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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-20 · 16 (20.4.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
16 (20.4.1894)
Date
1894-04-20
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 322 Vesterretchiptze Vortzrnfchrtfi Nr. 16 Wie«. Der Sohn des verewigten Dr. Ignaz Kuranda, Herr Felix Kuranda, wurde zum stellvertretenden Direktor des Wiener Bank-Vereines ernannt. Wien, 6. April. Die Verehrer unseres Freundes, des Schriftstellers S. Kohn in Prag, dürfte es Lnteressiren, daß dessen Roman „Fürstengunst" in Buchform bei Emil Apolant in Berlin erschienen ist. Diese große historische Erzählung hat bei ihrem Erscheinen in allen jüdischen Kreisen so großes Aufsehen hervorgerufen, daß der Wunsch, dieselbe als besonderes Buch zu besitzen, allenthalben rege ward. Möge es recht stark gekauft werden. Wien. Im Bethause „Liwias Chen", ll., Obere Douaustraße 89, nächst der Stefaniebrücke, findet vom 1. Tage des Paffahfestes an jeden Samstag und Feiertag zweimaliger Morgengottesdienst statt, und zwar ist der Beginn auf 6 Uhr und auf 8 Uhr Früh festgesetzt. An Maskirtagen wird bei jedem Gottesdienst das bezügliche Gebet verrichtet, wobei die Anordnung getroffen wurde, daß die Namen der verstorbenen Vereinsmitglieder zur Verlesung gelangen. Der Bereinsvorstand übernimmt auch die Abhaltung der „Jahrzeit" von Nichtmitgliedern, wenn dieselben zu diesem Behufe einen jeweilig zu bestimmenden Betrag erlegen. Olmütz. (Todesfall.) Ein geistvoller Poet ist dieser Tage hier gestorben, Dr. Adolf Brecher, der daselbst auch als Arzt sich großen Ansehens erfreute. Adolf Brecher, geboren zu Proßnitz in Mähren im Jahre 1831 als Sohn des dortigen, als Gelehrten hochgeach--. teten, 1873 verstorbenen Arztes Dr. Gideon Brecher, (der 50 Jahre als Arzt in Proßnitz so verdienstvoll gewirkt hatte, daß eine Straße daselbst, sowie eine humanitäre Stiftung nach ihm benannt sind), besuchte das Gymnasium in Preßburg und Prag und studirte hierauf an der Prager Universität, wo er anfangs juridischen Studien oblag und sich dann der Medicin zuwandte. Nach Erlangung des medicinischen Doctorgrades übcrsiedelte er 1859 nach Ölmütz, um hier seine Praxis zu eröffnen. Bald zählte er hier zu den geachtelten und gesuchtesten Aerzten; er wurde Eisenbahnarzt sämmtlicher in Ölmütz ernmündenden Bahnlinien. Neben seiner eigentlichen Berufsthätigkeit entwickelte Dr. Adolf Brecher eine fruchtbare literarische Wirksamkeit. In den Sechziger-Jahren veröffentlichte er ein Räthselbuch „Sphynx" unter der Chiffre A—B, später übersetzte er die Psalmen aus dem Hebräischen ins Deutsche, dann folgten mehrere Sammlungen humoristischer Gedichte, von welchen besonders großen Anklang fanden: „Bunter Kram", „In müßigen Stunden", heitere Gedichte (Berlin, 1890), „Im Schaukelstuhle", heitere Gedichte (Berlin 1891). Auch übersetzte er Petöfi's Gedichte aus dem Ungarischen und Brchlicky's Poesien aus dem Czechischen ins Deutsche; er sprach und schrieb auch in vielen fremden Sprachen.' Früher wendete er den Münchener „Fliegenden Blättern" häufig Beiträge zu; in den letzten Jahren war er ständiger Mitarbeiter des „Humoristischen Deutschland", herausgegeben von Julius Stettenheim, sowie der vom demselben herausgegebenen „Berliner Wffpen" und der in Wien erscheinenden Zeitschrift „An der blauen Donau", die noch im Februar d. I. „Gleichnisse" aus Brecher's Feder brachte. Im öffentlichen Leben war er vielfach thätig. Er war mehr als ein V i e r t e! j a h r h u n d e r t Vorst and-Stellvertreter der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde; mehr als zwanzig Jahre hindurch Vorstandsmitglied des Deutschen Vereins und gehörte auch der Leitung des Musikvereins an. Die Israelitengemeinde Proßnitz hat ihm vor einigen Jahren das Ehrenbürgerrecht verliehen. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer großen Kundgebung der Trauer um den allzufrüh dahingeschiedenen Menschenfreund und Gelehrten und der aufrichtig gefühlten Sympathie für die tiefbetrübten Hinterbliebenen. An der Leichenfeier nahmen Theil: Bürgermeister Engel mit der Stadtvertretung, die evangelische Gemeinde mit ihrem Pastor, sämmtliche Militärärzte der Garnison, die Beamten der in Olmütz einmöndenden Eisenbahnen, der Gerichts- und Verwaltungsbehörden. der Cultusvorstände von Olmütz und der benachbarten Gemeinden, Reichsrathsabgeordneter Hosrath Dr. Adolf Beer, viele Freunde und Verehrer des Verblichenen und ein nach Tausenden zählendes Publicum. An dem offenen Grabe sprachen Rabbiner Dr. Op pen heim er, der Cultusvorsteher von Olmütz Dr. Eduard Hamburger und Rabbiner Dr. Hoff aus Proßnitz. Der Olmütz er Männergesangsverein intonirte einen ergreifenden Trauerchor, mit welchem die würdige Leichenfeier ihren Abschluß fand. E. B. Proftnitz. An der diese Woche in Olmütz statt - gefundenen Leichenfeier Dr. Adolf Brecher's, der ein gebürtiger Proßnitzer und ein Sohn des in unvergeßlichem Angedenken stehenden weiland Dr. Gideon Brecher war, betheiligte sich aus Proßnitz die „Chewra-Kadischa", deren Ehrenmitglied der Verblichene gewesen, die Gemeinderepräsentanz der politischen israelitischen Gemeinde und der Cultusvorstand mit seinem Präses, Herrn Joseph Singer an der Spitze, nebst dem verehrten Prediger, Rabbiner Dr. Hoff, von welchem seitens des Cultusvorstandes eine Grabrede angemeldet worden war, die auch in das officielle Programm der Leichenfeier ausgenommen wurde. Dr. Hoff erschien auch in vollem Ornate und es wurde bedauerlich vermerkt, daß der letztere nicht mit der seinem ehrwürdigen Stande und Berufe gebührenden und zukommenden Aufmerksamkeit behandelt worden war. Es besteht leider noch immer die alte Gepflogenheit, den Rabbiner nicht als geistlichen Repräsentanten, sondern als Bediensteten der Cultusgemeinde zu betrachten und demgemäß auch zu behandeln. Mit diesem Ueberbleibsel der alten „Kahiles" sollte endlich einmal gebrochen werden, soll nicht das Ansehen der israelitischen Cultusgemeinden hiedurch beeinträchtigt und geschädigt werden. Wie ( wollen wir Juden beanspruchen, daß die Gegner uns würdigen, wenn wir uns nicht selbst in unserer geistlichen Repräsentanz respectiren. Krakau, 13. April. Die hier verbreitete Nachricht von der Enthaftung des antisemitischen Abenteurers Dr. Josef Orlowski hat sich als unbegründet erwiesen. Dr. Orlowski befindet sich im hiesigen Untersuchungsarreste und dürfte demnächst dem Lemberger Landesgerichte eingeliefert werden, wo die Verhandlungen gegen die von ihm begangenen Schwindeleien stattfinden sollen. . Krems a. d. Douau, im Februar 1894.. (Aufruf.) Hochverehrte Glaubensgenossen! Eine schon seit langen Jahren bestehende Cultusgemeinde ist auch durch die neuen Gesetze als solche in ihrem Bestände belassen worden, es ist dies die israelitische Cultusgemeinde Krems a. d. Donau in Niederösterreich. Mit Anstand und Ehre erhalten sich die Mitglieder derselben und ebenso wollen sie ihren Cultus dort ausüben. Die alte vorhandene Betstube ist nichts weniger als geeignet, sie in Achtung zu erhalten, abgesehen davon, daß aus allen möglichen Gründen die Behörde eiuschreiten mußte, um dieses Locale als für einen Versammlungsort ungeeignet auszuheben. Die wenigen besser situirten Gemeindemitglieder haben Opfer gebracht und wollen Öpfer bringen, um ein bescheidenes aber würdiges Gotteshaus zu Ehr und Ansehen des Judenthums zu errichten. Bereits wurde ein Platz gekauft und wurden auch die Baupläne behördlich genehmigt. Zur Durchführung des Baues fehlt aber noch ein ansehnlicher Betrag, uud wenn wir auch ein Darlehen aufnehmen und erhalten werden, so kann dies nur in solcher Höhe geschehen, als wir zu decken vermögen. Es geht uns dann noch ein namhafter Betrag ab, weshalb wir uns an unsere bemittelten Glaubensgenossen wenden, dieselben mögen uns in unserem Unternehmen, das in so exponirter Lage zur Ausführung gelangen muß, durch Beiträge unterstützen. Wir sagen Dank für jede Gabe, Gott möge es Jedem lohnen. Hochachumgsvoll: Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Krems a. d. Donau: Leopold Karpfen, Julius Schick, Moriz Auspitz, Jakob Saaß, Hermann Hirsch. Särvär, 16. April 1894. Sonntag den 15.. d. M. veranstaltete die hiesige israel. Congreß-Gemeinde einen solennen Trauergottesdienst für den verstorbenen Volks-Heros Ludwig Kossuth. Eine auserlesene Versammlung, au deren Spitze der hiesige Magistrat, Notabilitäten aller Confessioneu standen, füllte den auf's Feierlichste schwarz decorirten Tempel. Ober- Rabbiner Herr Dr. Bernstein kam von Steinamanger zu diesem Behufe hieher. Im gediegenen Ungarisch verstand er das andächtig zuhörende Publicum in Spannung zu halten, und als er geendet, ward ihm reichlich allerseits Anerkennung gej zollt. Nachdem noch ein patriotisches Lied vom hiesigen Gej sangsverein vorgetragen wurde, schloß diese denkwürdige in j Aller Erinnerung noch lang fortlebende Feier. ' Berlin, 6. April. Heute wurde in Gegenwart vieler hervorragender Aerzte auf dem Friedhof in Weißensee ein Enkel . des bekannten ehemaligen Rabbiners der Berliner Gemeinde,

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