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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-13 · 15 (13.4.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
15 (13.4.1894)
Date
1894-04-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 15 Oesterrrichische Wortzenlchrift Seite 395 keine wirkliche Förderung der Sache bedeutet, wenn sie die Conservativen aus ihren Sitzen zu verdrängen suchen, während ihre Thätigkeil, um prakiisch zu werden, offenbar gegen die grundsätzlichen »der opportunistischen Anhänger des Judcnthums gkiichtrt sein müßte." Schon oft fiel, wer Anderen eine Grube grub, selbst hinein. „Zur Geschichte des jüdischen Alexandrinismus *)" Line höchst wichtige und durch ihre anregende Darstellungs- Weife auch den gebildeten Laienkreisen zugängliche Forschung liegt uns in dieser Publication vor, welche nicht verfehlen wird, allerwärts, wo man sich eingehend mit der Enthüllung der noch immer sehr dunklen, für das Judenthum wie für das Christenthum gleich wichtigen Partie der Geschichte beschäftigt, ebensoviel Zustimmung als Widerspruch, in jedem Falle aber allgemeines Interesse hervorzurufen. Die große bis heute nur wenig beachtete Bedeutung der jüdischen Diaspora der letzten drei vorchristlichen Jahrhunderte kommt hier zur vollen Geltung, wodurch manches Dunkel hüben und drüben, im jüdischen wie im christlichen Schriftthum erhellt wird. Doch lassen wir diese Schrift für sich selbst sprechen. Wir begnügen uns an dieser Stelle damit, ein kurzes und knappes Jnhaltsverzeichniß zu geben, um unfern Lesern eine ungefähre Vorstellung von der Fülle und der Bedeutung des hier verarbeiteten Materials zu ermöglichen. Das Buch enthält neben einer, ein lebensfrisches Zeitbild darbietenden Einleitung, fünf Capitel: Das erste Capitel, betitelt: „Die göttlichen Mittelkräfte" führt aus, daß der jüdische Alexandrinismus, an die Septuaginta sich anlehnend, zwischen dem überweltlichen Gott Plato's und der Körperwelt im Sinne der herrschenden Zeitphilosophie Mittelkräfte wirken läßt, was sich aus den Fragmenten Aristobul's, aus dem Buche Sirach's, aus Pseudvsalomo und ganz besonders aus den Schriften Philo's Nachweisen läßt, wo diese göttlichen Mittelkräfte sich bereits vollständig ausgebildet und dem hier schon in vollster Rüstung auftretenden Logos untergeordnet vorfinden. ' Es "wird hier ferner der Nachweis gefübrt, daß der jüdische Alexandrinismus frühzeitig, und zwar schon vor den Maccabäerkriegen in Palästina Eingang gefunden und durch seine Lehren von den Mittelkräften und dem Logos die Quelle nicht nur für den Gnosticismus, sondern auch für das die Göttlichkeit des Messias proclamirende Christenthum geworden. Dieses Capitel schließt mit der entsprechend belegten Ansicht, daß das Judenchristenthum durch den Einfluß des vulgären Alexandrinismus, das Heidenchristenthum aber — vertreten in Paulus, Apollos, den Verfasser des Hebräerbriefes und den Evangelisten Johannes — durch den höheren Alexandrinismus entstanden. Das zweite Capitel: „Pharisäer und Am-haarez" unternimmt es, das Verhältniß dieser beiden feindlichen Parteien klarzulegen. Und da wird denn an der Hand talmudischer und anderer zeitgenössischer Quellen dargethan, daß es einen Unterschied gab zwischen wahrhaft frommen, still arbeitenden Pharisäern und zwischen „gefärbten" Pharisäern, welche letztere mehr auf dem Markte als in dem „Zelte der Thora" lebten und die Frömmigkeit zum Deckmantel ihrer herrfchsüchtigen Gelüste machten. Diesem habe der Wahrruf des Evangeliums und der Moses-Apokalypse gegolten, diese haben den ehrlichen Namen der Pharisäer in Verruf gebracht und durch ihren Hochmuth die von ihnen verachtete Partei der Am-haarez der freisinnigen, von Alexandria ausgegangenen Strömung, aus welcher das Christenthum hervorgegangen, in die Arme gedrängt. Diese Claffe des „Landvolks" habe auch dem Christenthum die ersten Bekenner zugeführt. Das dritte Capitel: „Der Therapeutismus" richtet sich zunächst gegen die in neuerer Zeit — seit Grätz — aufgestellte und nachgerade als unumstößlich geltende Behauptung, daß es niemals jüdische Therapeuten gegeben, daß vielmehr die Philo zugeschriebene Schrift „De vita contemplativa“ *) Der volle Titel des soeben im Verlage von Alfred Hölder, f. u. k. Hof- und Universitäts-Buchhandlung. Wien, Rothenthurmstraße 18 erschienenen Buches lautet: „Zur Entstehungsgeschichte des cChristenthums". Ein Exenrs von der Septuaginta zum Evangelium, von M. Friedländer. erst im dritten christlichen Jahrhundert entstanden und daß darin lediglich das christliche Mönchthum verherrlicht werde. Diese Behauptung sucht unser Capitel an der Hand der echten Schriften Philo's und der ueutestamentlichen Quellen zu widerlegen, indem es zeigt, daß der Therapeutismus.- selbst wenn man von »De vita contemplativa“ vollständig absikht, sich aus den Werken Philo's -leicht aufbauen lasse, daß hingegen im dritten christlichen Jahrhundert mit Nichten der Boden für denselben vorhanden war. Gleichzeitig werden die von gegnerischer Seite für obige Behauptung in Anspruch genommenen Stutzen eingehend geprüft und erschüttert. Schließlich wird gezeigt, daß der Therapeutismus die äußerste Linke des jüdischen Alexandrinismus bildete, welche die letzten Consequenzeu der freisinnigen, allegorischen Auffaffung des mosaischen Gesetzes zog, um ein universalistisches, alle Welt anlockendes und von allen nationalen Banden losgelöstes Judenthum zu gewinnen. Das vierte Capitel: „Ter Essenismus", weist vor Allem auf die Zerfahrenheit hin, welche noch heute in der gelehrten Welt über den Essenismus herrscht, da man ihn um jeden Preis als eine einfache Steigerung des Pharisäismus auffaffeu möchte, wobei man sich auf -die Chassidäer, Morgentäufer:c. im Talmud beruft, während dieser von Essenern, wie sie Philo, Josephus und Plinius schildern, auch nicht die leiseste Kenntniß verräth. Dem gegenüber zeigt unser Berfasier, daß die Effener durch ihren Bruch mit dem Tempel, durch ihre Leugnung der Auferstehung der Leiber, ihren Widerwillen gegen die Ehe u. f. w. nicht nur im directen Widerspruch mit den Pharisäern gestanden, sondern sogar von denselben als Häretiker angesehen werden mußten, daß also vom Pharisäismus keinerlei Brücke zum Essenismus führen könne. Dagegen wird in diesem Capitel unter Herbeiziehung der düsbeziiglich vorhandenen Qutllen gezeigt, daß der Effenismus nichts anderes sei, als eine Verpflanzung des jüdischen Alexandrinismus auf palästinensischen Boden, wo er, von den Verhältnisien gedrängt, eine konservative nationale Färbung annehmen und, ebenfalls von den Verhältnissen gedrängt, seine in Alexandria und der übrigen Diaspora öffentlich gepredigten Lehren in ein Mysterium hüllen mußte. Weiters wird hier gezeigt, welch große Verbreitung die Lehren dieser „Secte" „von Gott, Tugend und Menschen" auf palästinensischem Boden erlangt und welch gewaltigen Einfluß schließlich der Täufer Johannes mit dieser dem Effenismus entlehnten dreifachen Devise: „der Liebe zu Gott, der Liebe zur Tugend und der Liebe zum Nebenmenschen" auf die Volksmassen ausüble. Endlich werden die von dem Urchriflenthum adoptirten Lehren und Gebräuche des Effenismus naher beleuchtet und schließlich das räthselhafte Eingreifen der allezeit friedlichen Effener in den römischen Krieg und das bald darauf erfolgte spurlose Verschwinden des Ordens erklärt. Das letzte Capitel: „Jerusalem und Alexandria" verbreitet sich über das Verhältniß der von dem jüdischen Alexandrinismus beherrschten Diaspora zu dem palästinensischen Judcnthnm. Es weist nach, wie früh zwischen Alexandria und Jerusalem ein Wetteifer um die Suprematie rege geworden, wie das alexandrinische Judenthum sich von Anbeginn aus gleichen Fuß mit dem palästinensischen zu stellen bestrebt war, wie es zu diesem Zwecke die göttliche Inspiration der Septuaginta in Anspruch nahm, den Tempel zu Leontopolis gründete, ein Synhedrion einsetzte rc. und welch mächtigen Einfluß es mit seiner gesetzesfreieren allegorischen Auslegung des Mosaismus auf die ganze jüdische Diaspora und auf die heidnische Welt ausübte. In diesem hellenistischen Judenthum wird bereits jene gefetzesfrere, ja sogar gesetzesfeindliche Richtung vorgefunden, die später das Christenthum in zwei feindliche Lager — in das des Judenchristenthums und des Heidenchristenthums — theilt. Es wird ferner nachgewiesen, wie es endlich unmittelbar vor der Entstehung des Christenthums zwischen der jüdischen Diaspora und den Vertretern des palästinensischen Judenthums zu offenen Auseinandersetzungen kommt, Auseinandersetzungen, welche zur Bildung der ersten christusgläubigen Gemeinde führen. Hierauf wird der selbst in den spärlich auf uns gekommenen Berichten über den Täufer und Jesus unverkennbar zu Tage tretende Hellenismus besprochen, die hellenistische Richtung der maßgebendsten Vertreter der christlichen Urgemeinde und endlich diejenige des gesetzesfeindlichen Heidenapostels beleuchtet, wobei die Unhaltbarkeit der bisher allgemein geltenden Anschauung, wonach Paulus ein pharisäischer Schriftgelehrter gewesen, dargethan wird; demgegenüber wird im Hinblick auf die eigenen Angaben des Apostels Paulus behauptet, daß er als I Sohn der Diaspora, geboren in Tarsus, dem Sitz griechischer

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