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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-13 · 15 (13.4.1894) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
15 (13.4.1894)
Date
1894-04-13
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 15 Vesterrektzische Wochenschrift Seite 305 Muth und Kühnheit galten am römischen Hofe stets als die besten Empfehlungen. Diocle ward in die kaiserliche Burg gerufen und unter die Prätoren des Palastes ausgenommen. Es war um jene schreckliche blutige Epoche der römischen Tyrannen, als während der kurzen Zeit von kaum zehn Jahren das Reich in so vielen Händen war. In dieser Spanne Zeit hatten die Kaiser Aurelius, Probus, Tacitus, Florianus, Carus, Mmerianus rc. theils durch die Hand verruchter Mörder, theils durch die Stimme des Volles entthront, sich abgelöst. Mittlerweile war Diocle bemüht und hatte auch schon eine Unzahl Wildschweine getödtet, noch immer aber blieb die verheißene Krone aus. Zwar war er seiner Tapferkeit, seines kühnen Muthes, auch seines einnehmenden Aeußeren wegen täglich mehr in der Gunst der Kaiser und des Volkes gestiegen, demzufolge er sich vom gemeinen fremden Soldaten zum obersten Prätor des kaiserlichen Palastes emporgeschwungen hatte: jedoch dies Alles war's nicht, das seine geheimsten Gedanken beschäftigte. Eines Tages, als der Senat etwas später als gewöhnlich auseinander ging und Kaiser Numerian aus dem Rathe heimkehrte, war heimlich ein Mann, durch das Dunkel des Abends begünstigt, sowie durch Vermummung unkenntlich gemacht, auf jedem seiner Schritte ihm gefolgt, bis er ihn endlich beim Eintritt in das kaiserliche Gemach eingeholt und ihm einen scharfgespitzten Dolch in die Brust gestoßen hatte, worauf er die Flucht ergreifen wollte. Jedoch ein Anderer von einem der Wächter, der jenen schon beim Eintritt in den Palast bemerkte, hievon benachrichtigt, war ihm leise gefolgt; unglücklicher Weise war aber die That zu schnell ausgeführt, als daß er es mit dem besten Willen hätte verhindern können. Er konnte nichts mehr als, nachdem die verruchte That schon vollbracht war, den Kaisermörder ergreifen und ihm das rächende Schwert in das Herz stoßen Alsbald hatte sich eine Unzahl Volkes in und außer dem Palaste gesammelt, die den schändlichen Kaisermörder sehen wollte. Man hatte dem Elenden Larve und Vermummung abgerissen, und erblickte mit Staunen den — Antonius Aprus, den ersten Consul und Obersten des Senates, welcher von Ehrgeiz und Habsucht gestachelt, sich der Hoffnung auf den Cäsarenthron zu gelangen, hingab und den Kaiser ermordete. Das ganze Volk ward durch diese Schandthat ergriffen, denn Numerian war ein guter, vom Volke geliebter Kaiser. Laut pries das Volk ferner mit Jubel und Freudengeschrei den Rächer dieser verabscheuungswürdigen That und in der Aufregung hatte es diesen begeistert zum Thronfolger ausgerufen. Dieser Rächer war der Prätor des kaiserlichen Palastes, Diocle, er war es, der den Kaisermörder Aprus (in römischer Sprache Wildschwein) durchbohrt hatte. Auf so wunderbare Weise war jenes geheimnißvolle Orakrl in Erfüllung gegangen, denn wirklich wurde der einstige dalmatinische Soldat Diocle vom gesummten römischen Volke einstimmig zu seinem Kaiser gewählt und dies war der in Rom's Geschichte so allbekannte Kaiser Diocletian, welcher im Jahre 284 n. Chr. dem Kaiser Numerian auf den Thron folgte. Diocletian hatte die Blüthe des gesunkenen römischen Reiches nach Möglichkeit wieder erfrischt; Rom hatte, manches Heilvolle seiner Regierung zu danken, und er würde in den unsterblichen Annalen der Geschichte den Namen eines großen und würdigen Kaisers verdient haben, wenn nicht blutige Christenverfolgungen sein Andenken dicht beschatteten. Seit dem ersten Tage seiner Regierung hatte er im ganzen römischen Reiche die schwarzen Tauben für geheiligte Geschöpfe erklärt und den Tod über dus Haupt desjenigen verhängt, der eine solche tödtete. Das sollte der erste Theil der Abtragung des Dankes sein an die geheimnißvolle Erscheinung einer schwarzen Taube am Fenster jenes Wirthshauses, in welchem er einst als gemeiner Soldat übernachtete. Schon damals identiftcirte er diese Taube mit der wunderbaren Frauengestalt, welche ihm seine glorreiche Zukunft verkündete. Diese himmlische Frauengestalt glich aber in ihrem Aeußern einer Tochter des palastinäischen Volkes und Diocletian hielt die schwarze Taube für das Symbol des trauernden Juda. - Glaubte er eine Mission für dieses zu haben und sie zu erfüllen, wenn er das junge Christenthum, das feindselig gegen die Mutter auftrat und eine weiße Taube als Symbol seines Glaubens hatte, verfolgte? Nach einer fast zwanzigjährigen thatenreichen Regierung saß er eines Tages auf seinem blutbefleckten Throne gerade im Begriffe ein Todesurtheil zu unterschreiben, als eine schwarze Taube eine Karte auf die Stufen seines Thrones fallen ließ. Mit Zittern las der Kaiser auf derselben: „Du zeigst besondere Zuneigung für den Orient; der Gott des Volkes, welches Deine Vorfahren unter den Cäsaren aus seinem Boden im Oriente riß, will keine Verfolgung Andersgläubiger. Er ist der Gott Aller." Seit jener Stunde ward Diocletian finsterer und finsterer, bald darauf entsagte er dem Throne und zog sich auf sein Landgut in seiner engeren Heimat Dalmatien zurück, wo er in philosophischer Beschaulichkeit sein Leben endete. Literatur. („Fürstengunst".) Der in unserem Feuilleton erschienene Roman „Fürstengunst" aus der Feder unseres geschätzten Mitarbeiters S. K o h n ist nunmehr auch in Buchform bei Emil Apolant in Berlin herausgegeben worden. Das erste Heft der hebräischen, literarifch-wiffenschaftlichen Monatsschrift „Mimisrach umimaarabh", redigirt von R. B r a i n i n, befindet fich bereits im Drucke und erscheint in der ersten Hälfte des Monates M a i d. I. — Der neuen Monatsschrift, welche alle Zweige der Wissenschaft pflegen wird, ist die Mitarbeit hervorragender Gelehrter gesichert. Jedes Heft umfaßt 8 Octavbogen. Trotz der sehr feinen Ausstattung beträgt der Abonnementspreis Pro Jahr nur 10 fl. 8 Rubel, pro Quartal 3 fl. 2% Rubel. Es wird gebeten, die Abonnements raschestens anzumelden. Probesendungen finden nicht statt. Adreffe der Redaction: R. Brainin, Wien, IX., Georg Siglgaffe 2. Wiener Versilyerungs-Gesellschaft. Die 13. ordentliche Generalversammlung der Wiener Versicherungs-Gesellschaft wurde unter Vorsitz des Verwaltungsraths-Prösidenten Paul R. v. Schoeller und in Anwesenheit von 30 Actionären abgehalten, welche 4033 Aktien mit 214 Stimmen vertraten. Der vom Generaldirector Herrn S. Nyitrai pro 1893 erstattete Geschäftsbericht bezeichnet das abgelaufene Geschäftsjahr als ein sehr günstiges. Heber die Details der Geschäftsgebahrung wird mitgetheilt: In der Feuer-Bersicherung betrug die Prämien-Einnahme 2953 Millionen Gulden, für Feuerschäden wurden 1-905 Millionen Gulden verausgabt; das Transportversicherungs-Geschäft ergab eine Prämien-Einnahme von fl. 138.932 uud eine Schadensziffer von fl. 170.663; in der Hagelversicherungs- Branche belief sich die Prämien-Einnahme auf fl. 476.572, während die Schadenzahlungen fl. 299.260 absorbirten. Das Prämienschein-Portefeuille betrug mit Jahresschluß 5 627 Millionen Gulden, die frei von jeder Belastung zurückgestellte Feuer-Prämien-Reserve wurde auf Gulden 683.204 — um rund fl. 80.000 — erhöht und beträgt gegenwärtig 40*/, Percent der Netto-Prämien-Einnahme. Die Reserve für Coursschwankungen beträgt bei einem Besitze an Effecten — zumeist vierpercentige Pfandbriefe der Oesterreichisch-Ungarischen Bank — per 1 659 Millionen Gulden die Summe von fl. 94.496. Die Versammlung ertheilte nach Entgegennahme des Revisions-Berichtes dem Verwaltungsrathe ohne Debatte einstimmig das Absolutorium und beschloß in Bezug auf die Verwendung des mit fl. 190.540 pro 1893 ausgewiesenen Reingewinnes, dem allgemeinen Capitals-Reservefonds fl. 23 943 zuzuweisen, wodurch derselbe auf fl. 80.000 erhöht wird; dem Beamten-Hilfsfond fl. 10.000 zuzuführen und ihn hiedurch aus rund fl. 103.000 zu erhöhen, an die Actionäre fl. 120.000, d. i. fl. 12 per Actie, als sechspercentige Dividende auszuzahlen und die nach weiteren statutarischen Dotirungen erübrigenden fl. 30.703 Pro 1894 vorzutragen. Die bisherigen Mitglieder des Berwaltungsrathes wurden wiedergewählt. In der hierauf abgehaltenen constituirenden Berwaltungsraths-Sitzung wurden R. v. Schoeller zum Präsidenten und Baron Nicolist zum Vice-Präsidenten berufen. Wiener Lebens-und Rentenversicherungs-Anstalt. Der der zwölften ordentlichen Gerreralversammlung der Wiener Lebens¬ und Rentenversicherungs-Anstalt pro 1893 vorgelegte Bericht des Vorstandes constatirt einen bedeutenden Aufschwung des Geschäftes im abge ausenen Jahre, welcher in der Zunahme des Bersicherungsstandes um 7 222 Millionen Gulden seinen ziffermäßigen Ausdruck findet. Der Bersicherungsstand mit Ende des Jahres 1893 betrug 16.226 Polizzen über 34.051 Millionen Gulden Capital und fl. 24.894 Rente. Die Mortalität war im verflosserien Jahre eine günstige und ist mit Gulden 33.431 hinter der erwartungsmäßigen Sterblichkeit zurückgeblieben. Die Gewährleistungsfonds haben durchwegs beträchtliche Erhöhungen erfahren, und zwar die Prämienreserven und Ueberträge eine solche von fl. 776.422 und betragen gegenwärtig 4 573 Millionen Gulden. Die Capitalsreserve ist auf fl. 60.426, die Reserve für Coursschwankungen auf fl. 108.452 gestiegen. Die gesammten Gewährleistungsfonds betragen. 5'894 Millionen Gulden (-{- rund fl. 832.000). Der pro 1893 erzielte Reingewinn wird mit fl. 99.915 ausgewiesen. Hievon beantragt der Vorstand, nach Abzug der statutarischen Dotirungen Gulden 80.000, das ist fl. 16 per Actie, gleich acht Percent, zur Couponseinlösung zu verwenden und fl. 1283 auf neue Rechnung vorzuschreibeu. Der Antrag wurde einhellig angenommen. Der bisherige Revisions- Ausschuß wurde wiedergewählt.

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