Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 16 (20.4.1894)
- Date
- 1894-04-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seüe 318 Oestrrrrirhilltze WochenschrM Nr. 1« Bereinsvorstandes für eine vierjährige und eines Mitgliedes mit zweijähriger Functlonsdauer nach § 6 der Statuten. Die Reihe zum Austritte trifft die Herren: Sigmund Ritter von Bauer, Dr. Felix Katzau, Heinrich Nirenstein, Dr. Alfred Stern, Dr. Sigmund Wahrmann. Die Wiederwahl ist zulässig. 4. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (§ 8 der Statuten). Dem Jahresberichte entnehmen wir nachfolgende Stellen: Subventionen zu Schulzwecken erhielten im Vorjahre die Cultusgemeinden, beziehungsweise Bethausvereine in Aspern a. D., Altstadt, Bruck a. L., Bözöd-Ujfalu, Babschitz bei Tabor, Czernowitz i. B., Dürrmaul, Freiberg, Gänserndorf, Glosau, Horn, Janowitz a. d. Angel, Mbs, Korneuburg, Klosterneuburg, Laa a. Thaya, Neunkirchen, Nyitra-Novak, Ober-Cerekwe, Radenin b. Tabor, Rechnitz, Steyr, Tereschau, Troppau, Urmeny, Zwittau u. s. w. Ferner bewilligten wir Subventionen der Königswarter- Stiftung in Meran dem Vereine zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien, dem akademischen Verein .,Himianitas“ in Graz, dem Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten in Wien, dem juridischen Unterstützungsverein an der Universität in Wien, dem Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag, dem Rigorosanten-Verein in Lemberg, der Lesehalle in Zaleßczyky u. s. w. u. s. w. Ueber die traurigen Verhältnisse unserer Glaubensgenossen in Rußland sprachen wir uns schon in den Vorjahren aus und auch Zeitungen und Bücher schildern die dortigen Zustände so oft und so eingehend, daß uns kaum etwas von Belang in dieser Hinsicht zu sagen übrig bleibt. Die Auswanderung hat indessen einen Stillstand erfahren, nicht etwa darum, weil sich die Situation in Rußland zu Gunsten der Juden gebessert hätte, sondern weil den Emigranten bei den Grenzüberschreitungen die größten Schwierigkeiten bereitet werden. Eine kleine Minderzahl nahm unsere Unterstützung zur Reise nach der Schweiz, Frankreich und England in Anspruch, wo die Leute bei Blutsverwandten Aufnahme fanden. Im Ganzen beförderten wir nahezu 600 Personen nach den angegebenen Ländern. Ueberdies sahen wir uns genöthigt, im Lause des Jahres über eintausend Auswanderer, die ungeeignet zur Reise nach Amerika waren, und amerikanische Rückwanderer nach Rußland oder Rumänien zn repatriiren. Ohne Rücksicht und ohne Schonung gehen die russischen Behörden im besonderen Maße gegen fremdländische Staatsangehörige jüdischer Confession vor. So sind denn auch im abgelaufenen, sowie in den vorangegangenen Jahren unsere Mittel vielfach von solchen Oesterreichern in Anspruch genommen worden, die man nach langjährigem Aufenthalte in Rußland unter Berufung auf die bekannten Auswcisungsgefetze plötzlich zur Rückkehr in die ihnen längst sremdgewordene Heimat gezwungen hat. Die Petenten dieser Kategorie recrutirten sich ausnahmslos aus Angehörigen Galiziens, so daß wieder ein beträchtlicher Bruchtheil unserer Ausgaben unmittelbar dem Lande Galizien zugute kam. Wie aus unserer Vermögensbilanz hervorgeht, haben wir im abgelaufenen Jahre blos für russische Emigranten, bezw. zu Gunsten der russischen Action über 47.000 Gulden verausgabt, so daß unsere Hilfsmittel nur noch 14.000 Gulden betragen. Es ist eine schwere, eine an Drangsalen überreiche Zeit, die gebieterisch zu einem treuen Zusammenhalten aller Jener drängt, die für die Leiden und die Nothlage dieser unglücklichen Opfer rücksichtsloser Verfolgungen ein mitfühlendes Herz und einen humanen Sinn besitzen. Der Bericht wendet sich schließlich an die Opferwilligkeit und den Gemeinsinn unserer Glaubensgeuoffen, den Verein in seiner großen Aufgabe zu unterstützen. Wien. (O est err e i ch i s ch - isr a e l i ti s ch e U n i o n.) Samstag den 14. d. M. hielt dieser Verein eine Vereinsversammlung ab, in welcher der Universitäts-Docent Doctor Kühnert, der auf Kosten der österreichischen Regierung zum Studium der Sprache und Sitten in China ein Jahr lang gelebt hat, einen hochinteressanten Vortrag über „Chinas Eigenart" hielt. Der Vortragende leitete seinen Vortrag damit ein, daß er sagte: Chinas Eigenart zu schildern sei nicht leicht, weil viele Erzähler der Bequemlichkeit halber es vorzogen. Märchen über China zu erzählen, indem sie auf die menschliche Schwäche bauten, daß man dem Wunderbaren leichter Glauben schenke als der Wahrheit. In einer anschaulichen Schilderung dev Gegend, der einzelne Leute als Staffage eingeflochten sind, sowie des Cercmoniells beim Empfange bereite! er den Uebergang zur Erläuterung der socialen Rangordnung und ihrem Eintheilungsglund, welcher in der Beziehung zu den werthvollsten Gütern der Menschen gelegen. Als Ursachen der besonderen Hochschätzung der Gelehrten werden angeführt ihr durch strenge Prüfungen erprobtes Wissen und das hierin liegende persönliche Verdienst. Hiebei findet der Vortragende Gelegenheit, sich über, den Charakter dieser Prüfungen, den Charakter der chinesischen Ausdrucksweise zu verbreiten und gleichzeitig den Anknüpfungspunkt zu finden zu den sonderbaren europäischen Anschauungen über China, wie z. B. daß man die Stadt Nanking als Provinz ansühre und daß man sich jeden Chinesen mit einem rotheu Schirme denke. Er führt aus, daß diese sogenannten Schirme Ehrenzeichen wie etwa unsere Fahnen seien, und nicht zum Schutze gegen das Wetter dienen, ja nicht einmal von dem betreffenden Würdenträger selbst, sondern von dessen Diener vorn im Zuge getragen, werden. Diese fehlerhaften europäischen Auffassungen bieten ihm nun Gelegenheit der chinesischen Fehler, wie des Opiumranchens und der Spielsucht zu gedenken, durch welch'letztere er auf die chinesischen Nahrungsmittel überleitet. HiebeizerfälltsoManches in Nichts, was über die Nahrungsmittel gesagt wurde. Die ärmere Bevölkerung lebt von Reis und Gemüsen, die reichere von Geflügel und Delikatessen. Den nächsten Gegenstand bildet die Frau in China. Ihre Manier, die Füßchen klein zu halten, wird in Parallele gestellt mit unserm Mieder. Dann wird erwähnt, daß die Frauen gemacherfür niemand andern als den Gatten zugänglich sind, daß man aber vor aller Weltsehr wohl mit einer Frau sprechen könne. Der Vortragende bespricht weiter das Verhältniß zum Gatten, die Heiraten in China im Verhältniß zu jenen Europas, die Eitelkeit der Chinesinnen und ihre spitzen Zünglein, das Verliebtsein der chinesischen Mädchen und die Hochzeitsfeierlichkeiten. Es wird nun des Staatswesens gedacht, dessen Grundlage der Ahnencultus ist und hieran anknüpfend das Gehaben jener Europäer besprochen, welche weder Diplomaten, Gelehrte oder Beamte sind und es werden als Grundlage der Fremdenverfolgungen und der Hetzplacate Mißverständnisse, Verdrehungen und Ausschreitungen einzelner Europäer angeführt. Der Vortragende knüpfte hier an eine Parallele mit analogen europäischen Verhältnissen und schloß in gehobenen Worten, die gleichzeitig eine scharfe Geißelung der europäischen Verhältnisse enthielten, mit einem Rückblick auf das Land und die Ursachen des Bestandes vom chinesischen Reich. Der Vortragende erntete für seine mit geistreichen Apergus gewürzten Ausführungen lebhaften Beifall, der sich erneuerte, als der Vorsitzende Cultusvorsteher Dr. Grün selb, demselben im Namen des Vereines den Dank votirte. Teplitz, den 15. März 1894. Löbliche Redactionl Ueber Ersuchen mehrerer Glaubensgenossen berichte ich Ihnen, daß in den hiesig en, zumeist von Israeliten besuchten Kaffee- und Gasthäusern die im „Antisemitismus" stark arbeitenden „Dresdener Nachrichten" aufliegen. Im Cafe Wien und Central wurde bereits diesbezüglich intervenirt und haben diese Locale das genannte Blatt aufgegeben — es wäre nur zu wünschen, daß die Juden solche Restaurationen vermeiden würden, in welchen Zeitungen aufliegen, die nur eine antisemitische Tendenz verfolgen. Budapest, 15. April. (Die Pester israelitische Religionsgemeinde) hielt gestern Vormittags ihre ordentliche Generalversammlung, in welcher Präsident Sigmund Kohner den Vorsitz führte. Generalsecretär Dr. Ignaz Goldzieher legte den Jahresbericht vor, in dessen einleitendem Theile die im ab gelaufenen initiirten Schöpfungen der Gemeinde, namentlich der Bau der neuen Synagoge und der Schule, hervorgehoben sind^ Mit besonderer Freude constatirt der Bericht die Zuvorkommenheit, welche die Commune der Hauptstadt durch Ueberlaffuizg des einen Werth von fl. 650.000 repräsentirenden Baugrundes documentirt hat. Ferner wird in dem Berichte die von Sigmund Brody gemachte „Adele Brody Kinderspitals"-Stiftung he^vorgehoben, die seither theils durch die Zinsen, theils durch neue Stiftungen um mehr als fl. 25.000 angelvachsen ist. Der Jahresbericht wurde einstimmig zur Kenntniß genommen. Nach Ertheilung des Absolutoriums wurde dem Präsidium für den in Angelegenheit des Tempelbaues an den Tag gelegten Eifer