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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-26 · 17 (26.4.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
17 (26.4.1894)
Date
1894-04-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Serie 336 Veflerreiltzifttze WoürenfltzrrN Nr. 17 Snbsidien umworben. Als ihnen gerade vor dem Berliner Congreß von 1878 eine von Samarkand vorcückende russische Armee einen gemeinsamen Zug nach Indien anbietet, veranlaßt die freundliche Ausnahme der Offerte ihren seit 3009 Jahren von ihnen getrennten Srammesgenoffen Disraeli, den besseren Theil seiner an Rußland gestellten Forderungen fallen zu lassen und sich im Reichskanzlecamt unserer Wilhelmstraße mit Gortschakoff zu einigen. Unmittelbar darauf verlieren sie zwar den Ausgang der nach Indien führenden Pässe an England, bleiben aber gefürchtet genug, um ihre laue Bundesgenoffenschaft sofort wieder an England für eine erhebliche Jahrespension verkaufen zu können. Diese Pension ist vor drei Monaten noch erhöht worden und soll gegenwärtig über 109.000 Mk. betragen. Während der gewaltigen, von diesen Ereignissen markirten Zeiträume sitzen sie unbeweglich in ihren Bergen, in zahlreiche Stämme und zahllose Geschlechter gespalten, ein freies Hirten- und Ackerbauervolk von uralter Sitte regiert und ihrem Fürsten rhatsächlich nur im Kriege unterthan. Ein starkes Nationalgefühl hält sie gegen die Außenwelt zusammen, obschon ein ebenso lebhafter Stammes sinn sie im Innern häufig trennt. Die Physiognomie ist die jüdische, das Idiom nach den Sprachen der unterworfenen Urbewohner verschieden. Die westlichen Stämme sprechen vorwiegend persisch, das die gemeinsame Cultursprache Aller ist; die östlichen, welche sich als Kern der Nation betrachten, reden Puschtu, einen etwa zwischen Persisch und Hindi stehenden arischen Dialekt; die nördlichen ziehen tatarisch und altpersifch vor. Eingesprengt sind zahlreiche halbgriechische Geschlechter, die Nachkommen der von Alexander gestifteten griechischen Colonien, die noch heute viel griechische Worte gebrauchen und griechische Namen in afghanisirter Form wie Arolier, Achäer. Bojer, Ionier u. s. w. führen. Auch die von Barka und Cyrene, von Thracien, Macedonien und Phrygien herversetzten Gefangenen siegreicher Perserkönige sind noch in ihren Nachkommen als Baraki, Ludi u. A. m. erhalten. Ja sogar egyptische Kriegsexilirte leben als Misari und Kubti fort, während an der östlichen Grenze eine kurz vor der christlichen Aera angeschwemmte Gothenwoge als Jat, Jata erkenntlich geblieben ist. Sie tritt besonders merklich im mittleren Jndusthal, zumal bei Peschawur hervor, wo die Mischung beif Juden und Germanen eine hochgewachsene Raffe erzeugt hat, in der blonde Haare und heller Teint nicht selten sind. Die Jats sind die größten Kameelzüchter Südasiens und ein friedliches und redliches Volk. Hat der ungeheure Gebirgsblock des Landes den Ansturm der meisten westlichen Einwanderer gestaut, so hat andererseits ihr Verbleiben in gesonderten Thälern die alten Stammes- und Geschlechtsverschiedenheiten conservirt und die ganze Gegend zu einem lebendigen Völkermuseum gemacht, das in seiner Art einzig sein dürfte. Ueber die Differenzen des Raffengewirrs tritt rndeß, zumal im östlichen eigentlichen Afghanistan, der israelitische Charakter in Gesichtsbildung, Wesen und Sitte schlagend hervor. Wer diesem Typus in Englisch-Indien, wo er zahlreich verbreitet ist, oder in England, wo er gelegentlich vorkommt, einmal begegnet ist, wird sich der hohen ernsten Gestalten und der besonnenen Würde des Auftretens nicht ohne Jntereffe erinnern. Das Ebräische ist, nachdem sie die fünf Bücher Moses in ihren neuen Sitzen 1200 Jahre lang im Original gelesen — sie nennen sich davon noch jetzt manchmal grundlos Taurat Kuang „Thoraleser" — unter ihren muhamedanisirten Gros noch völliger verschwunden, als unter den westeuropäischen Juden. Selbst die Musa, Jsra, Jsa und andere mit jüdischen Namen ausgestalteten Geschlechter verstehen nichts davon. Gleich Gothen, Griechen, Lydern, Egyptern u. A. sind sie durch Annahme der Landesreligion in den Landessprachen aufgegangen. Die vielen unter ihnen unvermffcht lebenden Juden, die die alte Religion bewahren und theils unveränderte Reste des Exils, theils spätere persische Einwanderer sind, gebrauchen dagegen ebräisch noch im Gebet. Sie sollen ohne Clans sein und Gleichberechtigung genießen. Als Ganzes nennt sich die Nation gewöhnlich von ihrem östlichen Kern Pukhto, Puschto, Paßten, seltener Afghanen, was beides Bergbewohner zu bedeuten und ursprünglich indische und armenische Nomenklatur gewesen zu sein scheint. Die Tracht ist die persische, obschon die 50.000 Mann stehendes Heer, die sie für die englische Subsidie gegen Rußland halten, angloindisch uniformirt und europäisch bewaffnet sind. Exercitium und Taktik laffen viel zu wünschen übrig, da Stolz und Mißtrauen gegen ihre zeitweiligen Alliirten ihnen verbieten, eine auch nur annähernd genügende Zahl englischer Jnstructoren in das Land zuzulassen. Ihre Hauptkrast dürfte nach wie vor in den Vortheilen liegen, welche die Vertheidigung eines Alpenlandes einem tapferen Gebirgsvolk bietet. Sie sind überdies arm und würden Niemand zur Eroberung reizen, wären sie nicht das Mlttelland zwischen den antagonistischen russischen und englischen Colossen geworden. Hirten, Ackerbauer und geschickte Handwerker, wie sie sind, stehen sie in Genügsamkeit und unberührter Ruhe zu sehr auf dem orientalischen Standpunkt, um nach Wohlstand und Erhöhung für den Einzelnen oder die Familie zu streben. Einige Aenderung beginnt allmälig die Kenntniß der englischen Literatur in den begabten Leuten zu erzeugen, nachdem ihre Theilnahme an cultureller Entwicklung sich bisher auf eine zerstreute Lectüre des stagnirenden persischen Schriftthums beschränkte. So sehr England sie dauernd auf seine Seite zu ziehen wünscht, so ist der gegenseitige Argwohn doch zu groß und der englische Wunsch, den Ehrgeiz und die intellectuellen Möglichkeiten der Rasse nicht zu wecken, zu fest, um ihnen leichten Zugang zu europäischen Kenntnissen zu gewähren. Der Mangel fängt an, empfunden zu werden. Ein lebhafter Kopf dieser Abkunft, mit dem der Schreiber dieses einmal conversirte, überraschte ihn durch die Frage, ob wohl die Bni Israel, die es in Europa geben solle, und die, wie er gehört hätte, sich noch zum jüdischen Islam bekannten, Geld und Theilnahme genug hätten, nützliche Bücher über Werkzeuge und Maschinen in das Persische oder Afghanische übersetzen zu laffen. Die lächelnde Antwort, die er empfing, war keine ermuthigende. Doch ward ihm der Rath gegeben, Engländern Zugang zu seinem Volke zu verschaffen, was zu Studien und Veröffentlichungen führen würde, die die Kunde von dieser merkwürdigen nationalen Reliquie vermehren und das Jntereffe an derselben stelgern müßten. Er glaubte indeß, daß dem Emir Abdurrahman Khan mehr der Zweck als das Mittel gefallen würde. Paul Säemann. Das Iudenthum und die GroWadte. Rede, gehalten vor dem Bürgermeister und der Stadtvertretung von - Portsmouth am.Sonntag den,21,, Jänner. 1894,,.. , Bon Rev. Dr. S. Singer, in's Deutsche übersetzt von Jg. Kaufmann. „Und Jerusalem wird genannt werden die Stadt der Wahrheit". (Zach. VIII. 3.) Wer nur ein Weniges von jener historischen Empfindung besitzt, die unter allen Wechselfällen des Glückes so sehr zur Erhaltung des Judenthums beigetragen hat, ivird die Umstände, die uns heute hier zusammenführen, gar seltsam, ergreifend und vielsagend finden müssen. Die Judengemeinde von Portsmouth ist unter den ältesten — eine oder zwei in der Metropole ausgenommen — wie Sie wohl wissen und zu würdigen verstehen werden, vielleicht die älteste Judengemeinde dieses Landes. Wenn der Schluß, den die Prüfung Ihrer Archive einen itnserer tüchtigsten englisch-jüdischen Geschichtsforscher hat folgern lassen, richtig ist, dann haben Sie als Gemeinde bereits das ansehnliche Alter von 200 Jahren erreicht oder überschritten. Ein Zweig unserer hauptstädtischen Judenschaft von Anbeginn, haben Sie während dieser ganzen Zeit Ihre Verbindung mit den centralen Religionsbehörden intact erhalten. Seit den Tagen R. Uri Pheibusch's zu Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Zeit des jetzigen verehrten Chief Rabbi hat dieses beglückende Gefühl communaler Verbrüderung keine Störung erfahren, und kann die gegenwärtige Gelegenheit, wie ich die Hoffnung auszudrücken nicht unterlassen kann, als ein neues Zeichen jenes religiösen Zusammenhaltes betrachtet werden, der die Juden dieses Landes, ob sie zu dieser oder jener Gemeinde, zu diesem oder jenem Kirchsprengel gehören, vereinigt. Unser jetziges Zusammensein'an diesem Orte ist aber noch nach einer andern Richtung von lehrreicher Bedeutung. Wie ich um mich blicke und die Versammlung dieses Hauses, die hier zu Ehren des Gottes Israels zusammengekommen, nach ihren Personen und Stellungen mustere, kann ich dem Ausrufe des Staunens und der Dankbarkeit nicht widerstehen ob der Veränderung in den Verhältnissen der Juden von England, wie sie seit zwei Jahrhunderten, seit der Zeit, wo diese Gemeinde in's Leben gerufen wurde, eingetreten ist.

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