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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-04 · 18 (4.5.1894) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
18 (4.5.1894)
Date
1894-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 18 Veflerrrtchtsche VochenfchrM Seite 349 Zum Jubiläum des Rrichsvolkssthul-Gesehes. Im nächsten Monate sind 25 Jahre verstrichen, seit Oesterreich mit einem liberalen Bolksschulgesetze beglückt wurde. Mit Jubel begrüßt und mit Freuden empfangen wurde diese Maigabe von den meisten Völkern dieses Reiches. Am lautesten frohlockte der bildungsdurstige Jude, denn nun waren ja die Schranken gefallen, die sein Liebstes, seine Kinder, von denen Andersgläubiger trennten, nun konnte er auch hoffen, daß der Haß, der ihn durch sein ganzes Leben verfolgt hatte, schwinden werde, nun konnte erhoffen, daß mindestens seineKinder unter ihren Mitbürgern unbehelligt leben dürften. Darum räumte er auf mit den veraltet eingerichteten Bildungsstätten, aus welchen er und seine Eltern die Grundstoffe ihrer Bildung geschöpft hatten. „Die neue Zeit braucht ein neues Geschlecht", so dachte er, „darum fort mit den Judenschulen, wir brauchen ein anderes, ein besseres Wissen". Wohl hatten die damaligen Judenschulen manchen Fehler, aber sie umfaßten die anvertrauten Kleinen mit Liebe und brachten ihnen Achtung vor Religion und Gesetz bei. Diese Aufgabe sollte auch die Neuschule erfüllen, so verlangte es das Gesetz, also fort mit den confessionellen Schulen. Auch der jüdische Lehrer begrüßte das neue Gesetz wie einen Himmelsboten. Wohl diente er gern und willig seiner Gemeinde, nun aber eröffnete sich ihm die Aussicht auf eine öffentliche Lehrerstelle. Vermöge seiner Tüchtigkeit hoffte er auf eine glänzende Laufbahn, nun winkte ihm ein sorgenloses Alter. Eitle Trugbilder einer lebhaften Phantasie. Fünfundzwanzig Jahre sind vorüber, noch sind die Väter nicht zu Greisen, die Kinder nicht zu Männern geworden und schon sind all' die schönen Hoffnungen zu Grabe getragen und alle Opfer waren vergeblich. Verlassen und heimlich bekämpft von den Liberalen, verhöhnt und öffentlich beschimpft von den Antisemiten, dies ist das Ergebniß der Opfer, welche die Juden dem Zeitgeiste brachten. Und der jüdische Lehrer? Anfangs wurde der Schüchterne sanft abgelehnt, später ließ man seine Bewerbungen einfach unbeachtet und jetzt gönnt man ihm nicht einmal dieses harmlose Vergnügen. „Man schließt ihn ganz einfach von der Bewerbung aus." Die Wahrheit dieser Behauptung beweist der nachstehende aus dem „Prager Tagblatt" abgedruckte Concurs zur Besetzung einer Bürgerschullehrerstelle in Prag. Coneurs. An der Altstädter deutschen Mädchen-Bürgerschule in Prag ist die Stelle eines Lehrers der mathematisch.technischen Fachgruppe mit dem Jahresgehalte von 900 fl. zu besetzen. Die Bewerber um diese Stelle haben ihre Gesuche zu belegen: mit dem Taufscheine, dem Heimatsscheine, dem Reifezeugnisse oder dem Nachweise über die Dispens von der Ablegung der Reifeprüfung, dem Lehrbefähigungszeugnisse für allgem. Volksschulen, dem Lehrbefähigungszeugnisse für Bürgerschulen, den Nachweisen der Dienstleistung (Ausstellungs-Enthebungsdecrete) im Originale oder in beglaubigten Abschriften, einem vom zuständigen Bezirksarzte ausgestellten Gesundheitszeugnisse. Die Gesuche sind innerhalb der sechswöchentlichen Eoncurssrist, vom Tage der Verlautbarung im „Prager Abendblatte" an gerechnet, im vorgeschriebenen Wege bei dem Unterzeichneten k. k. Bezirksschulräte einzubringen. K. k. Bezirksschulrath für die deutschen Volks- und Bürgerschulen in Prag. am 16. April 1894. Soweit ist es gekommen! Obzwar es nun sicher ist, daß ein Jude diese Stelle nie und nimmer bekommen hätte und wäre er ein Pädagoge gleich Pestalozzi, es fehlte ihm ja doch das wichtigste Zeugniß „Der Tausschein", soweit ist es bis jetzt doch noch nicht vorgekommen, jüdische Gesuchsteller einfach von der Bewerbung auszuschließen. Nur Eines ist verwunderlich, daß der Vertreter der jüdischen Religionsgenossenschaft die Abfassung dieses ungesetzlichen Eoncurses zuließ. Zum kommenden Gedenktage rüstet man Festversammlungen. Da werden schöne Reden gehalten werden: „von Freiheit, Männerwürde" und andern schönen Dingen mehr. Aber Eines ist gewiß, die Juden werden in diesen Versammlungen nicht zu finden sein. Wohl war der Same, der vor fünfundzwanzig Jahren ausgestreut wurde ein guter, aber die Früchte, die er getragen, sind eitel Gift und Galle. Antisemitismus, Rassen- und Elaffenhaß sind diese Früchte. Und „an ihren Früchten sollst Du sie erkennen." Ein Lehrer aus Böhmen. Van der Wiener Universität. Es ist ein erfreuliches Zeichen der Umkehr und Einsicht unter der jüdischen Studentenschaft, daß die Stimmen sich endlich mehren, welche für die solidarische Organisirung der jüdischen Studenten, die ja gerade wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judenthume Zurücksetzungen und Angriffen ausgesetzt sind, eintreten. Die Zuschriften in Ihren beiden letzten Nummern, welche die Gründung einer Lesehalle jüdischer Studirender anregen, beziehungsweise zu diesem Projecte Stellung nehmen, sind der Ausdruck der wenn auch nicht immer eingestandenen Ueberzeugung der Mehrheit der jüdischen Studenten. Die offene Sprache Ihres „Emath"-Referenten, welcher die Zustände an der Wiener Universität rückhaltlos bespricht, hat an Ihrem „Medicus"-Gewährsmanne einen etwas skeptischen Kritiker gefunden, der aber das, was er anzweiseln will, nur durch neue Thatsachen bekräftigt. Wenn derselbe meint, die Antisemiten gehorchten einem Eommando, dem Machtworte ihres Seniors, so ist damit nicht ausgeschlossen, wenn nicht gerade zugegeben, daß eine ähnliche Organisation der jüdischen Studenten auch ähnliche Resultate erzielen könnte. Die jüdischen Studenten, die zum größten Theile außerhalb jedes Verbandes stehen, zum Theile durch ihre Zugehörigkeit zu den Corps und anderen „liberalen" Verbindungen an der Hervorkehrung eines specifisch jüdischen Standpunktes und der Verfechtung jüdischer Interessen, in welchen allein sie angegriffen sind, gehindert sind, könnten gerade durch eine kräftige Organisation in einer jüdisch-akademischen Lesehalle jenen Einfluß erlangen, der ihnen nach ihrer Zahl und Bedeutung zweifellos zukommt. Es widerlegt sich hiemit auch der Einwand des Kritisirenden, daß diese Lesehalle die „Hosräthe" keiner Controle unterwerfen können. Jedermann weiß, daß große Corporationen, wenn sie auch nur einen privaten Wirkungskreis besitzen, doch immer mit ihrem Einflüsse und Gewichte auch auf amtliche „Hosräthe" nicht ohne Eindruck bleiben. Im Uebrigen glaubt auch Schreiber Dieses nicht, daß mit der Gründung des geplanten Vereines alle Uebelstände auf einmal beseitigt sein werden. Wohl aber wird das Selbstbewußtsein des jüdischen Studenten, der sich durch seine Zugehörigkeit zu einer großen Corporation stark weiß, mächtig gehoben werden und das allein verspricht für die Zukunft eine Gesundung der Verhältnisse. Die Herren, die vor jeder Vereinigung von Juden für jüdische Zwecke einen so gewaltigen Schreck empfinden, sollten doch endlich die Augen nicht verschließen vor der unleugbaren Thatsache, daß die Gegensätze an der Universität sich lange nicht mehr in dem nationalen Antagonismus „deutsch-slavisch" bewegen, sondern sich zu dem Schlagworte „arisch-jüdisch" zugespitzt haben. Es finden sich eben auch hier die „vereinigten Christen", wie sich das an dem „an die arischen Studenten" betitelten Aufruf der Gegenseite bei den besprochenen Wahlen in den medicinischen Unterstützungsverein gezeigt hat, immer zusammen, wenn es gegen den Juden losgeht. E. Trntobold's kleine Revue. Schreibebrief des deutschnationalen Studenten. Wien, Anfang Mai 1894. XV. Lieber, alter Pumpo! Des Oesteren schon erinnerst Du mich daran, Dir nach längerer Unterbrechung wieder zu schreiben und könntest doch wissen, daß Mahnbriefe aber schon gar keinen Eindruck auf mein gegen derlei vollständig unempfindliches Gemüth machen. Denke Dir, diese niedrig denkende Zahlkellnerseele von einem Johannes wollte mir kein Blättchen Papier, keinen Tropfen Tinte — Cognac schon gar nicht — pumpen und die

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