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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-04 · 18 (4.5.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
18 (4.5.1894)
Date
1894-05-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Pestrrrevtzisttzr Wochenschrift Seite 353 Der Gesammt-Religionsunterricht wurde an 12.503 Schüler von 38 theils ordentlichen, theils außerordentlichen Religionslehrern ertheilt. Für die Besucher der jüd. Knaben- und Mädchenschule, sowie die der Talmud-Thora und hebräischen Schule inbegriffen, besorgte die Gemeinde den Unterricht von 13.782 Schülern. Im Dienste des Gemeindeunterrichtes standen 52 Lehrkräfte. Die Rubrik des Cultuswesens zeigt dessen vorjährigen Stand in unveränderter Weise. Dafür fällt uns unter der Rubrik des Wohlthätigkeitstpesens sofort die stattliche Reihe der Heuer eingeflossenen Stiftungen in die Augen. Mehr als 200.000 fl. liefen außer der bereits oben angeführten Spitalsstiftung unter dem Titel der Philantropie bei der Gemeindeverwaltung ein. Im Gemeindespitale (unter Leitung eines Universitätsprofessors) wurden 1171 Bettkranke und 11.778 ambulante Kranke behandelt. Unter Ersteren waren 15 N i ch 1 j u d e n, unter Letzteren 6124, also 52 Percent Nichtjuden. Im W a i s e n h a u s e, das über einen Fond von 416.000 fl. verfügt, wurden 112 Knaben gepflegt und unterrichtet. Unterstützt wurden 186 externe Waisen. Im T a u b st u m m e n i n st i t u t e wurden im abgelaufenen Jahre 80 Zöglinge verpflegt und unterrichtet. Das Vermögen des Institutes beträgt 492.953 fl. An Stiftungscapital besaß es 418.003 fl. Der Pensionsfond der Gemeindebeamten beläuft sich auf 153.865 fl. An Cultussteuer flössen im Jahre 1892 ein: 120.048 fl. von 9590 contribuenten Mitgliedern, deren Zahl sich im abgelaufenen Jahre um 710 vermehrte. In den Gemeindeämtern liefen an Schriftstücken ein: ins Centralbureau 970 Stück, ins Matrikelamt 1426 Stück. Ausgefolgt wurden: Aus dem Centralbureau 2374 und dem Matrikelamt 7142 Stück. In der Rabbinatskanzlei war ein Verkehr von 418 Schriftstücken. An Sitzungen wurden gehalten: 11 Vorstands-, 41 Sections-, 9 Schulstuhls-, 8 Ausschußsitzungen und 2 Generalversammlungen. Aus dem Budget lassen wir im Nachstehenden blos den summarischen Ausweis für das Jahr 1894 folgen: Bedarf: Tempel- und Synagogenverwaltung .... . fl. 50.972-98 Jugendgottesdienst. . „ 2.450 — Aushilfs-Betlocale. . „ 750 — Schulinspectorat. u 2.000'— Knabenschule. . 21.354'— Mädchenschule. . u 7.848 — Religionsunterricht. . „ 36.835 — Talmud-Thora.. 2.790'— Spitalsverwaltung und Armenpraxis . . . * /, 50.307 50 Armenunterstützung. 28.200'— Waisenerhaltung. 0 4.150.— Ausstattungsfond. . „ 10.000.— Schulkinderbekleidung. 5.000 — Suppenanstalt. 88'— Stipendien. . „ 2.02660 Rabbinats- und Centralpersonal. . „ 38.110 — Pensionszulagen . .. 2.245 — Koscherfleisch. 11.420'— Geflügelschlachtplatz .-. 2.930'— Div. Bedarf.. . . 15.510 — Jncassoprovision. 4.500'— Interessen. 34.784'97 Außerordentlicher Bedarf. 8.300'— Schuldamorttsation. 350 — Hauptsumme . fl. 343.10205 Bedeckung: Tempel- und Synagogenverwaltung. Aushilfslocale. Knabenschule. Mädchenschule . .. Religionsunterricht. Talmud-Thora . .. Spitalsverwaltung. Armenunterstützung. . . . . fl. 49.428 40 . . . . „ 1.600'— . . . . „ 2.256 74 . . . . „ 1.000 — . ... „ 17.450 — . . . . „ 1.798*06 . . . . „ 40.321*90 . . . . „ 18.750 75 Transport fl. 132.605.85 Suppenanstalt . . Ausstattungsfond . , Schulkinderbekleidung Allgemeine Einnahme Cultusbeiträge . . Koscherfleisch. . . Geflügelschlachtplatz Hauszins. . . . Transport fl. 132.605.85 88'— 10.000 — 5.000'— 57.600 — 112.000'— 14.000 — 2.400 — 1.200 — fl. 334.893 85 Aus Vorstehendem ergibt sich wohl eine unbedeckte Mehrausgabe von fl. 8.207*20. Da aber schon im Vorjahre die präliminirten Einnahmen von den factischen um circa fl. 70.000 übertroffen wurden, so steht auch heuer zu erwarten, daß die Gemeinde kein Deficit haben wird. B. M. Karl Emil Franzos. „Die Juden von Barnow" von Karl Emil Franzos sind in fünfter Auflage erschienen. Die Sammlung von kleinen Novellen aus dem Leben der podolischen Juden enthält die ersten Werke von Franzos. Sie sind nach der Vorrede vom Jahre 1868—1872 verfaßt. Sie sind schon deshalb von Interesse, weil sie den Weg erkennen lassen, den der Dichter bis zu seinen Romanen zurückgelegt hat. Diese Romane gehören zu den vorzüglichsten, die in deutscher Sprache geschrieben worden sind, und man müßte heute einigermaßen in Verlegenheit kommen, wenn man nach Romanen suchte, welche über die von Franzos zu stellen wären. Natürlich nur dann, wenn man bei der Kritik auf die Vorzüge der Werke und nicht ausschließlich auf die Stammtafel des Verfassers und eine specielle Tendenz Gewicht legt. Das Ziel, das sich der Dichter in der Vorrede feiner Novellen setzt, die Wahrheit künstlerisch zu gestalten, ist in den Romanen vorzüglich erreicht. Franzos schildert ein Land, in welchem drei Volksstämme leben, welche durch Jahrhunderte eine Leiter von Unterdrückten bildeten. Ganz unten die podolischen Juden, dann die Ruthenen und schließlich die Polen. Jeder dieser Stämme gibt den empfangenen Druck nach unten vermehrt zurück. Die für den Westeuropäer höchst eigenthümlichen Verhältnisse, die sich aus dieser Gruppirung ergeben, weiß Franzos, selbst ein Sohn dieses Landes, mit tiefer Empfindung, starker Poesie und künstlerischer Gestaltung wiederzugeben. Der Styl ist ungezwungen und frei von Mache und modernen Abgeschmacktheiten, wie sie inderjüngsten Romanlitera tur grassiren. Die Handlung in den Romanen ist immer einheitlich und wickelt sich stetig und interessant ab. Alles ist von großem Realismus und erhebt sich trotzdem zu einem großen und wahrempfundenen Pathos, nicht nur dann, wenn die weltgeschichtliche Tragik, die auf dem Judenthume liegt, zur Sprache kommt, sondern auch wenn von dem Ruthenen erzählt wird, der in der Ebene jahrhundertelang bedrückt, von der tiefsten Demuth erfüllt ist und nur selten sich von der Tiefe zum wüthenden Widerstand erhebt, ferner wenn der Huzule, der ruthenische Bergbewohner, geschildert wird, der seine Freiheit mit Opferung des Lebens vertheidigt. Ja es kommen mitunter Episoden vor, die auf den ersten Moment für die Bauern und Juden, von welchen erzählt wird, gewagt erscheinen, doch erhalten sie durch die Charaktere und die leidenschaftliche Größe des Momentes ihre Motivirung. In dieser Beziehung ist der „Kampf um das Recht" hervorzuheben. Dieser Roman ist bei einer erschütternden Handlung von einer psychologischen Tiefe und Durchbildung, die an Dostojevski erinnert und vielleicht auch auf den Einfluß dieses Romanciers hinweist. Auch der Humor findet bei Franzos seinen Platz, wenn er auch! in allen Romanen und Novellen in derselben Form und oft l mit denselben Redewendungen erscheint. Die Land sch afts sch i lderung nimmt keinen breiten Raum ein, wo sie aber vorkommt, ist sie ungemein poetisch und anschaulich. Alle diese Vorzüge, die Franzos zu einem der besten Romandichter stempeln, sind in den „Juden von Barnow" nur im Keim enthalten. Der Styl ist noch zu allgemein, 311

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