Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 16 (20.4.1894)
- Date
- 1894-04-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Settr 316 VeSerredMche WoltzenfitzrM Vtr. 16 oder andere Weise reorganisirt. Es ist, wie gesagt, ein un- , abweisbares Bedürfnis;, aber hat Jemand im Lande bisher daran gedacht? Wird dafür gesorgt, uns für die Zukunft gebildete Rabbiner, Prediger und Lehrer, die diesen Beruf würdig vertreten, zu verschaffen? Die Frage unlß leider verneint werden. Und selbst wenn man daran gedacht hätte — wo sollte man auch solche Rabbiner hernehmen, die doch im Lande ihre hebräischen Vorstudien gemacht haben müssen, bevor sie im Auslande zu ihrem Berufe weiter ausgebildet werden sollen? Der Mangel würdiger Vertreter des Lehr er fach es wird bei uns ebenfalls schon jetzt schwer empfunden und wird es in der Folge noch mehr werden, wenn keine Vorsorge getroffen wird. Schon jetzt sungiren mitunter ungebildete Ausländer, gewesene Melamdim, „Belfers", Chazanim und allerlei Batlanim als jüdische Lehrer i-i mancher Schule oder Talmud-Thora, weil keine Würdigeren zu finden sind; und wie wird es erst nach einer Generation mit unseren jüdischen Schulen aussehen, wenn aus der nachwachsenden Jugend des Landes keine neuen Hebraisten herangebildet werden! Und wenn durch irgend eine Fügung der Umstände — z. B. durch eine der galizischen ähnliche Stiftung die Mittel geboten würden, die jüdischen Schulen im Lande nach Bedarf zu vermehren, wo sollen dann die erforderlichen Lehrkräfte hergenommen werden? ^n mancher Stadt der Moldau gibt es gegenwärtig weit mehr als je 50 Chedarim, Privatschulen und Talmud- Thora, die doch nicht verewigt werden sollen. Und da im socialen Leben wie in der Natur keine Sprünge möglich sind, da ferner die jüdische Erziehung der Kinder nicht außer Acht gelassen werden darf, da die öffentlichen Schulen Rumäniens für kaum 23°/0 der Schulbedürftigen ausreichen, und endlich die in den Kammern so oft eingebrachten Einschränkungsgesetze für Schulbesucher jüdischer Confession nunmehr zur traurigen Wirklichkeit geworden, so sollen diese Ehedarim nach und nach in moderne Schulen verwandelt werden, was bei einem Zusammentreten warmfühlender Männer in jeder Gemeinde und Anwendung geeigneter Mittel nicht schwer fallen dürfte. Selbst die Opposition der Melamdim kommt nicht in Betracht, da diese sogar mit in den Plan einbezogen werden könnten, indem dieselben in den zu schaffenden Schulen als Lehrer der niedrigen Elasten billig verwendet werden können. Ein zweiter, weit wichtiger Factor, nämlich die Väter der Kinder, soll eben durch die Einführung des Hebräischen in größerem Maßstabe gewonnen werden. Aber wo die Lehrer für die höheren Elasten hernehmen? "Thal; is the question! Dafür muß eben schon jetzt gesorgt werden, bevor es zu spät wird. Von einigen in Folge des neuen Schulgesetzes soeben entstandenen oder im Entstehen begriffenen Schulvereinen, die keine jüdisch-rumänischen Schulen, sondern rumänische Schulen für Juden, d. h. solche, in denen ausschließlich rumänisch unterrichtet werden soll, gründen wollen, muß ganz abgesehen werden' über die Fahnenträger der Ultra-Assimilation, die der Romanisirung alles Heilige opfern wollen, braucht kein Wort weiter verloren zu werden. Durch eine vierzigjährige Erfahrung nicht klüger geworden, werden sie auch durch noch' so eindringliche Worte von ihrem Vorhaben nicht abgebracht werden; dieselben werden, wenn sie nicht, durch den Volkswillen gezwungen, bei Zeilen einlenken, an ihrer eigenen Verstocktheit scheitern. B a c a u, im April 1894. M. Braunstein. chorresMäenren. Wie». (Das Juden-Baterunser confiscirt.) Das „kleine Broschürchen" des Pfarrer Deckert, „Das Vaterunser in der Judennoth", ist am 17. d. M. thatsächlich von der Wiener Staatsanwaltschaft wegen Aufreizung ipit Beschlag belegt worden. Dagegen ist die „große Broschüre" des hochwürdigen Seelenhirten von Weinhaus: „Türkennoth und Judenherrschaft" noch in zahlreichen Buchhandlungen zu haben, obwohl sie den genauen Text des Flugblattes enthält, das confiscirt worden ist. Die Predigten des Pfarrers Dr. Deckert mit dem famosen Juden-Baterunser waren auch in dem von Deckert herausgegebenen „Sendboten" erschienen, ohne von der Staatsbehörde beanständet worden zu sein. Auch die Hetzpredigten des Dr. Deckert nehmen ihren ungestörten Fortgang. Der Complice des Paulus Meyer uno Bundesgenosse des Ernst Schneider getraut sich nach den Vorgängen inHolleschauund den gerichtlichen Constatirungen in Ung arisch-Hradisch von der Kanzel herab zu betheuern, „daß die Juden über die Christen Gerüchte aussprengten, als ob diese Götzendienst treiben, Kinder schlachten und deren Blut im Dunkeln verwenden; es sei bewiesen, daß diese Gerüchte von den Juden herstammen." Der Staatsanwalt von Ungarisch-Hradisch wäre in der Lage, Herrn Deckert darüber einige Aufklärung zu geben. JlSiett. (Zur Gleichberechtigung der Juden.) Die öffentliche Discussion, welche der Abgeordnete Dr. Byk durch seine Interpellation im Polenclub über die Zurückweisung jüdischer Bewerber um Staateanstellungen anregte, hat die erfreuliche Folge gehabt, daß der Abgeordnete Dr. Kronawetter die Angelegenheit in offener Parlamentssitzung besprach und die Regierung zu einer Erklärung aufforderte. Der Abgeordnete Dr. Kronawetter ist in der glücklichen Lage, keinem Club anzugehören und er konnte daher die von Dr. Byk im Polenclub angeführten Thatsachen im offenen Hause zur Sprache bringen, ohne erst einen Clubbeschluß abwarten zu müssen. Das Auftreten Dr. Krona wetter's hat insoferne bereits seine Wirkung geübt, als die Angelegenheit auch im Club der Bereinigten Linken zur Erörterung gelangte und daselbst die Nothwendigkeit betont wurde, daß die betreffenden Minister, über die Praxis der ihnen unterstehenden Behörden bei der Beurtheilung von Anstellungsgesuchen jüdischer Bewerber Aufklärungen ertheilen. Wien. (Das Heine-Denkmal.) Der Streit um das Heine-Denkmal kommt nicht zur Ruhe und nimmt es gewiß nicht Wunder, daß das „Deutsche Volksblatt" über W i l d e n b r u ch's Urtheil und dessen Ehrung in der Deutschen und österreichischen Presse in wahre Wuth verfällt und andere Zeugen führt, die Heinrich Heine verurtheilen. Außer Rosegger und Felix Dahn noch den Zeitgenossen Heine's Hoffmann von Fallersleven, lieber den ersten Zeugen, welcher seine Aeußerung theils widerrufen, theils durch Grobheiten abzuschwächen versuchte, sind die Acten geschlossen. Der zweite Zeuge Felix Dahn hat — es ist zu offenbar — in seinem Aerger, daß der todte Heine noch im Deutschen Volke lebt, während der lebende Dahn schon vergessen ist, sein Zeugniß abgelegt. Wir sagten „vergessen", aber damit wäre dem Herrn Dahn noch sehr'geschmeichelt, seine größte Dichtung, das große Epos „Odhins Tod", kennt kaum der'hundertste Theil der gebildeten Welt und von diesem minimalen Bruchtheile hat es der Tausendste kaum zu Ende gelesen und kein Einziger auf dem ganzen Erdenrund — Herrn Dahn selbstverständlich ausgenommen — vermöchte einen Vers des Epos aus dem Gedächtnisse zu citiren; und das muß einen so gottbegnadeten Dichter, wie der Herr von Dahn ist, doch kränken, wenn der todte Heine ihm vorangestellt und ihm vorgezvgen wird. Und nun gar der dritte Zeuge, den das „Deutsche Bolksblatt" führt, Hoffmann von Fallersleben. Ueber diesen Dichterling hatte Heine die volle Lauge seiner Satyre ausgegossen und ist es da möglich, daß sein Zeugniß für ein elastisches gehalten wird! Wir wollen dies dem „Deutschen Volksblatt" erläutern und zu beweisen suchen: Sieh mal kleiner Schocker Vergani, wenn Jemand als Beweis für Deine Gesinnungslumperei und sonstige Schurkereien die „Oesterreichische Wochenschrift" des von Dir so viel geschmähten Dr. Bloch anführte, würde er bei einem vollkommenen objectiven Tribunale nicht das Vertrauen und den Glauben finden, als wenn er Deine ganzen oder Theil-Parteigenosten als Zeugen führen würde. Bekannt sind Dir gewiß die Aeußerungen des Vaters des Antisemitismus, des großen Ritters Georg, vom Strick, dieOhrfeigen des Herrn Cornelius Vetter, die Fußtritte des Herrn Lehrner, Hauck, des Dr. Pattai rc. Will man Dich kennen, dann muß man Deine Mitarbeiter fragen, dann erst erhält man Dein wahrhaftes Bild Du zaubergewaltiger Lump! Nun siehst Du, es war nicht klug, den Schatten Hoffmann's zu beschwören und Deine Schmähungen haben nur den Erfolg zu verzeichnen gehabt: man erkannte, daß bei Deinen Gewährsmännern auch die Spur von Geist nicht zu finden ist asm—