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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-26 · 17 (26.4.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
17 (26.4.1894)
Date
1894-04-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 17 Veflrrreirhischr Wortzrnschriy «Leite 341 In Ungarn hat die Judenhetze aufgehört als man sah, daß die Juden das Duell nicht scheuen und die Kugel eines Juden auch trifft. Nun hat dort auch die Regierung daran gedacht, daß es eigentlich ihre Aufgabe sei, allen Staatsbürgern den gleichen Schutz zu gewähren und hat die wüsten Hetzereien energisch beseitigt. Wenn man in anderen Ländern über diesen Punkt anders denkt, so müssen die Juden sagen: „aid toi et dieu t’aidera“; nur durch das Bewußtsein, im nöthigen Falle sich erfolgreich vertheidigen zu können, wird das Judenthum dahin gelangen, trotz aller Hetzereien (genannt Antisemitismus) eine geachtete sociale Stellung zu erlangen; nur der persönliche Muth, zu rechter Zeit bethätigt, verschafft Respect und macht die Gegner kleinlaut. In Ungarn ist Ruhe geworden und wird auch bleiben, denn die Hetzer wissen, daß dort die Juden sich auf's Fechten und Schießen verstehen. Südtirol, April 1894. Pilgrim. Dvohobyez. Die hiesige israel. Cnltusgemeinde hat an den Reichsrathsabgeordneten Dr. Emil Byk nachstehende, vom Gemeinderathe Herrn Alexander S ch o r verfaßte Adresse übersendet: Euer Hochwohlgeboren! Hochgeehrter Herr! Ihr mannhaftes Auftreten im verebrlichen Polen-Club für die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Nechtsgiltigkeit unserer Glaubensgenossen; Ihr kräftiges Mahnwort an die berufenen Vollzieher und Wächter des Gesetzes zur Wahrung und Handhabung derselben; Ihre offene und wahre Bloßlegung des verkappten Liberalismus unserer einstigen Freunde hat in den weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung die lebhafteste Befriedigung hervorgerufen und allgemeine Anerkennung gefunden. Wie die D e c e m b e r s o n n e, auch wenn sie noch so blendend leuchtet, nicht wärmt, — so blieb die schöne D ec e m b e r v e r f a s s u n g mit ihren leuchtenden freisinnigen Staatsgrundgesetzen für uns Juden ein Licht ohne Wärme! Und selbst das kalte Licht hatte sich im Verlaufe der letzten 15 Jahre nach und' nach verdunkelt. Und doch sollte das warme Licht der Freiheit und Gleichheit wie das himmlische Tagesgestirn Allen gleich leuchten, Allen gleiche Wärme spenden; sollten die Errungenschaften der freiheitlichen Staatsgrundgesetze allen österreichichen Staatsbürgern in gleichem Maße zu Theil werden, ohne Unterschied des Glaubens! Unserer Ueberzeugung nach trägt nicht zum geringsten Theile die jüdische Wählerschaft selbst daran schuld, welche leider nicht immer vorsichtig genug war in der Wahl ihrer Vertreter. Mit dem wärmsten Danke an Sie, hochgeehrter Herr, für Ihr muthiges Eintreten für unser tiefverletztes Recht verbinden wir daher auch unseren aufrichtigen Dank an die Wählerschaft der Städte Brody-Zloczow, welche in Ihrer geehrten Persönlichkeit einen so ausgezeichneten Vertreter für das hohe Abgeordnetenhaus erwählt, zum Besten Aller! Uns gereichte es zur besonderen Genugthuung, den Mann unserer Wahl, den liberalen Abgeordneten unsere r Stadt, Herrn Prof. Gustav Roszkowski, als gleichgesinnten, von echtem Gerechtigkeit- und Freisinn beseelten Mitkämpfer für unser gutes Recht an Ihrer Seite gesehen zu haben! Unsere gerechte Sache, der solche ausgezeichnete glänzende Vertreter zur Seite stehen, darf des Erfolges sicher sein. In diesem zuversichtlichen Vertrauen verharren mit dem Ausdrucke tiefgefühlten Dankes und vorzüglicher Hochachtung Euer Hochwohlgeboren treu ergebene Drohobycz, 15. April 1894. (Folgen die Unterschriften). Berlin. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt am Montag Abends eine sehr zahlreich besuchte Versammlung ab. Rechtsanwalt Fuchs berichtete über die bisherige Thätigkeit der Rechtschutzcommission. Man hat es sich angelegen sein lassen, überall da, wo man in der antisemitischen Presse über die allgemeinen Phrasen hinausging, Nachforschungen anzustellen. Es wurde eine Blüthenlese unwahrer, antisemitischer Zeitungsausschnitte vorgelegt. So sollte der Rabbiner in Lublin geäußert haben, daß die Juden seines Comitates Meineide leisteten; die Erkundigung hat ergeben, daß eine derartige Aeußerung überhaupt nicht gethan wurde. Hinsichtlich ähnlicher Bemerkungen eines Landrichters in England und des Oberrabbiners in Palästina sind Nachforschungen eingeleitet. Der Referent wies auch auf andere Erfolge des Vereines hin. In Conradswaldau hatte ein Lehrer Zettel vertheilen kaffen: „Kauft bei keinem Juden," ein Verfahren, das auf eine Anzeige hin gerügt wurde. Durch Erkundigungen auf dem Polizeipräsidium wurde festgestellt, daß jenes Reclamegedicht eines „Kleiderbarons", welches zur Weihnachtszeit durch die Blätter ging und allgemeine Entrüstung hervorrief, gar nicht von Juden herrührte. Ändere antisemitische Großthaten, wie die Bilderausstellungen des Gastwirthes Bodek und das Absingen des Liedes mit dem Refrain, daß man die Juden _ in den Rhein werfen solle — was die Anarchisten in Pfaffen und Junker variirten — wurden zur Anzeige gebracht, aber ohne Erfolg. Die Institution des Centralvereines hat sich nützlich erwiesen in vielen Fällen, wo einzelne, zu Unrecht beleidigte Juden sich hilfesuchend an ihn wandten, ferner in den oft wiederkehrenden Berichtigungen, die freilich von den antisemitischen Blättern immer mit Randbemerkungen versehen wurden. Nach einer Zeitungsmittheilung sollten Juden in der Rheingegend ein Muttergottesbild demolirt haben, was sich als grobe Unwahrheit herausstellte. Der Centralverein wolle danach streben, die Rechte der Juden bis zu den höchsten Stellen zu vertreten. Dazu sei aber eine große Verbreitung des Vereins nothwendig. In Berlin sollen sich Gruppen bilden, die für rege Betheiligung sorgen, ein Organ soll geschaffen und Wanderredner sollen gegen die antisemitischen Hetzereien zur Aufklärung der Bevölkeuung ausgesandt werden. In der Discussion wurde darauf aufmerksam gemacht, daß nicht nur die Großen, sondern auch die Kinder in den Schulen vielfach durch antisemitische Hetzereien zu leiden haben. Die Rechtschutzcommission ersuchte, Einzelfälle anzugeben, deren Verfolgung man dann bewirken wolle. Ein Antrag, welcher die Verbreitung des Vereins betraf, fand lebhaften Anklang und soll in der nächsten Sitzung zur Abstimmung gebracht werden. Wien. (Israelitische Cultus gemeinde Wien.) Vom Cultusvorstande in Neu-Sandec ist nachstehendes Telegramm an den Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde gelangt: „Nahezu 6000 jüdische Seelen brot- und obdachlos. Jammer und Noth herzzerreißend, reiche Kaufleute sind Bettler geworden. Wir bitten um eiligste Unterstützung". Ueber Verfügung des Vorstandes haben die Rabbiner und Prediger in ihren am ersten Passahfesttage gehaltenen Predigten an die Mildthätigkeit der Glaubensgenossen appellirt. Demzufolge sind auch bereits mehrfach und darunter namhafte Spenden beim Vorstände eingelangt. Weitere Spenden werden vom genannten Vorstande I., Seitenstettengasse 4, bereitwilligst entgegengenommen und ihrer Bestimmung zugeführt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 6. Mai d. I. 1 Uhr Nachmittags findet im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Marie Engländer mit Herrn Dr. Jul. Ullmann statt. — Ebenso findet am selben Tage 2*/, Uhr im israel. Tempel, ll., Tempelgasse die Trauung des Fräuleins Meta Südfeld, Tochter des Herrn H ermann S üdfeld, mit Herrn Ludwig Ger st mann statt. Sonntag den 15. d. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Solomon de Leon, Sohn des verdienstvollen und allgemein geachteten Präsidenten der Constantinopler Gemeinde Abraham Effendi de Leon, mit Fräulein Hermine Mittler aus Wien statt. Die Hochzeitsfeier hat durch die Theilnahme des türkischen Botschafters, Sr. Excellenz Zia Pascha, sowie anderer hervorragender Persönlichkeiten ein besonders solennes Gepräge erhalten. Wien. Der Polizeicommisiär Moriz Stuckart wurde von 'Sr. Majestät dem deutschen Kaiser durch Verleihung des preußischen Kronen-Ordens ausgezeichnet. Der Rechnungsrath Herr Ignaz Lasus wurde von Sr. Majestät dem Kaiser wegen feiner verdienstlichen amtlichen Thätigkeit zum Bergrathe ernannt. E. B. Wien. (Wohlthätigkeits-Act.) Herr I. Wassermann aus Jassy hat zum Andenken an seine in

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