Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 15 (13.4.1894)
- Date
- 1894-04-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 15 Vrsterreichipyr WochrnsrtzrM Seite 303 Dem Vereine, der seinem Programme getreu nachkommt, fehlt es auch nicht an Sympathien, was die neuerliche Aufnahme mehrerer Mitglieder beweist. Für den nächsten literarischen Nachmittag, welcher am 15. d. im Vereinslocale I., Schotteuring stattfindet, hat Herr Dr. I. Kohn aus Prag einen Vortrag über Leroy-Beaulien's Werk „Israel unter den Nationen" angemeldet. Die Mitglieder werden, ersucht sich nun zu diesem gewiß interessanten Vorträge zahlreich einzufinden. Gäste, Damen, herzlich willkommen! Wien-Ottakring. Die in der jüngsten Nummer dieses Blattes angekündigte Gedenkfeier für den verewigten Herrn Ignaz Edlen v. Kuffner fand Sonntag den 8. d. M. um. halb 7 Uhr Abends statt. Nach einem schön ausgeführten Choralgesang unter der Leitung des Obercantors Herrn M. Schlesinger hielt Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. M. Deutsch die Gedenkrede, die auf die zahlreiche Zuhörerschaft einen mächtigen Eindruck machte. Unter den Anwesenden wurden bemerkt die Vorstandsmitglieder der Wiener Cultusgemeinde die Herren Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, S. Rosner, M. Karpeles und Hofmann, die Tempelvorsteher von Ottakring und Währing, der Präses der Ottakringer Chewra-Kadischa Herr B. Trnka mit den Vorstandsmitgliedern dieses Vereines; ferner Herr Doctor Lieben, die Kuffner'sche Beamtenschaft, Herr Moriz Edler von Kuffner und dessen Schwager Herr Oppenheimer aus Frankfurt, der gewesene Bürgermeister Zagorski, Baumeister Bock und ein zahlreiches distinguirtes Publicum. Baden, 9. April. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde Baden hat in seiner Sitzung am 5. d. zu Ehren des stattzufindenden Allerhöchsten 50jährigen Regierungsjubiläums unseres Kaisers Sr. Majestät Franz Josef I. einen Beschluß gefaßt, der einem seit jeher sich fühlbar gemachten Uebel wohlthätige Abhilfe schaffen und den mildherzigen Stiftern ein unvergängliches Verdienst um die leidende Menschheit sichern wird. Für die armen Curbedürftigen eines jeden Curortes ist die Wohnungsfrage eine der wichtigsten und schwierigsten und man muß es, speciell hier in Baden, miterlebt haben, um sich die Verlegenheiten und Eventualitäten, denen hauptsächlich Curbedürftige mosaischer Confession diesbezüglich ausgesetzt sind, klar vor Augen führen zu können. Wie oft sieht man einen solchen Armem von leinen Leiden geplagt und müde und erschöpft von der weiten Reise mit seinem'schweren Effectenpacke belastet in den Straßen umherirren, ein kleines Kämmerlein zu suchen, ohne es zu finden. Bei allen an den Hausthoren angezeigten Wohnungen, deren Thüren sich nur den Gutsituirten öffnen, lugt er vergeblich, zumeist in der Hauptsaison, nach einem stillen Winkel aus, um dort seine müden Glieder hinzustrecken. Eine solche erschöpfende Wanderung muß sein Leiden nur steigern und gar oft geschieht es, daß er aus Wohnungsnoth auf die wohlthätigen Heilquellen überhaupt verzichten muß. Diesen traurigen Zustand so vieler unserer Glaubensgenossen, die nach Baden kommen, Hilfe in ihrem Leiden zu suchen, hat der hiesige Cultusvorstand, der noch stets warm und werkthätig für die Armen eingetreten ist, sich zu Herzen genommen und in obgedachter Sitzung, des hierbei erwähnten freudigen Anlasses wegen, beschlossen, ein Wohnhaus zu stiften, in welchem, soweit die Räumlichkeiten ausreichen werden, arme Curbedürftige mosaischer Confession unentgeltliche Unterkunft finden sollen. Dieses wohlthätige Werk wird für ewige Zeiten ein Segen für die armen Leidenden und ein unvergänglicher Ruhm für die munificenten Begründer bleiben. I. In selb. Krakau. Dr. Ladislaus Nathanson, ein Sprosse der berühmten Naturforscher-' und Gelehrten-Familie in Warschau, bisher Privatdocent der mathematischen Physik an der Krakauer Universität, wurde zum außerordentlichen Professor ernannt. Krakau, 1. April. Der hiesige literarische Verein »8k33 Emes“ ließ dieser Tage den ersten Jahresbericht e scheinen. Wie aus demselben ersichtlich ist, hat derselbe während seines bisherigen einjährigen Bestandes die Summe von fl. 498 44 verausgabt, wogegen seine Einnahmen nur fl. 388'10 betrugen. Um nun das entstandene Deficit zu decken und künftighin das Entstehen ähnlicher Differenzen zu verhüten, wurden entsprechende Schritte den Statuten gemäß bereits eingeleitet. Unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Wechsler fand die Neuwahl statt. Zum Präsidenten wurde an Stelle des Herrn Fuchs, der trotz vielfacher inständiger Bitten die Annahme eines Mandats verweigerte, Herr Rabbiner Dr. Landau, zum Vice-Präsidenten Herr Mendel Pam neuerdings gewählt. Zehn neuerwählte Herren traten in den Ausschuß ein. Horn, N.'Oest. (Verlobung.) Herr Rabbiner Dr. Adolf Schächter hat sich mit Fräulein Rosa Aron, Tochter des Großindustriellen und Stadtverordneten Herrn Ascher Aron in Königsberg in Preußen, verlobt. Mähr.-Ostrau, 4. April. Se. Ehrwürden, Herr Dr. Jacob Spira, Rabbiner in Bisenz, ist in der Ausschußsitzung der hiesigen isr. Cultusgemeinde vom 28. März d. I. einstimmig zum Rabbiner und Prediger der hies. Cultus-Gemeinde vom 1. Juli d. I. ab gewählt worden. Prag. (Der Nächstenliebe-Bereinzur Unterstützung verschämter israelitscher Hausarmen in Prag) veröffentlicht den Geschäftsbericht über sein dreiundfünfzigstes Vereinsjahr, welchem zu entnehmen ist, daß im letzteren an Unterstützungen 12 800 fl. und an Darlehen 1600 fl. verabfolgt wurden. Der Bermögensstand Ende 1893 belief sich auf 140.000 fl. Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß dem Vereine in Form von Kranzspenden anläßlich von Todesfällen im Berichtsjahre der ansehnliche Betrag von 3200 fl. zugeflossen ist. Es wäre zu wünschen, daß dieses Beispiel Schule machen möchte und mit der Unsitte von Kranzspenden gebrochen würde. Der Nächstenliebe-Berein unter der umsichtigen Verwaltung seinesDirectors Dr. Ludwig Bendin er entfaltet eine äußerst humanitäre und verdienstvolle Wirksamkeit und zeigt, welch ethische Auffassung die Juden dem Begriffe Nächstenliebe geben, im Gegensätze zur jüngsten Theorie des Antisemitenführers S ch e i ch e r, der zufolge diese bei sich selbst anzufangen habe. Teplitz. (Sterbefall.) Am 4. d. M. verschied in dem naheliegenden Soborten der vielverdiente Vorsteher der Beerdigungs-Brüderschaft Herr Marcus Pollak. Das Leichenbegängniß desselben gestaltete sich zu einer selten imposanten Trauerkundgebung. Bon Nah und Fern strömten die Trauergäste aus den intelligentesten Gesellschaftskreisen zahlreich herbei, um dem hochverdienten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Den Leichenconduct eröffneten die Sobortner Feuerwehr- und Veteranenvereine, deren Ehrenmitglied der Verstorbene war. Der Leiche folgten der Seelsorger des Ortes, die Abgeordneten der Teplitzer und der Auffiger Brüderschaftsvereine und eine große Schaar von Trauergästen aus der ganzen Umgebung. Am Friedhöfe hielt der ehrwürdige Rabbiner Herr Galandauer dem Dahingeschiedenen einen tief empfundenen Nachruf, in welchem die Verdienste desselben in würdiger Weise hervorgehoben wurden und welcher die zahlreiche Versammlung tief ergriff. Planian. Am 1. April wurde eine Zierde unserer Stadt der Cultnsvorsteher der israelitischen Cultusgemeinde Planian Herr Jacob Mendl aus Pecek zu Grabe getragen. Er wirkte durch 39 Jahre in der opferwilligsten Weise als Vorsteher der Cultusgemeinde Planian und erfreute sich auch bei Andersgläubigen unbegrenzter Achtung und Verehrung. Dies gab sich am besten kund durch die wohl noch nie in Pecek dagewesene außerordentliche Theilnahme an seinem Leichenbegängnisse, zu dem Tausende von Juden und Christen aus der Umgebung und aus vielen entfernten Städten herbeigeeilt waren. Hervorzuheben ist. daß sich auch der Peceker Veteranenverein mit Fahne und Musik vollzählig betheil igte und dem Verstorbenen bis über den eine halbe Stunde entfernten Ort Rateuitz das Geleite gab. Eröffnet wurden die Trauerceremonien um 10 Uhr, zu welcher Stunde die Leiche vor dem Trauerhause aufgebahrt wurde. Herr Cantor und Religionslehrer Brcck trug in ergreifender Art mit mächtiger und klangvoller Stimme: „Was ist der Mensch auf Erden" vor. Hierauf hielt Herr Cantor Kraus aus Prag dem Verstorbenen einen warmen Nachruf als dessen langjähriger Freund. Als nun Herr Lehrer Breck vortrat und in meisterhaft ausgeführter Rede und mit vom Herzen zu Herzen gehenden Worten die unsterblichen Verdienste des verstorbenen Vorstehers schilderte, und als er in rührender Form und ausdrucksvoller Weise vom Verstorbenen im Namen der Gemeinde Abschied nahm, da blieb kein Auge thränenleer, alle Anwesenden waren von den Worten des Herrn Breck sichtlich bis auf's Tiefste ergriffen. Der Leichenzug, der sich dann in Bewegung setzte, wurde vom Veteranenverein mit Musik und Fahne eröffnet und hinter dem Leichenwagen schritten Tausende Andächtige. Um 3 Uhr wurde die Leiche, nachdem Herr Rabbiner Dr. Guggenheimer dem Verstorbenen abermals einen warmen Nachruf gehalten hatte, in Kolin zur ewigen Ruhe bestattet. Pohrlitz. Bor Kurzem feierte der hiesige Stadtrath Herr MUDr. Julius Adler seine Vermählung mit Fräulein Eugenie Ganz, welche einer sehr achtbaren Familie aus Königgrätz entstammt. Die allgemeine Hochachtung und Beliebtheit, deren sich der Genannte sowohl wegen seiner persönlichen Eigenschaften, wie nicht minder wegen seiner Tüchtigkeit als