Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 18 (4.5.1894)
- Date
- 1894-05-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 350 Oesterreichischr Wochrnschrist WXi 16 holdseligste Mila meinte, wenn ich Briefmarken benöthige, so möchte ich solche nur wie andere Menschenkinder fein ordentlich bezahlen. Bezahlen!? Ich, Teutobold der rassenreine, der Urteutone und — bezahlen? Wo lebt der Mensch, der mir ins Gesicht behaupten kann, ich hätte ihm in meinem ganzen Leben auch nur einen Heller bezahlt? Bin ich denn ein Cassier, daß ich in einemfort nur auszahlen soll? Ich weiß gar nicht, was die Menschen unaufhörlich von mir wollen mit ihren vielen Bezahlungen. Ich werde schon gelegentlich Alles, wenn ich mal vorüberkomme, zusammen begleichen. Das sage ich und dabei bleibe ich und das muß genügen. Der Johannes ließ sich am Ende doch herbei einen feinen Bogen herauszugeben und Mila schoß eine wunderbare Briefmarke vor. O diese Juden! Was die nicht alles wollen. Heine- Denkmal wollen sie jetzt — ich bitte Dich! War denn der Heine gar so ein großer Dichter? Das Lied „Du Haast Dia—manten und — Perlen, Haast al—les was Men—" ist doch ein gräßlich abgeleiertes Zeug. Das muß er von einem der unzähligen Bänkelsänger, die es in allen Höfen dreh orgeln, gehört und gleich gestohlen haben. So ein bekanntes Lied zu stehlen, das ist doch echt jüdische Unverschämtheit. Oder „im wunderschönen Monat Mai"? Dieselbe Geschichte. Die ältesten Leierkastenlieder hat dieser Jude sich angeeignet. „Leise zieht durch mein Gemüth, ich weiß nicht, was soll es bedeuten" — ist noch eines seiner besseren Sachen, — aber dafür ein Denkmal! Alles in Allem hat er nur zwölf Bände gedichtet. Der Rosegger z. B. hat schon heute dreißig dicke Bücher vollgedichtet und der Faden — er versteht sein Handwerk — ist ihm noch immer nicht ausgegangen. Weil der Rosegger gestichelt hat, er kenne weder Mainz noch Heine, nehmen ihm das die Herren Semiten gewaltig krumm. Hat Heine den Rosegger gekannt? Na also! Ich für meinen Theil kenne jetzt Herrn Rosegger und bin entschieden für ein Rosegger-Denkmal, und zwar nicht in Mainz, welches ich nicht kenne, aber dafür meinetwegen in dem mir bekannten — Lainz, einer sehr schönen Gegend, wo auch der große Thiergarten ist. Aber nicht blos Denkmale ihrer nationalen Größen begehren diese Juden, auch Beamtenstellen möchten sie für sich in Anspruch nehmen. Diese Art von Wünschen ist mir schlechterdings unfaßbar. Ist es denn gar so angenehm, Beamter zusein, täglich im Bureau sich und Andere langweilen zu müssen, von Vorgesetzten sich anschnauzeu zu lassen, mit den Parteien grob zu sein, — und zehn Jahre zu warten, bis man.endlich glücklich im Avancement übersprungen wird. Früher hat man näm'ich darauf keinen Anspruch. Ich meinestheils gehe viel lieber in's Kaffeehaus als in's Bureau, ich fühle durchaus nicht den heißen Drang in mir, Beamter zu sein. Die Juden sollen froh sein, daß sie keine sind. Diese Bürohheiten, die da alle Tage vorfallen — es geht ja ins Blitzblaue. Im Gegentheile, dankbar anerkennen sollten sie's, daß man sie vor den Leiden und Unannehmlichkeiten der Beamtencarriöre sorglich behütet. Aber wer kann es dieser unglaublich frechen Rasse denn eigentlich recht machen. Ein jüdischer Hausirer hat doch gewiß kein allzu angenehmes Dasein. Und jetzt hat die für die Judenschaft allzeit eifrig bedachte Regierung Vorsorge getroffen, daß die Juden nicht mehr hausiren sollen. Auch damit sind sie unzufrieden. Beamte wollen sie sein, Hausirer wollen sie sein — die ersten Stellen im Staate beanspruchen sie für sich . . .Warum die liberale Partei eigentlich so heißt, darüber habe ich letzthin lange umsonst nachgebrütet, ohne es herausbringen zu können. Ich bin jetzt ganz zufrieden mit ihnen und ihren neuen Raten-Gesetz. Nach dem alten Ratengesetz mußte unsereins immer die erste Rate erlegen, wenn er was kaufte, die übrigen waren blos so pro korws. da und brauchten nicht bezahlt zu werden. Das wird jetzt anders und sogar die eine erste wird in Zukunft wegfallen. Dadurch wird ja viel Geld erspart werden und unser berühmter Nationalökonom Schlesinger hat es schon ausgerechnet, wie der Wohlstand der Bevölkerung sich dadurch heben'muß. Wer sich untersteht, an Bezahlung von Schulden zu denken, sollte überhaupt streng bestraft werden. Das wäre so mein Zusatzantrag. Ausgezeichnet finde ich auch, daß Raten- und Hausirgesetz zusammen oder zu mindest rasch hintereinander fertig werden. Dadurch wird vorgebeugt, daß die zu Grunde gerichteten Ratenhändler sich als Hausirer etabliren. Der edle,menschenfreundlichePriesterDeckert rührt sich wieder und hat eine Reihe von Predigten gehalten, welche, obwohl in der bekannten sanften, echt christlichen Weise abgefaßt, dennoch den Unwillen der Juden erregten. Er ließ auch Druckschriften an der Kirchenthür von Schulkindern vertheilen, von denen ich leider keine zu Gesicht bekommen habe. Vermuthlich waren es Circulare, worin er seinen Kunden anzeigt, daß, nachdem der öffentliche Gesellschafter Paulus Mayer vom Geschäfte zurückgetreten und ein eingezogenes Leben führt, er nunmehr allein die Firma übernimmt und stets frische Blutmärchen auf Lager hält. Auch empfiehlt er sich als Luft- Architekt und Talmudist. Als Letzterer ist er so bedeutend wie Rohling. Was im Talmud drinnen steht, zu lesen und zu übertragen — das ist am Ende eine erlernbare Kunst, aber was nicht drinnen steht, frei ins Antisemitische zu übersetzen, dazu gehört Genie. Es kann auch sein, daß die von der hoffnungsvollen Weinhauser Schuljugend vertheilten Zettel nichts weiter enthielten, als ein scherzhaftes Vexierspiel: „Staatsanwalt, wo bist Du?" oder nur eine geschäftliche Angelegenheit betrasen — etwa eine Wohnungs-Vermiethung. Im Pfarrhofe zu Weinhaus ist nämlich ein fürstlich Liechtensteinisch eingerichtetes Cabinet mit Aussicht auf das Landesgericht frei geworden und von einem soliden jungen Manne nebst Brant. sogleich zu beziehen. Der Miether hat jeden Ersten des Monates pünktlich hundert Gulden zu erhalten. Dafür verpflichtet er sich, vom Talmud gar nichts zu verstehen und ihn zu übersetzen, daß die Dielen krachen. Deaert ist ein gewiegter Geschäftsmann, der gar nichts außer Haus zu fälschen gibt. Dadurch stellt es sich bedeutend billiger. Ein Blutmärchen kostet ihn fast gar nichts. Weißt Du, Pumpo, den Lueger zum Duell zu fordern, dazu gehört schließlich nicht allzuviel Courage, aber wie Deckert gleich mit allen Juden der Welt anzubinden, ihnen Billen aus zerlegbarer Luft auszuspielen, Ritualmorde durch die verstorbensten Rabbiner begehen zu lassen — das erfordert Muth. Sind sie einmal alle ausgerottet—tausend Ducaten für einen Juden — betet er versöhnlich ein Paar Juden-Vaterunser für sie. Ich bin am Schluffe der kleinen politischen Uebersicht, die ich Dir zu geben beabsichtigte, glücklich angelangt. Das Bedeutendste wollte ich Dir vorführen und kann somit die Antrittsrede Matzenauer's als ganz unbedeutend füglich übergehen. Er ist eines gesunden Vicebürgermeisters glücklich genesen, die goldeneKette sei ihm leicht, er präsidire im Frieden. Wird er auch weiterhin Zeit finden, zu decretiren? „Lieber Noske! Ich ernenne Sie zu Meinem Reichsrathsabgeordneten der Inneren Stadt Wien. Matzenauer m x.Lang w. p." Wir Antisemiten hoffen es. Lebe wohl, mein Pumpo, ich schreibe Dir wieder, wenn die Liberalen einen herzhaften Vorstoß gegen uns unternehmen. Doch da könntest Du lange warten und dies wäre am Ende mein letzter Brief. Wir wollen es also nicht für so lange aufschieben. Grüß Dich. Teutobold. Aufreizungzum Claffenhatz. Die erste Verurth eilung eines antisemitischen Blattes auf Grund des § 130 d. R.-St -G.-B. fand jüngst m Süddeutschland statt. Vor den Schranken des Schwurgerichts hatte sich am 21. April d. I. der verantwortliche Nedacteur Thomas Reuth er, derben in Heidelberg erscheinenden antisemitischen „Badischen Volksbo'en" leitet, wegen Aufreizung zumElassenhaß in drei Fällen, Beschimpfung einer vom Staate anerkannten Religionsgemeinschaft in einem Falle zu verantworten. Von dem Rechte der Ablehnung der Geschwornen wurde beiderseits ausgiebig Gebrauch gemacht. Der Angeklagte bestritt, den strafbaren Willen, zu beleidigen, bei Aufnahme der vier Artikel, die nicht aus seiner Feder geflossen seien, gehabt zu haben. Den Namen des Einsenders nennt er nicht. Neuther ist wegen Bettels schon vier Mal vorbestraft, drei Mal wegen Beleidigung. Auf Anfrage erklärt Neuther, wie wir der „N. Bad. Lds.-Ztg." entnehmen, einen Wochenlohn von 32 Mark zu beziehen. Die Entlastungszeugen verneinen sämmtlich die Frage des Vorsitzenden, ob Reuther jemals in Versammlungen die Anwendung von Gewalt zur Erreichung der Parteiziele gepredigt habe. Der erste Staatsanwalt Herr Dich führt in seinem Plaidoyer die incriminirten Fälle einzeln auf. Der Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinde habe sich der Angeklagte dadurch schuldig gemacht, daß er, das heißt der unbekannte Einsender, den Act der Einweihung einer Synagoge in Steinssurth dazu benützt habe, mit Bezugnahme auf einen im Sins-