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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-06 · 14 (6.4.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
14 (6.4.1894)
Date
1894-04-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Str. 14 VeyrrrrirtztsÄre MoSrenschrip Sette 275 es der Jude Disraeli, in Frankreich der Jude Cremieux, in Italien der Jude Mazzini, in Ungarn der Jude Kossuth und in Deutschland der Jude Marx, welche die Revolution durchführen sollten. Ueber den Ton dieser Notiz ein Wort zu verlieren, lohnt sich nicht. Es ist eben antisemitischer Ton. In diesen 10 Zeilen stehen folgende Lügen: 1. Ludwig (Läjos) Kossuth stammt aus einer adeligen slovakischen Familie und war evangelischer Confession. 2. Die Alliance Jsraelite existirte 1830 noch nicht, denn sie ist erst 1860 gegründet worden. 3. Mazzini ist Katholik. 4. Dem sogenannten Comitato enropeo, das von London aus die Gründung einer europäischen Republik bezweckte, gehörten nicht die obengenannten fünf Politiker an, sondern der evangelische Christ Kossuth, der Katholik Mazzini, die Christen Ledru-Rollin und Arnold Rüge. 5. Im Jahre 1830 war Kossuth Fiscal der Gräfin Szapary und nicht politisch thätig. Der antisemitische Abgeordnete des deutschen Neichstages, Liebermanu von Sonnenberg. Anläßlich einer am 21. März in Wiesbaden stattgesundenen antisemitischen Volksversammlung, in welcher Liebermann von Sonnenberg seine abgestandene Waare gegen 20 Pfennig Kopfsteuer an den Mann brachte, veröffentlichte ein Blatt eine zeitgemäße Reminiscenz in folgender „Einladung: Diejenigen hiesigen Geschäftsleute, welche vor etwa 25 Jahren an dem damals hier wohnhaften Herrn Hauptmann Liebermann von Sonnenberg ihr schweres Geld verloren haben, wobei von ihm damals zwischen Urgermanen und Semiten gar kein Unterschied gemacht wurde — und bei welcher Gelegenheit der Verein zum Schutze gegen schädliches Creditgeben gegründet wurde — wollen sich heute Abend im Römersaale einfinden. Vielleicht wird sich daselbst Gelegenheit finden, die alte Angelegenheit zu ordnen. Ein damals hart Betroffener." Liebermann von Sonnenberg hat zwar in der Versammlung versucht, die Anschuldigung ins Lächerliche zu ziehen, mit der „Begründung", daß er vor fünfundzwanzig Jahren gar nicht in Wiesbaden gewesen sei. Das hat seine Richtigkeit, aber der Redner hätte als grundehrlicher „Teutscher" nicht verschweigen dürfen, daß er vor dreiundzwanzig Jahren in Wiesbaden war, eine Zeitdifferenz, die an der Thatsache der Zahlungsdifferenz wohl kaum etwas ändern dürfte. Nichtjüdische Capitalisten Daß außer den Juden in Oesterreich auch noch andere Leute der Anhäufung des Capitols fröhnen, beweist folgende Statistik, welche dem „Oesterreichischen statistischen Handbuche von 1882" entnommen ist. Nach den Erhebungen im Jahre 1880^besaßen die Mönchsorden in Oester- Millionen Gulden ö. W. in Niederösterreich über . . . 27 „ Oberösfirreich fast . . 8 Salzburg fast . . . . . 3 Steiermark fast . . . - 3V2 Kärnten fast ... 2 „ Tirol fast .... . . 4 Böhmen fast . . . ■ - 131/, Mähren über . . . . . 13 Schlesien über . . . 3‘At „ Galizien über . . . . . 10 Oesterreich betrug in beständiger Steigerung: 1865 . 75,374.595 Gulden. 1870 . 81,675.263 1875 . 85,077.263 1880 . 87.971.687 Wie hoch das Vermögen der Mönchsorden in Oesterreich heute ist, ist uns unbekannt, da in diesen großcapitalistischen Winkel von den Sociologen vom Schlage Scheicher's und Bauchinger's grundsätzlich nie hineingeleuchtet wird. Hirten von Kleinvieh. Die „Jüdische Presse" enthält folgende Zuschrift: Berlin, 23. März. Sehr geehrter Herr Redacteur! In deutschen Übersetzungen des Talmud, beziehungsweise den Schriften, die ich über den Talmud gelesen habe und die Aus züge aus ihm enthalten, ist mir ausgefallen, mit welcher Härte über die Hirten von Kleinvieh geurtheilt wird. Leider bin ich der hebräischen Sprache nicht mächtig genug, und ich konnte deshalb auch nicht in den Quellen den Ursachen dieser Antipathie nachforschen, die in schroffen Widerspruch zu den „Gleichheits" -Ideen des Talmuds steht. Durch einen Zufall fand ich die Lösung des Räthsels. Ein Bericht über Klein - Asien, den ich vor einigen Tagen las, führt als Hindernisse neuer Colonisation — neben den Mängeln der Verwaltung, den Einfällen der Tscherkessen rc. — auch die Schädigungen an, welche durch die Hirten von Kleinvieh verursacht würden. Die Grenzen der verschiedenen Ländereien seien nicht genau bestimmt, diese auch nicht umfriedet, so daß die wandernden Hirten ihr Vieh über, die Ländereien trieben. In dem Haß gegen die Hirten von Kleinvieh drückt sich daher die Abneigung des Bauern gegen nomadisirende Horden aus, die ihn um den Ertrag seiner Arbeit bringen — nebenbei ein Beweis mehr für den bäuerlichen Charakter des jüdischen Gemeinwesens. Wahrscheinlich ist ein derartiges nomadisirendes Leben nur mit Kleinvieh auf einer höheren Culturstufe möglich, zum Beispiel dürfte die Gewinnung von Milch und Butter im Vergleich zur Gewinnung von Schafwolle mehr stationäre Verhältnisse voraussetzen. Daher erstreckt sich die Proscription nur auf die Hirten von Kleinvieh. Wahrscheinlich ist dieser Erklärungsgrund Fachkennern des jüdischen Schriftthums geläufig, und Sie würden mich durch eine bezügliche Notiz in Ihrem Blatte zu Dank verpflichten.*) Jedenfalls schien es mir erwähnenswerth, daß die wirthschaftlichen Verhältnisse, die vor zweitausend Jahren zur Proscription der Hirten von Kleinvieh geführt haben, noch jetzt unverändert bestehen. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Heinrich Mayer Cohn. Bei polnischen Juden. Von L. Riesenseld, Oberlehrer. „Das Volk der alten C'gypter wurde in Kasten getheilt" -— docirte ein Professor der Geschichte — „die verachtetste war die Kaste der Hirten und auf der tiefsten Stufe der Verachtung waren die Schweinehirten. Niemand durfte aus der Kaste, in der er geboren worden, austreten. Fühlte also der Schweinehirt in sich ein eminentes Talent zum Ninderhirten, er konnte seinem innern Drange nicht folgen, er mußte unter Borsten sein Dasein verbringen. Daß wir Juden trotz Gesetz und Recht heute am Ende des 19. Jahrhunderts die Stellung der Hirtenkaste haben, wer wollte dies in Abrede stellen? Und daß „der polnische Jude" selbst unter seinen Glaubensbrüdern sich fremd fühlt, ist ebenfalls Thatsache. „Polnische Juden!" Ein Lächeln erscheint im Gesichte; Kaftan, Schmachtlocken :c. trennen, einem Walle gleich, den deutschen, böhmischen und ungarischen Juden vom polnischen. Betritt man die Leopoldgasse im 2. Wiener Bezirke, so fällt ein herrlicher Neubau mit Kuppel. Gesetzestafeln und hebräischer Aufschrift sofort in die Augen. Der Tempel der polnischen Juden! Die Neugierde führt uns ins Gotteshaus. Der Gottesdienst hat soeben begonnen. In neuen harmonischen Formen und Farben die alte Synagoge mit dem bescheidenen, niedrig gestellten Platz für den Vorbeter und dem in die Mitte des Tempels gerückten, erhöhten Orr — den Almemor — zur Verkündigung der Thora. Die Demuth des Betenden ist neben der Hoheit der Thora zlim Ausdruck gebracht. Der Vorbeter stimmt eben eine Hymne an, lautlose Stille tritt ein. Mit seinem herrlichen Organe schmeichelt sich der Sänger in unser Herz, reißt uns mit sich fort und läßt uns den Gesichtsausdruck aller Anwesenden verstehen. In diesem Momente sind wir unter lauter glücklichen Menschen. Vergessen ist die Mühe der Woche, vergessen die Plage des *) Wie der verehrte Herr Einsender richtig voraussetzt, wird derselbe Grund im jüdischen Schriftthum angeführt, so z. B. von Raschi zu Talmud Baba Kama 79 b: mmn nK Vw nnn» nHtM Npli. d. h. „er (der Hirt von Kleinvieh) weidet auf fremden Feldern und beraubt das Volk." Augenscheinlich war die Zucht von Kleinvieh nur auf diese Weise möglich, und deshalb war (vgl. Baba Kama l. l.) es strengstens verboten, in Palästina Kleinvieh großzuziehen, das "IlQ d. h. „bewaffnete Räuber" genannt wird.

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