Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 18 (4.5.1894)
- Date
- 1894-05-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 VeürrretchMtze WochenptzrM Seite 357 Arcanum gefunden zu haben, welches alle Uebel heilen sollte. Das war ein grober Jrrthum. Der Befähigungsnachweis hatte zum Zweck, die ungelernte Concurrenz zu beseitigen, aber in dem Haupttheile des Kleingewerbes, des Handwerkes, hat auch vor dem Befähigungsnachweise keine ungelernte Concurrenz existirt, sie hat also durch dieses Quacksalbermittel auch nicht beseitigt werden können. Durch den Befähigungsnachweis hat man weiter die Gewerbe gegeneinander abgrenzen, ihnen damit helfen wollen.' Das war ein noch gröberer Jrrthum. Eine Hilfe kann nur durch Vermehrung der Arbeit für Alle, durch neue zahlreiche Unternehmungen, durch Kräftigung des Exportes geschaffen werden. Ohne und vor dem Befähigungsnachweis, in den 70er fahren haben die Stückmeister der Confectionäre gerade den doppelten Lohn gegen den heutigen bezogen. Und warum? Weil wir damals einen großen Export nach Rußland und Rumänien besessen haben. Wäre Prinz Liechtenstein fähig gewesen, statt für die Schneider den Befähigungsnachweis zu schaffen, diese fremden Grenzen zu öffnen, so hätten wir und auch die Schneider mehr von seinem Befähigungsnachweis halten können. Andererseits hat der Befähigungsnachweis auch nichts genützt, so hat er in mehrfacher Richtung wesentlich geschadet, vor Allem durch die Hervorrufung des Gewerbekrieges. Weiters zeigte sich in der Praxis die totale Unmöglichkeit, eine richtige Grenze zwischen Handwerk und Industrie zu finden, und auf diese Weise wurden vielfach die dem Handwerk auferlegten Beschränkungen auf die „Fabrikswelt" ai sgedehnt, die Entwicklung derselben wesentlich behindert. Der Redner weist dies namentlich durch Uebelstände nach, die mit der Fixirung der Zahl von zwanzig Arbeitern für den Charakter einer „Fabrik" verbunden sind, und erörtert dios durch eine Reihe von Beispielen. Er legt schließlich dar, daß die deutsche Reichsregierung derselben Agitation gegenübersteht, ihr aber eine fixe Grenze in den Conccessionen gezogen hat, indem sie die Gewerbefreiheit aufrechterhielt und den zünftigen Meistern nur das eine, allerdings sehr wichtige Vorrecht gibt, Lehrlinge auszubilden. Diesen Modus hält der Vortragende zwar keineswegs weder an sich für richtig, noch dem Handwerke für eine richtige Hilfe, aber immerhin zum mindest für discutabel. Nicht discutabel aber sind die Anträge des Prinzen Liechtenstein auf Erweiterung und Ausdehnung des heutigen Befähigungszwanges. Diese Anträge, so unsinnig, so sehr sie Zeichen einer krassen Ignoranz sind, werden harte Kämpfe im Abgeordnetenhause herbeiführen. Der Vortragende gibt sich aber der Ueberzeugung hin, daß gerade diese weitgehenden Anträge, falls sie angenommen würden, zur Aufhebung des Befähigungsnachweises führen werden. Stürmischer Beifall folgte den fesselnden Ausführungen des Vortragenden. Wien. (Luxu s b e i To dien best a ttun g en.) Von Zeit zu Zeit werden in jüdischen Journalen, so auch in der letzten Nummer Ihres Blattes Warnungen gegen den immermehr überhanv nehmenden Luxus bei Beerdigungen erhoben und gleichzeitig Anregungen gegeben, wie dieser leichtfertige Sinn für Luxus in Wohlthätigkeitssinn umgesetzt werden könnte. Mit diesem letzteren wollen wir uns hier nicht befassen, weil wir nicht gern leeres Stroh dreschen. Erst muß der Mißbrauch bekämpft werden, und wenn beffere Einsicht auch nach dieser Richtung einkehrt, dann wird die Zeit gekommen sein, mit nützlichen Vorschlägen hervorzutreten. Allein dieser Mißbrauch wird nicht eher verschwinden, bis die m aßg eb e n d st en Personen der Gemeinde selber das Beispiel zur Abschaffung krankhafter Pomphaschereien geben werden. Alles da gewesen! Als es zur Zeit des zweiten Tempels — also vor nahezu zweitausend Jahren — mit dem Judenthum abwärts ging, als das tiefere religiöse Gefühl allmälig zu schwinden und an deffen statt ein äußerlicher Formendienst zu treten begann, da tauchte auch bei den Begräbnissen ein prunkender und gleißender Luxus auf, welcher nachgerade Kosten bis zur Unerschwinglichkeit verursachte. Und wie wurde dem ein Ende gemacht? Darauf mag uns der Talmud antworten: Im Traktat Lloeä Katon 27b wird erzählt: „Vordem waren die Ausgaben für eine Todtenbestattung schwerer als der Tod selbst, so daß die Verwandten die Leichen liegen ließen und sich davon machten. Da ordnete Rabban Gamaliel eine geringe Behandlung seiner selbst an, so daß er in einfachen Linnengewänden zu Grabe gebracht wurde, und alles Volk nahm nach ihm den Brauch an, die Todtenbestattung in einfachem Linnengewande vorzunehmen." Wie dankbar das Volk diesem Fürsten für das von ihm gegebene Beispiel der Einfachheit gewesen, lehren uns verschiedene talmudische Stellen (8. Jer. Berachot 3. 1, Jemachot c. 14, Ketnbot babl. 8b). Hiernach wurde angeordnet, daß zu den beim Trauermahle üblichen Bechern auch einer zum Andenken an Gamaliel hinzugefügt wurde. Ja wohl, es liegt immer an den Führern und Leitern, Wien. (Aufruf für die in der Feuersbrunst Verunglückten in Neu-Sandez): Zum zweiten Male seit 4 Jahren, ja gerade an demselben Tage, den 17. April d. I., ist unsere Stadt von einem unglücklichen Geschicke ereilt worden. Eine Feuersbrunst, die sich mit vehementer Schnelligkeit über unsere Stadt ausbreitete, zerstörte in nur wenigen Stunden zwei Drittheile der zumeist von unseren Glaubensgenossen, ehrlichen und strebsamen Kaufleuten und Handwerkern, bewohnten Stadt. Das schwer erworbene Gut. durch Entbehrungen zusammengesparte Vermögen der achtbarsten Kaufleute, ist den Flammen zum Opfer gefallen. Familien, die bis nun im Wohlstaude lebten und sich eines ansehnlichen Reichthums erfreuten, sind in wenigen Stunden zu Bettlern geworden. Die reichen und geachtetsten Kaufleute betteln jetzt um Brot zur Erhaltung ihrer Kinder. Unsäglich und herzzerreißend ist der Jammer und die Verzweiflung d r armen Opfer der Flammen, zu dem unsere Glaubensgenossen das größte Contingent stellen- Reiche Hausbesitzer stehen händeringend vor ihrer einstigen zu Schutt gewordenen Habe und wissen nicht, wo sie ihre Familien unlerbringen können. Der auf circa 3 Millionen bezifferte Schaden wird fast ganz von unseren Glaubensgenossen getragen» denen die israel. Cultusgemeinde, vor 4 Jahren selber vom Feuer heimgesucht, nicht einmal das Nöthigste zur Linderung der Noth bieten kann. Wir wenden uns daher an unsere Glaubensgenossen D'jarn '".-irr, die schönste Menschenlugend — das Wohlthun — ziert und appelliren an den so oft und bei jeder Gelegenheit bekundeten Mildthätigkeitssinn mit der Bitte, unsere verarmten, vom Unglücke heimgesuchten Glaubensgenossen zu unterstützen und die Spenden zu Händen des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde einzusenden. Neu-Sandez, 26. April 1894. A. Halberstamm A. Nebenzahl Rabbiner. Cultusvorstaud. Verzeichniß der bis beute dem israel. Cultusgemeinde- Vorstande in Neu-Sandez für die jüdischen Abbrändler zugekommenen Spenden: Vom Vereine Bne brith Krakau fl. 100, von den Vorständen der israel. Cultusgemeinden in: Neumarkt fl. 71 30, Lemberg fl. 50. Przemysl fl. 100, Podgorze fl. 50 und 2 Kisten Mazzes, Bielitz fl. 50, Kolomea fl. 40, Wadowicz fl. 2 und 2 Kisten Kleider, Budapest fl. 100 (telegraphisch), Prag fl. 30 (telegraphisch), Tuchau fl. 70°10, Brünn fl. 200, Wien fl. 2000, vom Leseverein israel. Jugend Rzeszow fl. 35 50, vom Frauen- Wohlthätigkeitsverein Przemysl fl. 10 und eine Kiste Wäsche, von Herrn E. Rosmann, Bursztyn fl. 36, von R. Liefman Söhne Nachfolger Hamburg fl. 50, von Herrn Rudolf Hammcrschlag Kroscienko a. D. fl. 53 65 (Sammlung), von Herrn Leopold Redlich Bistritz am Hostin fl. 5, von Herrn I. H. Langermann Rabbiner, Gromnik fl. 12 50. Zusammen fl. 3076°05 baar. — Außerdem sind uns zugekommen: Vom Vorstände der israel. Cultusgemeinde Krakau eine Waggonladung Mazzoth, vom Wohlthätigkeits-Bureau des Baron Hirsch Krakau eine Waggonladung Kartoffel, von Herrn Ignaz Fluß, Wien, II., Herminengafse 23, 1 Kiste Kleider, vom Vorstande der israel. Cultusgemeinde Samok 1 Kiste Kleider und Wäsche und 2 Kisten Mazzoth, die wir alle der Bestimmung zugeführt haben. Wir sagen allen hochherzigen Spendern im Namen unserer schwer heimgesuchten Glaubensgenossen wärmsten und innigsten Dank. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde. Neu-Sandez, 1. Mai 1894. Für die Abgebrannten in Neu-Sandez find uns zugekommen: Oskar Kuhnreich, Wien, fl. 5; Jacob Kifschütz, Wien, fl. 5; Stud. jur. S Kaufmann Wien fl. 5. Czernowitz, am 25. April. (Bildenthüllung.) Der große festlich geschmückte, in den Farben und Emblemen der Landeshauptstadt und des kaiserlichen Hauses prangende große