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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-06 · 14 (6.4.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
14 (6.4.1894)
Date
1894-04-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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«feetic 278 Vrsterrrtchiphr WochrnschrM M. 14 mögen den Prämiirten als edler Ansporn dienen, rüstig auf dem betretenen Pfade vorwärts zu schreiten. Je steiler er ist, desto rascher führt er nach oben. Unseren großen und kleinen israelitischen Männern aber möchten wir dringend anempfehlen, dem trefflichen Stillleben von D. Kohn gefälligst eine eingehendere Betrachtung und Beachtung als bisher zu widmen. Sie verdienen selbe vollauf und sind den ersten dieser Gattung, denen von Schödl, C. Friedländer stets ebenbürtig, oft überlegen. Im Auslande schätzt man sie, hier aber stutzt man noch immer, wenn „David Kohn" unter so einem fein gestimmten, zart durchgeführten Bildchen steht. Und wenn sie erst wüßten, daß dieser David Kohn noch obendrein ein frommer Jude ist, der Samstag keine Schule hält und keinen Pinsel anrührt?! Vermuthlich warten sie, bis er gestorben sein wird. Er hat aber vorläufig noch sehr wenig Lust den Anbruch seines Ruhmes zu beschleunigen. In der Kunsthandlung Hirschler am Graben sind gegenwärtig einige gute Sachen von seiner Hand zu sehen, und, wie wir glauben, auch zu verkaufen. Ja, wenn er nur nicht „Kohn" hieße, oder seinen Namen ändern wollte und den „David" dazu ablegen, dann ließe es sich schon machen. Aber er will nicht. Es ist ihm nicht eher zu helfen. A. Baden, 2. April. Samstag den 31. März l. I. weilte ich als Gast in meiner Vaterstadt Krakau, wo am selben Tage die hundertjährige Feier des polnischen Nationalhelden Koszciuszko in solenner Weise begangen wurde. Bei diesem Nationalfeste aber spielten die kleinen Epigonen dieses edlen Polenhelden den Krakauer Juden gegenüber eine sehr betrübende, den Ideen des Gefeierten schnurstracks entgegen wirkende Rolle, und da ich Augenzeuge einiger solcher turbulenten Scenen war, will ich mir erlauben, wahrheitsgetreu über dieselben zu berichten. Zum besseren Verständniß des Folgenden jedoch muß vorbemerkt werden, daß in Krakau nebst allen Tages- und Wochenblättern, welche sämmtlich versteckt und offen in Antisemitismus machen, zum Ueberfluß auch ein „Tagesblatt" »Slosnaroäu« mit dem wohlklingenden Motto „Kaust nur bei Christen" erscheint, dessen biederer Macher es sich sehr angelegen sein läßt, bei jeder paffenden und unpassenden Gelegenheit, den verständnißinnigen Mob, mit und ohne Jntelligenzanstrich, gegen die Juden zu haranguiren, um so ihre Erinnerung an Jerusalem stets wach zu erhalten. Zur Vorfeier des wirklich edeldenkenden Koszciuszko wurden schon Freitag Abends von seinen muthigen Nachkommen einige harmlos dahinwandelnden jüdischen Jungen grün und blau geschlagen, damit ihre Male und Beulen den Feinden Polens ein warnendes Beispiel sein und Furcht und Schrecken einjagen sollen. Des andern Tages gegen 11 Uhr Vormittags bewegte sich ein prächtiger Zug, von aus Nah und Fern kommenden Gesellschaftsclaffen gebildet, bei denen die Bauern, für deren Befreiung der Gefeierte mit hervorragendem Edelmuthe gekämpft hatte, sich besonders hervorthaten, gegen den Stadtring, wo das Heldenbild, die Hand zum Treuschwur gegen den Himmel erhoben, enthüllt werden sollte. In der hiebei gehaltenen Ansprache hob der Redner des Helden hohe Menschenliebe hervor, daß er für alle Bedrückten, wessen Standes und weffen Glaubens sie auch sein mochten, nur ein Herz und einen Sinn hatte und ermahnte dessen Nachkommen zum gleichen Wandel und zu gleicher That. Beim Rückzuge bewiesen die edlen Polen, daß sie der Rede Sinn tief erfaßt haben und schlugen mehrere Bürger, natürlich mosaischer Confession, mit solcher Wucht, daß einer blutüberströmt und halb erschlagen vom Platze weggetragen wurde. Des Nachts war große Illumination, wobei die jüdischen Bürger den christlichen in nichts nachstanden und eine frohgestimmte Menge durchströmte die Straßen. Auch ich befand mich unter derselben und erfreute mich des prächtigen Anblickes. Doch plötzlich, welch ein Gejohle, welch ein Geheul. Mit dem wilden Schlachtrufe „Hurra na Zydzie“ ergoß sich wie eine losgelassene Meute ein tausend- und tausendköpfiges Gesindel über den Stadtring und durch alle Gaffen, und aus tausend und Tausenden Händen flogen schwere Steine nach rechts und links in die Fenster, wo jüdische Firmatafeln zu lesen waren, wobei so manches Haupt schwer verletzt wurde. Bon diesem Höllengesindel geschreckt, flüchteten sich die Passanten in die Häuser, welche sie verrammelten. In der Hausflur, wo ich Zuflucht suchte, machte ein Pole die Bemerkung, daß das Volk deshalb so aufgeregt sei, weil die Häuser des Grafen Potocki vis-ä-vis dem errichteten Koszciuszko-Monumente nicht beleuchtet waren und weil der Cardinal Dunajewski nach Rom fuhr und der Reichsraths-Abgeordnete Rutkowski aus der Stadt sich entfernte, um an der Feier sich nicht betheiligen zu müssen. Armes Judenthum, wie oft sind schon die Steine, die anderswohin gezielt waren, an deinen Kopf geflogen. Die Straßen, durch welche ich Sonntag Früh zum Bahnhofe fuhr, zeigten mit ihren arg zerschossenen Fensterscheiben das Bild einer fanatischen Verwüstung und ich dachte vergeblich nach, wie solches Teufelswerk mit den hohen Ideen des edelgesinnten Koszciuszko zu vereinbaren wäre. I. Jnfeld. Prag, 26. März. Gestern fand die Generalversammlung der Mitglieder der Neusynagoge statt. Der Vorsitzende, Obmann-Stellvertreter Herr Dr. Mc>x L öb l, gedachte in seiner Eröffnungsrede mit warmen Worten des im Verlaufe des Jahres verstorbenen Obmannes Herrn Heinrich Frank und des Obmann-Stellvertreters Herrn Josef Pick, deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte. Unter dem Einlaufe, der zur Verlesung gelangte, fand die herzliche Danksagung Sr. Ehrwürden des Oberrabbiner-Stellvertreters Herrn Dr. Moriz Tauber, anläßlich der vom Vorstände arrangirten Feier seines 25jährigen Jubiläums allgemeinen Anklang. Nachdem dem bisherigen Vorstande für sein Wirken der Dank der Versammlung votirt wurde, beschloß die Versammlung, die Zahl der Vorstandsmitglieder zu vermehren, nachdem durch die bevorstehende Assanirung der Prager Josefstadt der Bau einer neuen Synagoge actuell geworden ist, und wurve gewählt als Obmann Herr Adolf Weiß, in den Vorstand die Herren: Efraim Löbl, Wilhelm Heller, Jacob Anscherlick, Ignatz Hock, JUDr. Maxmilian Löbl, JUDr. Heinrich Rosenbaum, Adolf Kronberger, S. I. Kraus, A. B. Meller, Emanuel Rosenbaum, Michael Klemperer, Edmund Bondy, Edmund Löwy, Professor Gustav Rothbaum; als Rechnungsrevisoren die Herren: D. Löbl, Jacob Steinberg. Dem neuen Vorstande wurde von der Generalversammlung die Vollmacht ertheilt, mit den Vorständen dev Hofschule, Hochschule und Zigeunerschule, welche auch durch die Assanirung der Josefstadt zum Umbau der betreffenden Synagogen gezwungen sind, zu unterhandeln, um den. Bau eines großen gemeinsamen Gotteshauses zu ermöglichen. Wie wir erfahren, soll schon Aussicht sein, ein Grundstück im Centrum der Stadt zu acquiriren, wo ein der Prager Judenschaft würdiger Monumentalbau errichtet werden soll. Verwunderung erregt es, warum der Bau dieser gemeinsamen Synagoge nicht wieder in der Judenstadt geplant wird. Ein Blick auf den Situationsplan Prags genügt, um zu ersehen, daß die Prager Josefstadt gerade im Centrum Prags liegt. Wenn die alten Synagogen durch Jahrhunderte im Ghetto liegen konnten, warum sie verlegen, wenn ringsum Monumentalbauten erstehen werden? Warum soll der altehrwürdige Friedhof nicht auch weiterhin von Synagogen umgeben sein? Lemberg im März 1894. Unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiners Dr. Caro fand am 26. d. M. in der Kanzlei des Cultusvorstandes eine Conferenz der israelitischen Religionslehrer an den hiesigen Mittelschulen statt. An derselben nahmen auch die Herren Professor Dr. Herzel aus Brody, M. Weißberg aus Stanislau und als Delegirte des Cultusvorstandes die Herren Dr. Schaff und D. Rappaport Theil. Es handelte sich darum, gewisse Principien für die vom hohen k. k. Landesschulrath einzuberufende Enquetecommission festzustellen. Nachvierstündiger Berathung, die mit sehr anregenden Debatten ausgefüllt war, gelang, es ein Einverständniß über die Grundsätze für die zu entwerfenden Lehrpläne herzustellen. Es wurde eine engere Commission gewählt, welche Herrn Dr. Caro in der Erfüllung des vom hohen Landesschulrathe ihm ertheilten Auftrages, Lehrpläne für den israelitischen Religionsunterricht an allen öffentlichen Schulen des Landes vorzulegen, kräftig unterstützen solle. Besondere Förderung dieses von unserem Herrn Rabbiner mit Energie und Aufopferung betriebenen Werkes verspricht man sichln Lehrerkreisen von der Listigen Mitarbeit des Herrn Professor Dr. Herzel, israelitischen Religionslehrers am k. k. Gymnasium in Brody, der sein reiches Wissen und seine langjährigen Erfahrungen in den Dienst dieser heiligen Aufgabe gestellt hat. Bereits am 15. d. M. feierte die hiesige jüdische Jugend den hundertjährigen Geburtstag des Dr. Leopold Zunz durcheinen solennen Gottesdienst im Tempel. In der von dem zahlreichen Publicum höchst beifällig aufgenommenen Festrede, besprach Herr Rabbiner Dr. Caro die geistige Verwandtschaft:

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