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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-20 · 16 (20.4.1894) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
16 (20.4.1894)
Date
1894-04-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 16 Vryrrreichischr Wochenschrift Seite 319 Dank votirt. Ebenso wurde dem Architekten Wilhelm Freund für seine Bemühungen beim Bau der Seltentreppen des alten Tempels der Dank ausgesprochen. Bezüglich der Verwendung des fl. 27.594 betragenden Gebahrungsüberschusses wurde beschlossen, fl. 15.000 zum Baufond des neuen Tempels. und fl. 9000 jenem der Schule zu überweisen. Das Präliminare für das laufende Jahr wurde mit fl. 334.809 Einnahmen und fl. 343.107 Ausgaben festgestellt. Hierauf wurden Alexander Deutsch de Hatvan in den Ausschuß, Dr. Sigmund Brody und Dr. Alexander Neumann jun. in die Bezirksvertretung gewählt, worauf die Sitzung zu Ende war. Czernowitz, 9. April. Die jüoisch-akadem. Verbindung „Hasmonaea“ veranstaltete am 31. März zur Eröffnung des 6. Semesters einen Festabend, verbunden mit einem Tanzkränzchen, der die Erwartungen, denen man sich hingab, beiweitem übertraf. In dem mit Waffen und Wappen geschmackvoll decorirten Turnsaale nahmen die erschienenen Festgäste an vier langen Tafeln Platz; wir bemerkten unter ihnen als Vertreter der Universität den Herrn Decan der phil. Facultät Prof. Dr. Alois Handl, Universitätsprofeffor Dr. Isidor Hilberg, Rathssecretär Dr. Barber, Rabbiner Dr. Rosenfeld, Advocat Dr. Kiesler, Buchdruckereibesitzer Hermann Czopp, Gemeinderath Siegfried Salier Kaufmann Jsak Salier, Kaufmann Mayer Kornblüh, sämmtliche mit ihren Frauen; dann Banküirector Ferdinand Mayer, Großgrundbesitzer Leibuka Barber, Advocat Dr. M.Salter, Advocat Dr. Chodrower, Dr. med. Lnttinger, Dr. med. Schönbaum, viele angesehene Bürger mit ihren Familien und viele Studenten. Der Festabend nahm folaenden Verlaus: ^Der Präses der Verbindung Herr Stud jur. Jsak Schnürer eröffnete das Fest mit dem studentischen Liede „dauäkarnns", begrüßte sodann die so zahlreich erschienenen Festgäste auf's Herzlichste und skizzirte in einer schwungvollen Rede die gesellschaftliche Stellung der Verbindung, die sich allgemeine Sympathien und Achtung errungen und deren Streben mit der Zeit wohl die ganze jüdische Gesellschaft anerkennen wird. Hierauf wurde das Bundeslied angestimmt; nachdem dasselbe verklungen, erhielt der Vicepräses der Verbindung Stud. jur. E. Brodfeld das Wort zur Festrede. In treffend markanten Worten entrollte der Redner ein Bild der Jahrtausende alten Krankheit, die noch ans dem Nilthal stammt, des unverwüstlichen Judenhasses. Alle angewandten Heilmittel dagegen hätten sich als ziemlich vergebens erwiesen, man müsse einen andern Weg einschlagen. Der Redner entwarf nun in glänzend schwungvoller Rede das Programm und die Ziele der jüdisch-nationalen Partei, die ganz und gar nicht, wie oft behauptet wird, die Ghettozeit herbeisehne. Vielmehr fordern sie eine dem Fortschritte der Zeit entsprechende Existenz für das Judenthum, das eine glorreiche Vergangenheit besitzt, die man nicht liebelos abthun soll, man habe keinen Grund, sich des Judenthums zu schämen, vielmehr ist es Pflicht, es zu lieben und zu erhalten. Der warme Ueberzeugungston, in dem Obiges vorgebracht wurde, entfesselte einen lang anhaltenden Beifall. Nack Absingung des Farbenliedes wurde ein Kaisersalamander exact commandirt und gerieben, die Regimentsmusik intonirte die Volkshymne, worauf Stud. Jur. M. Ebner das Wort zur Rede auf die Ahna mater erhielt. In begeisterten Worten feierte der Redner die Universität, die in den Zeiten geistiger Finsterniß den Zeitgenossen den Weg zu wahrer Aufklärung und Wissenschaft vorgezeichnet. Hierauf sprach der Ehrenbursche der „Hasmonaea", Drd. Vierer einen Toast auf die Damen, der wegen feiner schneidigen Form bei den Herren alleAnerkennung fand. Der Vertreter der Universität, Prof. Dr. Handl knüpfte an die Rede auf die Alma mater an, hob rühmend den idealen Sinn der Mitglieder der „Uasrnauaea" hervor, die mit Mannesmuth und Charakterstärke für ihre Idee eintreten und meinte entgegen der pessimistischen Anschauungsweise seiner Vorredner, daß diese zahlreich erschienenen Damen und Herren den Beweis liefern, wie stark der Idealismus noch in der heutigen materialistischen Zeit sei. Hierauf sprach das Ehrenmitglied der Verbindung Prof. Dr. I. Hilberg in seiner schon bekannten geiftsprühenden Weise; er sprach den Frauen das Wort, deren eigentlicher Wirkungskreis denn doch das Haus sei und denen man es nicht verargen soll, wenn sie sich dem Kampfe, der Männer erfordert, fern halten. Nach Verlesung der zahlreich eingelangten Telegramme wurde der officielle Theil des Abends geschloffen. Nun begann das von dem schönen Geschlechte sehnsüchtigst erwartete Tanzkränzchen. Nachod, 8. April. Am 6. April feierte der Großindustrielle Herr Jsak Mautner seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlasse planten die Beamten sowie die Arbeiterschaft der Fabriksfirma Jsak Mautner u. Sohn, den Festtag ihres Chefs durch einen Fackelzug mit Serenade und einem Freiball zu begehen. Aus Gründen der öffentlichen Sicherheit wurde hiezu die Bewilligung seitens der k. k. Bezirkshauptmannschaft nicht ertheilt. Die Arbeiterschaft brachte am Vorabende dem Jubilar blos ein Ständchen dar, dem eine riesige Menschenmenge beiwohnte. In welcher teuflischen Weise sodann ein Anschlag gegen das Leben der gesammten Familie Mautner durch das Legen und Explodiren einer Bombe von ruchloser Hand geplant wurde, darüber werden die Leser dieses Blattes bereits aus den Tageszeitungen erfahren haben. Blos durch den Schutz des Allmächtigen wurde ein namenloses Unglück verhütet. Die Festesfreude wurde durch dieses Attentat selbstredend getrübt, aber umso inniger und herzlicher gestalteten sich die Ovationen, die dem Jubilar dargebracht wurden. Bor dem Eintritt ins Gotteshaus am Donnerstag wurde der Jubilar seitens des Vorstandes der Cultusgemeinde und des Rabbiners Herrn Dr. H. Goitein begrüßt und beglückwünscht. Mit vor Rührung bebender Stimme dankte der einer Lebensgefahr entronnene Jubilar. Der Tempel war trotz des Wochentages von Betenden gefüllt, denn Jeder wollte dem verehrten Cultusvorsteher an seinem Freudentage die Hand drücken. Im Laufe des Bormittags fanden sich im Hause des Herrn Jsak Mautner Deputationen der Stadtgemeinde, der Beamten, zahlreicher Vereine und angesehener Körperschaften ein. Die Zahl der eingelangten Glückwunschschreiben und Telegramme aus Nah und Fern beträgt viele Hunderte. Unter den Beglückwünschenden war Seine Durchlaucht FML. Prinz Wilhelm von Schaumburg-Lippe einer der Ersten. Die Fabriksbeamten der Firma Jsak Mautner u. Sohn aus den Unternehmungen zu Nachod, Schumburg und Trattenbach überreichten ein herrliches Album, enthaltend das gesummte Beamtenpersonal des Hauses. Eine Deputation der israelitischen Cultusgemeinde überreichte ihrem langjährigen, hochverdienten Cultusvorsteher eine prächtig ausgesührte Adresse. Hiebei hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. H. Goitein in Anwesenheit des Jubilars, dessen Kindern, Enkel und zahlreicher Gemeindemitglieder eine schwungvolle Ansprache. Er sprach über das Wirken und Streben des Jubilars, das zwar an Mühen und Sorgen, an Leiden und Schmerzen reich war, das aber auch von den seltensten Erfolgen begleitet war, auf dem -sichtbar der Segen Gottes ruhte — aber auch der Segen der Menschheit; denn der Jubilar hat es erkannt und bethätigt, daß der Besitz nicht blos das Recht zu genießen verleiht, sondern auch die Pflicht zu leisten und zu wirken auferlegt und daß der wahre Werth des Lebens nicht blos in dem besteht, was wir haben und genießen, sondern was wir sind und leisten. So hat Herr Jsak Mautner seine Kräfte und Mittel im Interesse der Gesammtheit verwendet, im Dienste wahrer Wohlthätigkeit und Humanität, im Interesse unseres jüdischen Gemeindewesens, dessen Förderung und Hebung er stets an gestrebt." Herr Jsak Mautner wurde bereits in den Sechziger- Jahren von Sr. Majestät unserem erhabenen Kaiser mit dem goldenen Verdienstkreuze für sein gemeinnütziges Wirken ausgezeichnet. Aus Anlaß seines 70jährigen Geburtstages hat der Jubilar einen Betrag von 30.000 Kronen für einen Altersunterstützungsfond seiner Fabriksarbeiter gespendet und überdies alle israelitischen Humanitätsanstalten der Cultusgemeinde Nachod mit reichlichen Spenden bedacht. Die Armen der Gemeinde und der Stadt wurden mit größeren Geldspenden betheilt. Hoffentlich wird die geehrte Familie Mautner, die nun in Wien ihren ständigen Aufenthalt genommen hat, auch in der Ferne sich unserer Gemeinde wohlwollend erinnern, wo sie allgemeine und verdiente Achtung und Sympathie stch erworben hat. K. Berlin, 8. April. Daß durch das wüste Treiben der Antisemiten alle staatliche Autorität untergraben werde, leuchtet — freilich etwas spät — selbst dem frommen Stöcker blatte „Neichsbote" nachgerade ein. Es schreibt anläßlich der Maßlosigkeiten der Huldigungen, die conservativ-antisemitische Blätter dem Nährvater des Antisemitismus zu seinem 79. Geburtstage dargebracht: „Dieses Treiben ist ganz gewiß nicht deutsch, aber nichtsdestoweniger lassen sich viele Deutsche durch dieses dämonische Blendwerk täuschen, ohne zu bedenken, wohin es führt, wenn in solcher Weise

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