Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 14 (6.4.1894)
- Date
- 1894-04-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 283 Vrsterreichifche Wochrnphrifl Nr. 14 ehrten Rabbi seine Glückwünsche zum neuen Jahre persönlich und sofort am ersten Abend darzubringen. Das große Kaufhaus N. Israel war am Sabbath streng geschlossen, was sicherlich auch nach dem Tode des Leiters so bleiben wird. Mit ganz besonderer Hingebung widmete er, neben anderen Instituten und Vereinen (wie z. B. der „Fränkel'schen Aussteuer-Stiftung", der „Liebermann-Schlesinger'schen Krankenunterstützungs-Stiftung" rc.) seine gereifte Einsicht und materielle Förderung den „Baruch Auerbach'schen Waisen- und Erziehungs-Anstalten", deren Schatzmeister er ein Menschenalter hindurch gewesen. Kein Wunder, daß der 10. März 1885, an welchem der allverehrte Mann das 50jährige Jubiläum seiner kaufmännischen Thätigkeit beging, sich zu einem wahrhaften Festtage weitester Kreise gestaltete. Ein Jahr darauf wurde ihm von Sr. Majestät dem Könige der Titel eines Commercienraths, bereits früher der königl. Kronenorden verliehen. Die edle Gattin und die Kinder, die den seltenen Mann und treuen Vater, den edlen Charakter, den überzeugungstreuen Juden betrauern, mögen darin Trost finden, daß mit ihnen Hunderte und Tausende diesen schmerzlichen Verlust tief empfinden, worunter auch der Schreiber dieser Zeilen. Der Name Jakob Israel wird nickt vergeffen werden. Berlin. Dem Geh. Sanitätsrath Dr. Moritz Neißer in Breslau und Badearzt von Charlottenbrunn, welcher vor fünfzig Jahren in Berlin promovirte, hat die hiesige Facultät unter Glückwünschen das Doctor-Diplom bouoris causa erneuert. tamrover, 29. März. Bei der heute stattgehabten Wahl orstandsmitgliedes an Stelle des verstorbenen Herrn Geheimen Commercienrathes Louis Ephraim Meyer entfielen von den abgegebenen 434 Stimmen 300 Stimmen auf dessen Sohn Herrn Emil Louis Meyer. Pose», im März. Die hiesigen Gemeindebehörden haben zu der am 6. d. M. in Hannover stattgefundenen Bermählungsfeier des Herrn Moriz Rohr, der die bedeutende Summe von Mk. 600.000 zur Errichtung eines Kranken- und Siechenhauses in hiesiger Gemeinde gespendet, eine kunstvoll hergestellte Glückwunschadreffe in prächtiger Enveloppe gewidmet, die durch einen Delegirten, Herrn Israel Friedländer, überreicht worden ist. Auch die Gemeinde Jarotschin, welche Herrn Rohr ebenfalls eine Stiftung von Mk. 200.000 zur Förderung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden verdankt, hat eine ähnliche Glückwunschadresse abgesandt. Mailand. Die neueste Oper des bekannten Componisten Alberto Franchetti, Hör ä' Alpe (Alpenblume) wurde im Scala- Theater mit großem Erfolg aufgeführt. Paris. In einer Sitzung, welcher der Grand-Rabbi von Frankreich Zadok Kahn präsidirte, wurde eine Subscription zu Gunsten der russischen Juden eröffnt t. Unter den Zeichnern befand sich auch M. S. H. Goldschmidt, Präsident der Allianz, mit einem Betrage von 25.000 fl. Paris. Der Generalprocurator von Bordeaux, M. Alphandery wurde zum Mitgliede des Caffationshofes in Paris ernannt. Vor zwei Jahren war ein Israelit Senatspräsident des obersten Gerichtshofes; es war dies M. Debarride, welcher sich wegen hohen Alters ins Privatleben znrückzog. Algier. Jene merkwürdige Blüthe des Antisemitismus, welche sich Marquis Mores nennt, hat endlich eingesehen, daß Frankreich nicht das paffende Terrain für seine Bemühungen ist und versucht sich nunmehr in Algier, allerdings mit gleichem Mißerfolg. Er predigt hier den Antisemitismus und verlangt, es solle das Edict Cremieux widerrufen werden, welches den Juden in Algier die politischen Rechte französischer Bürger gewährt. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetznngr- 53) rechte Vorbehalten.) (Schluß.) Die beiden Schwäger, Rafael Fränkl und Perez Markbreiter, lebten in glücklicher, gottgesegneter Ehe und wurden von ihren Gattinnen mit körperlich und geistig reich begabten Kindern beschenkt. Die beiden Familien haben sich bis in die Gegenwart erhalten. Die Nachkommen Fränkls oder wenigstens ein Theil derselben hat diesen Namen in Frankl umgeändert und es gab und gibt noch viele Männer, welche diesen Namen mit hohen Ehren tragen und trugen. Was die anderen Hauptpersonen unserer Erzählung betrifft, gehören die meisten derselben der Weltgeschichte an. Kaiser Karl VI. starb 1740 in seinem fünfundfünfzigsten Lebensjahre in der Hoffnung, durch die pragmatische Sanction das Ziel seines ganzen Lebens erreicht, seinem einzigen Kinde, seiner Tochter Maria Theresia, die Erbfolge gesichert zu haben, allein dieselbe wurde nach seinem Tode vielfach üngefochten und die Kaiserin Maria Theresia hatte lange und schwere Kämpfe zu bestehen, um ihr Vatererbe zu vertheidigen. Die Erzherzogin Maria Josefa lebte mit ihrem Gemale August den dritten, der 1733 zum König von Polen gewählt wurde, in glücklichster Ehe und beschenkte ihn mit fünfzehn Kindern. Trotzdem ihr Gemal vor seiner Vermählung in einer Renunciationsurkunde allen Ansprüchen auf die österreichischen Erblande entsagt hatte, erhob er dennoch 1741 Ansprüche auf dieselben, allein die ebenso edle und tugendhafte, als kluge und energische Maria Josefa gönnte ihrer Cousine Maria Theresia neidlos die Kaiserkrone und überredete ihren Gatten nicht nur, schon im Jahre 1742 allen Ansprüchen zu entsagen, sondern veranlaßte ihn 1744 und 1756 zu einem Bündnisse mit Oesterreich. Die allverehrte Fürstin starb vielbetrauert in ihrem achtundfünfzigsten Lebensjahre 1757 in Dresden. Markgraf Friedrich Wilhelm von Ansbach starb 1723. Die Geschichte stellt ihm ein wohlverdientes, schlechtes Zeugniß aus, ihr Urtheil lautet: Er war kein guter Regent, die Stände des Landes wurden ganz bei Seite geschoben, Hofbacchanalien wechselten mit großen Jagden, überall herrschte rohe Willkür. Prinz Eugen von Savoyen hatte zur Zeit, m welcher unsere Erzählung abschließt, den h ö ch st e n Punkt seiner ruhmreichen Bahn erreicht. Hatten ihm die beispiellosen Erfolge, die er im letzten Türkenkriege errungen, die höchste Anerkennung der staunenden Mitwelt gewonnen, so hatten die Resultate der gegen den Abbate Tedeschi und dem Grafen Nimptsch mit aller Energie geführten Untersuchung von Neuem seine unverbrüchliche Treue an den Kaiser und die Nichtswürdigkeit seiner Feinde und Verleumder bewiesen. Nachdem die vom Kaiser ad hoc eingesetzte Commission sich viele Monate lang eingehend mit dieser Angelegenheit beschäftigt hatte, erklärte sie in einem Jntimate vom 21. November 1719 Giovanni Prosper Tedeschi habe sich folgender Delicte schuldig gemacht: Er habe sich betrügerischer Weise für einen Grafen des heiligen römischen Reiches und mittelst eines gefälschten Diplomes als Reichshofrath ausgegeben er habe an einefremde Regierung die beleidigendsten Dinge über den Wiener Hof und das kaiserliche Ministerium geschrieben, die Minister, namentlich dem ersten Minister, dem Herren Generalissimus und Hofkriegsrathpräsidenten, Seiner Durchlaucht dem Herrn Prinzen von Savoyen lügenhafte, von ihm — Tedeschi — selbst erfundene Reden in den Mund gelegt und durch Falsificate seine verleumderischen Berichte glauben zu machen versucht — alles das, um seine Majestät den Kaiser irre zu führen, den Prinzen von Savoyen zu stürzen und für sich eine beträchtliche Geldsumme zu erwerben. Am 7. December erfloß das Urtheil: Tedeschi solle Anderen zur Abschreckung und ihm selbst, zur gerechten Strafe auf dem neuen Markte durch zwei Stunden an den Pranger gestellt, dann mit dreißig Ruthenstreichen von der Hand des Henkers ausgepeitscht 'und hierauf aus allen Staaten des Kaisers für ewig verbannt werden. Dieses Urtheil wurde auch am 12. December 1719 unnachsichtlich vollzogen. Das Urtheil des Grafen Nimptsch lautete: Er werde seiner Stellen eines kaiserlichen Kämmerers und Hofrathes entsetzt, zu zweijähriger Festungsstrafe und zu ewiger Verbannung von Wien und allen Orten, an welchen sich das kaiserliche Hoflager eben befindet, ver' urtheilt.