Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 14 (6.4.1894)
- Date
- 1894-04-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 274 Drstrrvetchiphr Wochrnschrifl Nr. 14 Handlungen zwischen den Marranen und Cromwell. Unglücklicher Weise ist auch hier wie in der Eintragung von Burton's Diarium nicht der genaue Tag im Februar angegeben, also ein Grund mehr, den 4. Februar gelten zu lassen. („Jewish Chronicle".) Von der Woche. Die Berjuduug im Leder- und Producten-Geschäfte Felle und Naturprodukte im Allgemeinen dürften wohl unbestritten als diejenigen Gegenstände gelten, welche die ersten Handelsobjecte bildeten bei allen Völkern und Nationen aus dem ganzen Erdenrunde. Finden wir derart, daß der derzeit vielgeschmähte „Handel" zu den Uranfängen des menschlichen Verkehres zählte und in mehr oder minder beschränktem Umfange von „Jedermann" ausgeübt wurde, so ist es zweifellos, daß die animalischen Producte in urdenklichen Zeiten zu den nahezu ausschließlichen Verkehrsobjecten zählten. Befähigungsnachweis war wohl nicht erforderlich, ebenso nicht ein „Monopol". Es gehört daher die größteArroganzantisemitischerseitsdazu,von„Verjudung im Lederu nd Prod uc t eng esch ä f t e" zu faseln. Das „Deutsche Volksblatt" beginnt damit: „Bekanntlich ist das Geschäft in Lederhäuten, Fellen und den einschlägigen Producten total verjudet und ist speciell der Großhandel ganz in den Händen jüdischer Firmen. Es ist da gar nicht zu wundern, daß das reelle Geschäft unter der auch hier geübten Tarnopoler, in diesem Falle mit Bezug auf Landsmannschaft, bester gesagt Nikolsburger Moral leidet." Dies Alles ist Lüge und zeigt von Unkenntniß in den einschlägigen Verhältnisten. Thatsache ist vielmehr, daß in Oesterreich bei der Gerberei 90, beim Fellhandel 75 und beim Lederhandel 70 Percent Arier vorhanden sind. Ueberall fällt den Letzteren der Löwenantheil zu. Unter. ganz gleichen Verhältnissen wird, einem uralten eingewurzelten Vorurtheile gemäß, stets dem Arier der Vorzug gegeben. Gerhardus erzielt bessere Preise als Spiegler für das gleiche Product, ebenso Hassek L Hofmann wie z.B. Gewits ch. Nicht um deren unbestrittenes Renomme anzutasten, sondern um die Thatsache festzustellen, sei constatirt, daß in der Lederbranche arische Firmen wie Gerhardus, Gerlach, Sueß, Goebel, Helm, Kratzer, Lips ch e r u. s. w. dominiren. Noch blöder ist, was das „Deutsche Volksblatt" über den Export- resp. Jmporthandel in Fellen aus dem Oriente schreibt. Dieser wird, vorzüglich von Griechen betrieben. Die bekannte, auf dem Wiener Platze etablirte Firma D u m b a — griechischen Ursprungs — ist die bedeutendste der Branche und vermittelt den größten Theil des orientalischen Fellzwischenhandels. Dieser Firma zunächst steht das Haus Oeconomo, während die Juden eine ganz untergeordnete Rolle einnehmen. Wenn sich, wie das „Deutsche Volksblatt" behauptet, die deutschen Fellhändler anschicken, die österreichischen Orientimporteure zu umgehen und den Bedarf direct an Ort und Stelle zu besorgen, so ist dies auf ganz andere Ursachen zurückzuführen. Thatsache ist, daß die wenigen jüdischen Firmen, welche in der Gerberei, im Leder- oder Fellhandel eine Rolle spielen, sich in Berufskreisen aller Achtung und Werthschätzung erfteuen und, soviel in ihrer Macht steht, zur Hebung der Branche beitragen, keineswegs aber, wie vorgeworfen wird, von dem Bestreben geleitet sind, einer laxen Moral Vorschub zu leisten. * * * Ein Haudwerksgenofse des Meister Stampiglius. Prag, 4. April. Die im Prager Vororte Weinberge bis vor Kurzem erschienene, seither nach Wien verlegte czechischantisemitische Zeitschrift „Unsere Interessen" brachte vor Kurzem die Mittheilung, daß der Schächter Hermann Löwy in Chotzen einem gewissen Josef Horky zu rituellen Zwecken Blut abgenommen und ihm hiefür zwei Gulden gegeben habe. Diese Geschichte von der rituellen Blutabzapfung ist, wie sich ergab, von Horky, einem entschieden mit chronischem Alkoholismus behafteten und infolge dessen an Hallucinationen leidenden Menschen erfunden worden und er wurde wegen Verbreitung falscher und beunruhigender Gerüchte unter Anklage gestellt. Er wiederholte diesen Unsinn vor dem Bezirksgerichte Hohenmauth, als aber die Gerichtsärzte nicht die geringste Spur an seinem Körper fanden, widerrief er seine Angaben und erklärte, er habe sich die Geschichte einfach ausgedacht. Horky wurde sodann schuldig gesprochen und verurtheilt. Wegen desselben Delictes sollte sich nun auch der Herausgeber des genannten Blattes, Jaromir Huschek, vor einem Ausnahmssenate des hiesigen Strafgerichtes verantworten. Er war aber zur Verhandlung nicht erschienen. Dieselbe wurde in seiner Abwesenheit durchgeführt und er wurde zu zwei Wochen strengen Arrests verurtheilt. 4- * * Bildhauer G. Jordan. Zu den bedeutendsten unter den neueren Künstlern gehört unser Glaubensgenosse, der Bildhauer Julius G. Jordan, ein jetzt in München lebender Hannoveraner. Seine Arbeiten haben auf der letzten Kunst-Ausstellung in Hannover großen Beifall erweckt. Die hannoverschen Zeitungen schreiben Folgendes darüber: „In der Anordnung der Kunstwerke ist insofern eine Neuerung zu verzeichnen, als die plastischen Werke zumeist in einer gesonderten Abtheilung des Eingangssaales aufgestellt sind, wo sie sich zwischen Blattpflanzen besonders günstig ausnehmen. Ist die Zahl dieser Werke nur klein, so darf ihre Qualität schon nach einem ganz oberflächlichen Ueberblick als eine ganz ausnahmsweise treffliche bezeichnet werden. Zu diesem ausgezeichneten Eindruck tragen vor Allem die Werke von Julius 'G. Jordan in München bei, dessen im Besitze der bayerischen Hauptstadt befindliche Büste des Geheimraths v. Pettenkofer ein Kunstgebilde ersten Ranges zu nennen ist. Neben diesem in Marmor ausgeführten Werke finden sich noch acht in Bronce und Marmor ausgeführte Figuren und Büsten von desselben Bildhauers Hand: Die Büste eines jungen Fauns, der verschmitzt auf die zwei Sperlinge blickt, die sich auf seiner Schulter zanken, in Bronce gegossen, die Pythia auf dem Dreifuß sitzend, die Augen geschlossen, die rechte Hand in prophetischer Extase ausstreckend. Die Seherin, die den Völkern ihre Geschicke verkündet, ganz von ihrem geheimnißvollen Beruf ergriffen. „St. Franciscus" zeigt dagegen die Begeisterung des in Visionen versunkenen Büßers in einer vollendet durchgebildeten Marmorbüste. „Unschuld," ein Mädchenkopf in Marmor, ist ein sehr interessanter Studienkopf. Zwei Skizzen, Kunst und Wissenschaft darstellend, sind als Brückenschmuck gedacht, würden aber noch besser als Standbilder vor einem Museum ihren Platz finden. Dienstboten in frommen christlichen Familien. München. Ueber einen Alimentationsproceß gegen den Reichstagsabgeordneten Dr. Sigl wird uns aus München geschrieben: Wie Dr. Sigl selbst über sein Vergehen denkt, geht aus folgender Notiz seines Blattes hervor. „Der Astronomie- Professor des „Rotthaler Bote" in Pfarrkirchen hat im Bauernbund einen schrecklichen „Riß" und am häuslichen Himmel (!) des Dr. Sigl einen schwarzen Punkt entdeckt, obwohl die ganze Angelegenheit, selbst wenn sie sich so verhalten würde, wie er schreibt, reine Privatsache wäre, und auch dem heil. König David schon vor mehr als 2000 Jahren in 1000fach vergrößertem Maßstabe passirt ist." Auf den „heiligen" König David scheint Herr Sigl darnach große Stücke zu halten, warum nimmt er sich nicht lieber den keuschen biblischen Joseph zum Borbilde? Kossuth in der antisemitischen Geschichtswissenschaft. Der „Antisemitische Generalanzeiger" vom 25. März bringt zum Tode des großen ungarischen Nationalhelden Kossuth folgende Notiz' Der jüdisch-magyarische Revolutionsmacher K o s s u 1h ist endlich in Turin gestorben. Derselbe hieß von Hause aus L win Kohut und nannte sich dann Ludwig Kossuth; er begann sein hochverrätberisches Treiben bereits im Jahre 1830, als die Alliance Jsraelite von Paris aus die erste Revolution durch ganz Europa zu entfachen suchte. Im Jahre 1848 war er Mitglied des jüdischen Fünfmänner-Ausschusses, welcher die alte Staatsordnung mit der Unterstützung Rothschild's zu stürzen suchte. In England war