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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-13 · 15 (13.4.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
15 (13.4.1894)
Date
1894-04-13
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 302 Orstrrrrichifche Wochenschrift Nr. 15 Hübnerzufolge seiner Handlungsweise im Allgemeinen, sowie namentlich auch durch den Umstand, daß er die antisemitische Sache rücksichtslos zur Verfolgung selbstsüchtiger Zwecke benutzt, sich als nicht würdig erwiesen hat, der antisemitischen Partei anzugehören." Bereut (Westpr.), 6. April. (Ein neues Xanten.) Gestern Früh gegen 7 Uhr wurde die Bevölkerung unserer Stadt in große Aufregung versetzt, die sich auch heute in den niederen Bolkskreisen noch nicht ganz gelegt hat. Mit Windeseile durchflog nämlich das Gerücht die Stadt, ein neun Jahre altes Christenmädchen sei von einem Juden für rituelle Zwecke geschlachtet worden und Massen von Menschen wälzten sich an dem Hause hin, in welchem das Kind verschwunden sein sollte. Selbst die Polizei wurde zum Einschreiten wegen Wiedererlangung des Kindes angegangen. Der richtige Thatbestand, der bald darauf festgestellt wurde und der zu dieser Aufregung die. Veranlassung geboten, war folgender: Der Fleischer Werner, jüdischer Confeffion, hatte von der Witwe Hermann, katholischer Confeffion, in ihrer Wohnung eine kleine Ziege gekauft und war die neunjährige Tochter der Herrpann von ihrer Mutter beauftragt worden, das Thier dem Werner hinzubringen und den Rest des Kaufpreises in Empfang zu nehmen. Das Kind aber verkaufte unterwegs die Ziege anderweit und brachte sie nicht zu dem Fleischer Werner, was diesen wiederum veranlaßt, bei der Witwe Hermann wegen des langen Ausbleibens der gekauften Ziege nachzusehen. Hierbei gerielh die Hermann in Aufregung und schrie: „mein Kind ist fort, die Juden haben es geschlachtet", lief spornstreichs nach der Wohnung des Fleischers Werner, klopfte an Thür und Fenster, ihr Kind verlangend. Im nächsten Augenblicke hatten sich wohl nahe an hundert Menschen vor dem Hause angesammelt, die drohende Miene machten, das gefangen geglaubte Kind zu befreien, um so mehr, als auch Zeugen austraten, die „gesehen haben wollten", daß das Kind der Hermann in das Werner'sche Haus früh hineingegangen war. Die Mutter des Kindes griff die Frau des Werner an und schrie, sie möge ihr das Kind herausgeben, sie habe ihr Kind und wolle es schlachten zu Ostern. Schließlich lief die Frau H. auf's Rathhaus und verlangte vom Bürgermeister Befreiung ihres Kindes. Als sie hier auf das Unsinnige ihres Thuns hingewiesen wurde, beruhigte sie sich schließlich, zumal sich auch das Kind, das bis dahin in einer anderen Straße gewesen und die Ziege verkauft hatte, eingefunden. Bei der eingeleiteten polizeilichen Untersuchung hat die H. angegeben, sie habe geglaubt, die Juden hätten das Kind geschlachtet oder schlachten wollen, um das Blut davon zu bekommen; sie habe mehrmals „aus Zeitungen gehört", daß solches geschieht. Was der Fanatismus nicht Alles zu Wege bringt! Wäre das Kind nicht bald wieder zu Hause gewesen, wer weiß, zu welchen Ausschreitungen es gekommen wäre. Vermijscktes. Wie». (Israelitische Cultusgemeinde Wien.) Die öffentliche Plenar-Sitzung des Vorstandes der israel. Cultusgemeinde Wien findet Sonntag den 15. April 1894 um 10 Uhr Vormittags im Sitzungssaale der israel. Cultusgemeinde I.. Seitenstettengaffe 4,11 Stock statt. Tagesordnung: Rechnungsabschluß pro 1893. Wie». (Oesterreichisch-israelitischeUnion.) Samstag den 14. April, halb 8 Uhr Abends, findet im Restaurant Khuner, I., Schottenring 19, eine Vereins-Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Bortrag des HerrnUniversitäts-DocentenDr.F. Kühnert: „China's Eigenart." 3. Anträge und Interpellationen. Dienstag, den 24. d. M. findet die Generalversammlung der „Oesterreichisch-israelitischen Union" statt und wird Herr CultusVorsteher Architekt Max Fleischer einen Vortrag halten unter dem Titel: „Von der Bibel und von den egyptischen Alterthümern". Wie«. Am 14. April feiert Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Adolf Schmied! im israelitischen Tempel zu Fünfhaus sein 25jähriges Amtsjubiläum und gleichzeitig wird derselbe vor seiner Berustrng als Rabbiner des Leopoldstädter Tempels beim Gottesdienste um 9% Uhr Vormittags seine Abschiedspredigt halten. Wien. Fräulein Emma Simon, Tochter des Gemeinderathes Gustav Simon, hat sich mit Herrn Carl Weiner, Chef der Firma Leop. Weiner & Söhne verlobt. — Fräulein Alby Rosenb erg, die Tochter des Banqniers Herrn Karl Rosenberg, hat sich mit Herrn Dr. Julius Fürth verlobt. Wien. (Silberne Hochzesit.) Der Herausgeber der Correspondenz Wilhelm, kaiserlicher Rath Ignaz Wilhelm, einer der verdienstvollsten und beliebtesten Vertreter der Wiener Journalistik, feierte am Mittwoch im engsten Familienkreise mit * seiner Gattin Fanny , geborene Wa hl e, das Fest der silbernen Hochzeit. Dem liebenswürdigsten Publicisten, den Jeder, der ihn näher kennt, den Zoll aufrichtiger Freundschaft nicht versagen kann, sowie seiner mit allen Hausfrauentngenden geschmückten treuen Lebensgefährtin sind trotz der bescheidenen Stille, in der sich die fröhliche Feier abgespielt hat, aus allen Kreisen der Wiener Gesellschaft die herzlichsten Glückwünsche und Zeichen der Verehrung und Sympathie zugekommen. Wien. Frau Henriette Mankiewicz, Gattin des serbischen General-Consuls in Dresden, eine geborene Wienerin, hat das Reinerträgniß der von ihr veranstalteten Panneaux-Ausstellung in der Höhe von 2000 fl. dem Journalisten- und Schriftstellerverein „Concordia" gewidmet. Der Verein hat der edelherzigen Dame, deren Vater Herr Samt Tauber, als Dichter und Gemäldesammler rühmlichst bekannt, bis an sein Lebensende Mitglied der Concordia gewesen, durch eine vom Präsidenten geführte Deputation den wärmsten Dank zum Ausdrucke gebracht. Wien. Der Forschungsreisende Eduard Glaser ist auf der Rückkehr von seiner vierten arabischen Reise begriffen. Er bringt von dieser eine reiche Ausbeute mit heim, bestehend in 800 unentdeckten Inschriften, 250 arabischen Handschriften und eine Reihe kleinerer wichtiger arabischer Denkmäler. Die Zahl der neu entdeckten Inschriften ist Dank einem gelungenen neuen Versuche von Glaser so beträchtlich ausgefallen. Er hat es verstanden, anstelligen Beduinen die Technik des Abklatschens beizubringen. Diese Männer gehen auf die Suche nach Inschriften aus und gerade in solchen Gegenden, die für den Europäer gar nicht oder nur mit Lebensgefahr zugänglich sind. Wie». (Ein Opfer seine^--Berufes.) - Sonntags den 11. d. M. fand vom Centralfriedhofe unter zahlreicher Betheiligung seitens der Cvllegen und Freunde das Begräbniß des Med.-Dr. Adolf Stahl, ^ecundararztesim k. k. Krankenhause Wieden, statt. Der Verblichene stand im 32. Lebensjahre, war seit seiner frühesten Jngend auf seine eigene Kraft angewiesen und hat unter schweren materiellen Sorgen, wobei er noch eine alte Mutter unterstützte, seine Studien zurückgelegt. Im Kreise seiner Collegen war er wegen seines aufopfernden Pflichteifers, unermüdlichen Fleißes und großer Herzensgüte sehr beliebt. Rastlos an seiner weiteren Ausbildung arbeitend, hat er sich vor kurzer Zeit im Spitale bei Behandlung von Tuberculosen dieses bösartige Leiden zugezogen und starb nach kaum zweimonatlicher Krankheit. Er oblag seinem Berufe, wie einer seiner Amtscollegen in dem Nachrufe am offenen Grabe hervorhob, „nicht nach dem Wortlaute des Gesetzes, sondern vom Standpunkte der Humanität. Die Menschenliebe war die Triebfeder seines Thuns und Lassens". Aber die Menschenliebe hat ihn auch in den Tod getrieben. Bei all seinen strengen und schweren Berufspflichten versäumte er es nicht, moderne Philologie n. zw. Englisch und Französisch zu betreiben, auch war er ein sehr tüchtiger Talmudist, einst der Lieblingsschüler des bekannten Brodyer Gaons. Seine Mitschüler verlieren in ihm einen hochbegabten, edlen, theuren, unvergeßlichen Freund; seine Berufsgenossen einen tüchtigen Amtscollegen, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt war; seine Lehrer einen genialen Schüler, seine Patienten einen uneigennützigen, aufopferungsvollen Arzt; die Welt einen edlen, hochbegabten Menschen. Am offenen Grabe sprachen namens dör Spitalsärzte Herr Dr. Stricker und namens der Schulcollegen und Landsleute der Advocaturs-Candidat Herr Dr. Kamilaar tief empfundene, vom Herzen kommende und zum Herzen gehende Worte. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen, „Moria", veranstaltete am 7. d. einen Familienabend, welcher trotz — ooer besser gesagt — wegen seines ganz internen Charakters als der gelungenste Abend der Saison gelten kann. Violinpiöcen, vorgetragen von Herrn I. Heim, humoristische Vorträge: Frl. Jda Werner und Frl. Frieda Sor, Gesangspiecen Frl. Eveline Horowitz, sowie ein von unbekannten Größen aufgeführter stuventischer Ulk, welcher ungezügelte Heiterkeit entfesselte, eine Jux- Tombola und endlich das usuelle Tanzkränzchen wirkten zu dem schönen Gelingen des gemüthlichen Abends zusammen.

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