Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 13 (30.3.1894)
- Date
- 1894-03-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Vrflrrreichiptzr wochensttzrifi Seite 363 stummen machen. Es war einige Tage nach dem Schwuothfeste, an einem Mittwoch, auf welchem Tage die Hochzeit der Tochter des Tuwe Hakohols Reb Chaim Edelstein anberaumt war, und Letzterer als ein sehr reicher und freigebiger Mann in der ganzen Gemeinde D. bekannt war, so ließ sich bei der Hochzeit seiner jüngsten Tochter eine großartige Mahlzeit erwarten. In der ganzen Gemeinde erzählte man sich von den großen Vorbereitungen, die zu dieser Hochzeit im Hause Reb Thaim's gemacht wurden. Es läßt sich leicht denken, daß unser Gourmand Reb Amrom voll Erwartung und Hoffnungsfreudigkeit dieser Hochzeit, oder richtiger gesagt dem Hochzeitsmahle entgegensah, da er als alter Bekannter und College aus den Cheder bestimmt auf eine Einladung zur Mahlzeit rechnete. Zu damaliger Zeit waren gedruckte Einladungen, Wieste heutzutage eingeführt sind, noch nicht modern, sondern der Schames erhielt die Liste der einzuladenden Gäste einige Tage vor der Hochzeit, welchen er dann die Einladung mündlich überbrachte. Als Reb Amrom einen Tag vor der Hochzeit noch keine Einladung erhielt, war er schon ein wenig in gedrückter Stimmung, umsomehr da die Meisten seiner Bekannten schon im Besitze derselben waren, doch gab er keineswegs die Hoffnung auf und rechnete bestimmt, daß der Schames Reb Nachum Fingerhut sich nur verspätet und ihm gewiß noch im Laufe des Tages mit seinem Besuche erfreuen und mündlich die Einladung zur Hochzeit überbringen werde. Doch der Tag verging und der Hochzeitstag war herangekommen und der mit Schmerzen erwartete Reb Nachum war noch immer nicht mit der Einladung erschienen. Doch unser Reb Amrom war ein großer Baal Betachun und hoffte noch immer daß der Schames Reb Nachum zu ihm kommen werde. Sein Betachun war ein sehr festes, daß er wie er es gewöhnlich an einem Hochzeitstage, wo er zu einer Chassene geladen, auch an diesem Tage kein Mittagmahl zu sich nahm, um destomehr des Abends bei gutem Appetit zu sein. Als die Nachmittagsstunden dahinschwanden und die Nacht, auf welche gewöhnlich der Beginn des Hochzeilsmahls anberaumt zu sein Pflegte, hereingebrochen war und noch immer der heiß ersehnte Schames R. Nachum nicht mit der Einladung erschienen war, da begann Reb Amrom ernstlich unruhig zu werden. Gleich einem hungrigen Raubthier im eingeschloffenen Käfig durchmaß er mit großen Schritten sein an sein Geschäftslocale angrenzendes Zimmer. Der Hunger und die bittere Enttäuschung hatten ihn zur Verzweiflung gebracht. Die Trostesworte seiner braven Sorel wies er mit barschen Worten ab. Doch als es vom nahegelegenen Thurme zehn Uhr schlug und Reb Nachum noch immer nicht erschien, da entschwand bei Reb Amrom jede Hoffnung, daß er noch mit einer Einladung zum Hochzeitsmahle beehrt werden könnte. Dem Hunger nicht mehr widerstehen könnend, befahl er seinem Weibe, ihm seine zu Mittag unberührten Speisen zu wärmen und ihm vorzusetzen. Mit einem wahren Heißhunger verzehrte er dieselben und begab sich bald darauf zu Bette. Der Schlaf ist oft ein Erlöser von den Sorgen und Mühsalen des Tages und Reb Amrom erfreute sich baldigst eines gesunden Schlafes. Doch kaum hatte ihn Morpheus eine Stunde mit seinen Armen umfangen gehalten, als an seinem ebenerdigen Fenster heftiges Klopfen und zugleich die lauten Rufe: „Reb Amrom! Reb Amrom!" vernehmbar wurden. Diese Rufe wurden immer lauter, bis endlich Reb Amrom und sein Weib erwachte. Die bekannte Stimme des Schames Reb Nachum erkennend, sprang Reb Amrom schnell aus dem Bette und er war der bestimmten Meinung, daß man sich beim Hochzeitsmale seiner erinnert und schnell Reb Nachum nach ihm geschickt habe. Doch was thun! Er hatte sich knapp vor dem Schlafengehen bis zur Übersättigung den Magen vollgepfropft, so daß er beim besten Willen nicht im Stande war, beim Hochzeitsmahle seinen Mann wie gewöhnlich zu stellen. Da blitzte ein rettender Gedanke in seinem Gehirn auf, .und flugs schritt er zur Ausführung desselben. Eine gewisse Manipulation mit den Fingern in dem Munde, wie es Bruder Studiosus beim Kneipen oft auszuführen pflegt und es wurde in seinem Magen wieder Raum für die beim Hochzeitsmahle aufzunehmenden wohlschmeckenden Speisen und Delicatessen geschaffen. Doch während dieser Execution waren das Geklopfe und die Rufe Reb Nachums immer lauter geworden und schnell riß Reb Amrom die Fensterflügel auf, doch o Schrecken! Der Schames Reb Nachum bat ihm, -schnell auf die Straße herauszukommen, da man ihm tzum Leworoh mekadesch sein brauche, da heute die letzte Nacht, wo man diese mekadesch sein könne, herangekommen und die Lewohne, welche bis jetzt von Wolken verhüllt, jetzt um 7-1 Uhr Nachts sichtbar geworden. Der geehrte Leser kann sich die Wuth und den Zorn unseres armen Reb Amrom vorstellen, der den ganzen vorhergehenden Tag gefastet und sich soeben seiner Abends vorher gegessenen Speisen durch Erbrechen entledigte, als er mit seinem leeren Magen nicht zum vermeintlichen Hochzeitsmahle, sondern zu später Nachtstunde zum Leworoh mekadesch sein geweckt und eingeladen wurde. Der Schames Reb Nachum hatte wahrlich nichts zu lachen und daß er von Reb Amrom diesmal nicht mit den aufmunternden Worten „nur lustig sein" begrüßt wurde, läßt sich denken. Es dauerte lange Zeit, bis Reb Amrom wieder seine gute Laune fand. Die schöne Hochzeit des reichen Tuwe Hakehols, zu der er nicht geladen wurde, und noch dazu das darauffolgende nächtliche Intermezzo, wo er mit hungernden Magen anstatt zum Hochzeitsmahle zum Leworoh mekadesch sein, gerufen wurde, konnte er lange nicht verwinden. Doch die Zeit heilt alle Wunden und nach Verlauf von einigen Monaten war er wieder der alte, immer wohlgelaunte, das Leben von der schönen Seite nehmende Reb Amrom, und wenn ihm hie und da diese furchtbare Hochzeitsnacht in Erinnerung kam, da rief er sich selbst tröstend und ermunternd die Worte zu: „Nur lustig sein." _ Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersegung»- 52) rechte Vorbehalten.) Neunzehntes Capitel. Samson Wertheimer hatte in seiner klugen und feinen Weise noch vor der Ankunft der Fränkischen Frauen die Vorbereitungen für eine rasche Bereinigung der beiden Liebespaare getroffen. Er hatte seiner Nichte und deren Gatten ausführlich auseinandergesetzt, daß die Familie des hochgelehrten und allgemein verehrten Oberrabbiners wieder zu der ihr gebührenden Ehre und — Wertheimer berührte dies nur nebensächlich und untergeordnet — auch in den Besitz ihres großen Vermögens gelaugt sei, daß sich nun dem Glücke und den Wünschen ihrer Kinder nichts in den Weg stelle, daß in der ganzen Judenheit nicht eine Familie zu hoch stände, um es sich nicht als Ehre und Glück anzurechnen, eine Verbindung mit den Geschwistern Fränkl einzugehen. Die Arnsteins statteten den Fränkl'schen Frauen ihre Empsangsvisite ab- Aron Arnstein hatte Rafael noch nie, seine Gattin ihn nur flüchtig gesehen, und als sie ihn kennen lernten, fanden sie es vollkommen begreiflich, daß ihr Kind sein Herz an ihn verloren und kamen ihm in freundlichster, liebevollster Weise entgegen. Sie dankten ihm zunächst für den großen Dienst, den er ihrer Tochter erwiesen und ersparten ihm die leere Formalität, um Leas Hand bei ihnen zu werben, dadurch, daß sie es durch ihr Behoben deutlich bewiesen, daß sie es als selbstverständlich betrachten, daß er ihr Schwiegersohn werde. — Lea hatte rasch die Zuneigung und Liebe ihrer zukünftigen Schwiegermutter gewonnen und schon bei der zweiten Zusammenkunft der beiden Mütter wurde das Nähere über die Zukunft und den Wohnort des jungen Paares besprochen und sogar der Hochzeitstag bestimmt. Drei Tage nach der Ankunft der Fränkl in Wien langte Perez Markbreiter mit seinen Eltern zu deren Bewillkommnung in Wien an. Das Wiedersehen der beiden Familien war tief erschütternd, die beiden Frauen fielen einander laut schluchzend um den Hals. Perez trat an Eva heran, ergriff ihre Hand, sie mit heißen Thränen benetzend und führte sie an seine glühenden Lippen. Erst nach längerem Kampfe mit seinen rebellischen Sprachwerkzeugen, die ihm zuerst den Dienst versagten, vermochte er in höchstem Jubel hervorzustoßen: „Ich danke Gott aus voller Seele für seine endlose Huld, daß er mich Dich wieder finden ließ—nun laß' ich Dich mit Gottes Hilfe nicht mehr! Nichts soll uns mehr trennen. Du wirst mein theures, angebetetes Weib. Du weißt es ja, meine Eltern wünschen nichts sehnlicher, als Dich ihre Tochter nennen zu dürfen und ich darf wohl hoffen, daß Deine würdige Mutter uns ihre Genehmigung und ihren Segen ertheilt und auch Dein Vater, dessen Name von der ganzen deutschen Judenheit mit Ehrfurcht und Liebe genannt wird. . .