Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 17 (26.4.1894)
- Date
- 1894-04-26
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seil: 342 Vekerretchiptze WochenfchrM Nr. 17 Meran verstorbene Schwester, dem Asyl für Curgäste in Meran die namhafte Spende von 10.000 Francs zugewendet. E. B. Wie«. (I m R a imund-Theater) wird gegenwärtig ein effeetvolles Lebensbild „Wildlinge" aufgeführt und macht den tiefsten Eindruck. Der Autor, Med.-Dr. M. B r e e, von früher her als dramatischer Schriftsteller vortheil- Haft bekannt, ist aus Proßnitz in Mähren gebürtig und Sohn eines vor vielen Jahren verstorbenen Schullehrers; Vergani's „Deutsches Bolksblatt", das an keinem Juden ein gutes.Haar läßt, lobt das Stück und den Autor über alle Maßen und dürfte, mit Schrecken erfahren, daß letzterer Jude ist. Wien. (EineErinnerung an Adolf Fischhof.) Die Dr. Adolf Fischhof-Medaille wird allerwärts als ein künstlerisch bedeutsames Werk anerkannt und besprochen. Wie wir vernehmen, haben die demokratischen Vereine beschlossen, di: Medaille für ihre sämmtlichen Mitglieder zu erwerben. Das Erträgniß der Medaille ist der Errichtung eines würdigen Grabdenkmals für Adolf Fischhof gewidmet und ist dieselbe für Verehrer des Verstorbenen bei besten Neffen, Dr. Jaques Fischer, MI., Landesgerichtsstraße Nr. 15, erhältlich. Wien. (Das Rothschild's che Spital für Krebskranke.) Bekanntlich hat im vergangenen Jahre der Freiherr Albert v. Rothschild eine größere Summe (fl. 500.000) für die Errichtung eines Spitals für Krebskranke gespendet, das, mit allen technischen und wissenschaftlichen Behelfen ausgestattet, vorzüglich der Forschung nach Mitteln zur Krebsheilung dienen sollte. Es waren auch alle Vorbereitungen zum Baue dieses Spitals, wie Beistellung eines Bauplatzes, behördliche Conceffion rc., getroffen, als das Project, wie man den „Wiener medicinischen Blättern" berichtet, im letzten Momente an dem Widerstande der Anrainer scheiterte. So schwebt bei uns in Wien ein eigenthümliches Berhängniß über den Humanitären Anstalten, denn das projectirte Krebsspital bleibt nun aus demselben Grunde, wie das im Vorjahre von anderer Seite projectirte Tuberculosenheim in Reichenau, unausgeführt. Es dürfte beinahe nothwendig werden — so sagt das citirte Blatt — für humanitäre Stiftungen ein dem Expropriationsgesetze für Verkehrsmittel ähnliches Gesetz in Oesterreich zu schaffen. E. B. Wien. (Der kaufm ännisch e Verein „Osten") veröffentlicht seinen XVII. Jahresbericht, dem zu entnehmen ist, daß derselbe im Berichtjahre 352 Petenten mit dem ansehnlichen Betrage von fl. 1784 unterstützte. Die Einnahmen betrugen fl. 2894. Die Bilanz zeigt einen Vermögensstand von fl. 14.795. Im Hinblick auf die humane Thätigkeit dieses unter dem Präsidium des Großindustriellen I. Fluß stehenden Vereines ist dem letzteren eine werkthätige Förderung zu wünschen. E. B. Wien. (Die Ausstellung in der Rotunde,) welche am 20. d. M. von Sr. Majestät dem Kaiser in feierlicher Weise eröffnet wurde, ist als ein gelungenes Werk zu betrachten, an welchem sich direct und indirect eine verhältnißmaßig große Zahl von Glaubensgenossen betheiligt hat. Wir behalten uns vor, auf dieses neue Werk patriotischen Wirkens heimischen Gewerbefleißes und industrieller Thätigkeit nächstens des Ausführlichen zurückzukommen. Wie«. „Der Einzelverein Wien des Zion-Berbandes österreichischer Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens" hält seine Generalversammlung Montag, 7. Mai, Abends 8 Uhr, in Robitschek's Saallocalitäten, 1. Bezirk, Wipplingerstraße 47, ab. Tagesordnung: Rechenschaftsbericht, Neuwahlen, Eventuelles. Wie«. An dem am 15. d. M. stattgehabten literarischen Nachmittag des literarischen Geselligkeitsveremes jüdischer Mädchen „Moria" hielt Herr Dr. Jakob Kohn, Verfasser der Broschüre „Assimilation, Antisemitismus und Nationaljuden, thum" den angekündigten Bortrag über das Werk von Leroy Beaulieu: „Die Juden und der Antisemitismus." Der Vortragende beleuchtete eingangs die Tendenz und den Effect dieses höchst lesenswerthen Buches und ging auf den den Juden gemachten Vorwurf, die christliche Cultur sei von ihnen bedroht, sowie auf die Abwehr dieses Borwurfes von Seite Leroy Beaulieu's näher ein. Der nächste literarische Nachmittag findet am 29. d. M. statt und sind Gäste (Damen) willkommen. di. Wien. Montag, den 23. d. M. gab der Pianist Herr Karl Ekmann aus Helsingfors, ein Schüler Alfted Grünfeld's, im Bösendorfersaale sein erstes Concert, bei dem seine Landsmännin Frl. Jda Morduch mitwirkte. Die junge Künstlerin aus der Schule Nicklaß. Kempner sang die Arie aus Mozart's: „Jdomeneus" und Lieder von Schubert und Goldmark und überraschte durch ihr überaus sympathisches Organ, das auch in den höchsten Tonlagen vollauf zur Geltung kommt. Die helle, glockenreine und kräftige Stimme Frl. Morduch's, ihr warm empfundener seelenvoller Bortrag, die wunderbare Technik und — last not. least — die graziöse, anmuthige Erscheinung der jungen Sängerin sicherten ihr einen vollen und ganzen Erfolg, den das zahlreiche kunstsinnige Publicum durch nicht endenwollenden Applaus quittirte. Wir hoffen, die stimmbegabte Künstlerin, der wir schon heute das beste Prognostikon stellen können, bald wieder in der Oeffentlichkeit begrüßen zu können, aber nicht im Concertsaale, sondern als Operndiva, für die Frl. Jda Morduch geradezu prädestinirt erscheint. Wien. (Todesfälle.) Der Großindustrielle Herr Joses Gold schm idt betrauert den Verlust seiner im Alter von 12 Jahren dahingeschiedenen hoffnungsvollen Tochter Martha — Herr Samuel Hochsinger, den Tod seiner geliebten Gattin Rosa, geborene Goldenberg, 28 Jahre alt, mit welcher er in glücklichster Ehe lebte. Wien. (Fanny Neu da.) In Meran, wo sie alljährlich zu weilen Pflegte, ist am 17. d. M. die Schriftstellerin Frau Fanny Neuda im Alter von 75 Jahren gestorben. Mit ihr schied eine edle, feinsinnige Dame aus dem Leben, welche, obgleich nur auf einem begrenzten Gebiete literarisch thätig, sich die Verehrung und Liebe weiter gebildeter Kreise erworben hatte. Frau Neuda war die Verfasserin eines Buches: „Stunden der Andacht für Frauen und Mädchen", welches zwar nur für israelitische Kreise geschrieben wurde, jedoch durch seinen ethischen Gehalt, die feffelnde Form und die feine Kenntniß des weiblichen Herzens, die sich darin ausspricht, reiche Anerkennung auch außerhalb jener Familien erwarb, denen es zunächst gewidmet war. Die Verfasserin erlebte die Freude, daß ihr rühmliche Würdigung auch von zahlreichen katholischen und protestantischen Geistlichen zu Theil wurde, die sich durch die Gesammtrichtung wie den innigen, warmen Ton der Gebete und Erbauungssprüche des Werkes sympathisch berührt gefühlt hatten. Das genannte Werk wie ein späteres Buch gleicher Tendenz, das sich vorwiegend an Mädchen und junge Frauen wendete, 'erlebten zahlreiche Auflagen; die Schriften wanderten bis nach Amerika und wurden — allerdings ohne Erlaubniß der Autorin — auch in die englische Sprache übersetzt. Die Verblichene erhielt fortwährend und noch bis in die letzten Wochen zahlreiche Briefe von Frauen und Mädchen aus allen Ländern, welche der Verfasserin den Dank für den Trost, und die Erhebung darbrachten, die sie in diesen Büchern gefunden. * Ebenso beliebt sind auch die Erzählungen für die Jugend, welche Frau Fanny Neuda geschrieben; in ihrem Nachlasse befindet sich übrigens im Manuscript noch ein Bändchen neuer Erzählungen, welche allgemeinen Charakters sind und sich an keine bestimmte Religion wenden. Frau Neuda hat auch für verschiedene Zeitschriften feuilletonistische Skizzen veröffentlicht, welche sich durch vornehme literarische Gestaltung und glückliche Beobachtung auszeichneten; auch ein feiner Humor war ihr eigen, mit welchem sie menschliche Schwächen, ohne zu verletzen, zu charakterisiren wußte. So hat sie in ihrem Sinne und in ihrem Kreise als Schriftstellerin, wie durch ihr lauteres, menschenfreundliches Leben in bestem Sinne erziehlich gewirkt und für Biele als Vorbild gedient. Die Verblichene hinterläßt zwei Söhne, Herrn Gotthold Neuda, Industriellen und Leiter des österreichisch-ungarischen Consulates in Port-au-Prince auf Haiti, und den Redacteur der „Neuen Freien Presse" Herrn Moriz Neuda, Gatten der bekannten Sängerin Frau Rosa Neuda-Bernstein. Wien-Simmering, 22. April 1894. Auf Anordnung des kaiserlichen Rathes, Herrn Friedrich V o g e l, als Präses des Tempelvereines Wien, XI., wurde zu dem am 2. Tage des Passahfestes l. I. abzuhaltenden Gottesdienste der Prediger Dr. Löwy behufs Abhaltung einer Exhorte in dem Tempel Simmering, Hauptstraße, designirt. Mit Bereitwilligkeit unterzog sich derselbe dieser Mission und erledigte sich seiner Aufgabe unter Beifall.der Tempelbesucher. Budapest. (Todesfälle.) Frau Witwe Ignatz Baumgarten verstarb dieser Tage im 77. Lebensjahre. Die Verblichene war die Gattin Ignatz B aumg arten's, eines durch Reichthum, Ansehen und Interesse für die jüdische Wissenschaft hervorragenden Mannes, eines tüchtigen Hebräisten, In letzter Stunde bewies sie noch, welch eifriges Mitglied des Pester israel. Frauen-Bereines sie gewesen, indem sie demselben 10.000