Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 13 (30.3.1894)
- Date
- 1894-03-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 ^österreichische Wochenschrift Sette 261 ein bietet seinen Mitgliedern gegen eine Wocheneinzahlung von nur zehn Kreuzern im Eckrankungsfalle sieben Gulden, pro Woche, ohne Rücksicht auf die Krankheitsdauer. Im Berichtsjahre wurden 65 Mitglieder durch 261 Wochen mit fl. 2873 unterstützt.^ Im Hinblick auf die ersprießliche humanitäre Wirksamkeit dieses Vereines ist demselben eine Werktätige Förderung und ausreichende materielle Unterstützung aufs Dringendste zu wünschen. Kanitz. Mit dem 1. d. M. fand das Rabbiner-Interregnum in unserer Gemeinde seinen Abschluß. Am genannten Tage nämlich wurde bei uns der schon länger als 8 Monate vacante Rabbiner- Posten mit Herrn Dr. H. Flesch besetzt. Zu diesem Behufe begab sich unser löblicher Vorstand nach dem eine halbe Stunde von hier entlegenen Bahnhof, um den neuen Seeleuhirten abzuholen. Se. Ehrwürden kann mit dem ihm zutheil gewordenen Empfange zufrieden sein. Vor der Tempelpforte war die Chupa aufgerichtet; hier harrten unser Schulleiter mit der Schuljugend, der Cultusvorsteher, der Bürgermeister mit den Gemeinderäthen und der ganzen Ortsbevölkerung des Neuankommenden. Als Se. Ehrwürden unter das Baldachin ' trat, hielt der Herr Vorsteher Sommer an denselben eine inhaltsreiche Ansprache, hierauf überreichte ein Cultusmitglied dem Herrn Rabbiner einen vergoldeten Tempelschlüssel. Herr Dr. Flesch öffnete die heiligen Pforten und es fand der Abendgottesdienst statt. Rach dem Gebete hielt Se. Ehrwürden eine kurze, aber gediegene Rede an die Versammelten. Am darauffolgenden Sabbat-Schekolim hielt Herr Dr. Flesch seine eigentliche Antrittsrede und Alles verließ, begeistert von den hinreißenden Worten unseres Seelsorgers das Gotteshaus. Thrnau, 26. März 1894. (Todesfall.) Am 23 d. M. verstarb hier nach kurzem Krankenlager Frau Johanna Pollak, im hohen und gesegneten Alter von 92 Jahren. In der Verblichenen betrauern ihre Mutter die Frau Josefine Koppel, Präsidentin des hiesigen israelitischen Frauenvereines, Frau Albert Klein, Präsidentin des. israelitischen Frauenvereines in Neuhäusel und Frau Friedrich von Vogel, kaiserl. Rathsgattin in Simmering bei Wien. Die Heimgegangene stand ob ihres biederen Charakters, ihrer seltenen Bescheidenheit, ihrer strengen Religiösität. sowie endlich ob ihres wohlthätigen Herzens in allgemeiner Hochachtung und Werthschätzung. Sie war im Jahre 1862 die Mitbegründerin des hiesigen Frauenvereines, dessen Mitglied sie bis an ihr Lebensende verblieben ist. Sie bereicherte den hiesigen Cultustempel mit verschiedenen werthvollen Paramenten und im Jahre 1888 spendete sie in munifieenter Weise dem hiesigen israelitischen Frauenvereine einen kostbaren Trauungsbaldachin. Es wurde ihr das seltene Glück und die Freude zu Theil, sich von zahlreichen Enkeln und Urenkeln umgeben zu sehen. Am 25. d. M. wurden ihre sterblichen Ueberreste unter großer Betheiligung der hiesigen Bevölkerung auf dem jüdischen Friedhofe zur ewigen Ruhe bestattet. Von Nah und Fern waren alle ihre Familienangehörigen herbeigeeilt, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Die Neuhäusler Cultusgemeinde war durch den Vor- . stand der dortigen Chewra-Kadischa, sowie der dortige Frauenverein durch Ausschußmitglieder vertreten. Prag, 26. März. In den früheren Jahren erschienen öfters Berichte in den jüdischen Zeitschriften über das Wirken des in unserer Gemeinde bestehenden Vereines zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums „Afike Jekuda\ Der Verein wirkte sehr anregend und das Interesse für das jüdische Wissen fördernd durch Veranstaltung von wissenschaftlichen Vorträgen über jüdische Literatur und Geschichte in den Wintermonaten. Zu den Vorträgen fand sich gewöhnlich ein großer Zuhörerkreis ein, an welchem man ermessen konnte, daß dieselben einem allgemeinen Bedürfnisse nach Belehrung entsprachen. Auch Sie, geehrter Herr Redacteur, werden sich wohl noch mit Vergnügen erinnern, welch' lebhaftes Interesse den Borträgen, welche Sie in unserem Vereine gehalten haben, entgegengebracht wurde. Seit einigen Jahren aber zeigt sich durch die Lässigkeit des Vereinsvorstandes ein Rückgang in der Thätigkeit des Vereines, der Jahresbericht wird nicht mehr ausgegeben und die Vorträge werden nicht regelmäßig abgehalten. In diesem Winter ist vollends eine Stagnation eingetreten, es gab blos drei Vorträge, und zwar hielt am 20. Jänner Herr Dr. A. Kisch einen Vortrag über Dr. Adolf Jellinek, am 2. Februar Herr Dr. N. Grün einen Vortrag über die religiösen Disputationen der jüdischen Weisen mit den Römern und am l7. Februar Herr Dr. H. Goitlin aus Nachod einen Vortrag über Optimismus und Pessimismus in der Bibel. Auch diese Vorträge verdanken wir weniger der Thätigkeit des Vereinsvorstandes für die Aufgaben des . Vereines, sondern der Freundlichkeit der Vortragenden, die ihrerseits das Interesse für die wissenschaftlichen Bestrebungen des Vereines wach erhalten wollten. In den letzten Jahren zeigt sich ein wahrer Wetteifer in der Gründung von Vereinen zur Abhaltung von Vorträgen über jüdische Geschichte und Literatur. Man ist zu der Einsicht und Erkenntniß gelangt, daß die Predigt zur Belehrung über das Judenthum nicht ausreicht; um das jüdische Leben zu stärken und zu kräftigen, müssen die Juden in den großen und herrlichen Tempel des jüdischen Schriftthums und der üdischen Geschichte geführt werden. Die neuentstandenen Literaturvereine in den jüdischen Gemeinden sind daher freudig zu begrüßen, und es würde unserer Gemeinde nicht zur Ehre gereichen, wenn der hier schon seit 25 Jahren bestehende Literatur- Verein nicht wieder seine segensvolle Thätigkeit zur vollen Entfaltung bringen möchte. Mögen sich die hiezu berufenen Männer in unserer Gemeinde vereinigen, um den Verein Atiks Jeliuda wieder zur vollen Blüthe zu bringen. Saaz. Das Leichenbegängniß des Gründers und Seniors der hiesigen Hopfenfirma Gebrüder Kellner, Israel Kellner, gestaltete sich zu einer überaus imposanten Trauerfeier. Zu derselben hatten sich Bürgermeister Dr. von Schönfeld mit dem Stadtrathe, k. k. Statthaltereirath Theodor Blaschek mit vielen anderen Beamten, Abordnungen aller jener Vereine und Corporationen, deren Mitglied beziehungsweise Ehrenmitglied der Verblichene gewesen, die gesammteu Mitglieder des Vorstandes der hiesigen Cultusgemeinde, zahlreiche Aovocaten, Doctcren, die sämmtlichen hiesigen Angehörigen _ des Kaufmanns- und Handelsstandes und überaus zahlreiche sonstige Trauergäste aus Nah und Fern eingefunden. Den Leichenwagen umgab ein sechsfaches Spalier der verschiedenen Vereinsabordnungen; hinter demselben schritten die zahlreichen Leidtragenden, welchen sich die unübersehbare Reihe der hiesigen und auswärtigen Trauergäste anschloß. Auf dem Friedhofe widmete Rabbiner Dr. Stern dem Verewigten einen die Verdienste desselben würdigen Nachruf. Krakau, 25. März. Es wird wohl fleißigen Lesern dieses Blattes nicht entgangen sein, mit welcher Zuversicht und welchen Wünschen wir den neuen Präsidenten, Herrn Dr. Horowih zu seiner neuen Würde geleitet haben. Mit jedem neuen Tage, mit jeder neuen Leistung dieses verehrlichen Herrn gewinnt unsere gute Meinung, die, man darf es ohne Uebertreibung sagen, fast in allen Parteilagern der hiesigen jüdischen Bevölkerung getheilt wird, an Kraft. Eine ganze Reihe von Details, die ich zum Beweise dessen anzuführen im Stande wäre, unterlasse ich, da sie mehr locales als allgemeines Interesse beanspruchen. Doch einer Thatsache soll hier ehrenvoll Erwähnung geschehen, die, wir sind deß gewiß, für einen recht großen Theil der Leser dieses Blattes höchst erfreulich sein wird. Es ist dies ein literarisches Unternehmen, das Herr Dr. Horowitz seit einiger Zeit plant und das den Zweck verfolgt, die etwa vier Jahrhunderte alten Gemeinde-Memoiren in hebräischer Sprache zunächst, sodann in einer polnischen und deutschen ,Uebersetzung herauszugeben. Bekanntlich hat bereits F. H. Wetstein vor 2 Jahren einige Auszüge aus denselben durch den Druck veröffentlicht, worüber jüdische und nichtjüdische Zeitungen gleich lobend und rühmend sich aussprachen. (Siehe 1892, Nr. 19 der „Oesterr. Wochenschr.". 1892, Nr. 12 des „llescbnrnuL^artaluik historyczny“ 1893.) Doch diese bildeten einen ganz geringen Bruchtheil der in unserem Gemeindearchiv aufgespeicherten literarischen Schätze. Nun sollen dieselben, Dank der Opferfreudigkeit unseres Herrn Präsidenten, ans Licht der Welt gezogen werden, und hat er beschlossen, dies aus eigenen Mitteln zu bewerkstelligen, was voraussichtlich eine recht bedeutende Summe Geldes erfordern wird. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, welche literarhistorische und culturgeschichtliche Bedeutung einem solchen Werke beizumessen ist, was aber besonders hervorgehoben werden soll, ist, daß die heutige Zeit die geeignetste zur Herausgabe solcher Werke ist. Sie nämlich zeigen unseren Feinden, wiche hohe Gesittung, welcher Lebensernst, welcher Gesinnungsadel unsere Vorfahren beseelte in einer Zeit und einem Lande, wo die christliche Welt in Barbarei und Finsterniß versunken war. Behufs Zustandekommen dieses Unternehmens hat sich Herr Dr. Horowitz mit genanntem Herrn Wetstein ins Einvernehmen gesetzt und Letzterer hat nach einigem Zögern die so umständliche und schwierige Aufgabe übernommen. Wir dürfen auf Grund seiner bisherigen Leistungen mit Recht auf eine gründliche und vollkommene Behandlung derselben seinerseits hoffen. Unserem Herrn Präsidenten sprechen wir somit einen in größerem Kreise hiesiger Juden gefühlten Dank für eine so rühmenswerthe Wirksamkeit aus., Stienowitz. Am 25. März l. I. fand hier laut Bestimmung der k. k. Bezirkshauptmannschaft eine Ergänzungswahl statt, bei welcher der gewesene Cultusvorsteher Herr Josef Lederer, welcher nach dem seligen Herrn MarkusSchanzer bereits 5 Jahre das Amt bekleidet und sich der allgemeinen Anerkennung erfreut, gewählt wurde. St. Petersburg. Die aus Rabbinern und Laien bestehende officielle Conferenz, welche vom Minister des Innern