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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-20 · 16 (20.4.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
16 (20.4.1894)
Date
1894-04-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16 VrsterrrttttschrWochrnfchrM Seite 311 Von der Wiener Universität. Die letzte Nummer dieses Blattes brachte einen Artikel, in welchem die Gründung einer Lesehalle jüdischer Studenten angeregt wird, wobei die Zustände, die an der Universität herrschen, einigermaßen dargelegt werden. Inwiefern durch diesen Verein den großen Uebelständen, die sich besonders für die ärmeren Hochschüler in unangenehmer Weise fühlbar machen, abgeholfen werden kann, erscheint jedoch fraglich. Es hat ja die Thätigkeit einer solchen Verbindung und die ihrer Protektoren gewisse Grenzen, jedenfalls erstreckt sich dieselbe nicht z. B. auf die Referenten im Universitäts-Stipendienwesen. Außerdem sind ja Hofräthe keinerlei Controls unterworfen. — Bor einiger Zeit haben sich Fälle ereignet, daß von Juden gegründete Stipendien für Hochschülex ohne Unterschied der Confession nicht an Israeliten vergeben wurden, obzwar dieselben Armuths- und bessere Würdigkeitsdocumente hatten als ihre Mitbewerber. Der Petent, der die besten Zeugnisse einem Gesuche beilegte, war auf der Liste des betreffenden Stipendienreferenten und Hofrathes als Fünfter notirt; er war mosaischer Confession und Glaubensgenosse des Stifters. Im Uebrigen sind auch die Zustände unter den jüdischen Studirenden nicht gerade die günstigsten. Am besten werden dieselben durch eine unlängst stattgefundene Wahl in einem medicinischen Vereine charakterisirt. Ein bekannter Philantrop hatte eine größere Anzahl von Mitgliedskarten, welche zur Wahl berechtigten, gespendet; doch v'Ui den damit betheilten jüdischen Medicinern waren. nur 11 Percent erschienen. Die übrigen excusirten sich damit, daß sie Lectionen ertheilen mußten, daß sie sich für jenen Abend Karten ins Theater genommen hatten rc. rc.; die Antisemiten waren hingegen bis auf den letzten Mann erschienen. 99 Percent derselben gehören antisemitischen Verbindungen an, und das Machtwort des Seniors bindet Jeden, der der Couleur angehört. w Da in diesem Vereine die Wahl nur immer im Wintersemester stattfindet, so pflegt das Verhältniß der Mitglieder in beiden Semestern wie 800 : 24 zu sein. Nebenbei bemerkt, ist 24 die Zahl der ausübenden Mitglieder. UeälLns. * * * Antisemitische Exportartikel aus dem Königreich Sachsen. (Das Blutmärchen im Colportage-Roman.) Ein antisemitischer Schundroman der schlimmsten Sorte erscheint soeben im Verlage der Colportage-Buchhandlung Adolf Wolf in Dresden, Amonstraße. Das Machwerk hat den Titel „Die geraubte Braut" und wurde auch der hiesigen Verlagsbuchhandlung Gebrüder Rubinstein, welche mit der erwähnten Dresdener Verlagsfirma in ständiger Geschäftsverbindung steht, zum Vertriebe übersendet. Die Gebrüder Rubinstein wiesen den Vertrieb in einem Schreiben zurück, in welchem sie erklärten, daß sie es für einen jeden anständigen Menschen geradezu entwürdigend finden, eine solche Schundliteratur selbst dem auf niedrigster Bildungsstufe stehenden Menschen anzubieten, und den Verleger ersuchen, mit Romanen solcher Art in Zukunft nur seine antisemitischen Kunden und Geisteshelden zu beglücken. Von dem Inhalte des Romanes „Die geraubte Braut" gibt uns vorliegendes 16. Heft schon beim flüchtigen Anblicke eine wahrhaft haarsträubende Darstellung. Das Titelbild, ein roher Holzschnitt, zeigt ein kellerartiges Gewölbe, in welchem auf einer Art Operationstisch ein nackies Mädchen liegt, umgeben von einer Anzahl Rabbinern und Tempeldienern, welche soeben darangehen, das gefesselte Christenmädchen abzuschlachten. An den Wänden sieht man mehrere Todtenköpfe. Wem das Bild selbst noch nicht deutlich genug ist, der erhält durch die Devise die nöthige Aufklärung. Dieselbe lautet: „Das Schlachtmesser entsank der Hand des alten Rabbi". Das Heft enthält nicht blos die Erzählung eines versuchten jüdischen Ritualmordes, sondern auch einige „sachbezügliche, erläuternde Bemerkungen", in welchen ausgeführt wird, daß nicht allein aus zahlreichen Beispielen, welche die Criminalstatistik aller Culturvölker über Fälle von Ritualmorden aufzuweisen hat, sondern auch aus den Zeugnissen gelehrter Theologen und des Laienstandes mit Klarheit hervorgehe, daß der jüdische Religionscultus den Gebrauch des Christenblutes ausdrücklich vorschreibe. Dieses Schundwerk nun wird seit Wochen und Monaten in ganz Oesterreich in Hunderttausenden Exemplaren von allen Colportage-Buchhandlungen verbreitet, ohne daß die Behörde dagegen eingeschritten wäre. DasKönigreichSachs e n, in welchem der Antisemitismus üppig gedeiht, betreibt den Blutantisemitismus als Exportartikel und versorgt die ganze Welt mit solchen Schauerromanen. Bon dort aus ist bekanntlich jenes Oeldruckbild, welches einen Ritualmord darstellt, massenhaft nach Corfu gegangen und hat daselbst zu blutigen Judenverfolgungen aufgereizt. — Gemeinderath Dr. Stern und Abgeordneter Noske haben wegen dieses Schundromanes beim Polizeipräsidium Schritte unternommen. Abgeordneter Dr. B l o ch hat ein Exemplar dieses Blutromanes dem Minister des Innern und dem Justizminister vorgelegt. * * Antisemitismus und Hochverrats. Prag, 17. April 1894. In Zizkov und in der unteren Neustadt wurden heute zahlreiche Zettel aufgefunden, welche theils hochverräterischen Inhaltes waren, theils die Aufschrift enthielten: „Nieder mit der Polizei! Nieder mit den Juden!" * * * Antisemitischer Moraleodex. Professor Förster wirft anläßlich des Falles Plack- Schwennhagen die Frage auf: „Aber was hat die antisemitische Bewegung mit dem Unrechte Einzelner zu thun, die sich Antisemiten nennen und es in ihrer Weise auch sind? . . . Mit demselben Rechte der unerlaubten Verallgemeinerung könnte auch das ganze deutsche Volk, wenn einmal ein einzelner Deutscher an Knoblauch seinen Gefallen hätte, ein kuoblauchessendes, oder das jüdische Volk, wenn ein Jude gegen das duftende Kraut Abscheu hätte, ein knoblauchmeidendes, genannt werden." (..Freideutschland", 3. April.) Das klingt, so bemerken dazu die Mittheilungen zur Abwehr des Antisemitismus, sehr plausibel, ist aber herzlich schwach. Dieselbe Logik kann die Judenschaft mit ungleich mehr Vernunft für sich in Anspruch nehmen. Die Juden in Augsburg macht man nicht nur verantwörtlich für die Unthaten Einzelner in Memel, nein auch in Surinam oder in Südafrika rc. Man überspringt mit dieser Verallgemeinerung Meere und Länder, aber auch ganze Jahrtausende. Denn die heutigen Juden sollen auch noch verantwortlich sein dafür, was vor 3000 Jahren ihre Ahnen gethan haben. Gebrauchen also die Antisemiten die Logik den Juden gegenüber, die Herr Förster im eigenen Lager verpönt, so hat dieser aber auch an und für sich Unrecht, die Verantwortung abzulehnen. Man darf nie vergessen, daß die antisemitische Bewegung gerade diesen Freischärlern Ahlwardt, Plack, Schwennhagen rc. ihre Haupterfolge verdankt. Diese sprechen in Versammlungen mit unverwüstlicher Lungen^aft und regen die Masse mit ihren Verleumdungen auf. Die antisemitischen Auswüchse haben erst die Bewegung in gewissen urtheilslosen Kreisen populär gemacht. Hat die mehrfache Verurteilung Ahlwardt's, die Enthüllung seines Charakters ihm bei seinen Anhängern geschadet? Im Gcgentheil. Herr Förster selber hat sich miteiner Broschüre für Herrn Ahlwardt ins Zeug gelegt und mit Herrn Schwennhagen zusammen im Agitationsverband des norddeutschen Antisemitenbundes gesessen. In demselben Artikel wird dargethan, daß eine „ehrengerichtliche Untersuchung" gegen Plack und Schwennhagen früher stattgefunden habe. „Das Urtheil jener Untersuchung an die große Glocke zu schlagen, lag damals kein Grund vor, da die davon Betroffenen freiwillig den Platz räumten." Die Antisemiten werfen ja stets den Juden vor, daß sie die Unthaten Einzelner verschweigen. Nun über die Förster und Consorten dieselbe „jüdische" Praxis. Am Schluffe seines Artikels gibt Herr Förster einem künftigen Glagau, Plack rc. den Rath: „Wer also noch künftig daran denken sollte — und Heil dem furchtlosen Ritter! — als Bolksanwalt und Ankläger jener wirtschaftlichen und gesetzgeberischen Schmutzigkeiten vorzugehen, der sei auf seiner Hut... Vor Allem sei er vorsichtig und nenne keinen Namen! Er behandle nur die Sache so im Allgemeinen ..." Ein reizender Beitrag zum Moralcodex für künftige antisemitische Verleumder! * *

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