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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-13 · 15 (13.4.1894) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
15 (13.4.1894)
Date
1894-04-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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: -Vf Seite 300 VeyrrredWltze WochrnschrM Nr. 15 Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie einem eifrigen Leser Ihres Blattes die nachfolgenden Bemerkungen: Das kleine Land, welches sich des Besitzes der höchsten Berge Europas erfreut und das sich eine republikanische Staatsform gegeben, hat bekanntlich durch eine allgemeine Volksabstimmung beschlossen, den Juden das rituelle Schächten zu verbieten. Dieser Beschluß eines freiheitlichen, toleranten Volkes ist offenbar blos der Erwägung entsprungen, eine große Anzahl Mitbürger von dem Vorwurfe zu befreien, daß sie sich einer rohen, grausamen Handlungsweise an wehr» losen Thieren schuldig machen. Nun ist aber in jüngster Zeit, u. zw. auf Veranlassung eines Berliner Comites zur Abwehr antisemitischer Angriffe eine große Zahl — 253 — neuer Gutachten in der Schächtfrage erfloffen, welche die berühmtesten Gelehrten Europas zu Berfaffern haben und welche übereinstimmend erklären: «Das rituelle Schächten der Juden ist die rationell st e und humanste Sch ächtart." Da nun der oben erwähnte Beschluß des fast ausschließlich vom Fremdenverkehr — also nicht zum Wenigsten von jüdischem Gelds — sich nährenden Ländchens nicht aus Chicane gegen ihre Mitbürger oder gar aus gehässigem Rassenhaß gefaßt wurde, sondern blos aus rein Humanitären Gründen, so glauben wir unserer Ansicht dahin Ausdruck geben zu sollen, daß dieses Volk nun, dem Ausspruche so berühmter Gelehrten entsprechend, daß ihre Anschauung von der Grausamkeit des rituellen Schächtens falsch sei, keinen Augenblick anstehen werde, nunmehr den Antrag zur öffentlichen Abstimmung zu bringen, daß das bei den Juden gebräuchliche, sogenannte ..rituelle Schächten" als die rationellste und humanste Schlachtart, für alle Bewohner der Republik, ohne Unterschied der Confession, obligatorisch einzuführen ist. Ein Logiker. Brün«. (Mährisch-jüdischer Landesmassafond.) Die diesjährige Generalversammlung, die von 46 Delegirten besucht war, fand Montag den 2. d. M. unter Vorsitz des Obmannes Herrenhaus-Mitglied Julius Ritter v. Gomperz statt. Der Rechenschaftsbericht des Curatoriums für das Jahr 1893, sowie der Revisionsbericht wurde einstimmig genehmigt und dem Curatorium das Absolutorium.ertheilt. Der Voranschlag für 1894 beziffert die Einnahmen einschließlich des Uebertrages vom Jahre 1893 per 5183 fl. 8 kr. auf 50.682 fl. 58 kr., die Ausgaben auf 50.573 fl. 26 kr. Für Schulsubventionen werden eingestellt 13.920 fl., für Gemeinde-Unterstützungen 12.700 fl. Zu dieser Post ergreifen mehrere Delegirle das Wort, um die ungünstige Lage ihrer Gemeinden zu schildern und um eine ausgiebigere Unterstützung derselben zu ersuchen, insbesondere schildert Delegirter Herz (Neutitschein) die großen Lasten der neuen Gemeinden, dem Delegirter Löw (Prerau) entgegnet,. daß diese ihre wohlhabenden Mitglieder eben den alten Gemeinden entzogen haben, so daß diese gerade dadurch nothleidend geworden seien. Dr. Weiß (Boskowitz) beschwert sich darüber, daß seiner Gemeinde die bedingt bewilligte Subvention nicht erfolgt worden sei und wäre dafür, daß die Subventionen nicht vom Curatorium, sondern von der Delegirtenversammlung selbst bewilligt werden mögen. Er will einen dahinzielenden Antrag auf Statutenänderung einbringen, begnügt sich aber nach der Erklärung des Vorsitzenden, daß dieser Modus der Bewilligungen praktisch unthunlich sei, seine Anregung der Erwägung des Curatoriums anheimzustellen. Für Personalunterstützungen werden 11.000 fl., Stipendien 600 fl., Bildungs- und Humanitäts-Anstalten 4110 fl. eingestellt. Auf das Ansuchen des Dr. Jung, Rabbiners in Ungarisch-Brod, um einen Beitrag zur Erhaltung des von ihm gegründeten Privatgymnasiums konnte nicht eingegangen werden. Nach Genehmigung des Voranschlages wird eine neue Zusammensetzung der sechs Gemeindegruppen zur Vornahme der Wahl der Curatoren, die in Folge der Auflösung von elf alten und der Creirung von sieben neuen Gemeinden nothwendig wurde, zum Beschluffe erhoben und auf Grund derselben die Neuwahl der Curatoren für die IX. Wahlperiode 1894—96 vorgenommen. Gewählt wurden: aus den sechs Gruppen: Großmann, Blau, Ornstein, Rosenfeld (neu), Dr. Hilf und Oppenheimer; aus dem Plenum: Ritter v. Gomperz, kais. Rath Mandl, Lieblich, Dr. Spitzer und Hönig (die beiden Letzteren neu); zu Ersatzmännern: Max Kohn, Aschkenes, Hauser und Joseph Singer; zu Revisoren pro 1894: Kohn, Redlich und Fischer. Die Wahlen waren durchwegs einhellig und nahmen die Gewählten die Mandate an. Der Vorsitzende spricht im Namen des Curatoriums dessen tiefes Bedauern darüber aus, daß es dem bisherigen Obmann-Stellvertreter Jg. Wohlmuth durch seine Erkrankung nicht mehr möglich war, ein Mandat anzunehmen, da derselbe seit Bestand der selbstständigen Fondsverwaltung, d. i. seit 25 Jahren, sich derselben mit hingebendstem Eifer und großer Sachkenntniß gewidmet. Die Versammlung beschloß, Herrn Wohlmuth den wärmsten Dank für seine verdienstvolle, langjährige Thätigkeit protokollarisch auszudrücken und ihn hievon schriftlich in Kenntniß zu setzen. Herr Liebmann beantragt, dem Vorsitzenden, dem Curatorium, darunter auch dem aus demselben geschiedenen Curator Stroß, der ein geschätztes Mitglied dieser Körperschaft war, für seine hingebungsvolle Mühewaltung den Dank zu votiren, was unter lauten Zurufen geschieht. Nach Erschöpfung der Tagesordnung wird über die im vorigen Jahre angeregte und bereits eingeführte Oberaufsicht über den Religions¬ und hebräischen Unterricht an den Volksschulen Bericht erstattet und berathen. Es wurden mit diesem Amte sechs Rabbiner als Vertrauensmänner betraut; dieselben besuchten den größten Theil der Schulen und berichteten über Schulbesuch und Lehrerfolge dem Curatorium. Dieses beantragt, die Einrichtung beizubehalten, die Wahl der Vertrauensmänner jedoch* auf Grund von Secunda-Vorschlägen der Rabbiner jeder Gruppe für den. zu bestellenden Vertrauensmann in derselben vorzunehmen, um den Rabbinern einen Einfluß auf die Wahl.zu gewähren. Herr Löw (Prerau) plaidirt für Bestellung eines einzigen Berufs- Jnspectors, ein Vorschlag, der bei aller Anerkennung seiner Vorzüge nach den Aufklärungen der Herren Dr. Hilf, Lieblich und des Vorsitzenden vorläufig abgelehnt wird. Es wird sohin der Antrag des Curatoriums angenommen. Kanitz, 6. April 1894. Geehrter Herr Redacteur! Der «Brünner Tagesbote" vom 4. d. M. bringt einen Bericht über die Hauptversammlung des mähr.-jüd. Landesmassafonds. Unter den Ausgaben figurirt die Post Schulsubvention mit fl. 13.920, die Gemeindeunterstützungen mit fl. 12.700. Zur letzten Post ergriffen mehrere Delegirte das Wort, um mit einem Worte für ihre Gemeinden mehr Capital herauszuschlagen. Ich kann diese Auffassung der betreffenden Herren Delegirten nicht theilen und finde es an der Zeit,' auf diese Angelegenheit durch die „Oesterreichische Wochenschrift" etwas näher einzugehen, da ich nicht die Ehre hatte, der Delegirtenversammlung beizuwohnen. Mähren hat das Glück einen eigenen Landesmassafond, zu besitzen, welcher bereits die Höhe von über 1 Million Gulden erreicht hat, wohl ein Beweis der vorzüglichen Verwaltung. . Dem Brünner Zeitungsberichte ist zu entnehmen, daß die Gemeinden mit den denselben gewährten Subventionen nicht zufrieden sind, denn jede glaubt, ein Separatrecht daran zu besitzen. In den Gesuchen um Subvention werden die Verhältnisse der Gemeinden in den schwärzesten Farben geschildert, als wenn das Bestehen der Gemeinde, einzig und allein von der Subvention abhängen würde. Daß die Schulsubvention oft als solche nicht verwendet wird, erhellt aus dem Umstande, daß der Rabbiner zugleich als unbesoldeter Religionslehrer ausgenommen wird. Obwohl ich diesen Subventionen ihre wohlthätige Eigenschaft nicht absprechen will, so könnte diese Wohlthat auf andere Art geübt werden und deshalb werfe ich die Frage auf, ob es denn nicht besser wäre den mähr.-jüd. Landesmassafond in einen mähr.-jüd. Religions-Landesfond umzuwandeln und die Rabbiner und Cantore der bestehenden 50 Cultusgemeinden aus dessen Erträgnissen zu besolden. Allerdings haben dann alle Subventionen und Personalunterstützungen . aufzuhören. Die Vortheile dieser Umwandlung sind augenscheinlich, sie wäre ein Glück für die Functionäre und ein Glück für die Gemeinden. Ich wünsche, daß diese meine Anregung fruchtbaren Boden finden möge. Mit bestem Danke für die freundliche Aufnahme meiner Zeilen zeichnet Euer Wohlgeboren ergebenster Diener Emil Brunner. Krakau, 6. April 1984. Der hier bekannte Antisemit, gewesener Redacteur des bereits eingegangenen Schundblattes «Kurjer Polski", Dr. Josef Orlowski, wurde wegen Wechsel-

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