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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-30 · 13 (30.3.1894) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
13 (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 264 Drsterrektzifchr Wschenptzrist Nr. 13 „Meinem Vater", unterbrach ihn Eva, „bist Du als Schwiegersohn recht; er kennt Dich, Du hast schnell seine Gunst und Liebe gewonnen und er hat Dir schon einmal seinen Segen ertheilt", und als Perez Markbreiler verwundert aufblickte, fuhr Eva fort: „Der würdige Greis, mit dem Du in Preßburg eines Freitags Abend an einem Tische speistest, dem Du gefielst, der Dich so mächtig angezogen, daß Du ihn batest, er möge Dich an Stelle Deines Vaters segnen, war mein Vater!" q- * * In der ersten Augustwoche des Jahres 1719 fand in Wien an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die Vermählungsfeier der Fränkl'schen Geschwister im Wertheimer'schen Hause mit dem höchsten Glanze statt. Am ersten die Trauung Perez Markbreiter's mit Eva Frankl, am zweiten jene Rafael Fränkl's mit Lea Arnstein. Die erstere nahm der mährische Landesrabbiner Bernhard Eskeles, der Schwiegersohn Samson Wertheimer's, die zweite Wertheimer selbst vor. Bei der Hochzeitstafel am zweiten Tage wurde die zahlreiche Tischgesellschaft durch die unerwartete Ankunft des Prinzen von Savoyen überrascht. Alle Anwesenden erhoben sich und Wertheimer schritt dem erlauchten Hochzeitsgaste entgegen. Dieser trat an den jungen Ehemann heran und sprach: „Lieber Fränkl, ich bringe Ihnen meine herzlichsten, aufrichtigsten Glückwünsche zu Ihrer Vermählung dar und bitte Sie als Hochzeitsgeschenk diese Busennadel, welche die Initialen meines Namens trägt, zur Erinnerung an einen Mann anzunehmen, der den großen Dienst, den Sie ihm erwiesen, nie vergessen wird." Der Prinz ließ sich nun die junge Frau und deren Mutter vorstellen und richtete auch an diese herzliche Wünsche, und schmeichelhafte Worte. Der Prinz verabschiedete sich und ward vom Oberhoffactor und Rafael Fränkl bis zu seinem Wagen, der vor dem Thore des Palais stand, begleitet. — Als die Beiden dann in gehobenster Stimmung in den Festsaal zurückkehrten, trat Rafael Fränkl an das oberste Ende der Tafel; da Jedermann erkannte, daß er sprechen wolle, verstummte plötzlich das fröhliche Gesumme, es trat eine tiefe Stille ein und er begann: „Ich danke vor Allem Gott aus den tiefsten Tiefen meiner Seele, der, in seiner Allhuld, mir und den Meinen in schier wunderbarer Weise geholfen hat — dann aber muß ich dem allverehrten Herrn Oberhoffactor und Oberrabbiner Samson Wertheimer, der mich, den Fremden, Unbekannten, gnädig aufnahm, meinen heißesten, innigsten Dank aussprechen. Als Unglücklicher, Verzweifelnder betrat ich zagend und zitternd ■ dieses Haus, als Ueberglücklicher, Ueberseliger verlasse ich dasselbe. Es war eine gnadenreiche Fügung des höchsten Gottes, die mich in Samson Wertheimer's Haus führte; er war der gottgesandte Engel, der mir in meiner höchsten Noth beistand. Hätte er mich nicht gastlich in sein Haus ausgenommen, die Meinen und ich, wir wären unrettbar in unserem Elende versunken, in seinem Hause wurde uns Rettung und Erlösung! Gott segne Samson Wertheimer und sein edles Haus; möge es gedeihen und blühen zur Ehre Gottes und zur Ehre der Judenheit für alle Zeiten!" und mächtiges, tiefgefühltes „Amen!" durchbrauste den weiten Festsaal. * * * Rafael Fränkl zog, wie dies vorher besprochen worden war, in das Haus seines Schwiegervaters und ward Theilhaber seines Geschäftes, das er später allein übernahm. Er hatte sich die Bedingung gestellt — und sein Schwiegervater hatte dieselbe mit größter Bereitwilligkeit angenommen — daß der treue Diener seines Hauses, Josel Deidelsheimer, der mit seiner Familie nach Wien übersiedelte, in ihr Geschäft ausgenommen, ihm ein hervorragender Vertrauensposten übertragen und ein hoher Gehalt bewilligt werde. Perez Markbreiter hatte beabsichtigt, mit seiner jungen Frau nach Ablauf der Hochzeitswoche nach Nikolsburg in das Haus seiner Eltern zu gehen, wo für die Neuvermählten eine elegante Wohnung hergerichtet worden war, aber ein entsetzlicher Unglücksfall verhinderte sie an der Ausführung ihres Planes. Einige Tage nach der Trauung war aus Nikolsburg die Schreckensnachricht eingelaufen, daß am 10. August — der Tag fiel auf einen Dienstag — eine furchtbare Feuersbrunst binnen zwei Stunden die ganze Judenstadt in Asche gelegt hatte. Die beiden Markbreiter fuhren syfort nach Empfang der Hiobspost nach ihrer Vaterstadt, wo sie ihr Haus niedergebrannt fanden. Da ihre Geschäftsverbindungen sich nicht nur über die ganze Provinz Mähren — sie waren auch die General-Ärrendatoren des dort stark begüterten Fürsten Liechtenstein — sondern über den ganzen Kaiserstaat erstreckten und sie in vielen Städten, Geschäftsfilialen und Waarenniederlagen hielten, hatten sie durch die Feuersbrunst nur einen im Verhältniß zu ihrem großen Vermögen kleinen Schaden erlitten und sie standen ihren armen, unglücklichen, obdachlosen Gemeindegenossen durch großartige Unterstützung und weisem Rath thatkräftigst bei. — Perez Markbreiter ging daher mit seiner jungen Frau zunächst nach Preßburg, wo sein Haus eine Filiale hatte. Durch diese unglückliche Katastrophe wurde die Reise der Fränkl zu ihrem Familienoberhaupte nach Jerusalem etwas verzögert. Erst nachdem für die unglücklichen Nikolsburger Juden durch große Sammlungen bei Glaubensgenossen in ganz Europa, welche Samson Wertheimer mit einer Riesensumme eröffnete, so weit gesorgt war, daß jene zu dem Aufbau ihrer Häuser schreiten konnten, ging Dina Fränkl mit ihren Kindern und Schwiegerkindern nach Jerusalem. Rabbi Hirsch Fränkl, der schwergeprüfte, frühgealterte Greis war hochbeglückt, seine Familie wiederzusehen und seinen heißesten Wunsch in einer Weise erfüllt zu sehen, welche seine Erwartungen bei Weitem überflügelte. Er hätte sich, wie er selbst aussprach, keinen lieberen Schwiegersohn, keine liebere Schwiegertochter zu wählen vermocht. Rabbi Hirsch Fränkl, der den Rest srines irdischen Daseins nur seinem Gotte leben und für die ganze andere Welt für todt gelten wollte, hatte lange mit unbeugsamen Starrsinn darauf oeharrt, daß seine Gattin nach Europa zurückkehren, bei ihren Kindern leben solle, und erst als Dina endlich, von seinem hartnäckigen Widerstande ermüdet, laut schluchzend in die Worte Ruth's ausbrach. „Dringe nicht in mich, Dich zu verlassen, wo Du stirbst, will ich sterben, wo Dein Grab liegt, soll meines liegen, auch der Tod soll mich nicht von Dir trennen", fühlte er sich bezwungen und gestattete es, daß seine blinder, von den reichsten Segensprnchen ihrer Eltern begleitet, allein zurückkehrten. Dina war ihrem Gatten eine liebende, zärtliche, hingebende Pflegerin, und als er nach einigen Jahren in ihren Armen seine reine Seele aushauchte, folgte sie Ihm als. treue Gattin wenige Wochen im Tode nach. In Europa blieb er verschollen und nur ein enger Menschenkreis wußte, wohin Rabbi Hirsch Fränkl nach seinem Verschwinden aus dem Mauerthurme gekommen; aber in dem Volke lebt die Sage fort, er sei wie der Prophet Elias in einem feurigen Wagen gen Himmel gefahren. (Schluß folgt.) Allerlei. In Afghanistan wohnen mehr als 40.000 Juden. In der Stadt Kabul sind 2000 derselben meist gut situirte Kaufleute, die ihren Handel bis in's Innere Asiens ausdehnen, ansässig, und nach deren Aussage befinden sich im Innern des Landes 60 mehr oder weniger große Gemeinden, die ihre Centralstelle in Kabul haben. Wenn auch nicht vollberechtigte Staatsbürger, erfreuen sie sich dennoch der Gunst und des Schützes des Emirs. Die afghanischen Juden, welche keine Kenntniß von den talmudisch-rabbrnischen Schriften haben, beobachten den Sabbath, die Beschneidung, Schechita rc., feiern die Feste wie wir, mit ganz besonderer Feierlichkeit das Laubhüttenfest, an welchem sie sich .besuchen und die Bedürftigen mit Almosen unterstützen. Ihr Familienleben ist ein musterhaftes und unterscheidet sich sehr vortheilhaft von dem ihrer afghanischen. Umgebung. Was die Afghanen selbst betrifft, so werden sie bekanntlich von sehr ernsten Forschern und gründlichen Kennern des Landes für Nachkömmlinge der Juden erklärt, und diese Annahme wird nicht nur durch ihren Typus, sondern auch durch locale Traditionen unterstützt, welche in dem vor etwa 100 Jahren aufgefundenen Werke: „Geheimnisse der Afghanen", dessen Verfasser ein Perser, Huffain ibn Salir, ist, niedergelegt sind. Dort wird erzählt: „Als die Israeliten gegen ihre Bedrücker, die Amalekiter, zu Felde zogen, wurden sie von denselben besiegt. Unter den Schätzen, welche die Amalekiter erbeuteten, befand sich auch die Bundeslade. .Letztere hielten sie für den Gott der Juden und suchten sie zu zerstören, aber das Feuer und alle anderen Zerstörungsmittel blieben erfolglos,

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