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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-20 · 16 (20.4.1894) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
16 (20.4.1894)
Date
1894-04-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 314 Vrstrrredtzifchr Wochenfchrtfi Nr. 16 die üllerneueste Zeit sehr tüchtige Männer, welche mit jedem seminaristisch gebildeten Rabbiner in Concurrenz zu treten geeignet waren und dennoch neben dem Rabbinate auch die Stelle des Vorbeters zu versehen hatten. Sie hatten in ihrer Jugend Bibel und Talmud gründlich gelernt und sich später eine gediegene allgemeine Bildung zu eigen gemacht, so daß ne sich einer Prüfung aus philosophischen Disciplinen an der Universität in Prag zu unterziehen vermochten, um die staatsgiltige Befähigung zur Anstellung als Rabbiner zu erlangen. Es wird für beide Theile, nämlich für Rabbiner und Gemeinde, von Vortheil sein, wenn an der neuen Lehranstalt in Wien die stimmbegabten Candidaten auch Unterricht im cantoralen Gesänge erhalten; das würde einen gediegenen Nachwus an Functionären für viele Gemeinden Böhmens geben, dessen man sehr dringend bedarf. In zweiter Reihe wird hier das Bezirksrabbinat in der Weise einzuführen sein, daß für je zwei oder drei politische Bezirke ein Rabbiner zu bestellen sein wird, welchem die Rabbinats-Functionen obliegen. Das bedarf einer eingehenden gründlichen Erwägung. Hätte man früher die vorliegenden Verhältniffe in Betracht gezogen, so würde man heute nicht solch bedauerlichen Zuständen gegenüberstehen. _ — Alphl. — Das jüdische Schulwesen in Rumänien. i. In den Fünfziger- und Sechziger-Jahren wurden auch die Juden in Rumänien vom modernen Zeitgeiste, der eben ihre Glaubensgenoffen im Auslände vom langjährigen Schlafe aufgerüttelt, ergriffen und begannen Schulen zu gründen, die mit der Zeit die altherkömmlichen Ehedarim und Jeschiboth verdrängen sollten. Es herrschte allgemeine Begeisterung für diese Reform bei denkenden Juden wie Nichtjuden, die Consuln fremder Mächte und die Regierung selbst, die damals noch von den besten Intentionen ihren jüdischen Unterthanen gegenüber beseelt war, wetteiferten miteinander, durch Gründung jüdischer Schulen, respective Begünstigung derselben, Licht und Aufklärung unter das jüdische Volk zu verbreiten. Als gegen 1850 aus Betrieb des österreichischen und des preußischen Consuls in Bukarest eine Schule für die jüdischen Unterthanen ihrer Regierungen unter dem Namen „Jsraelitisch-österreichischpreußische Schule für Knaben und Mädchen" gegründet wurde, beeilte sich die fürstliche Regierung für ihre jüdischen Unterthanen gleichfalls eine Schule unter dem Namen „Lovala Israelitilor pamanteni“ (Schule für eingeborne Juden) zu eröffnen. Sie wendete dieser Schule die größte Aufmerksamkeit und Sorgfalt zu und erklärte öffentlich, daß für die jüdischen jungen Leute, welche dieselbe absolvirt haben werden, alle Aemter offen stehen, gerade so wie für die christlichen, die das Gymnasium absolvirt haben. Ebenso verfuhr die moldauische Regierung in Jassy, die 1858 die jüdische Gemeinde einlud, moderne Schulen zu gründen und die um jene Zeit eröffneten Privat- und Gemeindeschulen auf jede Weise förderte, indem sie zugleich Maßregeln gegen die Ehedarim ergriff. Wurde nun dieser schöne Anfang von Erfolg gekrönt? Entsprach der weitere Verlauf der Dinge den Erwartungen der Vorkämpfer der Aufklärung? Wurde die Zahl der jüdischen Schulen, die Zahl der dieselben besuchenden Schüler entsprechend vermehrt? Mit Nichten. Thatsache ist, daß das jüdische Schulwesen im Lande seitdem nicht nur keine Fortschritte, sondern noch Rückschritte gemacht hat, daß, während z. B. in Jassy in den Sechziger-Jahren nebst einigen jüdischen Privatschulen 3 Gemeindeschulen mit einer Schülerzahl von circa 700 bestanden, gegenwärtig nur noch zwei jüdische Schulen mit einer verhältnißmäßig weit geringern Schülerzahl und in einem precären finanziellen Zustand sich befinden, in einigen wenigen größeren Mischen Gemeinden des Landes je eine Schule, in den meisten jedoch gar keine sich befindet, und daß in Städten mit einer vorwiegend jüdischen Bevölkerung, wie z. B. in Jassy, Bottuschany, Folticeny rc. rc. die Zahl der Ehedarim nicht abgenommen, wenigstens nicht merklich abgenommen hat. Während es im ganzen Lande kaum 12 Schulen geben dürfte, zählen die Ehedarim und Talmud-Thora noch zu Hunderten. Die Privatschulen gingen nach kurzer Dauer ein, die Gemeindeschulen in Jassy wurden gegen Ende der Sechziger-Jahre gleichfalls aufgelöst, durch Schulfreunde erneuert und dann wieder aufgelöst: endlich wurde 1876 die „Israelitisch-rumänische Kabenschule zur rothen Brücke" und 1878 die der „Innimea Israelita“ eröffnet, welche beide mehr als einmal der Auslösung nahe waren und bis zur Stunde nur mit der größten Mühe und Anstrengung erhalten werden können. Aehnlich steht es mit den andern jüdischen Schulen im Lande, die nur durch Mittel der modernen Wohlthätigkeit, durch Bälle, Kränzchen rc. sich halten können. Und w e r stellt am Ende das größte Contingent für die Schulen? Unbemittelte Väter, die die Schule als Nothbehelf gebrauchen, wenn sie nicht im Stande sind, einem Melamed das Lehrgeld zu zahlen. Gar oft bekommt man bei den Schülereinschreibungen von dem Vater oder der Mutter des aufzunehmenden Kindes die Worte zu hören: „Ja, wenn ich Lehrgeld zahlen könnte, würde ich doch mein Kind lieber in's Cheder schicken." Bei glücklichem Fortgange des begonnenen civilisatorischen Werkes müßte im Verlaufe dieser 30—40 Jahre die Zahl der jüdischen Schulen in den größeren Gemeinden des Landes sich bedeutend vermehrt haben, während die Ehedarim auf dem Aussterbeetat stünden. Warum ist nun dies nicht eingetreten? Sind etwa die Juden bildungsscheu? War bei ihnen nicht von jeher die allgemeine Schulpflicht eingeführt, bevor noch die arischen Völker an Volksunterricht dachten? Waren nicht alle Juden schreibun.d lesekundig zu Zellen wo christliche Richter, Fürsten und Bischöfe ihren Namen nicht unterschreiben konnten? War es doch bei den nach dem Talmud lebenden Juden heilige Pflicht, selbst profane Wissenschaften in Anbetracht ihrer Nöthwendigkeit für die Thora zu pflegen, während es den gläubigen Christen unter Strafe der Excommunication seitens der Päpste verboten war, die Bücher der heidnischen Griechen und Araber und überhaupt aller Ketzer, d. h. freisinniger Gelehrter, zu lesen. Warum also gedieh das Schulwesen in der neuesten Zeit bei den Juden Rumäniens nicht und vermag dasselbe auch im Auslande, wo es bereits mehr als ein Jahrhundert hinter sich hat, nur durch reichliche Mittel verschiedener Gesellschaften und Philantropen, wie der Pariser und Londoner Allianz und des Baron Hirsch aufrecht erhalten zu werden? Die Beantwortung dieser Fragen wird nicht schwer fallen, wenn man die Verhältniffe zur Zeit der Entstehung dieser Schulen ins Auge faßt. II. Vor fünfzig Jahren war die Tendenz der Reformer in Bezug auf das specifisch Jüdische theilweise eine negative, es galt zu zerstören und nicht zu erhalten; mit der Gründung jüdischer Schulen wollte man in erster Linie den Ehedarim entgegen arbeiten, jene sollten blos als Uebergang zu den öffentlichen Schulen dienen, und so wurde das Hebräische in denselben in zweite Linie gestellt, wenn nicht gar ganz außer Acht gelassen, d. h. die Schulen wurden wohl für das jüdische Volk gegründet, aber nicht in seinem Sinne und nach seinem Bedürfniß eingerichtet; theils glaubte man nicht für die Erhaltung der Religion und der hebräischen Sprache sorgen zu müssen, weil diese noch allgemeines Volksgut waren. Aehnlich standen die Verhältnisse im Auslande und selbst in Rußland, wo die Regierung und die Fortgeschrittenen unter den Juden gleichfalls gemeinschaftlich an der Modernisirung des jüdischen Volkes arbeiteten, wobei Erstere die Gründung moderner Schulen durch weitgehende Privilegien förderte und gleichzeitig gegen die Pe'ios (Schläsenlocken) und die alte jüdische Tracht wüthete, und wo ein gewisser Abrahm Büchner, der an einer Rabbinerschule Bibel und hebräische Sprachlehre unterrichtete, sich erlauben durfte, 1844 eine Broschüre „der Talmud

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