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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-13 · 15 (13.4.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
15 (13.4.1894)
Date
1894-04-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 296 Vrflerretrtzllrtzr Wochenschrift Nr. 15 Bilvuug. sein gesetzesfceies hellenistisches Judenthum aus der Diaspora nach Jerusalem mitgebracht habe, was schon, abgesehen von allen andern angeführten Beweisen, der hellenistische Umgang, den er in Jerusalem gepflegt hatte, erhärten müsse Das Resultat, dieser Untersuchung ergibt, daß das Urchristenthum im Allgemeinen nichts enthalte, was nicht schon im jüdischen Alexandrinismus vorhanden gewesen wäre. So ungefähr würde das trockene Jnhaltsverzeichniß unseres Buches lauten, wenn der Berfaffer demselben ein solches beigegeben hätte, was er jedoch unterlassen hat. Ec führt uns mit seiner Einleitung in rnedias res. Gm uraltes Manuskript über das Leben Iefu. Wir haben in Nr. 12 d. Bl. nach dem „Imraal de Debits“ von einem Werke des russischen Reisenden Nicolaus Notowitsch berichtet, in welchem dieser Kunde gibt von einer Lebensbeschreibung des Propheten Jssa, die er in einem buddhistischen Kloster in Thibet gesunden haben will. Inzwischen ist das Werk erschienen*), und wir denken, es wird den Lesern nicht unwillkommen sein, wenn wir nach der „Franks. Ztg." eine Inhaltsangabe liefern, die aus der Kenntniß des Werkes selbst geschöpft ist. Das Werk zerfällt in drei Theile. In dem ersten beschreibt der Verfasser seine Reise, im zweiten gibt er die Biographie Jffa's nach dem buddhistischen Text, im dritten liefert er einen Commentar dazu. Die Reisebeschreibung ist nicht uninteressant, da Notowitsch durch Gegenden kam, die selten der Fuß eines Europäers betritt. Ec reiste von Rawal Pindi über Kaschmir nach Ladak oder Klein-Thibet im Hochthale des Indus. Die Uebersteigung des Gebirgskammes, dessen Gletscher- Häupter bis zu 7090 Meter emporragen, war eine lebensgefährliche Arbeit. Dafür war drüben auch eine andere Welt: aus dem Paradies von Kaschmir kam der Reisende in die baumlose Hochgebirgswildniß des Himalaya, von den weißen wohlgestalteten Kaukasiern zu gelben unansehnlichen Malayen. Ladak ist buddhistisch und gehört religiös zum Papstthum des Dalai-Lama, der in Lhasa residirt. Buddhas hehre Religion ist freilich zu einem rein äußerlichen Cultus herabgesunken. Mit viel Humor beschreibt Notowitsch die Gebetmaschinen, die er sah; es sind Holzscheiben an einem Stängelchen, mit Papier- oder Leinwandfetzen versehen, auf denen Gebetsformeln geschrieben sind. Man hängt diese Art Gebetspindel an den Gürtel, dreht von Zeit zu Zeit daran und hat damit seine religiöse Pflicht erfüllt. Will man sich auch die Mühe des Drehens ersparen, so befestigt man die Spindel im Freien so, daß sie wie eine Windfahne vom Winde gedreht wird, der also auch seinen Theil zum Beten hilft. An einigen Orten hat Notowitsch auch gesehen, daß die Gebetspindel mit einer Wassermühle in Berbinvung gebracht wird; das Wasser treibt ein Rad, dieses setzt die Spindel in Bewegung, und so stellt sich der überfromme Buddhist ein richtiges „ewiges Gebet" her, ohne daß er sich dabei zu bemühen braucht. Interessant ist auch die Beschreibung, die Notowitsch von einer socialen Einrichtung gibt, die er in Ladak in besonders hoher Ausbildung gefunden hat. Es ist die Polyandrie, die Bielmännerei. Eine religiöse Einrichtung kann sie nicht sein, denn Spuren davon finden sich bei vielen Völkern vor (u. A. auch bei den Galliern, Cäsars), die keine gemeinsame Religion haben. Der Grund der Einrichtung ist zudem offenbar ein wirthschastlicher. Das arme Land kann keine raschwachsende Bevölkerung brauchen, deshalb werden viele weibliche Kinder bei ihrer Geburt getödtet und das erwachsene Weib wird die Frau mehrerer Gatten; der Ueberschuß der männlichen Bevölkerung geht in's Kloster. Gewöhnlich macht sich die Sache so, daß die Brüder eines Hauses sich eine gemeinschaftliche Gattin nehmen, die der älteste Bruder auswählt. Sie theilen sich dann brüderlich in die Tage der Woche. Das Mädchen hat vollkommene Freiheit der Wahl; als Frau hat sie sogar das Recht, zu ihren Männern noch einen weiteren zu nehmen; auf diese Weise werden einzige Söhne einer Familie untergebracht. Neben ihren rechtmäßigen Gatten darf die Frau auch noch Liebhaber haben, •) La Vie inconime de Jdsus-Christ. Par Nicolas Notovitch, Cartes et Illastrations. Troisieme Edition Paris, Pani Ollendorf, eiitear. so viel sie will. Sie kann sogar einen Gast in vorübergehender Weise zum Rang eines Ehemannes erheben. Diese Art von Gastfreundschaft ist, sogar unter Zustimmung der Ehemänner, in Thibet weit verbreitet. Auch das unverheiratete Mädchen genießt große Freiheit; bekommt sie Nachkommenschaft, ohne verheiratet zu sein, so ist das ein Grund, ihr recht viele Heiratsanträge zu verschaffen. Ueberhaupt steht die Frau in der höchsten Achtung Aller und kann sich überall frei bewegen; nur in die heilige Gebetkammer der Klöster darf sie nicht eintreten. Unter diesen Verhältnissen, die ein Rudiment aus den Zeilen des Mutterrechtes darstellen, fühlt sich das weibliche Geschlecht sehr wohl, und man darf es dem Reisenden schon glauben, daß die Damen von Ladak stets heiter und guter Dinge sind. Doch nun zum Hauptgegenstand des Buches. Beim Besuche eines der vielen Klöster und im Gespräche mit einem Lama (Oberer der Priester) erfuhr Notowitsch vonr Propheten Jssa, der von den Priestern als eine der vielen Jncarnationen Buddhas verehrt wird, aber vom gemeinen Volke nicht gekannt ist. Nach umständlichen Forschungen gelang es ihm auch, die Lebensbeschreibung dieses Propheten zu entdecken, und zwar in dem großen Kloster Himmis, in der Nähe von Leh, der Hauptstadt von Ladak. Ein glückliches Unglück, der Bruch eines Fußes, zwang ihn zu längerem Aufenthalt in diesem Kloster, und der Lama stillte endlich sein Sehnen, indem er ihm die Lebensbeschreibung Jssas aus zwei großen alten Bücherrollen mit vergilbten Blättern mittheilte; den Text der Pali-Sprache übersetzte der Dolmetscher Notowisch's und Letzterer schrieb den Inhalt sofort nieder. Später brachte er die nöthige Ordnung in die einzelnen Blätter. Der Inhalt derselben, der zugleich die frühere Geschichte Israels in ein neues Licht rückt, ist der nachstehende: Die Erde hat gezittert und die Himmel haben geweint über das große Verbrechen, das in Israel begangen wurde. Dort hat man den großen Gerechten Jssa, in dem die Seele des Universums thronte, gefoltert und getödtet. Folgendes haben darüber Kaufleute, die aus Israel kommen, erzählt: Israel bewohnt ein fruchtbares Land, das zwei Ernten im Jahre gibt und viele Heerden ernährt. Israel aber erregte den Zorn Gottes durch seine Sünden. Dafür wurde es gestraft, indem .es durch., die reichen und-mächtigen Pharaonen; bie-ht- Egypten herrschten, in die Sclaverei abgeführt wurde. In Egypten wurden die Israeliten schlechter behandelt als die Thiere; sie mußten schwer arbeiten, ihre Leiber waren mit Wunde« bedeckt und sie hatten nicht satt zu essen. Da erinnerten sie sich ihres Gottes und flehten um Gnade. Nun herrschte ein Pharao, der berühmt war durch zahlreiche Siege, große Reichthümer und ungeheure Bauten, die er ausführte. Er hatte zwei Söhne, von denen der jüngere Mossa hieß; dieser lernte von israelitischen Gelehrten mancherlei Wissenschaft. Mossa war in Egypten beliebt wegen seiner Güte und seines Mitleids mit allen Leidenden. Als Mossa sah, daß die Israeliten, trotz der schweren Züchtigungen, ihren Gott nicht verließen, um die egyptifchen, von Menschenhänden gemachten Götter anzubeten, da glaubte auch er an den unsichtbaren Gott der Israeliten und ging zu seinem Vater, um ihn zu bitten, daß er das Loos der Unglückseligen mildern möge. Aber der Pharao wurde zornig und ließ die Israeliten nur noch schwerer züchtigen. Da kam die Pest und tödtete viel Menschen und Vieh. Mossa ging abermals zu seinem Vater und sagte ihm, das sei der Gott der Israeliten, der Egypten strafe. Da gab der Pharao Mossa den Befehl, alle israelitischen Sclaven fortzuführen und weit weg eine Stadt zu gründen, wo er mit ihnen leben sollte. Mossa aber nahm die Israeliten, verließ mit ihnen Egypten und ging in das Land, das sie durch ihre Sünden verscherzt hatten- Dort gab er ihnen Gesetze und lehrte sie zu Gott, dem unsichtbaren und allgütigen Schöpfer, beten. Nach seinem Tode wurde Israel mächtig und lebte lange Zeit glücklich. Später aber vergaß Israel seinen Gott und dessen Gesetze, weshalb Gott sie abermals strafte. Fremde Heere überzogen das Land, und zuletzt kamen Heiden aus dem Lande des Romeles; sie unterwarfen die Israeliten, stellten Hauptleute als Regierung auf, zerstörten den Tempel, zwangen die Einwohner zu Opfern für die Heidengötter, tödteten die Kinder und schleppten Viele als Sclaven fort. Da weinte und seufzte Israel und bat Gott um Verzeihung. In dieser Zeit kam der Augenblick, den Gott gewählt hatte, um sich wieder in einem menschlichen Wesen zu verkörpern, das den verirrten Menschen den Weg zur Vollkommenheit zeigen

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