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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-13 · 15 (13.4.1894) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
15 (13.4.1894)
Date
1894-04-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 393 Vefterretchifche Wochenschrift Nr. 15 Und noch Eines. Wo unsere liebenswürdigen Gegner den Erfolg und das mühereiche Bestreben nicht mehr hinwegzunegiren im Stande sind, dort schieben sie wenigstens ein unreines Motiv unter: Eitelkeit und Vordringlichkeit, öfter jedoch die Sucht nach schnödem Geld- und Golderwerb. Der erste Auwurf verdient keine ernstliche Widerlegung. Ruhm will ja am Ende jeder Künstler, der Arier wie der Semite; für sich allein schaffen, ohne die Anerkennung der Menschheit mag gar Keiner. Säße Raphael auf einer wüsten Insel im atlantischen Ocean und hatte die Gewißheit, daß nach ihm keines Sterblichen Sohle sie berühren wird, er rührte keinen Pinsel an und wenn ihm die Engel vom Himmel eigenhändig die Farben rieben. Etwas Eitelkeit steckt in jedem Ehrgeiz, in jeder Ruhmbegier — dieses Gran vermenschlicht den Trieb, er wäre sonst zu groß, zu schön — und ihn gerade uns zum Vorwurf zu machen, zeigt von wenig Einsicht und noch weniger Gerechtigkeitssinn. Doch wir sind das nun einmal nicht anders gewohnt. Aber das mit der Geldgier ist ein anderes Ding und da muß festgestellt werden, daß gerade dem jüdischen Künstler seine Kunst eine herrliche, heilige, göttliche Sache ist, die er nie als schnöden Raubbau betreibt, sie entweihend, entwürdigend und erniedrigend. Arische Künstler vom Range eines Gabriel Max schämen sich hingegen gar nicht, neben ihrer großen Kunst einen traurigen, aber dafür nur um desto schwunghafteren Handel mit hypersentimentalen „Kitschköpfen" — beliebter Münchener Exportartikel, das Dutzend zu zwölf Stück — zu treiben oder wie Deftegger stark verdünntes heiliges Land Tirol auf Leinwänden aller Formate en gros zu verschleißen. An diesem Quark bleibt dann so ziemlich die Signatur des wellberühmten Namens das Beste, das Werthvollste, das Einzige, wasder betrogene Gimpel von Kunstfreund mit theuerem Gelde bezahlt. Von welchem jüdischen Künstler hat man derlei Treiben schon vernommen? Und wir gelten doch für geldlustig, für schacherfroh, für — jüdisch?! Jene weiland großen Meister büßen auch ihre Versündigung an der heiligen Majestät der Kunst mit dem Verluste ihrer besten Kraft. Sie malen rasch und schleuderisch, nur um Geld, viel Geld zu machen und können dann gar nicht mehr anders arbeiten, wenn das künstlerische Gewissen erwacht und sie Tüchtiges zu leisten wieder einmal das ehrliche Bedürfniß fühlen. Die geschmähten, verachteten Juden sind doch besser und Beispiele, wie die eöen] gestreiften, sucht man unter ihnen ganz vergeblich. Nun werde der Rundgang begonnen, um Umschau zu halten in den Sälen des Künstlerhauses in dem angedeuteten Sinne, Wir stoßen bei dieser abenteuerlichen, eigen gearteten Entdeckungsfahrt auf mancherlei Schwierigkeit. Wie sollen wir unseren Antheil erkennen? Wessen dürfen wir uns mit Berechtigung rühmen? Der Katalog verschweigt in wohlweislicher Vorsicht, was wir eben suchen. Mehr fehlte nicht und die Herren würden sich schönstens bedanken, wenn ihnen so eine vorlaute Notiz die besten Käufer — am Ende gar auch glaubensgenöffische — vertriebe. Es bleibt uns somit nichts übrig, als uns an die paar Leute zu halten, deren Geburtsschein man zufälligerweise kannte, und hier kurz anzudeuten, daß noch weit mehr von jüdischen Meistern Geschaffenes vorhanden sein muß in allen Abtheilungen des Hauses. Wir wollen jedoch davon nur für uns in Anspruch nehmen, was ohne allen Zweifeln uns rechtlich zugehört. Die Stärke der Ausstellung beruht auf dem Portrait und unter den vielen großen Meistern, welche alle Nationen der Erde auf den friedlichen Kampfplatz entsendet, steht Horov itz in der vordersten Reihe. Der große Hubert Herkomer prangt in der vielbewunderten englischen Abtheilung mit seinem berühmten, energischen Archibald Forbes, ganz Muskel und Sehne — die Therese Schwartze stellt bei den Holländern ihr den Ufficien in Florenz gehöriges Selbstporträt aus, eine Leistung ersten Ranges — Bonnat, Pochwalski, Angeli, Stauffer sind da— aber Horovitz zeigt sich ihnen ebenbürtig. Sein Porträt der alten Dame, aus sachten, grauen, feinen Tönen aufgebaut, weist eine zarte, innige, intime Kunst der feinfühligsten Charakteristik. Alle technische Schwierigkeit liegt weit hinter diesem Meister. Er kämpft nicht mehr, er begnügt sich damit, zu siegen. Das andere kühnere Bild von Horovitz will uns weniger behagen. Es scheint uns nicht in dem Maße selbstständig empfunden wie das erste. Ein Horovitz braucht nicht auf Bonnat'schen Spuren zu wandeln und dessen grelle Beleuchtungskünste zu versuchen. Er hat das gar nicht nöthig. Er ist selber Einer und ein Großer. Es liegt etwas van Dyck'sches in seiner Auffassung, in der mühelosen Eleganz seiner Durchführung. Josef Israels dominirt in d?r holländischen Abteilung mit einem großen, düsteren, unverstandenen und mißverstandenen Bilde als führender Meister. Nebel und Wasserdünste lagern über breiten feuchtschweren Kolh- und Moraststächen, in denen ein alter Karren seine Wegfurchen zieht. Ein räudiger Köter ist davor gespannt und ein uraltes Weiblein stößt ihn vorwärts vov der Seite her. Sie humpelt mit durch Dunst und Dampf. Sie ist nicht gerade verführerisch zu nennen die Alte, gebrechlich wie ihr Karren und schmutzig wie ihr Hund. Alber sie gehören zusammen, die Hexe, das Gefährt und der Vierfüßler und der Nebel... Den Max Liebermanninderdeutschen Abtheilung haben sie leider ein wenig gar zu todt gehängt mit seiner „Frau mit zwei Ziegen". Das Bild gehört der Münchener Pinakothek. Es ist aber auch an „höchster Stelle" nicht ganz umzubringen und wirkt von oben herunter wie ein erftischender und belebender Windhauch. Eine neue Zeit bricht an in der Kunst und Liebermann ist einer ihrer unerschrockensten Vorkämpfer. Erst verlacht und verspottet, scheint doch nunmehr das Verständniß für seine Arbeiten heraufzudämmern. „Kommen die die Leute endlich doch darauf, daß es ernsthafte Malerei ist, die ich treibe", "schrieb der große Millet einmal, dem es gar nicht viel besser ergangen seinerzeit. Millet hat den Bauer als Erster ernsthaft genommen, nicht mit überlegener Städte-Jronie betrachtet. UnserJsidor Kau fmann hat es mit dem polnischen Juden ähnlich versucht. Er malt ihn als Menschen, nicht als willkommene Zielscheibe wohlfeiler, antisemitisch angehauchter Scherzhastigkeit.Diesmal ist er seinem gewöhnlichen Thema untreu geworden, und hat ein schwarzhaariges, dunkeläugiges Mägdlein in ein sorgfältig durchgepinseltes Interieur hineingesetzt. Fein und zart dringt er ins Detail vor — aber der eigentliche Fein- und Kleinmaler pur exeelltznos ist doch in der deutschen Abtheilung unten zu suchen und zu finden, wo er mit zwei Bildern vertreten ist. Er heißt W. Loewith. Von Meiffonier hat erwähl Manches gelernt und ist doch gesund und original dabei geblieben. „Vor der Audienz" und „Nach dem Ritt" bieten Feinschmeckenden in' der Kunst einen exquisiten Genuß. Auf kleinstem Raum läßt sich schwerlich noch Vollendeteres bieten. Im Gegensätze zu seinem Mitstrebenden im gleichen Fache, Simon Buchbinder, — diesmal nicht vertreten — wird Loewith niemals porzellanig im Gesammtton, niemals violett und schwärzlich im Fleisch. Strich hat er immer. Wir hätten wohl noch manches Schöne von Stutezki, noch Schöneres von Simon Glücklich — der mit einem stimmungsvollen, ergreifenden Bilde da ist — zu erzählen und sollten füglich Carl Z e w y unser Compliment machen. Auch dürften wir discret fragen, ob die famosen Pastelle von M. Koner nicht auch auf unser Conto zu buchen wären und dann bei dm Bildhauern noch ein wenig Umschau halten. Doch die Zeit drängt, dies Blatt ist kein Fachblatt und wir fürchten nichts so sehr als die Ungeduld der steser. Deshalb möchten wir ihnen am Schluffe lieber mit einem kleinen, aber dafür buchstäblich wahren und äußerst moralischen Geschichtchen aus hiesigen Künstlerkreisen aufwarten. Hat da ein Judenpärchen einen Sohn; und der Sohn zeigt starkes Talent zum Maler. Was liegt näher, als ihn auf die Akademie zu senden, und was ferner, als — den Jungen gleich in einem Weg taufen

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