Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 15 (13.4.1894)
- Date
- 1894-04-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 304 Destrrreichifchr Wmtzrnptzrifl Nr. 15 Arzt erfreut, brachte anläßlich der Ankunft des jungen Paares in Pohrlitz der hiesige Mannergesangverein „Frohsinn" in besonders ehrender Weise zum Ausdruck. Mit dem Borstande und dem Bannerträger an der Spitze zog derselbe iu corpore vor. die Wohnung der Neuvermählten auf den Kaiserplatz, wo sich bereits eine zahlreiche Menschenmenge eingefundenhatte und brachte denselben ein solennes Ständchen. Nach dem Begrüßungsliede dankte Herr Dr. Adler in warmen Worten für diese Ehrung und lud die Vereinsleitung zum Eintritte in seine Wohnung ein. Hier begrüßte der Vereinspräsidevt in schöner Rede das junge Paar, hob die Verdienste hervor, die sich Herr Dr. Adler um den Verein erworben und überreichte demselben ein prachlvoll ausgestattetes Ehrenmitglieddiplom. Die Gäste blieben geraume Zeit in anregendster Unterhaltung, wobei die junge Frau in liebenswürdigster Weise die Honneurs machte. Mit einem musterhaft vorgetragenen Chor schloß der officielle Theil der schönen Feier. Berlin, IO. April. Die Erben des kürzlich verstorbenen Millionärs Jacob Israel, des bisherigen Chefs der altrenommirten Waarenfirma N. Israel, widmeten aus dem Nachlasse ihres Vaters eine halbe Million Mark zu wohlthätigen Zwecken. Nürnberg, 29. März. Der hiesige antisemitische Verein erläßt eine Erklärung, wonach er und seine Mitglieder mit der Inschrift „Kauft nicht bei Juden!", die überall angeklebt werde, nichts zu chun habe; mit solchen „bübischen Waffen" kämpfe er nicht „für Deutschthum und Christenthum". Hannover. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, hat Herr Emil Meyer, das neugewählte Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde, gemeinsam mit seinen drei Brüdern eine Stiftung in der Höhe von hunderttausend Mark zum ehrenden Gedächtniß für seinen entschlafenen Vater und zu Gunsten wohlthätiger jüdischer Institutionen und Vereine errichtet. Möchten doch viele unserer Glaubensgenossen, denen der Allgütige die Mittel dazu gewährt hat, sich an diesem hochherzigen Vorgehen ein Beispiel nehmen! München. Der berühmte Hygieniker Prof, von Pettenkofer und der Physiologe Prof. Dr Carl Boit haben nunmehr auch Gutachten über die Schächtfrage abgegeben. Professor Pettenkoser ist lakonisch, er sagt nur, das Schächten sei beiweitem weniger grausam für das Thier, als das Schlagen. Sein College gelangt zu demselben Schluß, motivirt aber sein Gutachten ausführlicher. Jerusalem. Der Direktor der Rothschild-Schule in Jerusalem, M. Nissim Beh ar, wurde zum Mitgliede dcs Stadtrathes ernannt, als Vertreter der jüdischen Gemeinde. Neu-Süd-Wales. Alderman Samuel Landauer wurde zum fünften Male zum Mayor (Bürgermeister) von Cudal gewählt. Auch Narrander, Newcastle und Lismore haben jüdische Bürgermeister gewählt. Feuilleton. Die schwarzen Tauben in Rom. Alte italienische Legende. In den heute öden und verlassenen Thälern von Monte Somma im ehemaligen Kirchenstaat, soll nach Angabe einer alten Chronik, vor grauen, grauen Zeiten eine große prachtvolle Stadt Namens Amadeo gestanden und die Urväter jenes Völkchens, welches später unter dem Namen der Tungern in den Annalen der Geschichte bekannt ist, beherbergt haben. Obwohl unter dem Schutze eigener Comites stand diese Stadt, zu Rom gehörig, eigentlich unter römischer Botmäßigkeit und war wie das ganze römische Reich zur Kriegszeit zum Schutze und zur Bertheidigung des gesammten Vaterlandes beizutragen verpflichtet. Es war um die Zeit 270 n. Ehr. Ungeheure Truppenmaffen hatten die ganze, sonst ruhige nnd freundliche Stadt in Alarm, besonders die Gasthäuser derselben in Bewegung gesetzt. In einem dunkeln Winkel der Gaststube eines der unansehnlichsten Weinhäuser dieser Stadt saß in ungestörter Stille ein junger Soldat, welcher, vielleicht durch die Magerkeit seines Säckels genöthigt, in dieses entlegene allzubescheidene Wirthshaus gekommen war, um hier zn übernachten. Dieser war ein junger Dalmatiner von armer unbekannter Herkunft, welcher von seinen Eltern weder eine glänzende Erziehung noch Reichthümer als Erbstück erhielt, hingegen aber ein kräftiges gesundes Aussehen, eine schöne Gestalt und ein Herz voll Muth sind Kraft besaß. Er hatte wenig von seinem Herkommen zu sagen gewußt, von seiner Familie sogar Niemanden gekannt, als seine Mutter, eine arme, anspruchlose Römerin. Obwohl noch jung und unerfahren, gab sich doch im feuervollen Auge des jungen Soldaten ein ehrsüchtiger, strebsamer Geist, ein kühner unternehmender Sinn kund. Stille und bescheiden hatte er sich gestern, nachdem er ein frugales Abendbrot verzehrt, auf ein ärmliches Lager mit vollkommener Gemüthsruhe niedergelegt und war heute ebenso fröhlich wieder aufgestanden, als er mit Ueberraschung eine rabenschwarze Taube, die ihm schon gestern aufgefallen war wieder auf dem buntgemalten Gesimse des Fensters einhertrippeln sah. Schon gestern hatte der Anblick dieses freundlichen Geschöpfes den jungen Soldaten ergötzt; er halte es mehrmals versucht, dasselbe zu fangen oder auch nur zu kosen, es war jedoch immer wie durch ein Wunder seinen Händen entschlüpft, obwohl es vom Fenster nicht wich. Mittlerweile kam die Zeit zunr Aufbruche und der junge Soldat verlangte, nachdem er ein kärgliches Frühstück zu sich genommen, sein Bündel, indem er den Wirth um die Schuld befragte. Jedoch von, Zorn röthete sich sein jugendlich schönes Gesicht, als der Wirth seine Zeche zu hoch anschlug, und er gab ihm böse Worte. Natürlich hatte der Wirth in gleichem Tone geantwortet, und unfehlbar wäre daraus eiy lebhafter Streit entstanden, als sie plötzlich die begütigenden Worte sagen hörten: „Zanket nicht!" aber du bist auch wahrlich gar zu karg, mein junger Freund!" Und als sie sich umwendeten, erblickten sie mit Staunen, eine schöne Frauengestalt, die sie freundlich anblickte. Niemand von Allen den Anwesenden kannte sie, Niemand hatte sie eintreten gesehen; nur das-einzige war gewiß, sie ist keine Römerin, sie gehört ihrem Typus und ihrer Kleidung nach dem Volke an, das aus Palästina vertrieben und mit seinem Gotte und seinen Sitten als Fremdling in der römischen Welt lebt. Der Wirth wollte reden, jedoch wie durch eine Zaubermacht gebannt fühlte er seine Zunge gelähmt. Der majestätische Blick der Erscheinung schien Allen ein ehrfurchtsvolles Schweigen zu gebieten. Der junge Soldat, dem eigentlich der Verweis gegolten, stand lange betroffen da, bis er die Kraft sammelte zu der ironischen Bemerkung: „Wohl bin ich karg, weil ich muß; wenn ich Kaiser wäre, würde ich allerdings weniger sparsam sein." Mit einem vielsagenden Blick sah die schöne Frauengestalt ihn an und sagte, indem sie ihm die kleine Hand auf die. Schulter legte, ernsten Tones: „Du lächelst spöttisch bei dieser Anspielung auf den Kaiser, doch erinnere dich meiner Prophezeiung : So Du getödtet das wilde Schwein, Sollst Du alsbald auch Kaiser sein." Mit dem Sinne dieser Worte unbekannt, wollte der junge Krieger, nach kurzem Nachdenken, nach deren Deutung fragen, jedoch, vergebens sah er sich im ganzen Gemache nach der Sprecherin um — sie war verschwunden. Wie diese Erscheinung selbst setzte ihn auch noch der Umstand in Verwunderung, daß mit dem Erscheinen jener geheimnißvollen Gestalt die Taube vom Fenster verschwunden, nun aber plötzlich wieder erschienen war. Der junge Dalmatiner war freisinniger, philosophischer Denkungsweise, dennoch fühlte er ein geheimes inneres Bangen und diese Verkündigung schien ein im tiefsten Winkel seines kühnen Herzens, verborgenes Gefühl geweckt und errathen zu haben. Tiefsinnig verließ er.bald darauf die Herberge nicht ohne geheime dankbare Zuneigung für jene geheimnißvolle Gestalt, wie für die schwarze Taube, die er miteinander in Zusammenhang brachte. Kurze Zeit nachher fand am Krönungstage des Kaisers Aurelius in den römischen Wäldern eine große öffentliche Eberjagd statt. Unter der Unzahl von Jagenden bemerkte man einen blühend schönen jungen Mann, welcher fast mit rasender Tollkühnheit sich in die muthigsten, gefahrdrohendsten Gefechte einließ und auch schon eine Menge der wildesten Eber erlegt hatte. Die Patricier und Großen des kaiserlichen Hofes und auch der Kaiser selbst ward auf diesen aufmerksam und ließ nach Namen und Stand des muthigen Jägers fragen.'Es war ein dalmatinischer Soldat in römischen Diensten, Namens Diocle.