Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 16 (20.4.1894)
- Date
- 1894-04-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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rtr. 16 Vesterrrtchische Wochenschrift Sette 317 und daß diese den Ruhmesschild von Heinrich Heine nicht zu trüben vermögen. Wien. Das „Deutsche Volksblatt" vom 10. April d. I. enthält eine Notiz, in welcher Zeter und Mordio darüber geschrieen wird, daß der Tempelbauverein Josefstadt einen Herrn Oscar P o l l a k irrthümlich für einen Juden gehalten, und an denselben Loose für seinen Tempelbaufonds geschickt hat. Der Jrrthum ist wohl einigermaßen begreiflich, begreiflicher jedenfalls als die Thatsache, daß christliche Geistliche seit Jahren die gesummte jüdische Bevölkerung Wiens mit Bettelbriefen für Kirchenbauten förmlich überschwemmen. Es gibt wohl kaum einen Leser der „Oesterreichischen Wochenschrift", der nicht von dem Caplan H i ck l in Holleschau vier- und fünfmal solche Briefe erhalten hätte, ja sogar nicht nur Leser in Wien, sondern auch in entfernten Theilen des Reiches. Aber selbst die katholischen Geistlichen im Auslande speculiren aus die Mildthätigkeit und Vorurtheilslosigkeit der Juden in Oesterreich. An zahlreiche unserer Glaubensgenossen gelangte in den letzten Tagen ein gedruckter Bettelbrief des Pfarrers Dr. L uschberger in Langendernbach auf dem Westerwalde mit einer Empfehlung des Bischöflichen Ordinariates in Limburg um Beiträge zum dortigen Kirchenbau. Und da liegt nicht blos ein vereinzelter Namensirrthum vor, sondern man hat es mit einer wohlüberlegten Action zu thun, die auch thatsächlich ihre Früchte trägt. Wien. (Gemüthliches aus Salmannsdorf.) Wir erhalten folgende Zuschrift: „Löbliche Redaction! Ich bitte ergebenst um Veröffentlichung folgender Beschwerde: Als Vertreter der Firma D. Weiß u. Comp, in Wien bekam ich den Auftrag, einen Betrag für gelieferte Waare bei einem Wirthe in Salmannsdorf einzucassieren. Ich traf dort eine ziemlich große Gesellschaft von Herren, die mich sofort mit einem „Halloh, ein Isaak!" begrüßten. Ich antwortete nichts, sondern ließ mir ein Viertel Wein und ein Hausbrot geben. Jetzt ging die Hetze los: Einer sagte „Saujud", der Andere „Binkeljud", Einer schrie „Abraham!", der Andere wieder „Isaak!" Un zu dem Allem lachte die Wirthin. Ich saß beim Ausgange und sagte zu allem dem kein Wort. Wie konnte ich auch etwas antworten? Ich wäre wahrscheinlich aus Hetze geprügelt worden. Da erhob sich ein großer Mann mit blondem Schnurrbart von seinem Platze und unterhielt mit den Herren vom letzten Tische ein Gespräch. Alle die Herren lachten; dieser Herr setzte sich zu meinem Tische und fing wieder an, über die Juden loszuziehen. Ich merkte die Absicht dieses Herrn, mit mir einen Streit zu beginnen, jedoch ich konnte nicht fortgehen, da ich noch kein Geld hatte. Ich ließ also geduldig die schalen Witze über mich ergehen und schwieg. Endlich ging ich in die Küche zur Frau Wirthin wegen des Geldes, und da wurde ich mit einem riesigen Gelächter und mit dem Ruf: „Jud, Jud!" hin und zurückbegleitet. Ich bekam kein Geld, denn die Wirthin sagte mir, ich soll warten, bis der Herr kommt. Ich wollte mich wieder zu meinem Glase Wein setzen, jedoch mein Platz war schon von dem vorhin erwähnten Herrn besetzt. Er fragte mich höhnisch: „Ist das Ihr Sessel?" und auf meine bescheidene Antwort, daß ich mein Bischen Wein auch stehend austrinken kann, stand er vom Sessel auf und zwang mich in scheinbar gemüthlicher, jovialer Weise wieder Platz zu nehmen. Jedoch beim Niedersetzen bekam ich einen heimlichen, aber tüchtigen Rippenstoß von diesem Herrn. Mir verging der Athem, ich konnte nicht sprechen, und die anderen „Herren" Gäste lachten. Ich wartete die Ankunft des Herrn Wirthes nicht ab und ging. Das ist mein Erlebniß in Salmannsdorf. Ergebenst A. K." — Name und Adresse des Einsenders sind uns bekannt. Wien. (Zwei Berichtigungen). Wir erhalten folgende Zuschrift: „Um seine und seiner Collegen Amtsehre zu retten, erlaubt sich der Gefertigte mit Berufung auf den § 19 des Preßgesetzes eine Berichtigung der in ihrem Blatte: „Oesterreichische Wochenschrift" Nr. 13, vom 30. März 1894, unter dem Titel „der Antisemitismus unter den Communalbeamten" gebrachten Notiz hiemit einzusenden, welche vollinhaltlich aufzunehmen ist. Es i^ ganz und gar unrichtig, daß der gefertigte magistratische Steuercommissar zu den wüthendsten antisemitischen Hetzern gehöre, obwohl er sich ganz offen zum Antisemitismus bekennt und keine Ursache hat, diese seine Gesinnung vor politisch Andersdenkenden zu verleugnen. Gleichfalls ist es unrichtig, daß der Gefertigte in Kolbeck's Restauration in Favoriten sich in so unfläthige Schmähungen gegen die Juden erging, daß die anwesenden Gäste und der in seiner Gesellschaft befindliche geistliche Herr über die angeblich unqualificirbaren Auslassungen die größte Entrüstung an den Tag legten oder gar empört das Local verließen. Der Wahrheit vielmehr entspricht es, daß der Gefertigte am 19. März Abends in Gesellschaft eines Weltpriesters in Kolbeck's Restauration in Favoriten sich befand und sich ganz gemüthlich in harmloser Conversation unterhielt. Auch der den Gefertigten scharf tangirende Schlußsatz, welchen der gegenübersitzende Herr Marktcommiffär geäußert haben soll, ist erdichtet und völlig aus der Luft gegriffen." Wien, am 5. April 1894. Franz Forstinger, Steuercommiffär. Es ist erfreulich, daß Herr Forstinger selbst, aus dessen Berichtigung wir nur die Bestätigung seiner antisemitischen Gesinnung entnehmen, im Eingänge seiner Zuschrift zugesteht, daß in der öffentlichen Bekenntniß dieser Gesinnung eine Verletzung der Amtsehre der magistratischen Beamten gelegen sei. Der Herr Steuercommiffär Forstinger weiß am besten, daß seine und seiner Collegen Eistenz ebensowohl durck jüdische, wie durch christliche Steuerträger begründet wird. Ein ehrenhafter Beamter hetzt nicht gegen dieselben Juden, von denen er theilweise bezahlt wird. Die zweite Berichtigung erhalten wir von Herrn Heinrich M a t t o n i mit folgenden Worten: Bon der in Ihrem Blatte vom 6. April d. I. aufgenommenen, meine Person betreffenden Notiz in Kenntniß gelangt, ersuche ich, dieselbe dahin zu berichtigen, daß ich den Ausspruch „einen Juden wolle ich nicht wählen" nicht gethan habe und daher die bezügliche Mittheilung unrichtig ist. Wien, 13. April 1894. Heinrich v. Mattoni, kais. Rath. Wien. (Bon der Baron Hirsch-Stiftung.) In der letzten Zeit weilte hier durch 14 Tage der als bewährter Pädagog und hervorragender Schulmann bekannte langjährige Director der Czacki-Schule in Lemberg und gegenwärtiger Jnspector der Volksschulen der Baron Hirsch-Stiftung, Herr N. Landes, um dem Curatorium über das Resultat feiner letzten Jnspectionsreise Bericht zu erstatten. Dieses ergab sich als" ein höchst befriedigendes: Die Leistungen sämmtlicher Schulen sind vorzügliche, die Frequenz ist eine sehr gute, das Lehrpersonal, für dessen Acquirirnng das Curatorium keine Opfer scheut, ein überaus tüchtiges. Bon 61 Lehrern für die profanen Gegenstände haben blos 7 nicht die gesetzliche Qualification, aber Gymnasialstudien von 6—8 Classen und sind verhalten, mit Schluß des Schuljahres die fehlenden pädagogischen Prüfungen abzulegen. Bon den übrigen hat der größere Theil (31) die volle Qualification (d. i. die Maturitätsprüfung an einer k. k. Lehrerbildungsanstalt und die Lehrerqualificationsprüfung), die anderen (23) besitzen die Maturitätsprüfung an einem k. k. Lehrerseminar, was gegenüber dem Verhältnisse bei den allgemeinen öffentlichen Schulen in Galizien, wo laut Bericht des Landesschulrathes von 5875 Lehrern 863 keine Seminarmatura haben, außerordentlich günstig ist. Es sei weiters noch bemerkt, daß die Stiftungsschulen Aussicht auf baldige Erlangung des Oeffentlichkeitsrechtes haben. Für die Schule in Kolomea wurde bereits das Oeffentlichkeitsrecht vom hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht ertheilt. Die Leistungen des Schulinspectors anden die vollste Würdigung seitens des Curatoriums. Wien. (Von derBaronHirsch-Stiftung.) Das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung wird mit Beginn des Schuljahres 1894/95 eine Anzahl neuer Volksschulen in Galizien eröffnen. Es gelangen daher mehrere Lehrerposten mit systemisirten Gehaltsstufen zur Besetzung. Bewerber um diese Posten haben ihre mit dem Nachweise gesetzlicher Lehrerbefähigung versehenen Gesuche entweder unmittelbar an das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung, Wien, I., Schwarzenbergplatz 4, oder an die Executiv-Comite's in Krakau und Lemberg bis 1. Juni d. I. einzusenden. Wien. Die Israelitische Allianz zu Wien hält am Sonntag den 29. April 1894, um 10 Uhr Vormittags, im Saale der^Israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 4, im 2. Stock die 21. ordentliche General-Versammlung ab. Tagesordnung: 1. Bericht über die Thätigkeit des Vereines im Jahre 1893. 2. Bericht über die finanzielle Gebahrung im Jahre 1893. 3. Wahl von fünf Mitgliedern des