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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-06 · 14 (6.4.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
14 (6.4.1894)
Date
1894-04-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14 Vesterrektzlphr Zvortzenfchrtfl Seüe 373 Er setzte seine Agitation für die Rückberufung der Juden fort und gerieth in Folge dessen mit der Londoner Gemeinde in Zerwürfnisse. Dieses Zerwürfniß kann nicht bezweifelt werden. Gegen Ende 1656 fand sich Menasseh, von seinen Glaubensgenossen in Stich gelassen, mit seinen pecuniüren Hilfsquellen zu Ende und schrieb einen Brief um Beistand an Cromwell, den er „als den einzigen Helfer meines Lebens in diesem Lande der Fremden" apostrophirt. Cromwell erwiderte am 19. Februar 1657 mit der Bewilligung einer Jahrespension von 100 Lire (Cabinetsbefehle Bd. 87, pag. 726). Ein fernerer Beweis des Zerwürfnisses zwischen Menasseh und seinen Verwandten wird durch einen zweiten Brief an Cromwell datirt vom 17. September 1657 geliefert, in dem ihm der Rabbi den Tod seines Sohnes Samuel anzeigt und ihn um eine Umwandlung seiner Pension zum Zwecke der Ermöglichung einer Ueberführung des Leichnams nach Holland bittet, um denselben dort bestatten zu lassen. „Ich bin hier", schreibt er, „verschuldet und weiß nicht wohin außer an Gott und Euere Hoheit ich um Hilfe in dieser Lage mich wenden soll." Cromwell sandte ihm 25 Lire, mit denen er seinen traurigen Heimweg antrat. Zwei Monate später starb er in seines Schwagers Hause in Middleburg. Inzwischen waren Carvajal, Dormido und Casseres im Dienste des Protectors außerordentlich eifrig gewesen und hatten für ihn eine Menge der werthvollsten Nachrichten über die Bewegungen der Royalisten auf dem Festlande, insbesondere über die Vorbereitungen Karls in Flandern zu einer Landung auf England erhalten. Die Erlangung irgend welcher weiterer Privilegien durch sie bis dahin ist jedoch archivalisch nicht sestgestellt. Am 4. Februar 1658 trat die höchste Krisis in des Protectors Schicksalen ein. An jenem Tage brach er unterdramatischen Umständen mit seinem letzten Parlamente, um den dornigen Pfad seiner Selbstregierung anzutreten. Zwei Principien leiteten ihn in seiner neuen Stellung — die schonungslose Vernichtung seiner Feinde und die vollkommene Versöhnung seiner Freunde. Es geschieht mit Rücksicht auf diese Krisis, daß die folgende Stelle unter dem 4. Februar 1658 in Burton's Diarium (II. p. 471) erscheint: „Nachrichten vom Auslande, daß die Partei der Cavaliere (der Anhänger Karl's I.) einen neuen Plan wieder im Werke habe, veranlaßten den Protector, zuerst die vermeintlichen Anhänger Karl Stuarts neuen Beschränkungen zu unterwerfen und dann, wie es bei den nacheinanderfolgenden Regierungsgewalten der Fall zu sein pflegte, -.insbesondere bei denen der damaligen Zeit, mit der Metropole gute Beziehungen anzuknüpfen. Er lud die Stadtvertretung nach Whitehall. Dahin ließ er auch seine ersten Militäroberdefehlshaber zusammenberufen und empfing von beiden die ermuthigendsten Versicherungen der Anhänglichkeit und Unterstützung. Auch die Juden, diese tüchtigen, allseitigen Nachrichtenvermittler, deren Verkehr mir dem Festlande Cromwell vorher so gewinnreich ausgenützt hatte, stimmte er jetzt durch eine zeitgemäße Wohlthat für ihrenHauptvermittler, der sich in England aufhielt, zu seinen Gunsten." Seitdem die Erlaubniß, einen Beerdigungsplatz zu erwerben, ihnen ertheilt war, ist dies der e.ste Hinweis auf eine Concession, die den Juden gemacht wurde, und zugleich ist es die letzte aus der Zeit der Republik, von der Erwähnung geschieht. Ich glaube mich daher zu der Ansicht berechtigt, diese Stelle als einen Beleg für die in der Petition der Stadtvertretung an Carl II. vom Jahre 1660 besprochenen Privilegien — insbesondere das der Handelsfreiheit — auffassen zu dürfen. Dieser Ansicht zu entgegnen, wurde betont, daß „die zeitgemäße Wohlthat" vielleicht nur „ein Geldgeschenk" an „den jüdischen Hauptvermittler" war. Aber an erster Stelle ist doch gesagt worden, die Wohlthat habe die Bestimmung gehabt, alle Juden für ihn (Cromwell) günstig zu stimmen, und nächstdem war der Hauptjude jener Zeit in England, Antonio Fernandez Carvajal, doch ein reichbegüterter Mann, und auch alle seine Glaubensgenossen im Orte waren in guten Verhältnissen. Ferner wurde mir bedeutet, daß das Datum der Eintragung möglicherweise unrichtig ist und unter dem Februar des Jahres 1657 hätte erscheinen sollen, in welchem Falle die angeführte Stelle auf die Menasseh ertheilte Pension sich beziehen könnte. Ich glaube, eine solche Kritik wird einem Vergleich mit der ganzen Stelle, so wie ich sie citirt habe, keinen Stand halten. Nach Burton's Gesichtspunkte liegt das Wesentliche jener Concesiion in ihrem Zusammenhänge mit der Politik, die den aufregenden Ereignissen des 4. Februar 1658 folgte und mit diesen Ereignissen ist sie ausdrücklich verknüpft durch das Wort „jetzt". ... Außerdem wird zugleich gesagt, daß die „Wohlthat" als Belohnung für die den Juden verdankten politischen Mittheilungen erfolgte (kor tüs 86rvi668 of the Jews as political intelligeneers) für Dienste, mit denen Menasseh Nichts zu thun hatte, und deren wichtigste gerade erst nach dem Februar 1657 geleistet wurden. Es ist auch hervorzuheben, daß im Februar 1657 die Beziehungen der Londoner Juden zu Menasseh nicht von der Art waren, daß die dem Rabbi in jenem Monate ertheilte Pension einen Gegenstand der Freude für die ganze Gemeinde hätte bilden können. Andererseits läßt auch der Satz in der Fassung, wie sie ihm gegeben ist, ganz gut die Deutung zu, daß der „Hauptvermittler", auf den angespielt wird, nicht so sehr der Empfänger der „Wohlthat", als vielmehr der Canal sein sollte, durch den sie zu der Gemeinde geleitet zu werden bestimmt war. Und endlich stimmt das Datum genau zu den Anforderungen der Geschichte der Unterhandlungen, wie ich sie erzählt habe. Als Menasseh am 20. November 1657 starb, war die Frage der Wiederansiedlung nach der unantastbaren Gewährsquelle hierfür, John Stadler, noch nicht endgiltig gelöst worden. Bevor Cromwell am 3. September 1658 starb, waren die Juden nach dem Zeugnisse des Lordmajors und der Stadträthe von London bereits im Genüsse der Privilegien einer „freien Niederlassung und Handelsbetreibung in diesen Herrschaftsgebieten". Man kann also sehen, daß Burton's Nachricht genau zwischen diese Daten hineinpaßt. Um was ich streite, geht also kurz dahin: Es gab zweierlei Parteien, die mit Cromwell unterhandelten, die eine von Menasseh ben Israel geleitete, zu Gunsten der Juden außerhalb, die andere zu Gunsten der schon innerhalb des Landes wohnenden Marranos, zum Theil in Verbindung mit Menasseh und zum Theile allein von den Führern der Marranen, Carvajal, Dormido und De Casseres geleitet. Menasseh's Mission hatte keinen Erfolg. Die Marranen dagegen erhielten Stück für Stück Alles, was sie forderten. — Die Erlaubniß, Gottesdienst zu halten, iJjxe Todten auf einem eigenen Friedhofe zu begraben, und endlich, um „die freie Niederlassung" für sie als Juden zu vervollständigen, die Freiheit des Handels auf gleichem Fuße mit den andern Kaufleuten. Die Unterhandlungen mit den Marranen begannen einige Zeit vor dem 24. März 1656 und wurden in der Zwischenzeit vom 20. NovemberI657 bis 3.September 1658 beendet. Das annähernde Datum ihres Abschlusses wird durch Burton angedeutet und durch den Staatsstreich vom 4. Februar beherrscht. Die Ereignisse des 4. Februar 1658 führten zum schließlichen Wider-ruf der Verbannung vom Jahre 1290 und da ein genaueres Datum bisher nicht feststellbar ist, so kann der 4. Februar mit Fug und Recht als der Geburtstag unserer Gemeinde betrachtet werden. Dieses Datum hat noch den weitern Vortheil, daß auch die Erwerbung eines Friedhofsplatzes durch Carvajal und De Casseres nach den geschichtlichen Meldungen im Februar 1657 sich vollzog. Das Pachtduplicat für diesen Beerdigungsgrund, das im Jahre 1880 von Mr. Israel Davis entdeckt wurde, bezeichnet die zweite Station im Lause der Unter-

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