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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-26 · 17 (26.4.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
17 (26.4.1894)
Date
1894-04-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 VrstrrreUtMürr Wortzrnschrlst Seite 335 Christenthum annehmen sollen. Die meisten Juden entzogen sich der Taufe durch die Auswanderung. Die kleinasiatischen Juden wählten die nahe damals zum Chazarenreiche gehörende Halbinsel Krim zum Wohnplatze. Es entstanden dort damals ansehnliche jüdische Gemeinden an der Küste des Schwarzen Meeres und im Innern der Halbinsel, in Theodosia (Kaffa), Kareonpolis (Eski-Krim), Phanegoria (Terman), Kertsch (Sepher). Von der Krim aus verbreiteten sich die Juden nach den übrigen Chazarenlanden bis tief in den Kaukasus. Jüdische Colonien entstanden in den größeren Chazarenstädten, in Derbend und Semender am Kaspischen See und in der Hauptstadt Belandzer an der Wolga. Bon den griechischen Inden lernte der Chakan Bulan (721 n. CH.) die jüdische Religion kennen. Die Chazaren hatten über die Veranlassung und den Vorgang ihrer Bekehrung eine nach Art der religionsphilosophischen Haggadah gebildete Legende. Der Chakan Joses nämlich (950 n. Chr.) erzählt in dem schon oben erwähnten Briefe (an den jüdischen Staatsmann Chasdai-ben-Schaprut in Spanien) die Geschichte der Bekehrung seiner Dynastie. Dieser , Brief, veröffentlicht im Jahre 1577 von Jsak Akrisch in der Schrift Kol Mahasso ist von zahlreichen Geschichtsforschern verschiedener Nationen als echt anerkannt. Chakan Josef erzählt dort folgendermaßen: König Bulan hatte einen Abscheu vor dem Heidenthum seiner Vorfahren, ohne sich jedoch für eine andere Religion entscheiden zu können. Durch einen Traum sei er auf den richtigen Weg geführt worden. Ein Engel sei ihm erschienen und habe ihm Waffenglück gegen die Araber verheißen, wenn er sich zum wahren Gott bekennen werde. Einen ähnlichen Traum habe auch der Chakan-Stellvertreter (der „Chatin") gehabt. Als er dann einen großen Sieg über die Araber errungen und die Festung Ardebil erobert habe (731 n. Chr.) haben sich der Chakan Bulan und der Stellvertreter entschlossen, das Judenthum anzunehmen. Vergebens hätten der Chalif und der byzantinische Kaiser durch Gesandte ihm zugeredet, ihre Religion anzunehmen. Der Chakan Bulan habe vielmehr in Folge dessen eine Disputation über religiöse Fragen veranstaltet zwischen einem byzantinischen Priester, einem mohammedanischen Derwisch und einenl jüdischen Gelehrten. Die Vertreter der drei Religionen hätten aber den Chakan nicht überzeugt. Allein besonders Eines fiel dem Chakan Bulan auf, daß nämlich der christliche und der mohammedanische Vertreter beide sich auf das Judenthum als Ausgangspunkt stützten. Daher habe der Chakan geheim den christlichen Geistlichen gefragt, ob er dem Judenthum oder dem Islam den Vorzug gebe. Als dieser das Judenthum auf Kosten des Islam hochstellte, frug Bulan ebenso den mohammedanischen Derwisch, der ebenso erklärte, daß das Judenthum viel höher stehe, als das Christenthum. Darauf habe der Chakan dem Gesandten des Chälifen und des Kaisers von Byzanz erklärt, daß er beim Vorsätze, das Judenthum anzunehmen, bleibe, da er dessen unparteiische Anerkennung aus dem Munde zweier Gegner desselben vernommen. Mit Chakan Bulan bekehrten sich die Großen des Reiches zum Judenthum, und bald drang es ins Volk und wurde freiwillig,insbesonders zunächst von den Städtebewohnern, angenommen. Die Nachfolger Bulan's führten hebräische Namen. Einer dieser Nachfolger, Obadjah, lud jüdische Gelehrte in sein Reich, gründete Synagogen und Schulen, und führte den Gottesdienst nach Art der alten jüdischen Gemeinden ein. Laut einem Staatsgesetz durfte seit Bulan nur ein Jude Chakan werden. Alles dies ist nicht etwa jüdische Romantik, sondern historisch festgestellt von Frähn (als Commentator des Arabers Jbn Foszlan und Jbn Haukal) in den Memoiren der Petersburger Akademie der Wissenschaften 1822 Tom VIII und von Dufremery auf Grundlage arabischer Schriftsteller im „Journal asiatique“ 1849. (Fortsetzung folgt.) Afghanische Inden?) Der Jude mit Säbel, Pflug und Vaterland und in allen diesen Beziehungen theilweise mit dem Germanen in einem Lande vermischt, in welchem der Erstere die Mehrheit, der Letztere eine kleine Minderheit bildet, ist die ironische Erscheinung^ welche in dem unten genannten Buche bei unseren antisemitischen Interessenten ihre Karte abgibl. *) An Inquiry into the Ethnography of Afghanistan. By H. W. Bellew, Surgeon General, Bengal Army. Woking, Oriental University Institute, 1893. Mr. Bellew, der Verfaffer, welcher kürzlich als Generalarzt der bengalischen Armee gestorben ist, hat ein langes Leben im anglo-indischen Militärdienst und einen beträchtlichen Theil desselben an der afghanischen Grenze und in Afghanistan selbst verbracht. Seine Schrift, das Resultat eingehender Untersuchungen an Ort und Stelle und vergleichender ethnographischer Forschungen, wurde dem neunten Londoner Orientalistencongreß unterbreitet und gilt als ein wesentlicher Beitrag zur Kunde des durch seine geographische Abgeschlossenheit und innere Stammesmannigfaltigkeit schwer verständlichen Landes. Was sich uns danach in jener wichtigen anglo-russischen Puffergegend darbietet, ist ungemein intereffant und könnte in naher Zukunft einmal mehr werden. Nachdem die semitischen Heiden am Euphrat und Tigris ihren monotheistischen Landsleuten in Palästina das Reich Israel (722 v. Chr.) und das Reich Juda (586 v. Chr.) zerstört und einen Theil der Besiegten in ihre eigenen Länder und Dependenzen weggeschleppt hatten, befand sich eine beträchtliche Anzahl Juden theils m Assyrien und Babylon, theils in den persischen Provinzen der Eroberer. Bon den an den Euphrat exilirten zwei Stämmen durfte, nach der Niederwerfung Babylons durch die Perser, ein Theil in die alte Heimat zurückkehren und dort die jüdische Geschichte fortsetzen (536 v. Chr.); die von den Affyrern weiter östlich versetzten zehn Stämme sind, obschon Assyrien mit Babylon zusammen persisch wurde, niemals zurückgekehrt und waren, bis sie neuerlich wieder aufgefunden wurden, etwa dritthalb tausend Jahre verschwunden. Heute hat man sie wieder in Sicht. Sie bilden das Gros der aus mannigfachen Quellen zusammen geflossenen afghanischen Nation. Theils aus ihren auf Veranlassung der anglo-indischen Regierung übersetzten Geschichtsbüchern, theils aus ihrem eigenen Munde wissen wir nunmehr, daß sie sich bis auf den heutigen Tag „Bni Israel", Kinder Israels, nennen, bis zur Annahme eines losen Muhamedanismus, den sie als eine locale Erneuerung ihrer ermatteten Religion adoptirten, 1200 Jahre lang in Mittelasien den Pentateuch lasen und das Ceremonialgesetz beobachteten, und selbst jetzt, wo das erstere gar nicht und das letztere nur noch in unklaren Resten geschieht, mit den mosaischen geschichtlichen Nachrichten und Bräuchen vielfach vertraut sind. Noch heute bezeichnet ihnen das Wort Islam, „der Glauben", den Muhamedanismus und das Judenthum gemeinsam. Sie wollen zur Zeit Nebukadnezars, den sie den „Zerstörer des heiligen Tempels" nennen, — es muffen sich also damals jüdische Exilirte zu den ursprünglich israelitischen jener östlichen Gegenden gesellt haben — nach dem Paropamisus gelangt und von dort später nach Westen zurückdringend und die heidnischen Urbewohner unterwerfend in ihre heutigen Sitze gekommen sein. Gewiß ist. daß Herodot, der sie 150 Jahre nach Nebukadnezar beschrieb, sie nicht allein schon in ihren heutigen Sitzen fand, sondern sogar dort eine Menge ihrer bis auf die Gegenwart erhaltenen Clannamen verzeichnete. Wieder hundert Jahre später, als Alexander der Große in diese Länder drang, fand er nach gleichzeitigen und späteren klassischen Geschichtsschreibern (Arrian, Strabo, Eratosthenes, Plinius, Curtius rc.) die gleichen Zustände und theilweise dieselben Namen vor. Nach Alexander scheinen sie die Selbstständigkeit, die sie in ihren alpinen Sitzen von Anfang an leicht erwerben konnten, sofort wiedergewonnen und in Fehden mit den benachbarten persischen und tatarischen Stämmen gestählt zu haben. Im Mittelalter wurden manche ihrer Genossenschaften zu einer Art von Schweizern, die sich kriegslustigen Fürsten der benachbarten Perser, Türken und Hindus als bewaffnete Haufen verdangen und Landsknechtsdienste thaten. Im 10. Jahrhundert erobert eine afghanische Armee mit den Arabern das westliche Hindostan; im 11. marschiren die Afghanen mit dem Turktatarenführer Mabmud Gasnavi in dieselbe Richtung und avanciren im 14. mit Tamerlan in das Herz der Hindustaaten, wo Bahlol, ihr Häuptling, den Thron von Delhi um 1450 besteigt und seine Dynastie bis 1525 regiert, zu welcher Zeit Baber, Tamerlan's Nachkomme, sie durch die Begründung des erst 1857 endgiltig gefallenen Großmogulthums ablöst. In den Dreißiger-Jahren dieses Jahrhunderts durch die Versuche der Engländer, ihr indisches Reich in dieser Richtung auszudehnen, in die moderne Geschichte hineingedrängt, vernichten sie 1842 ein englisches Heer von 16.000 Mann bis auf einige Dutzend Menschen und werden seitdem als geschätzte Bundesgenossen sowohl von England wie von Rußland mit schmeichelnden Gesandtschaften und größt»

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