Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 15 (13.4.1894)
- Date
- 1894-04-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 298 VeflrrrevtzisLtzr WortzenptzrM Stt. 15 dritte Theil des Notowit'schen Buches enthält einen Tommentar zu dieser Biographie, in welcher der Verfasser das Berhältniß derselben zur buddhistischen Wissenschaft und zu der christlichen Ueberlieferung, sowie den Grad ihrer historischen Glaubwürdigkeit erörtert. Wir wollen davon nur mittheilen, daß de*' Verfasser ihr mehr Vertrauen schenkt als den christlichen Schriften, die erst lange nach dem tragischen Ereignisse verfaßt sind und nicht blos der phantastischen Wunderlegende einen breiten Spielraum gewähren, sondern auch die deutlichen Spuren scharfer Parteikämpse an sich tragen. Sache der Fach» Wissenschaft ist es, darüber endgiltig zu uriheilen. Die Quelle, aus welcher der russische Reisende geschöpft hat, ist zwar eine heilige Schrift, die nicht Jedem zugänglich ist, aber was ihm gelang, kann doch auch Andern möglich sein, zumal da, wie er versichert, in anderen buddhistischen Klöstern ebenfalls Exemplare von Jssa's Lebensbeschreibung vorhanden sind. Die Landschaft Ladak gehört zu Kaschmir, das zwar unter einem einheimischen Fürsten steht, aber ein Protectorat der Engländer ist. Auch sind die buddhistischen Lamas im Ganzen ziemlich gebildete und zugängliche Leute. Die Hindernisse können also keine unüberwindlichen sein. Die Darstellung Notowitsch's selbst macht durchaus den Eindruck des Glaubwürdigen; bezüglich einzelner Punkte in der Biographie Jssa's kann man nur schwer den Gedanken fassen, daß sie lediglich die Erfindungen eines müssigen Globetrotters seien. Es läge also für die Berufenen Anlaß genug vor. dem Kern der Sache nachzugehen. Man muß freilich auch wollen. Von den verschiedenen Autoritäten, denen Notowitsch von seiner Entdeckung Kunde gab, hat keine an der Richtigkeit derselben gezweifelt, aber fast alle, außer Renan, haben die Veröffentlichung Widerrathen oder sogar die Verheimlichung gefordert. Aus leicht begreiflichen Gründen, die jedoch für die Wissenschaft nicht maßgebend sein können. Welche Bedeutung es hat, wenn es wirklich wahr ist, daß Jesus in Indien war, das braucht nicht näher auseinandergkstkt zu werden. 0. H. (Kapitän Rolleston über die Inden in Marokko. Deutsch von Ignatz Kaufmann (Kojetein). Im Laufe seiner am Dienstag Abend in der Gesellschaft der Künste, Abtheilung für Ausland und die Colonien, gehaltenen Vorlesung über Marokko und seine Bolksstämme sprach Capitän Rolleston in folgender Weise über „Israel in Afrika": Die eingeborenen Israeliten von Marokko, an Zahl ungefähr 280.C00 Seelen, bilden einen beträchtlichen Theil der Bevölkerung. Sie theilen sich in drei besondere Claffen, die spanischen, die maurischen und Atlasjuden. Jede dieser Claffen kamen zu einer verschiedenen Zeitperiode nach der Berberei, sprechen eine von den anderen Claffen unterschiedene Sprache und leben, in gesonderten Theilen des Reiches wohnend, jede nach ihren besonderen Verhältnissen, in sehr geringem Verkehr mit einander. Als im Jahre 1492 durch das Austreibungsedict Ferdinands und Jsabella's die Juden den Befehl erhielten, binnen vier Monaten Spanien zu verlassen, wurde die Frage für das unglückliche Volk eine ernste, wohin in der Welt sie ihre Zuflucht nehmen sollten. Im christlichen Europa waren ihre Glaubensgenossen den grausamsten Verfolgungen ausgesetzt und wo sie dem Namen nach geduldet waren, von Beschränkungen umgeben und von feindlichen Gesetzen der Armuth und der Zurücksetzung .preisgegeben. In Folge der Nähe zu ihrem Heimatslande und wohl auch des Umstandes wegen, daß seit der Behauptung Spaniens durch die Mauren die jüdische Bevölkerung sich eines Grades von Gerechtigkeit und Würdigung zu erfreuen hatte, wie sie unter christlichen Völkern der unterdrückten Gemeinde sonst nirgends zu Theil ward, entschied ein beträchtlicher Theil der vertriebenen Israeliten sich zur Auswanderung nach den Berberlanden. Doch das. Ergebniß war den Voraussetzungen durchaus nicht angemessen. Die Mauren am afrikanischen Ufer der Meerenge waren von wilderer, barbarischer Art als ihre Stammesgenoflex in Spanien. Das Land war zum großen Theile von wilden moslemischen Stämmen bewohnt, die, nur der Herrschaft ihrer Häuptlinge unterthan, von heftigster Feindschaft gegen alle Andersgläubigen erfüllt waren. Es wird erzählt, daß, so oft eine Schiffsladung unglücklicher Auswanderer an den Küsten der Berberei ans Land gebracht wurde, sofort die fanatischen Gewaltthätigkeiten gegen die Flüchtigen ins Werk gesetzt wurden. Das Edict, wodurch die Juden aus Spanien vertrieben wurden, war von Paragraphen begleitet, durch die in Wirklichkeit ihr Vermögen der Confiscation verfallen war; doch waren Viele so glücklich gewesen, davon einiges Geld und Juwelen zu reiten, dessen die armen Opfer christlicher Bigotterie nun von den mohammedanischen Fanatikern in schonungsloser Weise beraubt wurden. Heimatlos, freundlos und ausgeplündert, mußten sie nunmehr im gastfeindlichen Maurenlande als unwillkommene Gäste verbleiben, von den Eingebornen gehaßt und verachtet, Gesetzen unterworfen, die statt zu schützen sie verfolgten und sie den täglichen und stündlichen Insulten und Gewaltthätigkeiten einer unwissenden, rohen Bevölkerung aussetzten. Biele starben unter der Last dieser endlosen Quälereien oder von den Bergstämmen hingemordet, die übrigen wurden in die Sclaverei verkauft oder kehrten, unfähig, solchen Existenzbedingungen in Marokko zu trotzen, nach Spanien zurück, wo sie als Preis für die Erlaub' niß, sich in ihrer Heimat niederlassen zu dürfen, das Christenthum annahmen. Ein Rest des Volkes war von der Vorsehung auserwählt, in Marokko zu verbleiben, wo sie sich hauptsächlich in den Küstenstädten festsetzten und wo ihre Abkömmlinge noch bis zum heutigen Tage fortleben. Die an der Nordküste sprechen einen veralteten spanischen Dialect, denselben, der zur Zeit ihrer Vertreibung in Gebrauch war, beobachten eine strenge Befolgung ihrer religiösen Gebräuche und tragen noch zumeist die alte Kleidung, die ehemals in Spanien und in der Berberei als ein Merkmal ihrer Erniedrigung galt. Die Lage dieser Classe der eingeborenen Israeliten ist in den letzten Jahren um Vieles besser geworden, sie werden jetzt durch den rasch wachsenden Einfluß der europäischen Meinung geschützt, und der Handel des Landes ruht zum großen Theile in ihren Händen. Da sie die vornehmsten Geldleiher und Banquiers sind, steigt ihre allgemeine Wohlfahrt, und viele bekleiden sogar die Stellung von Vertretern französischer und englischer Mercantilfirmen. Ihre sociale Stellung ist jetzt überhaupt eine viel bessere als sie vor etlichen. Jahren war,, eine Thatsache,.. die „.vielleicht vorzugsweise einer Erziehungsbewegung zu danken ist, die. unter ihnen Platz gegriffen hat und die ohne Zweifel sie am Ende noch günstiger situiren wird, als sie es je in den Staaten der Berberei gewesen sind. Bor mehreren Jahren nämlich, als unter der Regierung des letztverstorbenen Papstes die Thatsache bekannt wurde, daß ein jüdischer Knabe, Namens Mortara, in Rom von den Kirchenbehörden unrechtmäßig seinen Eltern entrissen wurde, um im römisch-katholischen Glauben auferzogen zu werden, entstand in der Judenheit allenthalben ein berechtigter Unwille. In Paris wurde eine Gesellschaft die unter dem Namen ».Alliance Israelite« bekannt ist und durch Unterstützungsbeiträge der Juden aus aller Herren Länder gefördert wird, zu dem Zwecke gebildet, den Kindern jener Judengemeinden, die wie jene von Marokko unter einer despotischen Regierung lebend, wegen ihrer Rasse Bedrückungen unterworfen sind, eine tüchtige europäische Erziehung zu geben. Man glaubte, wenn man die unwissenden und erniedrigten Volksclassen durch Erziehungsmittel heben würde, daß sie dadurch für die Zukunft weniger der Bedrückung ausgesetzt werden würden. Insoweit hat dieses System auch in der That sich sehr heilsam bewährt. Man verstand es, die geeigneten Lehrer'und Lehrerinnen für die in Tanger, Tetuan, Fez und Tunis errichteten Schulen anzustellen, wo die jungen Israeliten, die früher in der Finsterniß des Aberglaubens und der Unwissenheit ausgewachsen waren, jetzt mit Erfolg in Geschichte, Geographie, Französisch, Englisch, Spanisch, Mathematik, Musik und Kunst unterrichtet werden. Während eines vor Kurzem der jüdischen Schule in Tanger abgestatteten Besuches hatte ich Gelegenheit die Riesenfortschritte der Schüler zu beobachten, die, mit dem ihrer Raffe eigenthümlichen, lebhaften Berständniß begabt, in einer gegebenen Zeit schon Erfolge erzielen, die man bei englischen Kindern der gleichen Altersstufe durchschnittlich kaum für erreichbar halten würde. Die so glücklich begonnene .Erziehungsbewegung wird nun voraussichtlich sich mehr und mehr verallgemeinern, eines der verheißungsvollsten Zeichen für die Zukunft der spanischen Juden von Marokko. Die 2. Classe der eingebornen Israeliten, auf die ich unter dem Namen maurische Juden anspielte, sind die Nachkommen Jener, die einst nach der Eroberung Palästinas durch