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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-20 · 16 (20.4.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
16 (20.4.1894)
Date
1894-04-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 16 Vesterretttztsrhr rvonrenptzrm Seite 3t5 in seiner Richtigkeit" heruuszugeben, in welcher er dieses monumentale Werk und seine Urheber ä la Rohling behandelte, wo in der hebräisch-literarischen Welt überhaupt der Grundsatz galt: „Durch das Hebräische gegen alles Jüdische". Man vergaß hier vnd dort/daß die Juden zu allen Zeiten und unter allen Völkern die Fahnenträger der Cultnr waren und dieselbe von dem classischen Alterthum durch das barbarische Mittelalter in die neueste Zeit hinübertrugen, daß es für sie eigentlich kein Mittelalter gab und daß sie nur durch den Zwang der Umstände in den letzten paar Jahrhunderten der Auslkärung ihrem ureigensten Elemente entfremdet wurden, man vergaß dies Alles und ging zu unsanfl zu Werke, alles Jüdische vor der Aufklärung zurückzusetzen, statt sie beide mit einander zu versöhnen. Wer konnte es ahnen, daß in kaum ein er Generation ein Hebraist unter Tausenden nicht mehr zu finden sein und in ganzen Ländern, wie z. B. in Galizien, dem Geburtsorte jüdischer Wissenschaft, von dieser keine Spur mehr zu finden sein werde? Abrahm Geiger, einer der Koryphäen der jüdischen Wissenschaft, der auch hebräisch schrieb, ahnte wohl nicht, sein Sohn werde Güdemaun einen Vorwurf daraus machen, daß dieser an der Hand der Quellen, die mittelalterlichen Juden, in Bezug auf Moral und Cultur über ihre Henker, die Deutschen, stellt, dabei öffentlich gestehen wird, er könne „die hebräischen Quellen nicht eontroliren", und doch, hat dieses nicht A. Geiger durch seine destructiven Tendenzen selbst verschuldet? Das Resultat jener einseitigen Richtung zeigte sich nur zu bald: das Volk, welches seit dreitausend Jahren auf Basis der Thora und durch dieselbe erzogen und ihr allein seine Existenz inmitten einer ihm feindlichen Welt verdankt, konnte die Chedarim gegen solche Schulen nicht vertauschen, und so hatten die wohlmeinenden aber nicht praktischen Volksbeglücker von vornherein die Rabbiner, die Frommen das Volk gegen sich und die Chedarim und die Melamdim blieben nach wie vor in der Bolksgunst und die jüdischen Schulen können nicht gedeihen, solange noch in ihnen dieselbe Tendenz vorwaltet, wie dies in der That noch heutzutage der Fall ist; denn noch jetzt wird das Hebräische in den jüdischen Schulen des Inlandes, wie in den meisten des Auslanoes gewohnheitsgemäß blutwenig gepflegt, die Bibel mitunter von allerhand Compendien und Auszügen — Fleischextract für Magenkranke — abgelöst, trotzdem man sich bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge keine Rechenschaft darüber mehr zu geben vermag. Wozu auch diese Halbheit, und was sollen jüdische Schulen, die mehr dem Namen als dem Wesen nach so heißen dürfen, eigentlich bezwecken? Soll die hebräische Sprache, die mit ihr eng zusammenhängende jüdische Religion und die von ihr ebenfalls bedingte jüdische Wissenschaft unter den Juden erhalten bleiben, dann sollte der hebräische Unterricht darnach eingerichtet und mit entsprechender Sorgfalt behandelt werden; wenn nicht, wozu dann der hebräische Unterricht in den jüdischen Schulen, wozu überhaupt diese selbst, da doch die allgemeine Bildung in den öffentlichen Schulen geholt werden kann? III. ' Da nun die bestehende Ordnung in den jüdischen Schulen, was den Unterricht im Hebräischen anbetrifft, einer Anschaultttg entstammt, die bereits der Vergangenheit angehört, so drängt sich von selbst die Rothwendigkeit auf, einzulenken, wozu bereits Anzeichen vorhanden sind. Ich brauche nur auf die Bestrebungen in den maßgebenden Kreisen der Wiener, Berliner und Londoner Judenheit für die Wiedereinsetzung der hebräischen Sprache in ihre Rechte, hinzuweisen. Die jüdischen Schulen müssen derart reorganisirt werden, daß sie diesen Namen wirklich verdienen, nicht blos führen sollen; das Hebräische muß gründlich und umfassend, nicht, wie bisher, plan- und ziellos in medicamentaler Dosis unterrichtet werden. Die Schulen oder wenigstens einige derselben, sollen als Proseminarien oder als Vorstufe zu denselben eingerichtet werden, indem zu den bestehenden drei oder vier Elasten nach und nach noch ein paar weitere hinzugefügt werden. Mit der Erweiterung des hebräischen Lehrstoffes könnte und sollte übrigens schon bei den höheren Primärcla s s e n begonnen werden, da dies innerhalb der dem Hebräischen zugemestenen Lehrstunden ohne die geringste Ueberlastung dis Kindes recht gut geschehen kann, ja ich weiß aus eigener Erfahrung, daß oie Schüler weitaus größeres Vergnügen daran haben, immer' Neues zu lernen, wenn nur dieses Neue an und für sich anziehend ist und dem kindlichen Geist und Gemüth zusagt, wie dies mit dem geschichtlichen Theil der Bibel unstreitig der Fall ist, als wenn es das Alte in einemfort wiederkaut, wie dies in der That jetzt geschehen muß, um das Leere in den paar hebräischen Lehrstunden auszusüllen . . . Die Vermehrung der Elasten fürs Hebräische empfiehlt sich unter Umständen auch mit Rücksicht auf die profane Ausbildung des Kindes als absolute Rothwendigkeit. Namentlich ist dies in Jassy und der Moldau überhaupt der Fall, wo das Kind in der Regel erst ein paar Jahre im Cb eder zubringt und dann in die Schule geschickt wird, um auch ein wenig „schreiben" zu lernen oder um sich das Lerngeld zu ersparen. Da kommt das Kind gar oft in die dritte oder vierte Elaste des Hebräischen und zugleich in die erste oder auch in die Elementarclasse des Rumänischen; und wenn dasselbe die vierte Elaste des Hebräischen bereits absolvirt, ist es in den profanen Gegenständen kaum über die ersten Anfänge hinaus. Was geschieht? Das Kind wird auf ein paar weitere Jahre in derselben Elaste zurückgelasten, wodurch leicht einzusehende Uebelstände entstehen, oder aber es hört auf, die Schule zu besuchen, ohne, außer dem Hebräischen, etwas gelernt zu haben. IV. Durch eine solche Einrichtung der Schulen würde einerseits das Volk für die Schule gewonnen, welche, wie eine vierzigjährige Erfahrung lehrt, ein Factor ist, mit dem allerdings gerechnet werden muß, andererseits aber auch einem Bedürfnisse entsprochen, das in unserer materialistischen Zeit besondere Berücksichtigung erheischt, ich meine die Weiterbeförderung der besseren Schüler nach Absolvirung des Dchulcursus, was als wesentlicher Punkt des jüdischen Schulwesens überhaupt betrachtet zu werden verdient. Wohl sind die jüdischen Kinder in Folge des seit uralten Zeiten bei den Juden herrschenden Erziehungssystems gleichsam von Natur aus lern- und wißbegierig, wie düs gelegentlich der Einführung der öffentlichen Schulen zur Genüge bewiesen wurde, indem dieselben in weitaus größerer Anzahl als die nichtjüdischen Kinder der Schule Zuströmen, trotzdem die Früchte des Erkenntnißbaumes für sie weit höher hängen, ja fast unerreichbar sind: aber die Noth ist stärker als jeder ideale Trieb und sehr oft wird das jüdische Kind schon vor Beendigung des Schulcurses durch die unerbittlichen Verhältnisse an die Aussichtslosigkeit seiner Zukunft unsanft gemahnt. Wie deprimirend muß eine solche Perspective auf das Gemüth des schon reiferen Kindes wirken! Wie ganz anders, wenn dem Kinde ein schönes Ziel vorgesteckt würde, dem es zuzusteuern hätte, wenn das Gold nach dem Läutern nicht dem Staube zurückgegeben würde, wenn die begabteren Kinder aus einer höheren Elaste, wo die Talente schon erkannt und unterschieden! werden können, nach dem Auslande zur weiteren Ausbildung für ein besonderes Fach geschickt würden! Welcher Ansporn zum Lernen für die Kinder und zugleich zur Beschickung der Schule für die Eltern, welch mächtiger Hebel für das jüdische Schulwesen! Die Wohlthaten einer solchen Einrichtung würden weit umfassender sein, als man anfangs glauben möchte. Ein Bedürfnis das sich bei uns immer gebieterischer; fühlbar macht und wovon mittelbar der Fortbestand des : rumänischen Judenthums abhängt, ist unstreitig die Reformirung des jüdischen Cultus oder, deutlicher gesprochen, die Ersetzung der alten Rabbiner, die weder mehr am Platze, noch an der Zeit sind, durch zeitgemäß gebildete. Wäre dies schon bisher geschehen, bliebe uns so manche traurige Scene, welche wir in jüngster Zeit im Lande erlebt haben und noch erleben, erspart und die jüdischen Gemeinden wären schon längst auf die eine

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