; im Winter können Segelschiffe dort gar nicht ankern. In Jaffa liegt der Bahnhof eine halbe Stunde von der Zollstation entfernt und in Jerusalem ist vom Jaffathor ein höchst beschwerlicher Weg, bergauf und bergab znm Bahnhof zu machen. Der Jerusalemer Bahnhof ist gegenüber der deutschen Colonie. Denmjlckterz. Wien. (Trauungen.) Sonntag den 6. Mai l. I., präcise 4 Uhr Nachmittags, findet titt Hause I., Tuchlauben 8, die Trauung des Frl. Clementine Stiaßny mit Herrn Dr. Ludwig Simon statt. Der Bräutigam ist ein Sohn des Gemeinderathes und Cultuspräses Herrn Gustav Simon. Wien. (Von der Wiener Universität.) Der Kaiser hat den außerordentlichen Professoren für Ohrenheilkunde an der Wiener Universität Dr. Joseph Gruber und Dr. Adam Politzer, sowie dem außerordentlichen Professor der Laryngologie an dieser Universität Dr. Carl Stoerk den Titel und Charakter von ordentlichen Universitäts-Professoren verliehen. Wien, 29. April 1894. (Ein Lehrerjubiläum.) An der deutsch-israelitischen Hauptschule zu Tarn opo l feiert am 3. Mai d. I. Herr Jonas Rintel sein OOjähriges Lehrerjubiläum und zugleich seinen 80jährigen Geburtstag. Der verdiente Schulmann ist trotz seines hohen Alters geistig und körperlich gesund und unterrichtet heute noch seine Schüler mit derselben belebenden Frische, wie vor Jahren. Wien. Herr Samuel Hirschel in Döbling, ein edler Menschenfreund und Woh'lthäter aller TUmen, hat verflossenen Samstag seinen 84. Geburtstag im Kreise seiner ihn verehrenden Familie gefeiert. Wien. Herr Camill Kuranda, Sectionsrath im k. k. Handelsministerium, Sohn des verewigten Präses der hiesigen Cultusgemeinde und Wiener Reichsraths-Abgeordneten, hat sich mit Fräulein Else Engländer verlobt. Wien, 25. April. Am Montag den 23. d. M. hat die Chewra-Kadischa im Bezirke Sechshaus ihre General-Versammlung abgehalten unter Vorsitz ihres Präses Dr. Sigmund Bars und dessen Stellvertreter Heinrich Neufeld. Nachdem über interne Angelegenheiten verschiedene Anträge gestellt und den Mitgliedern der Bericht über die Dtatutenändernng gemacht wurde, fand zum Abschluß die Neuwahl statt. Es wurden gewählt: Dr. Sigmund Bars, als Präses; Heinrich Neufeld, als Präses-Stellvertreter; Alois Schick, als Caffier; Moriz Weiß, Moriz Blödy, David Cohn, Ignatz Zwicker, Jacob Duschinsky, Gabriel Stern. Max Haas, Leopold Weinberger, Bernhard Grünfeld und Adolf Schwarz als Ausschüsse. Wien. (Todesfall.) In der letzten Woche ist der ehemalige Bankier, Herr N. S. Goldschmidt, eines der geachtetsten Mitglieder der Wiener Judenschast, im 90. Lebensjahre sanft verschieden. Der Heimgegangene, ein Schwager des berühmten Literarhistorikers und Gelehrten Leopold Dukös, genoß in allen Kreisen der- Gesellschaft hohe Verehrung, war eine durch Herzens- und Geistesbildung ausgezeichnete Persönlichkeit. / Wie aus Prag berichtet' wird,' ist dort der Chef der Zuckerfabriksfirma M. B. Teller, Herr Wilhelm Teller, unter großer Betheiliguug zu Grabe getragen worden. Der Verstorbene, welcher ein Alter von blos 54 Jahren erreicht hat, war eine in der industriellen und kaufmännischen Welt bestens bekannte Persönlichkeit. Er hatte nach seinem Vater, Herrn Michael B. Teller, die Kuttenberger Rübenzucker- und Spiritusfabrik und Raffinerie übernommen und es gelang ihm, das Etablissement in steter Entfaltung rmd Blüthe zu erhalten. Der Verblichene zeichnete sich durch einen regen Wohlthätigkeitssinn aus, den er bei jeder Gelegenheit in hervorragendem Maße bethätigte. Wilhelm Teller war auch Begründer der Kutteuberger Localbahn, welche die Station Sedlec mit der Stadt Kuttenberg verbindet. Herr Teller hinterläßt eine Witwe (geborene Denhof aus Wien) und vier Söhne, von welchen der älteste erst vierzehn Jahre alt ist. Wien. (D r. E d u a r d G l a s e r.) Der Arabien-Reifende Dr Eduard Glaser, welcher am 16. März von seiner vierten Forschungsreise zurückgekehrt ist, hielt am 17. April in der Festsitzung der Geographischen Gesellschaft München einen Vortrag über den Verlauf und die Ergebnisse seiner Reise und wurde bei dieser Gelegenheit zum Ehrenmitgliede ernannt. Wien. (Schüler - Productiv n.) Montag den 30. April, Nachmittags halb 3 Uhr, fand im Deutschen Volks- Theater eine Production der Schüler des bekannten Gesangsmeisters Herrn Gustav Geiringer statt. Das'Programm, das aus Fragmenten und Scenen der Opern „Hans Heiling", „Aida", „Don Carlos", „Rienzi", „Die Afrikanerin", „Der Maskenball" und „Der König hat's gesagt" bestand, fand bei dem zahlreich erschienenen Publicum großen Beifall. In erster Linie überraschte Herr Gustav Friedrich (Fuchsgelb) durch seine prachtvolle Baritonstimme. Herr Friedrich der eine Sustentationsgage von Herrn Baron Rothschild bezieht, hat den Beweis erbracht, daß er der Unterstützung würdig ist und seinem Meister sowie seinem Wohlthäter Ehre machen wird, Herr Friedrich, der noch sehr jung ist, hat bereits Engagement und wird seinen Weg machen. Von den Damen machten sich Frl. Sarolla, Frl. Lorma durch ihre schönen Stimmen bemerkbar. Frl. Johanna Weiß (eine Tochter des bekannten Restaurateurs in der Praterstraße) überraschte, nebst