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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-30 · 13 (30.3.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
13 (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 13 VeüerreMMrtze WochenkchrM Seüe 257 Dort steht der Gutenberg in Erz, Auf daß er die Deutschen mahne: Die schlimmsten Folgen der Buchdruckerkunst Sind Doctor Dahn's Romane! Wohin den ganzen Rhein entlang MÄn Späherblick gedrungen, Ist nicht die kleinste Gasse frei Für Heine, den Gassenjungen. Das that mir in einer schlaflosen Nacht Die Seele zusammenschnüren, Da reiste ich von Stadt zu Stadt Mit meinem Denkmal hausiren. Ich zog voll Hoffnung vor Paris, Dort sah ich viel rothe Füchse, Die schossen blitzgeschwind nach mir Aus einer Sardinenbüchse. Ich kehrte bald in Hamburg ein Und forderte meinen Weihplatz, Da sagte die Göttin Hammonia: Pollini gewährt keinen Freiplatz. Wie hast Du wenig verändert Dich, Du schöne Stadt an der Elbe, Das Weibsvolk hinter dem Gänsemarkt Ist leider noch immer dasselbe! Mein braver Campe war gänzlich todt Und nimmer in Rheinwein schwamm er; Ich würgte drei Dutzend Austern hinab In meinem unsäglichen Jammer! Ich eilte schleunigst nach Berlin, Dort gab man mir Trost mit dem Satze: Die wenigsten großen Männer sind In Preußen aus ihrem Platze. Dort steht jetzt Manches aus dem Kopf In Staats- und gelehrten Sachen, Wenn ernst man nimmt den „Kladd'radatsch", Hat Deutschland nichts zu lachen! Ich kam nach Dresden, da hörte ich Ein spätes Fräulein sagen, Man müsse über das Denkmal erst Den Onkel Schnörke befragen. Zuletzt hat mich mein Werbezug Sogar nach Wien verschlagen, Dort ließ ich auf den Rathhausplatz Mein Standbild heimlich tragen. Da schrie uns an der eiserne Mann Im Namen der Gemeine: Das Rathhaus ist ein Anstandsort, Dahin gehört kein Heine! Schon wollt' ich barsch erwidern ihm, Da rief er: „Nicht gerühret, Sonst werden Dir und Deinem Stein Zwölf Stunden Arrest dictiret!" Ich dankte in aller Höflichkeit, Man muß nicht von Allem haben! Wir zogen weiter und hinter uns Schrie Einer: „Jnsectenknaben!" * Was fang' ich armer Teufel nun an? Um aller Welt zu entsprechen, Laß' schreiben ich auf meinen Stein Für Freund und Feind: „Nicht brechen!" Dann aber mache ich ein End' Dem vielverzweigten Passionsweg Und schlage los mein Monument Im Licitationsweg. Dann ziehe ich bei Mondenschein Bewaffnet mit meiner Lyra, Begleitet von weißen Jungfräulein Zum meerumspülten Kerkyra. Dort lach' ich der Welt und ihrer Pein, Der Welt, die mich verletzt hat, . Und sinke nieder vor dem Stein, Den mir eine Fürstin gesetzt hat. Und milde wird mein harter Sinn, Mein Auge füllt sich mit Thränen. Ein Danklied singt der Kaiserin Der Liebling der Camönen. Ich küsse ihres Kleides Saum Und meine Hände ich falte. Dann flieg ich auf zum Himmelsraum, Betend, daß Gott sie erhalte! Julius Bauer. Oorresponämren. Wien. Zur Nachahmung empfohlen! Aus London meldet uns unser Correspondent: Baron Hirsch hat seinen ganzen Reingewinn aus der vorigen Saison den Londoner Hospitälern zugewiesen. Diese Spende macht den Gesammtbetrag von etwa 120.000 fl. aus. Wien. (Ein Antisemit, der von den Juden lebt.) Bei den am 19. d. M. stattgesundenen Wahlen für den Bezirksausschuß Ottakring wurde unter Anderen auch der Gummiwaarenhändler Herr Peter R o g a n n zum Bezirksausschuß gewählt, und zwar als antisemitischer Candidat von der antisemitischen Partei. Nun betreibt besagter Herr Rogann einen sehr ansgebreiteten Handel in Gummiwaaren, und speciell in Kindersaugartikeln, hauptsächlich nach Galizien und Ungarn, und der größte Theil seiner Kunden besteht daselbst aus Juden. Es bestätigt sich hier wieder einmal die oft gemachte Erfahrung, daß die heftigsten Judenfeinde diejenigen sind, welche den Juden ihre Existenz oder gar ihre Wohlhabenheit zu verdanken haben. Unsere Glaubensgenossen in Galizien und Ungarn werden aus der Parteistellung des Herrn Peter Rogann hoffentlich die entsprechenden Consequenzen ziehen. (Noch ein Antisemit, der von den Juden lebt.) Wir haben in unserer letzten Nummer ein an die „Volksstimme" gerichtetes „Eingesendet" abgedruckt, in welcher über das Treiben eines Hernalser Gesangvereines berichtet wird. Unter Denjenigen, welche den Refrain: „Schießt mir die Juden nieder!" anstimmten, befand sich, wie schon bemerkt, auch Herr N o s s e k, der einen sehr bedeutenden Handel in Bau- und Tischlerholz, Brennholz, Kohlen, Fußbodentafeln, Kisten und weichen Möbeln betreibt. Dieser Herr Nossek genießt einen unfangreichen Credit bei jüdischen En-gros-Händlern, denen die antisemitische Gesinnung ihres Committenten bisher offenbar nicht bekannt war. Wenn die Herren Jacob und Josef K o h n, I. Eisler & Brüder, H. Munk & Söhne, D. Bloch u. s. w. sich einmal die Mühe nehmen wollten, das Comptoir des Herrn Nossek zu besuchen, so würde ihnen zu allernächst Vergani's Hetzblatt in die Augen fallen. In gleicher Weise steht z. B. Herr Iedliczka mit der jüdischen Firma Emil L Ludwig Fürth in Verbindung. Von den dankbaren Gesinnungen, welche Herrn Noffek gegen seine Creditgeber erfüllen, wollen wir absehen. Aber die letzteren selbst mögen sich doch einmal genau die Leute ansehen, denen sie durch ihren Credit die Mittel gewähren, die antisemitische Hetze materiell und — wenn man das Wort hier gebrauchen darf — moralisch zu unterstützen. Zu der erwähnten Angelegenheit bringt die „Volksstimme" noch ein weiteres, mit I. W. gezeichnetes „Eingesendet", in welchen mit Bezug auf einen anderen Theilnehmer jener antisemitischen Orgie, Herrn Kolbaba, gesagt wird: Ich hatte vor Jahren Gelegenheit, mit Herrn Kolbaba senior über den Antisemitismus in unserem Bezirke mich auszusprechen; bei dieser Gelegenheit sagte mir Herr Kolbaba unter Anderem Folgendes: „Wie ich von Brünn nach Wien zurückkam, waren es nur Juden, die mir unter die Arme gegriffen hatten 2c. Heute ist Herr Kolbaba ein sehr wohlhabender Geschäftsmann, und ich glaube, daß heute noch die Juden die größten Abnehmer der Erzeugnisse seiner Firma^ sind. Ich staune daher, daß Kolbaba junior zu den Judenfressern gehört. Er sollte sich doch wenigstens in öffentlichen Localen einiger Reserve gegen die Juden befleißigen. Wien. (Die Behandlung der Dienstboten in arifch-frommenFamilien.) Bon clericalerund antisemitischer Seite wird die Behandlung christlicher Dienstboten in Judenhäusern in den schwärzesten Farben gemalt, obgleich erfahrungsgemäß das gerade Gegentheil richtig ist. lieber einen haar-

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